{"id":596573,"date":"2025-11-23T13:49:21","date_gmt":"2025-11-23T13:49:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/596573\/"},"modified":"2025-11-23T13:49:21","modified_gmt":"2025-11-23T13:49:21","slug":"niedrige-einkommen-frankreich-armut-veraendert-ihr-erscheinungsbild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/596573\/","title":{"rendered":"Niedrige Einkommen \u2013 Frankreich: Armut ver\u00e4ndert ihr Erscheinungsbild"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img314473\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/314473.jpeg\" alt=\"Armut hat viele Gesichter: Lebensmittelausgabe an Studenten im nordfranz\u00f6sischen Lille\"\/><\/p>\n<p>Armut hat viele Gesichter: Lebensmittelausgabe an Studenten im nordfranz\u00f6sischen Lille<\/p>\n<p>Foto: IMAGO\/MAXPPP<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/753719.enormes-soziales-gefaelle.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Frankreich ist dank seines gesellschaftlichen Modells eines der L\u00e4nder in Europa mit einer vergleichsweise guten sozialen Absicherung<\/a>, doch Armut und Prekarit\u00e4t geh\u00f6ren nach wie vor zu den elementaren Realit\u00e4ten. So hei\u00dft es in einem aktuellen Bericht der Hilfsorganisation Secours Catholique-Caritas France (SCCF), 9,8 Millionen Menschen lebten unter der Armutsgrenze, die bei 60 Prozent des mittleren Einkommens oder 1288 Euro f\u00fcr eine einzelne Person im Monat liegt. Das 1946 gegr\u00fcndete katholische Hilfswerk mit Sitz in Paris beruft sich auf die aktuellsten Zahlen des Statistischen Amtes INSEE, die sich auf Erhebungen von 2023 st\u00fctzen.<\/p>\n<p>Statistisch wird die Problematik erst seit Mitte der 90er Jahre verfolgt. <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1186060.armut-wenig-fortschritt-in-der-armutsminderung.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">1994 brachte SCCF den ersten Jahresbericht heraus. <\/a>Erst zwei Jahre sp\u00e4ter gab es Zahlen von INSEE, als der Kampf gegen Armut und die dadurch bedingte soziale Ausgrenzung von der Regierung zu einem nationalen Anliegen erkl\u00e4rt wurde. W\u00e4hrend der Anteil der Armen an der Gesamtbev\u00f6lkerung von 14,3 Prozent im Jahre 1996 auf 12,3 Prozent im Jahr 2004 sank, stieg er danach wieder an, um 2022 die Marke von 14,5 Prozent zu erreichen und dann bis 2023 sogar einen Sprung auf 15,4 Prozent zu machen.<\/p>\n<p>Doch die Formen der Armut und das Profil der betroffenen Teile der Bev\u00f6lkerung h\u00e4tten sich in den vergangenen 30 Jahren durch die \u00f6konomischen, sozialen und demografischen Ver\u00e4nderungen und die aufeinander folgenden Krisen gr\u00fcndlich gewandelt, stellt der SCCF-Bericht fest. \u00bbIn diesen Jahren ist die Armut nicht wesentlich zur\u00fcckgegangen, aber ihre Natur, ihr Erscheinungsbild und ihr Charakter haben sich ver\u00e4ndert\u00ab, wird darin konstatiert. Besonders betroffen seien nach wie vor insbesondere Arbeitslose und Rentner, Geringverdiener mit einem prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnis sowie alleinerziehende M\u00fctter oder V\u00e4ter, aber auch jugendliche Berufsanf\u00e4nger ohne oder mit geringer Ausbildung.<\/p>\n<p>Armut bedeutet nicht nur geringes Einkommen, sondern auch vielf\u00e4ltige materielle Probleme im t\u00e4glichen Leben, erl\u00e4utern die Autoren. Man heizt unzureichend, ist mit seinen Rechnungen im R\u00fcckstand, ern\u00e4hrt sich nicht ausreichend oder ausgewogen und konsultiert \u00c4rzte m\u00f6glichst selten oder gar nicht. Eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle spielt demnach das Bed\u00fcrfnis der Betroffenen, ihre armutsbedingte Isolierung zu \u00fcberwinden und wieder mehr sozialen Kontakt zu finden.