{"id":597530,"date":"2025-11-23T23:56:18","date_gmt":"2025-11-23T23:56:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/597530\/"},"modified":"2025-11-23T23:56:18","modified_gmt":"2025-11-23T23:56:18","slug":"china-hat-australien-reich-gemacht-jetzt-geht-es-andersherum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/597530\/","title":{"rendered":"China hat Australien reich gemacht \u2013 jetzt geht es andersherum"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Xuzhou, rund 600 Kilometer nordwestlich von Shanghai gelegen, ist au\u00dferhalb <a data-rtr-index=\"20\" title=\"China\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/china\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Chinas<\/a> kaum bekannt. Zwar gibt es in der Stadt eine sehr viel kleinere Version der weltber\u00fchmten Terrakotta-Armee zu sehen, doch Touristen besuchen lieber das Original in Xi\u2019an. Ende August jedoch flog geradezu die halbe Welt in Xuzhou ein.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Abgesandte der Bergbauindustrie aus 30 L\u00e4ndern bekamen nach ihrer Ankunft am Flughafen Pappschilder mit dem Ausruf \u201eOh Yeah\u201c in die Hand gedr\u00fcckt und lie\u00dfen sich neben dem Logo des Baumaschinenherstellers XCMG fotografieren, der sie anschlie\u00dfend in einer ganzen Armada von Reisebussen auf das gigantische Werksgel\u00e4nde fuhr. Dort bekamen sie 80 neue Bagger, Radlader und anderes Gef\u00e4hrt f\u00fcr den Einsatz in Minen vorgef\u00fchrt, die ausnahmslos mit Strom statt mit Diesel angetrieben wurden \u2013 alles, damit in der Welt bald Klimaneutralit\u00e4t herrsche, wie XCMG als Motto ausgab.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Aus Australien waren Mark Kouwenhoven und Brian Hynes angereist, die in der gr\u00f6\u00dften Mine Solomon des Bergbaugiganten Fortescue \u2013 gelegen in der nordwestlichen Pilbara-Region \u2013 dar\u00fcber wachen, dass beim Ausbuddeln von j\u00e4hrlich gesch\u00e4tzt 70 Millionen Tonnen Eisenerz alles glattgeht. Das wird anschlie\u00dfend in Waggons gekippt und auf der unternehmenseigenen Bahnlinie zum Hafen gefahren, von wo es fast vollst\u00e4ndig nach China verschifft wird. Doch chinesische Baumaschinen hat Fortescue bisher nicht eingesetzt.<\/p>\n<p>Wie lange sind die Bagger noch ausgelastet?<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die gigantischen Bagger und Radlader in der Solomon-Mine tragen fast allesamt das Logo des deutschen Liebherr-Konzerns und des amerikanischen Baumaschinenherstellers Caterpillar, die beide gro\u00dfe Produktionsanlagen in den Vereinigten Staaten haben. Die Frage ist, wie lange diese noch ausgelastet sind. Er habe sich in Xuzhou angeschaut, ob vom Fuhrpark der Chinesen etwas in der australischen W\u00fcste \u201ezu gebrauchen\u201c war, berichtete Hynes im Kon\u00adtrollzentrum der Mine.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Hynes\u2019 Chef, Fortescue-Gr\u00fcnder Andrew Forrest, ist gerade in China. Obwohl die Verarbeitung des australischen Eisenerzes in den chinesischen Werken zu Stahl erheblich zur Erderw\u00e4rmung beitr\u00e4gt, l\u00e4sst sich Forrest gerne als gr\u00fcner Unternehmer darstellen. Bis zum Jahr 2030 sollen in seinen Minen die Diesel-Trucks durch 400 Radlader mit Batterien ersetzt sein, die mit gr\u00fcn erzeugtem Strom aufgeladen werden.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Gerade hat Forrest in Peking dazu mit XCMG einen riesigen Liefervertrag unterzeichnet. Die Chinesen sollen alles in allem die H\u00e4lfte der Gef\u00e4hrte liefern. Der Auftrag ist 400 Millionen amerikanische Dollar wert \u2013 es ist das gr\u00f6\u00dfte Exportgesch\u00e4ft, das je ein Hersteller mit Elektro-Baumaschinen gemacht hat.<\/p>\n<p>Aufregung um Eisenerzk\u00e4ufe<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Das Ganze k\u00f6nnte allerdings erst der Anfang sein. In der Solomon-Mine zeigt Fortescue einen per Batterie betriebenen Liebherr-Bagger, an dessen R\u00fcckseite ein Stromkabel h\u00e4ngt \u2013 es ist eine gemeinsam entwickelte Innovation zwischen den Deutschen und ihrem australischen Kunden. Doch Minen-Leiter Mark Kouwenhoven l\u00e4sst durchblicken, dass sein Arbeitgeber sein Ger\u00e4t k\u00fcnftig vermehrt in China kaufen will, um die Beziehungen zum gr\u00f6\u00dften Kunden und der alles beherrschenden Kommunistischen Partei zu verbessern. Noch in diesem Dezember zieht der Australier nach Shanghai um. Um die chinesischen Zulieferer \u201ebei Laune zu halten\u201c, wie Kouwenhoven in aller Offenheit sagt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Schlie\u00dflich hat Australien gerade erfahren, wer in den Beziehungen zu China die Oberhand hat. Ende September sorgten Berichte f\u00fcr Aufregung, nachdem die Chinesen die Eisenerzk\u00e4ufe vom gr\u00f6\u00dften australischen Bergbaukonzern BHP eingefroren hatte, um Preisnachl\u00e4sse zu erzwingen. Ministerpr\u00e4sident Anthony Albanese zeigte sich daraufhin \u201ebesorgt\u201c. Mit einem Anteil von einem F\u00fcnftel an den Exporten ist Eisenerz Australiens wichtigster Schatz. Sein Verkauf tr\u00e4gt j\u00e4hrlich mehr als 100 Milliarden australische Dollar (87 Milliarden Euro) zur Wirtschaftsleistung des Landes bei.