{"id":596210,"date":"2025-11-23T10:07:30","date_gmt":"2025-11-23T10:07:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/596210\/"},"modified":"2025-11-23T10:07:30","modified_gmt":"2025-11-23T10:07:30","slug":"ein-berliner-treppenhaus-drei-vergessene-leichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/596210\/","title":{"rendered":"Ein Berliner Treppenhaus, drei vergessene Leichen"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspBHk1 tspBHk2\">Die neue Wohnung hat eine verborgene Geschichte, das erfuhr Mara Schneider* schon bei der Schl\u00fcssel\u00fcbergabe. \u201eDer Vormieter? \u2013 Der ist jetzt sehr, sehr weit weg\u201c, antwortete der Hausmeister auf ihre Frage. <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Seltsam, so ein Spruch, dachte sie. Aber ist nicht jedes hundert Jahre alte Mietshaus in Berlin schon f\u00fcr unz\u00e4hlige Menschen ein Zuhause gewesen? Immer tobten Kinder durch die H\u00f6fe, zogen Jahre sp\u00e4ter auf die andere Stra\u00dfenseite oder in die Ferne. Und mancher wurde am Ende aus seiner Wohnung hinausgetragen. Mara Schneider machte sich keine weiteren Gedanken \u00fcber den seltsamen Spruch. Zun\u00e4chst.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Das Haus geh\u00f6rt zur Siedlung Paddenpuhl in Berlin-Reinickendorf, 557 Wohnungen, rund zwei Kilometer n\u00f6rdlich vom Sch\u00e4fersee. <a href=\"https:\/\/www.google.de\/maps\/place\/Siedlung+Paddenpuhl\/@52.57343,13.3605493,692m\/data=%213m2%211e3%214b1%214m6%213m5%211s0x47a8530682c8353d:0xe5068f20898b0340%218m2%213d52.57343%214d13.36301%2116s%2Fg%2F11jg4r8rj6?entry=ttu&amp;g_ep=EgoyMDI1MTExNy4wIKXMDSoASAFQAw%3D%3D\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">Auf Luftaufnahmen sieht man<\/a>, wie behutsam zwei Architekten in den Zwanziger- und Drei\u00dfigerjahren hier die Ziele des Neuen Bauens umsetzten: mehr Licht, mehr Gr\u00fcn f\u00fcr alle.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Vor neun Jahren lie\u00df die Deutsche Wohnen Fenster und T\u00fcren des denkmalgesch\u00fctzten Ensembles sanieren. Als Geheimtipp bewirbt die Gesellschaft die Siedlung auf ihrer Webseite, schw\u00e4rmt von Expressionismus im Berliner Norden. Sie lobt bunte Hausecken und \u201eschokoladenbraune Fassaden\u201c.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/img-6134.jpeg\" alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14915540\" width=\"620\" height=\"826\" loading=\"lazy\" class=\"tspAVii\"\/> Das Breitkopfbecken ist Zentrum der Siedlung Paddenpuhl. <\/p>\n<p class=\"tspAEf9\"> \u00a9 Henning Onken <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">An einem sonnigen Novembertag ist es ruhig um die Mittagszeit am Breitkopfbecken, wie man den Teich im Zentrum der Siedlung nennt. Viel Himmel zwischen flachen, dreigeschossigen Zeilen. Am leeren Spielplatz fotografieren zwei vom Bezirk bestellte Kiezl\u00e4ufer eine heimlich in die B\u00fcsche gestellte Schrottcouch. <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Hochparterre, erstes und zweites Geschoss, ein verschlossener Dachboden: Das ist Mara Schneiders Aufgang. Im Treppenhaus liegen die T\u00fcren links und rechts, sechs Wohnungen gibt es insgesamt.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Hinter drei der T\u00fcren starb w\u00e4hrend der vergangenen zw\u00f6lf Jahre ein Mensch \u2013 und in jedem dieser F\u00e4lle vergingen Wochen oder Monate, bis es jemandem auffiel. Geh\u00f6rt das seit je zum Leben und Sterben der Gro\u00dfstadt? Oder ist hier etwas aus der Bahn geraten?