{"id":598602,"date":"2025-11-24T11:10:29","date_gmt":"2025-11-24T11:10:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/598602\/"},"modified":"2025-11-24T11:10:29","modified_gmt":"2025-11-24T11:10:29","slug":"placido-bonnwitschny-backstageclassical","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/598602\/","title":{"rendered":"Pl\u00e1cido Bonnwitschny &#8211; BackstageClassical"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"255\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Bildschirmfoto-2025-08-31-um-14.47.05-1024x255.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-9142\"  \/><\/p>\n<p>Willkommen in der neuen Klassik-Woche,<\/p>\n<p>heute mit existenziellen Fragen, ob das Dogma die Kunst t\u00f6tet, mit Bonner Merkw\u00fcrdigkeiten und der Frage nach der Legitimation von Radioorchestern.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p>Frisst das Dogma die Kunst?<\/p>\n<p>Neulich hat mich ein Dirigent beim Mittagessen gefragt, ob wir es mit der guten Sache nicht ein bisschen \u00fcbertrieben h\u00e4tten. Haben wir das Publikum verloren, w\u00e4hrend wir der festen \u00dcberzeugung waren, f\u00fcr das Gute und Hehre zu streiten? Wann sind Selbstverst\u00e4ndlichkeiten wie Gendergerechtigkeit, politische Korrektheit oder die F\u00f6rderung von Diversit\u00e4t zu Kampfbegriffen geworden? Wann hat es angefangen, dass Leute, die einen aggressiven Feldzug gegen diese Ideale f\u00fchren, Zulauf bekommen? Und wann hat es aufgeh\u00f6rt, dass wir einander zuh\u00f6ren?\u00a0<a href=\"https:\/\/backstageclassical.com\/vielleicht-haben-wir-es-uebertrieben\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ich habe diese Fragen in diesem Essay einmal durchgespielt und finde<\/a>: \u00bbWir werden <strong>eine \u201abessere Welt\u2018<\/strong> kaum dadurch erreichen, dass wir andere Menschen in sie hineinzwingen. Wir m\u00fcssen sie mitnehmen, statt sie zu beschimpfen, sie von der Sch\u00f6nheit der besseren Vision \u00fcberzeugen, davon, dass es Spa\u00df macht, mit uns zu spielen, sich durch unsere Empathie und Sprache begeistern zu lassen, durch unseren Ausdruck \u2013 und nicht, indem wir andere bevormunden.\u00ab Mich w\u00fcrde Ihre Meinung dazu interessieren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.berliner-philharmoniker.de\/konzerte\/uebertragungen\/kino\/?utm_medium=paid_display&amp;utm_source=backstage&amp;utm_campaign=kino_ny_25\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"602\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DCH_Kino_Silvester_25_BackstageClassical_1275x750_02-1024x602.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10311\"  \/><\/a><\/p>\n<p>Pl\u00e1cido Bonnwitschny<\/p>\n<p>Was ist denn da los in Bonn? Sehnt sich die Oper zur\u00fcck in jene Zeit, als man noch Hauptstadt des Westens war? Regisseur <strong>Peter Konwitschny<\/strong> \u2013 zuweilen ein Ungustl mit durchaus anachronistischen Arbeitsgrunds\u00e4tzen\u00a0 \u2013\u00a0erkl\u00e4rte schon im Vorfeld, dass er Richard Strauss\u2018 Oper Die Frau ohne Schatten eher nicht mag: zu frauenfeindlich! Das hinderte Bonn und ihn aber nicht daran, das St\u00fcck trotzdem aufzuf\u00fchren \u2013 in einer brutal zerst\u00fcckelten Version (<a href=\"https:\/\/backstageclassical.com\/lieber-peter-konwitschny\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ich habe ihm dazu einen Brief geschrieben<\/a>). Aber das ist noch nicht alles! Wenig sp\u00e4ter l\u00e4dt das Haus (kein Witz!) tats\u00e4chlich <strong>Pl\u00e1cido Domingo<\/strong> ein, um \u00bbDuette und Ensembles aus Meisterwerken von den bekanntesten italienischen Komponisten der Operngeschichte\u00ab zu tr\u00e4llern. War da was? Ist da was? Muss das sein? Zugegeben: Das sind zwei gro\u00dfe Legenden, die unser aller Opern-Erweckung waren! Aber ich glaube nicht, dass sie Bonn heute noch erheben, sondern eher merkw\u00fcrdige Schatten auf das Haus und sein Orchester werfen. Aber vielleicht wird man in der ehemaligen Hauptstadt auch einfach so: Irgendwie scheinen sich hier moderne Vors\u00e4tze schnell mit uralten Machtstrategien (so genannten \u00bbPereira-ismen\u00ab) zu vereinen \u2013\u00a0wo, wie und warum beschreibe ich ebenfalls <a href=\"https:\/\/backstageclassical.com\/vielleicht-haben-wir-es-uebertrieben\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">in der Mitte dieses Textes<\/a>. \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/mozarteum.at\/mozartwoche?utm_source=Backstage+Classical&amp;utm_medium=Newsletter+banner&amp;utm_campaign=concerti_newsletter#events\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"602\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/MoWo_26_Banner_1275x750px_BackstageClassical_NL-1024x602.