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Auch die Eisenerzexporte von Hancock \u2013 einem weiteren australischen Unternehmen der Branche \u2013 sollen in China zeitweise gestoppt worden sein. Man verfolge die Verhandlungen mit dem gr\u00f6\u00dften Kunden in Fernost \u201esehr genau\u201c, sagt Simone Spencer aus dem Energieministerium des Bundesstaats Western Australia der F.A.Z. \u2013 schlie\u00dflich sei man von den Steuern und Geb\u00fchren der Eisenerzgiganten in der Pilbara-Region abh\u00e4ngig. Die Finanzbeamten wachten \u201emit dem Eisenerzpreis im Kopf auf\u201c und gingen \u201emit dem Eisenerzpreis im Kopf zu Bett\u201c, sagt sie, um die Wichtigkeit der Bodensch\u00e4tze zu unterstreichen.<\/p>\n<p>Erpressungsversuch oder Verhandlungstaktik?<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">China hat Australien reich gemacht, nun soll es andersherum gehen. In Down Under versuchen Regierung und Unternehmen, Pekings offensichtlichen Erpressungsversuch als normale Verhandlungstaktik herunterzuspielen. Wenn dem so ist, scheint diese aufzugehen. Berichten zufolge hat sich BHP mit dem staatlichen chinesischen Zentraleink\u00e4ufer China Mineral Resources Group darauf geeinigt, dass bereits im laufenden Quartal die Chinesen 30 Prozent ihrer Eisenerzk\u00e4ufe den Australiern nicht wie bisher in amerikanischen Dollar bezahlen d\u00fcrfen, sondern in Renminbi.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Das hat f\u00fcr China gleich drei Vorteile: Zum einen schiebt das Land den Australiern damit einen Teil des Wechselkursrisikos zu. Zum anderen hilft das Gesch\u00e4ft bei der von der Regierung in Peking seit L\u00e4ngerem herbeigesehnten Internationalisierung des Renminbi, die einfach nicht vorankommt. Vor zehn Jahren lag der Anteil der W\u00e4hrung am internationalen Zahlungsverkehr bei gerade mal rund 2,5 Prozent. Aktuell liegt er darunter.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Den dritten Vorteil, das Eisenerz mit Renminbi zu bezahlen, erl\u00e4utert Mark Kouwenhoven im Pilbara vor einem Radlader von Caterpillar. Der Minenleiter und sein Vize Hynes betonen, dass sie mit \u201eallen Zulieferern hervorragende Beziehungen\u201c h\u00e4tten. Doch Kouwenhoven macht klar, wohin die Reise geht: Die Chinesen wollten, dass die Australier mit den Renminbi, die sie erhielten, k\u00fcnftig ihre Baumaschinen zu Rabatt in China kauften.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Im August dieses Jahres hat Fortescue in China einen in chinesischer W\u00e4hrung nominierten Kredit \u00fcber 14 Milliarden Renminbi aufgenommen, umgerechnet 1,7 Milliarden Euro. Das sei wohl Teil des Versuchs gewesen, die Chinesen \u201ezu bes\u00e4nftigen\u201c, kommentierte die \u201eAustralian Financial Review\u201c \u2013 ein Eindruck, den Fortescue in Gespr\u00e4chen mit Investoren ganz offiziell sogar best\u00e4tigt hat. Genau das habe BHP falsch gemacht, sagt Kouwenhoven. F\u00fcr den Konkurrenten seien die Vereinigten Staaten und der restliche Westen viel wichtiger \u2013 etwa f\u00fcr die Abnahme von Kupfer, das Trump mit heftigen Importz\u00f6llen belegt hat.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Zudem soll BHP die j\u00fcngste Zusage der australischen Regierung mit Leben f\u00fcllen, den Amerikanern k\u00fcnftig jene kritischen Rohstoffe zu liefern, mit denen China die Welt mehr und mehr erpresst. In South Australia liegen in der BHP-Mine Olympic Dam die weltweit zweitgr\u00f6\u00dften Reserven an Seltenen Erden \u2013 unersetzlich f\u00fcr viele Zukunftstechnologien wie die Chip-Indus\u00adtrie. Sich weitere Konflikte mit dem gr\u00f6\u00dften Kunden in Fernost auszumalen, ist da nicht schwer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Xuzhou, rund 600 Kilometer nordwestlich von Shanghai gelegen, ist au\u00dferhalb Chinas kaum bekannt. 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