<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Mara Schneider, 28 Jahre alt, schlank und sportlich, Lehrerin, ist nicht \u00fcberrascht, dass sie jemand anspricht und Fragen \u00fcber die vergessenen Toten in ihrem Haus stellt. Ihr f\u00e4llt sogar fast sofort eine Anekdote \u00fcber einen Samstagabend im Oktober ein, an dem sie selbst kurz die Kontrolle \u00fcber ihr Leben verlor. Ein kleiner Moment, der zeigt, wie wenig es braucht, um \u00fcber das Schicksal zu entscheiden, wenn man allein lebt. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/img-6113.jpeg\" alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14914760\" width=\"620\" height=\"826\" loading=\"lazy\" class=\"tspAVii\"\/> Flache Zeilen mit viel Gr\u00fcn und Freir\u00e4umen. Die Siedlung am Breitkopfbecken. <\/p>\n<p class=\"tspAEf9\"> \u00a9 Henning Onken <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Sie kam an diesem Tag sp\u00e4t nach Hause vom Tanztraining, ihrer Leidenschaft: hundem\u00fcde, aber hungrig. Noch um 22 Uhr legte sie sich tiefgefrorene Kartoffelecken in die Pfanne. Nur kurz aufs Bett legen, w\u00e4hrend die Kartoffeln auftauen und knackig braun werden, dachte sie. Da fielen ihr die Augen zu.\u00a0<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Schneider h\u00f6rte die beiden Feuermelder nicht mehr, die ohrenbet\u00e4ubend lospiepten, weil die Flamme auf dem Gasherd die Kartoffeln l\u00e4ngst schwarz verkohlt hatte. Erst, als es durchdringend an der T\u00fcr ihrer 33 Quadratmeter gro\u00dfen Wohnung h\u00e4mmerte, wachte sie auf. Sie schreckte hoch, um sie herum dichter Qualm. <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Sie wirkt noch immer schockiert, wenn sie davon erz\u00e4hlt. Damals habe sie geheult.<strong> <\/strong>\u201eIch h\u00e4tte allein ersticken k\u00f6nnen\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/img-6130.jpeg\" alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14914763\" width=\"620\" height=\"465\" loading=\"lazy\" class=\"tspAVii\"\/> Zwei Kiezl\u00e4ufer k\u00fcmmern sich um illegalen M\u00fcll. Im Hintergrund sind die charakteristischen farbigen Fenstereinrahmungen der Siedlung zu sehen.  <\/p>\n<p class=\"tspAEf9\"> \u00a9 Henning Onken <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Davon ist Nils Petersen*, ihr Nachbar von oben, \u00fcberzeugt. \u201eZum Gl\u00fcck habe ich lange am Computer gezockt und es geh\u00f6rt\u201c, sagt er. Zehn oder zwanzig Minuten lang h\u00e4tten die Melder bereits angeschlagen. Erst habe er versucht, Mara Schneider anzurufen, aber weil sie nicht reagierte, sei er heruntergegangen und habe gegen ihre Wohnungst\u00fcr geschlagen und Sturm geklingelt. <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">War Petersen der einzige Nachbar, der die Rauchmelder h\u00f6rte? Warum ist niemand von den anderen im Haus oder Block wegen des nervt\u00f6tenden Ger\u00e4usches eingeschritten? Wie sehr f\u00fchlen sich zuf\u00e4llig zusammengew\u00fcrfelte Nachbarn einander verpflichtet? Diese Fragen treiben Mara Schneider bis heute um. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/img-6109.jpeg\" alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14915528\" width=\"620\" height=\"465\" loading=\"lazy\" class=\"tspAVii\"\/> Die Deutsche Wohnen lobt die \u201eschokoladenbraunen\u201c Fassaden der H\u00e4user. <\/p>\n<p class=\"tspAEf9\"> \u00a9 Henning Onken <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Nils Petersen, 32 Jahre alt, arbeitssuchend. Und Mara Schneider, 28, Lehrerin. Das Schicksal hat sie in dasselbe Treppenhaus gew\u00fcrfelt, doch sie verbindet mehr als nur ein paar Stufen. Beide leben in einer Wohnung, in der zuvor jemand \u201egelegen\u201c hat. Ein Mensch, der einsam starb und vergessen wurde \u00fcber Wochen oder sogar Monate.