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10086\"  \/><\/a><\/p>\n<p>Seid verschlungen, Millionen<\/p>\n<p>Dabei k\u00f6nnte doch alles so sch\u00f6n sein: Am 16. Dezember soll die renovierte Beethovenhalle in Bonn nun endlich er\u00f6ffnet werden. Guido Krawinkel hat f\u00fcr BackstageClassical <a href=\"https:\/\/backstageclassical.com\/seid-verschlungen-millionen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Geschichte eines \u00bbteuren Trauerspiels\u00ab dokumentiert<\/a>. Unter anderem schreibt er: \u00bbJetzt ist es an der st\u00e4dtischen Betreibergesellschaft\u00a0<strong>BonnCC<\/strong>, die auch das\u00a0World Conference Center Bonn\u00a0betreibt, die Halle erfolgreich zu vermarkten. Da gab es dann auch\u00a0gleich\u00a0den ersten Knatsch: Zuerst beschwerten sich zahlreiche Vereine, dass die Halle schlichtweg zu teuer f\u00fcr sie geworden sei\u00a0und dann lehnte die BonnCC auch noch fr\u00fcher alteingesessene Veranstaltungen ab, die nun nicht mehr zur frisch herausgeputzten besten Stube Bonns passen w\u00fcrden.\u00a0Die aufgerufenen\u00a0Preise ab 18.000 Euro\u00a0\u2013\u00a0inklusive \u00bbBrauchtumsrabatt\u00ab bei einer Auslastung von 1.400 Besuchern (mit Tischbestuhlung) oder 1.700 (Sitzbestuhlung) \u2013 sind\u00a0in der Tat\u00a0kein Pappenstiel.\u00ab<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Die Legitimation der Radioorchester<\/p>\n<p>Die Radioorchester stehen unter Druck. <strong>Tom Buhrow<\/strong> oder <strong>Markus S\u00f6der<\/strong> wollen an ihnen r\u00fctteln, und der \u00f6ffentlich-rechtliche Rundfunk steht grunds\u00e4tzlich unter Druck. Das wei\u00df auch <strong>Anselm Rose,<\/strong> der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der ROC in Berlin. <a href=\"https:\/\/backstageclassical.com\/radioorchester-machen-sich-fit-fuer-die-zukunft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Er sagt im BackstageClassical-Podcast<\/a>, dass Radioorchester gerade in Zeiten wie diesen existenziell f\u00fcr unsere Demokratie sind. In einem ausf\u00fchrlichen Gespr\u00e4ch erkl\u00e4rt er, warum die kostenlosen und niedrigschwelligen Angebote der Sender wichtig sind, und wie die digitale Zukunft und das KI-basierte Marketing der Zukunft aussehen. H\u00f6renswert.<\/p>\n<\/p>\n<p>Italienische Abwege\u00a0<\/p>\n<p>Italiens Orchestergewerkschaften kritisieren die Kulturpolitik von <strong>Giorgia Meloni<\/strong>, aber ihre politischen Getreuen stellen sich taub: Kulturminister <strong>Alessandro Giuli<\/strong> schw\u00e4rmt in bewusster Macho-Manier \u00fcber die vom Orchester kritisierte Chefdirigentin und Meloni-Kandidatin <strong>Beatrice Venezi<\/strong> am La Fenice: \u00bbSie wird Prinzessin von Venedig und die Orchestermusiker in sie verliebt machen.\u00ab Und Melonis Staatssekret\u00e4r f\u00fcr Kultur, <strong>Gianmarco Mazzi<\/strong> drohte gerade eine \u00bbk\u00fcnstlerische \u00dcberpr\u00fcfung\u00ab aller Opern- und Symphonieorchester an. Das klingt nach Kultur-Gleichschaltung. Ich bef\u00fcrchte, da hilft nicht Mal <a href=\"http:\/\/www.apple.com\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ein Brief von Br\u00fcggi<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.theaterregensburg.de\/seiten\/jobs.html\" target=\"_blank\" rel=\" noreferrer noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"602\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Jobanzeige_Mobil-2-1024x602.