{"id":598230,"date":"2025-11-24T07:22:32","date_gmt":"2025-11-24T07:22:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/598230\/"},"modified":"2025-11-24T07:22:32","modified_gmt":"2025-11-24T07:22:32","slug":"kunst-in-der-ddr-17-praegende-persoenlichkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/598230\/","title":{"rendered":"Kunst in der DDR: 17 pr\u00e4gende Pers\u00f6nlichkeiten"},"content":{"rendered":"<p>Farbenfroh und voller Humor: Sighard Gille<\/p>\n<p class=\"text\">\nSighard Gille hat sich fest ins Kulturleben und Stadtbild von Leipzig eingepr\u00e4gt. Wer vor dem weltber\u00fchmten Gewandhaus steht (am besten bei Nacht), kann sein Deckengem\u00e4lde durch die angeschr\u00e4gte Glasfassade sehen. Beziehungsweise einen Teil davon, immerhin gilt es als eines der gr\u00f6\u00dften Deckengem\u00e4lde in ganz Europa. Um es in ganzer Pracht betrachten zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen sich Interessierte durch das halbe Foyer bewegen und mehrere Treppen \u00fcberwinden.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nUnten wird ein Orchester mit zahlreichen Anspielungen an Bach und <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ddr\/deutsche-einheit\/mauerfall\/kurt-masur-dirigent-biografie-leipzig-gewandhaus-100.html\" title=\"Kurt Masur - Dirigent und Orchesterchef\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Masur<\/a> gezeigt. Dann wird es d\u00fcster mit gedeckten Farben, Motiven \u00fcber Tod und Gewalt. Dar\u00fcber gibt es eine Stadtansicht, ein regelrechtes Wimmelbild, in das sich das sozialistische Ideal lesen l\u00e4sst, aber durchaus auch Kritik und eine Betonung des pers\u00f6nlichen vor dem kollektiven Gl\u00fcck. Und schlie\u00dflich gibt es eine Szene aus Arkadien (die man auch von au\u00dfen sehen kann): Antike G\u00f6tter, die ganz menschlich wirken, blicken wohlwollend auf die Welt. Das alles ist der &#8222;Gesang vom Leben&#8220;.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nSighard Gille wurde in Eilenburg geboren. Er absolvierte zun\u00e4chst eine Ausbildung als Fotograf und \u00fcbernahm in dieser T\u00e4tigkeit verschiedene Auftragsarbeiten. Von 1965 bis 1970 studierte er schlie\u00dflich Malerei an der Leipziger Kunsthochschule, unter anderem bei Heisig, Mattheuer und T\u00fcbke. Somit geh\u00f6rt Gille zur zweiten Generation der Leipziger Schule.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDer K\u00fcnstler schuf lieber Kunst, als \u00fcber Kunst zu reden. Zumindest ist wenig \u00fcber seinen Zugang zu seinen Bildern bekannt. Vielleicht auch, weil er der Doktrin des Staates nur bedingt folgte. Er malte zwar realistisch, in sp\u00e4teren Jahren auch mal expressionistisch, doch seine Figuren wirkten selten heroisch, sondern vielmehr hedonistisch. Seine Bilder spr\u00fchten oft vor Farbe, die Motive hatten h\u00e4ufig etwas Bissiges wie das Doppelbild der ausgelassenen Brigadefeier und den geb\u00fcckt arbeitenden Ger\u00fcstbauern.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAuch eine Betonung des Privaten l\u00e4sst sich immer wieder beobachten, wie bei dem Liebespaar im Gewandhaus-Deckengem\u00e4lde. Im Zentrum seiner Bilder standen meistens Menschen in recht konkreten Situationen, die zum Sinnbild f\u00fcr die aktuelle Situation wurden. Vor wenigen Jahren erst malte Gille eine Bilderserie, in der Clowns auf der Welt herumtrampeln \u2013 die Interpretation bleibt dem Publikum \u00fcberlassen.