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">\u201eF\u00fcr mich ist es das Todeshaus\u201c, sagt Petersen. \u201eMein Vormieter hie\u00df Toth\u201c, sagt Schneider und lacht. \u201eWas f\u00fcr ein Nachname.\u201c <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Nils Petersen ist ein freundlicher Gamer mit sch\u00e4delbetonter Skull-Frisur, etwas blass im Gesicht. Er zieht seinen Kater Leo mehrfach am Schwanz in die Wohnung zur\u00fcck, w\u00e4hrend er an der T\u00fcrschwelle \u00fcber sein Haus spricht. Auf einem Gro\u00dfbildschirm im Hintergrund k\u00e4mpft sich ein Twitch-Streamer in einem Ego-Shooter-Spiel durch eine postapokalyptische Welt, in der Maschinen die Menschheit in den Untergrund verbannt haben.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/img-6175.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14915468\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAVii\"\/> Sechs T\u00fcren, sechs Wohnungen <\/p>\n<p class=\"tspAEf9\"> \u00a9 Henning Onken <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Seit elf oder zw\u00f6lf Jahren wohnt Nils Petersen im zweiten Obergeschoss, das genaue Einzugsdatum f\u00e4llt ihm nicht mehr ein. Nur die Umst\u00e4nde blieben haften. Wie Mara Schneider zog auch Petersen direkt aus dem Elternhaus in die Wohnung in Reinickendorf. Nicht aus dem Umland, sondern aus dem M\u00e4rkischen Viertel, wo \u201eMutti\u201c die sanierte Wohnung zu teuer wurde. Den Mietvertrag erhielt er, weil er damals noch bei McDonald\u2019s jobbte, vermutet er. <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Auch Nils Petersen erfuhr nichts \u00fcber seinen Vormieter. Eines Tages vertraute ihm sein Nachbar auf der Etage den Grund an, als sei er ein Geheimnis. \u201eEr hat sich totgesoffen\u201c, sagte der Nachbar. Und der Vormieter habe offenbar starke psychische Probleme gehabt. Petersen erschien das plausibel. \u201eDie ganze T\u00fcr war mit kyrillischen Schriftz\u00fcgen zugekritzelt.\u201c<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Wie lange seine Leiche damals in der Wohnung lag, ob es Wochen oder Monate waren, und wie man sie damals entdeckte, das wei\u00df Nils Petersen nicht. Er scheint den Nachbarn, der nicht anzutreffen ist, nicht n\u00e4her befragt zu haben. Warum verschwendet er daran keinen Gedanken? <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">\u201eDas braucht man nicht\u201c, sagt er. Die Toten im Haus seien eben nur fl\u00fcchtige Bekannte. Hingegen: \u201eWenn meine Mutter stirbt, dann bin ich auch depri und hocke einen Monat lang in der Ecke.\u201c   <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Das Siegel der Polizei, mit dem die Wohnung vor mindestens elf Jahren nach dem Leichenfund gesichert wurde, klebt immer noch an der Wohnungst\u00fcr von Nils Petersen. \u201eDas geht nicht ab\u201c, sagt er. \u201eIch war schon mit dem Cuttermesser dabei.\u201c <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/img-6157.jpeg\" alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14914889\" width=\"620\" height=\"826\" loading=\"lazy\" class=\"tspAVii\"\/> Kater Leo in der Wohnung von Nils, dessen Vormieter allein und vergessen starb. <\/p>\n<p class=\"tspAEf9\"> \u00a9 Henning Onken <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Nils Petersen kann sich noch daran erinnern, wie der Tote in der Wohnung schr\u00e4g unter ihm, in die sp\u00e4ter Mara Scheider zog, gefunden wurde. \u201eDer Mann war ein richtiger Einsiedler, man hat ihn fast nie gesehen. Und auf einmal war er tot.\u201c Ganze drei Monate lang habe das niemand mitbekommen. \u201eAber da war dieser Geruch.