{"id":598017,"date":"2025-11-24T05:04:21","date_gmt":"2025-11-24T05:04:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/598017\/"},"modified":"2025-11-24T05:04:21","modified_gmt":"2025-11-24T05:04:21","slug":"afrikaner-in-russland-mit-fake-jobs-an-die-front-gelockt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/598017\/","title":{"rendered":"Afrikaner in Russland: Mit Fake-Jobs an die Front gelockt"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/kenia-protagonist-100.jpg\" alt=\"Clavin Masharia (Name ge\u00e4ndert) ist von hinten auf einer Stra\u00dfe in Nairobi zu sehen.\" title=\"Clavin Masharia (Name ge\u00e4ndert) ist von hinten auf einer Stra\u00dfe in Nairobi zu sehen. | Karin Bensch \/ ARD-Studio Nairobi\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 24.11.2025 05:01 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Sie sind jung und ohne Arbeit: Unter dem Vorwand lukrativer Jobangebote werden immer wieder junge Afrikaner nach Russland gelockt. Doch in Wahrheit sollen sie k\u00e4mpfen &#8211; f\u00fcr Russland gegen die Ukraine.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/bensch-ts-104.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Karin Bensch\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/bensch-100.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wir nennen ihn Calvin Masharia. Seinen echten Namen m\u00f6chte der junge Kenianer in der \u00d6ffentlichkeit nicht preisgeben, denn seine Geschichte ist heikel. Wir treffen Calvin zu Hause. Hier f\u00fchlt er sich sicher, hier m\u00f6chte er reden.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Calvin ist IT-Spezialist, derzeit allerdings arbeitslos. Damit geht es ihm wie vielen jungen Kenianern. Laut dem Verband der kenianischen Arbeitgeber haben knapp 70 Prozent der jungen Leute bis 34 Jahre keinen Job. Calvin m\u00f6chte arbeiten und Geld verdienen. \u00dcber einen Freund erf\u00e4hrt er von Jobangeboten in Russland.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Mir wurde gesagt, dass es um Jobs wie Fahrer oder K\u00fcchenpersonal in einem Milit\u00e4rcamp geht&#8220;, berichtet Calvin. &#8222;Die Bezahlung soll gut sein. Sehr gut sogar. Und es soll einen Arbeitsvertrag f\u00fcr ein Jahr geben.&#8220;<\/p>\n<p>    Jobangebot ohne Arbeitsvertrag<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr diesen Job wurden Calvin umgerechnet 1.600 Euro pro Monat angeboten. Etwa viermal so viel, wie er zuletzt in Kenia verdient hat. Plus eine Sonderzahlung von knapp 20.000 Euro. Calvin greift zu. Eine Agentur in Kenia organisiert die Reise nach Russland. Doch um dorthin zu kommen, muss Calvin erst einmal selbst zahlen &#8211;\u00a0umgerechnet gut 400 Euro f\u00fcr den Flug und ein Touristenvisum.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\u00dcber WhatsApp kommunizierte Calvin mit der Agentur.\u00a0&#8222;Eine Mitarbeiterin sagte mir, ich solle ihr vertrauen&#8220;, erz\u00e4hlt er. &#8222;Mit dem Arbeitsvertrag wird alles geregelt, wenn ich in Russland bin. Alles ist in Ordnung.&#8220;<\/p>\n<p>    Kenianern werden P\u00e4sse abgenommen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Calvin verl\u00e4sst sich darauf. Wenige Tage sp\u00e4ter sitzt er im Flieger. Von Kenia aus geht es \u00fcber Dubai nach Moskau. Nach 12 Stunden Flugreise m\u00fcssen sich Calvin und andere Kenianer einer ausgiebigen Kontrolle am Flughafen in Moskau unterziehen: Fotos, biometrische Daten, ihre Mobiltelefone werden gecheckt, ihre P\u00e4sse werden ihnen abgenommen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In einem Bus werden die Afrikaner aus der Stadt gefahren. Nach etwa 45 Minuten Fahrtzeit kommen sie in einem Milit\u00e4rcamp an, erinnert sich Calvin. Dort treffen sie andere junge M\u00e4nner, auch aus Kenia. &#8222;Von ihnen haben wir erfahren, dass die angebotenen Jobs ein Fake sind. Sie sagten, was auch immer euch erz\u00e4hlt wurde, ist eine L\u00fcge. Jeder der hierhin kommt, wird an die Front geschickt.