\n<\/p>\n<p>Der Eremit aus Th\u00fcringen: Gerhard Altenbourg<\/p>\n<p class=\"text\">\nAus der Provinz heraus schuf er Kunst, die in der ganzen Welt auf Interesse stie\u00df: Gerhard Altenbourg wurde eigentlich als Gerhard Str\u00f6ch in R\u00f6dichen-Schnepfenthal bei Gotha geboren. 1929 zog die Predigerfamilie nach Altenburg. Bis zum Ende seines Lebens blieb der K\u00fcnstler der kleinen Stadt verbunden \u2013 wie sich nicht zuletzt an seinem Namen deutlich wird. Anfangs wollte Altenbourg Schriftsteller werden, wendete sich aber dann doch dem Malen zu. In seinem Gesamtwerk verbindet sich beides: Die Titel sind besonders wichtig f\u00fcr seine eher kryptischen Werke und er\u00f6ffnen einen Gedankenraum. Zu einigen Werken sind auch Texte entstanden, und Altenbourg hat mehrere K\u00fcnstlerb\u00fccher geschaffen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n1944 wurde Altenbourg eingezogen und schwer verwundet. Im Lazarett \u00fcberlebte er den Zweiten Weltkrieg. Die Erfahrungen sollten sein K\u00fcnstlerleben pr\u00e4gen. Wichtige Vorbilder waren f\u00fcr ihn die Kunstschaffenden der Zwischenkriegsjahre, beispielsweise Otto Dix. Nach dem Krieg begann er, an der Hochschule f\u00fcr Baukunst und bildende K\u00fcnste in Weimar zu studieren. Er musste die Institution vorzeitig verlassen, weil er sich zu sehr um die Kunst bem\u00fchte und sich zu wenig in die Gesellschaft einbrachte. <\/p>\n<p>Er zog sich in das Elternhaus zur\u00fcck, wo er an seinem Werk arbeitete. M\u00e4zene aus der BRD erm\u00f6glichten ihm sein eremitisches K\u00fcnstlerleben, er wurde aber auch von Freunden vor Ort unterst\u00fctzt, wie dem Chemnitzer K\u00fcnstler Thomas Ranft. In der DDR selbst wurde Altenbourg lange Zeit nicht beachtet, immerhin passte sein Stil nicht in die Vorstellungen der Partei. Erst Ende der 80er-Jahre wurden seine Werke auch in der DDR gezeigt. 1989 starb der K\u00fcnstler bei Mei\u00dfen in Folge eines Autounfalls.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nZentral f\u00fcr das Schaffen von Gerhard Altenbourg ist die Linie. Der K\u00fcnstler nutzte und kombinierte f\u00fcr seine Bilder verschiedene Techniken: Er arbeitete auf Papier mit Tusche, Kreide, Aquarellfarben und Bleistift, schuf Lithografien und Holzschnitte. In seinen Bildern \u00fcberlagern sich Linien, aus denen konkretere Formen entstehen. Oft malte Altenbourg Landschaften, doch zahlreiche Bilder zeigen auch menschliche Gestalten, die aber immer etwas Mystisches an sich haben.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung1\" class=\"jumpLabel\">Konzeptkunst aus dem Untergrund<\/a><\/p>\n<p>Kampf gegen die Enge: Cornelia Schleime<\/p>\n<p class=\"text\">\nVon Anfang an f\u00fchlte Cornelia Schleime eine Enge \u2013 und eckte mit ihrer k\u00fcnstlerischen Antwort auf diese Enge immer wieder an: Schleime begann verschiedene Ausbildungen, bevor sie 1975 das Studium an der Dresdner Hochschule f\u00fcr Bildende K\u00fcnste aufnahm. Das damals vorherrschende Diktat der DDR-Kunstpolitik lehnte sie ab. Stattdessen malte sie Wolken und Himmel, was sie bereits verd\u00e4chtig machte. Kurz vor Ende ihres Studiums Anfang der 80er-Jahre setzte sie bereits ein erstes starkes Zeichen: In einer Ausstellung baute sie mit alten T\u00fcren das Zimmer eines namenlosen K\u00fcnstlers nach. Die Installation war eindeutig auch eine Anklage auf fehlende Freiheiten. Bald wurde Schleime mit einem Ausstellungsverbot belegt, und 1984 sollte sie aus der DDR ausreisen. Ihre damaligen Arbeiten lie\u00df sie zur\u00fcck.