\u201c<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Vielleicht von einem toten Wiesel auf dem Dachboden, dachte er. Auf eine Leiche sei er nicht gekommen, und dass er den Nachbarn schon ewig nicht gesehen hatte, sei ihm auch nicht aufgefallen. Irgendwann habe er den Hausmeister wegen des Verdachts auf ein Wiesel alarmiert. Doch der fand nichts auf dem Dach. <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Schlie\u00dflich fanden sie den Ursprung des Geruchs. Aus einem gemeinsamen Abluftschacht in der K\u00fcche zog Verwesungsgeruch aus der Wohnung des Einsiedlers nach oben.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">\u00dcber die Leiche, die dort in der Wohnung lag, kann Nils Petersen viel erz\u00e4hlen. \u00dcber den Menschen, der unter ihm lebte und starb, nichts. Und das, obwohl er eigentlich immer zu Hause ist. <\/p>\n<p> Ermittler sprechen von \u201eMumien\u201c <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Mumien nennen Ermittler Leichen, die allein gestorben sind und skelettiert auf den Seziertischen der Rechtsmedizin enden. Es k\u00f6nnen Wochen, Monate oder Jahre vergehen, bis diese Toten entdeckt werden.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\"><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/wenn-die-nachbarn-niemals-klingeln-fast-jeden-tag-wird-in-berlin-eine-mumie-entdeckt-14176616.html?icid=in-text-link_14914754\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eWir sehen solche F\u00e4lle fast t\u00e4glich\u201c<\/a>, sagte der Rechtsmediziner Philipp M\u00f6ller dem Tagesspiegel im August.<strong> <\/strong>Von insgesamt rund 38.000 Menschen, die jedes Jahr in Berlin sterben, wird in etwa 2400 F\u00e4llen die Rechtsmedizin damit beauftragt, die Todesursache zu ermitteln. Bei nur rund f\u00fcnf Prozent der Obduktionen geht es um Mord oder Totschlag, meistens um einen Unfall, einen Suizid oder Drogenmissbrauch.\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/img-6162.jpeg\" alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14915519\" width=\"620\" height=\"826\" loading=\"lazy\" class=\"tspAVii\"\/> Ein Blick in die Wohnung von Nils Petersen. <\/p>\n<p class=\"tspAEf9\"> \u00a9 Henning Onken <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Wie schnell ein Mensch verwese, der in seiner Wohnung verstorben ist, erkl\u00e4rte M\u00f6ller weiter, h\u00e4nge von Temperatur, Feuchtigkeit, Luftzirkulation und vorhandenen Insekten ab. Man k\u00f6nne aber davon ausgehen, dass den Zerfall nach einer Woche starke Ger\u00fcche begleiteten. <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Als Mara Schneider die Vorgeschichte ihrer Wohnung erfuhr, war sie schockiert. Belastet es sie noch immer? Nein, sagt sie, ihre Wohnung sei kernsaniert worden. Davon, dass dort ein Vierteljahr lang ein Toter lag, sich Maden, K\u00e4fer und Fliegen in den R\u00e4umen verteilten, \u201emerkt man \u00fcberhaupt nichts mehr\u201c. Niemals k\u00e4men ihr Gedanken \u00fcber den Vormieter, wenn sie zur Ruhe kommt in ihren 33 Quadratmetern.\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Schneider f\u00fchlt sich \u201esehr sicher und wohl\u201c in ihrer ersten eigenen Wohnung. Sie genie\u00dft das Gr\u00fcn rundherum und manchmal die fast d\u00f6rfliche Ruhe, fast wie sich die Architekten das Lebensgef\u00fchl in der Anlage vorgestellt haben. Auch Nils Petersen denkt nicht daran, seine Wohnung zu verlassen. <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Allerdings \u00e4rgert er sich \u00fcber den Wohnungskonzern Vonovia, dem die H\u00e4user der Siedlung Paddenpuhl inzwischen geh\u00f6ren