&#8220;<\/p>\n<p>    Keine Ausbildung in Milit\u00e4rcamps<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Calvin ist schockiert, er bekommt Angst. Er will nicht f\u00fcr Russland gegen die Ukraine k\u00e4mpfen. Deshalb beginnt Calvin einen Fluchtplan zu schmieden. Doch die Tage im Milit\u00e4rcamp sind durchgetaktet: fr\u00fches Aufstehen, medizinische Untersuchungen, Fitnesstraining. Eine milit\u00e4rische Ausbildung gibt es nicht, erinnert sich der junge Kenianer.\u00a0<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Den meisten im Milit\u00e4rcamp werden die Mobiltelefone abgenommen. Doch Calvin versteckt sein Handy, behauptet er habe keines und kommt damit durch. Das ist seine Rettung, denn so kann er die Flucht organisieren. Calvin zieht zwei befreundete Kenianer ins Vertrauen. Beim Einkauf in einem kleinen Supermarkt ganz in der N\u00e4he des Milit\u00e4rcamps nutzen sie die Chance zur Flucht. Calvin bestellt ein Taxi, sie fahren nach Moskau, retten sich in die kenianische Botschaft. Dort bekommen sie Ersatzdokumente und k\u00f6nnen damit zur\u00fcck nach Kenia fliegen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Wir haben uns so befreit gef\u00fchlt. Ich war kurz davor zu weinen, als ich meine Familie wiedergesehen habe. Uns ist die Flucht gelungen. Aber mir tun die Jungs leid, die noch dort sind.&#8220;<\/p>\n<p>    Afrikanische Soldaten als S\u00f6ldner<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr Russland sei es sehr wichtig, neue K\u00e4mpfer aus dem Ausland zu rekrutieren, um die eigene Bev\u00f6lkerung zu schonen, sagt der kenianische Sicherheitsexperte Byron Adera. Denn der Krieg mache sich auch in der russischen Armee bemerkbar. Nach einer Sch\u00e4tzung des Center for Strategic and International Studies in Washington sind bislang bis zu 250.000 russische Soldaten in diesem Krieg gestorben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nach Angaben des ukrainischen Au\u00dfenministeriums sollen mindestens 1.400 Menschen aus 36 afrikanischen L\u00e4ndern in der russischen Armee k\u00e4mpfen. Darunter auch ehemalige afrikanische Soldaten, die nun als S\u00f6ldner arbeiten. Die meisten von ihnen k\u00e4men schon beim ersten Kampfeinsatz in ukrainische Gefangenschaft.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der kenianische Pr\u00e4sident William Ruto schrieb auf dem Onlineportal X, er habe den ukrainischen Pr\u00e4sidenten Wolodymyr Selenskyj gebeten, die Freilassung aller Kenianer aus ukrainischer Haft zu erm\u00f6glichen. Er wolle auch das Bewusstsein bei jungen Kenianern sch\u00e4rfen, dass solche Eins\u00e4tze illegal und gef\u00e4hrlich seien.<\/p>\n<p>    Menschenhandel statt Jobchance<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Calvin wusste, dass es diesen Krieg gibt. Dass Afrikaner dort f\u00fcr Russland gegen die Ukraine k\u00e4mpfen, habe er nicht geahnt. &#8222;Da geht es mehr um Menschenhandel als um Jobm\u00f6glichkeiten. Ich f\u00fchle mich betrogen&#8220;, sagt er.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Deshalb will Calvin nun andere junge Afrikaner warnen. Sie sollen nicht auf Fake-Jobs in Russland reinfallen, an der Front laden und dort unter Umst\u00e4nden ihr Leben verlieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 24.11.2025 05:01 Uhr Sie sind jung und ohne Arbeit: Unter dem Vorwand lukrativer Jobangebote werden immer wieder&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":598018,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[331,332,3364,29,30,13,23158,14,15,307,12,317],"class_list":{"0":"post-598017","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-headlines","14":"tag-kenia","15":"tag-nachrichten","16":"tag-news","17":"tag-russland","18":"tag-schlagzeilen","19":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115602932939750444","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/598017","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=598017"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/598017\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/598018"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=598017"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=598017"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=598017"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}