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu einer weitverbreiteten Meinung gibt es keine direkte Verbindung zwischen Arbeitslosigkeit und Armut, stellen die an dem Bericht beteiligten Wissenschaftler fest. In den 70er Jahren und noch bis Mitte der 80er habe es sogar einen gegenl\u00e4ufigen Trend gegeben: steigende Arbeitslosigkeit der Erwerbsf\u00e4higen und sinkende Armut vor allem der Alten. Danach gab es bis etwa 2015 eine parallele Entwicklung und seit etwa zehn Jahren nimmt die Armut st\u00e4rker zu als die Arbeitslosigkeit. Verst\u00e4rkt wurde dieser Trend ab 2020 durch die Covid-Pandemie und in den Jahren 2022 bis 2023 durch die Inflation.<\/p>\n<p>nd.DieWoche \u2013 unser w\u00f6chentlicher Newsletter<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/314477.jpeg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"170\"\/><\/p>\n<p>Mit unserem w\u00f6chentlichen Newsletter <strong>nd.DieWoche<\/strong> schauen Sie auf die wichtigsten Themen der Woche und lesen die <strong>Highlights<\/strong> unserer Samstagsausgabe bereits am Freitag. <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/newsletter\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hier das kostenlose Abo holen<\/a>.<\/p>\n<p>Die Hilfsorganisation hat in ihrer tagt\u00e4glichen Arbeit auch eine Ver\u00e4nderung der \u00f6ffentlichen Meinung zu den Armen im Lande festgestellt. Nachdem der Kampf gegen Armut zum nationalen Anliegen erkl\u00e4rt worden war, \u00fcberwog bei den nicht direkt Betroffenen die \u00dcberzeugung, dass Armut konjunkturbedingt sei und in absehbarer Zeit \u00fcberwunden werden k\u00f6nne. Als dies ausblieb, machte sich die Meinung breit, dass es eigentlich genug Arbeit und Unterst\u00fctzung gebe und dass viele Arme einfach nicht genug t\u00e4ten, um selbst ihre Situation zu verbessern. W\u00e4hrend nach Umfragen von SCCF die Zahl derer, die meinten, dass die Armen nur nicht arbeiten wollen, lange bei etwa 40 Prozent lag, steigt sie seit 2005 an und macht derzeit schon 60 Prozent der Befragten aus. Hinzu kam die von Rechtsextremen propagandistisch ausgenutzte starke Zuwanderung. Migranten und ihre Familien, soweit sie nicht schnell Arbeit finden und auf eigenen Beinen stehen, verst\u00e4rken das Heer der Armen und Sozialhilfeempf\u00e4nger.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192540.migrationsroute-aermelkanal-grossbritannien-und-frankreich-einig-bei-abschreckung.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Immer mehr wehren gegen diesbez\u00fcgliche Diffamierungen muss sich auch die Organisation SCCF, f\u00fcr die die Hilfe f\u00fcr ausl\u00e4ndische Familien eine st\u00e4ndig wachsende Bedeutung hat. <\/a>Dabei geht es um die Beschaffung von Wohnraum und Lebensmittelhilfe, aber vor allem um Papiere wie Aufenthaltsgenehmigung oder Arbeitserlaubnis, zumal die Beh\u00f6rden immer unzug\u00e4nglicher werden und mit B\u00fcrokratie alles tun, um hilfsbed\u00fcrftige Ausl\u00e4nderfamilien zu zerm\u00fcrben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Armut hat viele Gesichter: Lebensmittelausgabe an Studenten im nordfranz\u00f6sischen Lille Foto: IMAGO\/MAXPPP Frankreich ist dank seines gesellschaftlichen Modells&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":596574,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,5401,1165,548,663,3934,3980,156,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-596573","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-arbeitslosigkeit","11":"tag-armut","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europe","15":"tag-france","16":"tag-frankreich","17":"tag-headlines","18":"tag-nachrichten","19":"tag-news","20":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115599336936305287","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/596573","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=596573"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/596573\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/596574"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=596573"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=596573"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=596573"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}