und<strong> <\/strong>der die Miete auf jetzt 458 Euro erh\u00f6ht habe, auch ohne etwas an seiner Wohnung gemacht zu haben. Dennoch werde er darin leben, bis er sterbe, meint er. <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Der dritte<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/wer-totete-yves-seigel-ein-raubmord-im-berliner-kiez-und-niemand-ist-uberrascht-13809847.html?icid=in-text-link_14914754\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Tote im Haus war Yves Seigel<\/a>. Sein Portr\u00e4t hing im ganzen Kiez an Hauseing\u00e4ngen und Haltestellen. Sieben N\u00e4chte lag der fast blinde 50 Jahre alte Mann im Mai tot und unentdeckt in seiner durchw\u00fchlten Wohnung. Ein noch immer ungekl\u00e4rter Raubmord. Wie er ums Leben gekommen ist, dazu sagt die Polizei nichts, Ermittlungstaktik.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/mann-tot-aufgefunden-polizei-bittet-um-hinweise.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-13757362\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspAVii\"\/> Yves Seigel. Der Raubmord an dem 50-J\u00e4hrigen ist noch nicht aufgekl\u00e4rt. <\/p>\n<p class=\"tspAEf9\"> \u00a9 Polizei Berlin <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">An der T\u00fcr im Parterre kleben noch die Reste des Polizeisiegels, genau wie bei Nils Petersen zwei Etagen h\u00f6her. \u201eIch habe mal wieder das Panzertape geholt und meine ganze T\u00fcr von innen versiegelt\u201c, erz\u00e4hlt Petersen \u00fcber den Tag, als Seigels Wohnung mit offenen T\u00fcren und Fenstern gereinigt wird. \u201eEs hat gestunken wie sonst was.\u201c Den ganzen Tag ging er nicht aus dem Haus.<\/p>\n<p> Viele Berliner leben allein <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Ein Haus, in dem gleich drei Menschen monatelang unentdeckt tot in ihrer Wohnung lagen. Wenn man versuchen will, das zu verstehen, hilft ein Blick auf die Statistik: Rund ein Drittel der Berliner lebt allein, der Anteil an Single-Haushalten betr\u00e4gt in Reinickendorf gute 51 Prozent. Und wer allein lebt und niemanden hat, l\u00e4uft Gefahr, unbemerkt zu sterben.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/img-6025.jpeg\" alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14914757\" width=\"620\" height=\"826\" loading=\"lazy\" class=\"tspAVii\"\/> Das Siegel an der T\u00fcr von Yves Seigel ist aufgebrochen. <\/p>\n<p class=\"tspAEf9\"> \u00a9 Henning Onken <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Die sechs Wohnungen in dem Haus in der Siedlung Paddenpuhl sind ihren Bewohnerinnen und Bewohnern zufolge dreimal 33 Quadratmeter oder 40 Quadratmeter gro\u00df \u2013 und damit ideal f\u00fcr Singles. Viele Menschen in dieser im bezirklichen \u201ePlanungsraum Breitkopfbecken\u201c als einfach eingestuften Wohnlage haben es nicht leicht: hohe Kinder- und Altersarmut, viele Transfergeldempf\u00e4nger, fast jeder Zweite hat eine Migrationsgeschichte.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Nicht alle f\u00fchlen sich in dem Viertel so wohl wie Nils Petersen und Mara Schneider. Andere Nachbarn beobachten frustriert eine anwachsende Drogenszene, die vom nahen Leopoldplatz in Richtung Norden verdr\u00e4ngt wird. Der Junkies wegen habe man B\u00e4nke am Teich abgebaut und B\u00e4ume radikal zur\u00fcckgeschnitten, berichten Passanten am Breitkopfbecken.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Viele g\u00e4ngige Thesen zur Individualisierung und Vereinsamung in der urbanen Gesellschaft schwingen mit \u00fcber die Menschen in dem Haus in der Siedlung Paddenpuhl, doch sie k\u00f6nnen nicht alles erkl\u00e4ren: Es gibt einen Toten, der offenbar so unsichtbar war, dass niemand etwas \u00fcber ihn zu wissen scheint. Einen weiteren, der wohl psychisch krank war. Und dann sind da noch Yves Seigel und der Raubmord.