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10310\"  \/><\/a><\/p>\n<p>Personalien der Woche<\/p>\n<p><strong>Jan Nast<\/strong> bleibt f\u00fcr weitere f\u00fcnf Jahre Intendant der Wiener Symphoniker. Der Aufsichtsrat best\u00e4tigte <a href=\"https:\/\/backstageclassical.com\/nast-bleibt-bei-den-wiener-symphonikern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">seinen Vertrag bis 2032<\/a>. Nast leitet das Orchester seit 2019 und gilt als treibende Kraft hinter dessen Modernisierung und Neuausrichtung. Unter seiner Verantwortung wurde <strong>Petr Popelka<\/strong> zum Chefdirigenten berufen und das international tourende Ensemble musikalisch weiter profiliert. +++ Kulturstaatsminister <strong>Wolfram Weimer<\/strong> hat angesichts anhaltender Kritik seine Anteile an der Weimer Media Group <a href=\"https:\/\/backstageclassical.com\/weimer-gibt-anteile-seiner-media-group-an-treuhaendler\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">vor\u00fcbergehend an einen Treuh\u00e4nder \u00fcbertragen<\/a>. Weimer betonte, die Entscheidung \u00bballein\u00ab getroffen zu haben, um jeden Anschein von Einflussnahme zu vermeiden. +++\u00a0 <strong>Peter Noever<\/strong>, Vorsitzender der \u00f6sterreichischen Operetten-Kurie kann es einfach nicht lassen, und setzt sich noch Mal f\u00fcr <strong>Teodor Currentzis<\/strong> ein. So langsam auch egal, <a href=\"https:\/\/backstageclassical.com\/lieber-peter-noever\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">finde ich<\/a>. +++ Der Bariton <strong>Eike Wilm Schulte<\/strong> ist gestoben: Ich habe meinem ersten Bayreuth-Wolfram einen kleinen Brief in Richtung Abendstern geschrieben. +++ Viel zu fr\u00fch, mit nur 56 Jahren, <a href=\"https:\/\/backstageclassical.com\/dirigent-lutz-rademacher-gestorben\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">starb der Dirigent<\/a> <strong>Lutz Rademacher<\/strong>, der sich besonders energisch f\u00fcr Neue Musik eingesetzt hat. \u00a0<\/p>\n<p>Und wo bleibt das Positive, Herr Br\u00fcggemann?<\/p>\n<p>Nach fast vier Wochen Probenarbeit mit Mozarts Entf\u00fchrung aus dem Serail in Neustrelitz bin ich wieder zu Hause. Mein Regie-Deb\u00fct war ein gigantisch lustvolles Abenteuer! Es ist gro\u00dfartig, wie viele Menschen an einem kleinen Theater an eine Produktion glauben, sich begeistern und unm\u00f6gliche Dinge m\u00f6glich machen. Und ich bin Mozart dankbar f\u00fcr sein Genie, denn man sollte nur Opern inszenieren, die man auch liebt: Man h\u00f6rt das St\u00fcck immerhin jeden Tag acht Stunden lang! Und gute Musik l\u00e4sst uns immer tiefer h\u00f6ren. Ach ja, und man sollte auch nicht untersch\u00e4tzen, wie lang zwei Stunden sein k\u00f6nnen, wenn man als Regisseur seiner eigenen Arbeit bei der Premiere zuschaut. Mit gro\u00dfer Dankbarkeit gegen\u00fcber dem Theater in Neustrelitz und dem Publikum kehre ich aus diesem Abenteuer zur\u00fcck. Klar, als Kritiker w\u00fcsste ich sofort, wo ich nun anfangen m\u00fcsste, um Br\u00fcggemann einen Brief von Br\u00fcggi zu schreiben \u2026 aber das \u00fcbernehmen zum Gl\u00fcck dieses Mal andere (<a href=\"https:\/\/www.nordkurier.de\/kultur\/zwischen-doener-mit-alles-und-grossen-gefuehlen-4106435\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/buehne\/theaterberichte\/mecklenburg_vorpommern\/die-entfuehrung-aus-dem-serail-oper-trifft-auf-doenerladen,entfuehrungausdemserail-106.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>).<\/p>\n<p>In diesem Sinne: Halten Sie die Ohren steif.<\/p>\n<p>Ihr<\/p>\n<p><strong>Axel Br\u00fcggemann<\/strong> \u00a0 \u00a0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/20251119_Serail_136-1024x683.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-10319\"  \/>Die Entf\u00fchrung aus dem Serail in Neustrelitz (Foto: Metzner)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Willkommen in der neuen Klassik-Woche, heute mit existenziellen Fragen, ob das Dogma die Kunst t\u00f6tet, mit Bonner Merkw\u00fcrdigkeiten&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":598603,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1842],"tags":[1741,3364,29,30,2338,1209],"class_list":{"0":"post-598602","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bonn","8":"tag-bonn","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-newsletter","13":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115604374284559593","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/598602","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=598602"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/598602\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/598603"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=598602"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=598602"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=598602"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}