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAuch formell lie\u00df sich Schleime nicht einengen: Neben Gem\u00e4lden und Installationen drehte sie Filme auf Super 8, die beispielsweise das Eingesperrtsein thematisierten. Zu Studienzeiten gr\u00fcndete sie die Punkband &#8222;Zwitschermaschine&#8220; mit, in der sie sang und f\u00fcr die sie Texte schrieb. 2008 erschien auch ihr literarisches Deb\u00fct &#8222;Weit fort&#8220; \u00fcber eine K\u00fcnstlerin, deren Freund sie aussp\u00e4hte und an die Stasi berichtete. Das ist auch Schleime selbst widerfahren, wie sich 1990 herausstellte. Diese Entdeckung in den eigenen Stasi-Akten reflektierte Schleime bereits k\u00fcnstlerisch, indem sie auf kopierte Unterlagen Fotos druckte, auf denen sie sich in surrealen Situationen portr\u00e4tierte.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nKunst und Leben waren f\u00fcr Schleime immer eng verbunden, wie sie selbst erkl\u00e4rte. Ihre k\u00fcnstlerischen Arbeiten k\u00f6nnen immer auch als Reaktion auf politische oder gesellschaftliche Entwicklungen gelesen werden, die die K\u00fcnstlerin besch\u00e4ftigten. F\u00fcr ihre Bilder nutzt sie Mischtechniken, in denen sie Aquarell- und Acrylfarben mit Schellack kombiniert. So erhalten ihre Arbeiten einen besonderen Farbton. Schleime arbeitet viel mit Modellen und malte immer figurativ. Oft stehen Frauen im Zentrum ihrer Bilder, die sich mit Macht und K\u00f6rperpolitik auseinandersetzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Farbenfroh und voller Humor: Sighard Gille Sighard Gille hat sich fest ins Kulturleben und Stadtbild von Leipzig eingepr\u00e4gt.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":598231,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[109971,1793,86,96,2770,129,29,2386,214,89,98,92,1885,30,2989,14183,99,95,87,88,91,80,84,2075,1794,90,71,100,101,93,2705,81,85,82,97,28285,83,142962,11838,94,14184,215],"class_list":{"0":"post-598230","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-aktionskunst","9":"tag-art-and-design","10":"tag-artour","11":"tag-buehne","12":"tag-chemnitz","13":"tag-ddr","14":"tag-deutschland","15":"tag-dresden","16":"tag-entertainment","17":"tag-erlebnis-musik","18":"tag-feature","19":"tag-film","20":"tag-fotografie","21":"tag-germany","22":"tag-geschichte","23":"tag-heisig","24":"tag-hoerspiele","25":"tag-kino","26":"tag-kino-royal","27":"tag-kinoroyal","28":"tag-klassik","29":"tag-kultur","30":"tag-kulturfernsehen","31":"tag-kunst","32":"tag-kunst-und-design","33":"tag-lebenslaeufe","34":"tag-leipzig","35":"tag-lesezeit","36":"tag-lesung","37":"tag-literatur","38":"tag-malerei","39":"tag-mdr","40":"tag-mdr-figaro","41":"tag-mdr-kultur","42":"tag-oper","43":"tag-performance","44":"tag-radio","45":"tag-sitte","46":"tag-skulptur","47":"tag-theater","48":"tag-tuebke","49":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115603475239559001","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/598230","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=598230"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/598230\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/598231"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=598230"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=598230"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=598230"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}