<\/p>\n<p> Lesen Sie mehr auf Tagesspiegel Plus: <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/wenn-die-nachbarn-niemals-klingeln-fast-jeden-tag-wird-in-berlin-eine-mumie-entdeckt-14176616.html?icid=topic-list_14914754___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB5ni\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wenn die Nachbarn niemals klingeln Fast jeden Tag wird in Berlin eine Mumie entdeckt <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/berliner-wirtschaft\/altwerden-ohne-angst-in-berlin-erfullen-senioren-wgs-die-rolle-der-klassischen-familie-14864252.html?icid=topic-list_14914754___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB5ni\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Altwerden ohne Angst In Berlin erf\u00fcllen Senioren-WGs die Rolle der klassischen Familie <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/gesellschaft\/beengt-wohnen-ist-das-neue-normal-wie-familien-es-schaffen-aus-wenig-raum-viel-rauszuholen-13581670.html?icid=topic-list_14914754___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspB5ni\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eBeengt wohnen ist das neue Normal\u201c Wie Familien es schaffen, aus wenig Raum viel rauszuholen <\/a><\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Dem sehbehinderten Mann gelang etwas, das viele nicht schaffen: Er ging nicht schweigend durchs Treppenhaus, wich keiner Begegnung aus. Das sagt Nils Petersen \u00fcber ihn. Er sei bekannt gewesen im Kiez, schreiben die Ermittler. Am Ende \u00f6ffnete er seine Wohnungst\u00fcr vielleicht f\u00fcr den Falschen, wurde ausgeraubt und ermordet. Die sieben N\u00e4chte, die er dort tot und unentdeckt lag, sind der Polizei zufolge nicht ungew\u00f6hnlich.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Drei Tote, drei Schicksale, mitten in der Gro\u00dfstadt. Ein stilles Nebeneinander, zuf\u00e4llig und doch mit Gemeinsamkeiten. <\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Aus einer der drei gr\u00f6\u00dferen Wohnungen, obwohl sie mit 40 Quadratmetern nicht unbedingt f\u00fcr Familien geeignet ist, dringen seit einiger Zeit auch die Ger\u00e4usche eines Babys. Ein Paar hat Nachwuchs bekommen.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">*Die Namen wurden zum Schutz der Mieter von der Redaktion ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p class=\"tspBHk1\">Redaktion: Annett Heide<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die neue Wohnung hat eine verborgene Geschichte, das erfuhr Mara Schneider* schon bei der Schl\u00fcssel\u00fcbergabe. \u201eDer Vormieter? \u2013&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":596211,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30,14463,4850,7134,12385],"class_list":{"0":"post-596210","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-insekten","12":"tag-lehrer","13":"tag-mieten","14":"tag-wohnen-in-berlin"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115598463115748304","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/596210","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=596210"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/596210\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/596211"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=596210"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=596210"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=596210"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}