{"id":59895,"date":"2025-04-25T10:46:10","date_gmt":"2025-04-25T10:46:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/59895\/"},"modified":"2025-04-25T10:46:10","modified_gmt":"2025-04-25T10:46:10","slug":"neue-op-methode-im-rbk-stuttgart-eine-prothese-fuer-rissige-gefaesse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/59895\/","title":{"rendered":"Neue OP-Methode im RBK Stuttgart: Eine Prothese f\u00fcr rissige Gef\u00e4\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>Rei\u00dft die Hauptschlagader, drohen lebensgef\u00e4hrliche Blutungen. Jedes Jahr erleiden 4000 Bundesb\u00fcrger eine solche Aortendissektion. Eine \u00c4rztin im Robert Bosch Krankenhaus Stuttgart will das verhindern und setzt Risikopatienten fr\u00fchzeitig eine Prothese ein.<\/p>\n<p>            \tRegine Warth                      <\/p>\n<p>           25.04.2025 &#8211; 11:51 Uhr       <\/p>\n<p>Wie es sich anf\u00fchlt, wenn das Leben auf Messers Schneide steht, wei\u00df Adam (Name ge\u00e4ndert) genau: Es fuhr ein kaum vorstellbarer Vernichtungsschmerz durch seinen Brustkorb hinunter bis zum Bauchnabel. In seinem Innersten waren die Gef\u00e4\u00dfw\u00e4nde der Hauptschlagader, die aus dem Herzen kommt und den Oberk\u00f6rper durchzieht, eingerissen. Es drohten schwere innere Blutungen und die Gefahr, dass andere Gef\u00e4\u00dfe, die zu Organen wie Leber oder Nieren f\u00fchren, von der Blutversorgung abgeschnitten werden. Der damals 27-J\u00e4hrige musste notoperiert werden: Dabei wurde der gesch\u00e4digte Teil der Aorta mit einer flexiblen Kunststoffprothese ersetzt. <\/p>\n<p>Doch damit war die Gefahr nicht endg\u00fcltig gebannt: Immer wieder drohte die Aorta neu einzurei\u00dfen. Auch eine zweite <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Operation\" title=\"Operation\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Operation<\/a>, bei der ein weiterer Teil der Hauptschlagader mittels einer neuen, diesmal steifen Prothese ersetzt worden ist, half nicht langfristig. Jetzt, sechs Jahre sp\u00e4ter, liegt Adam ein drittes Mal im <a href=\"https:\/\/www.rbk.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Robert Bosch Krankenhaus Stuttgart<\/a>. Nun hatte sich seine gesamte Hauptschlagader bis in den Bauchraum hinein gef\u00e4hrlich erweitert. Ein erneuter Riss war zu erwarten. <\/p>\n<p> Dem will Dorothee Bail, die Leitende \u00c4rztin der Gef\u00e4\u00dfchirurgie, zuvorkommen: Sie hat im S\u00fcdwesten <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.weltfrauentag-2025-stuttgarter-herzchirurgin-raeumt-mit-vorurteilen-ueber-aerztinnen-auf.36bddd57-09c5-41ce-8bbd-d12f9d8e560e.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">eine Operationsmethode <\/a>etabliert, die Risikopatienten mit Erkrankungen an der Hauptschlagader pr\u00e4ventiv vor solchen Gef\u00e4\u00dfeinrissen sch\u00fctzt. \u201eWir ersetzen die Aorta l\u00fcckenlos mit einer neuartigen Gef\u00e4\u00dfprothese und zwar mittels eines viel schonenderen Eingriffs als es bisher \u00fcblich ist\u201c, sagt Bail. Bisher war eine offene Operation mit \u00d6ffnung des Brustkorbes und des Bauchraumes der Standard \u2013 ein sogenannter Zweih\u00f6hleneingriff. Der Nachteil dabei: \u201eDie OP dauert mehrere Stunden, der Patient muss dabei an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden\u201c, sagt Bail. <\/p>\n<p>Auch ein Gendefekt f\u00fchrt zu einem Riss in der Aorta <\/p>\n<p>Warum es bei manchen Menschen zu einer Schw\u00e4chung der Aorta-Innenw\u00e4nde bis zum Einriss kommt, ist bisher nicht vollst\u00e4ndig gekl\u00e4rt. Aktuelle Studien zeigen eine H\u00e4ufigkeit von bis zu 12 F\u00e4llen auf 100\u2009000 Einwohner. M\u00e4nner erkranken dabei bis zu dreimal so h\u00e4ufig wie Frauen. Das Alter der Betroffenen liegt um die 60 Jahre, sagt Dorothee Bail aus ihrer Arbeit als stellvertretende Leiterin des <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.kostenloses-aortenscreening-grosser-andrang-im-robert-bosch-krankenhaus.5f6285a4-b357-4da4-8da5-919d9a9525f1.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aortenzentrums im RBK<\/a> wei\u00df: \u201eDie Arterien und die Aorta im K\u00f6rper werden vor allem aufgrund eines ungesunden Lebensstils stark gesch\u00e4digt.\u201c Hauptrisikofaktoren daf\u00fcr sind Bluthochdruck, Gef\u00e4\u00dfverkalkungen oder Diabetes. <\/p>\n<p> In seltenen F\u00e4llen steckt eine erblich bedingte Bindegewebsschw\u00e4che hinter krankhaften Ver\u00e4nderungen der Aorta. So wie bei Adam. Er ist mit dem sogenannten Marfan-Syndrom auf die Welt gekommen. Dieser Gendefekt f\u00fchrt dazu, dass das Bindegewebe und auch die Gef\u00e4\u00dfe des Herz-Kreislauf-Systems erweitert werden und einrei\u00dfen. Das kann schon in sehr jungen Jahren auftreten. \u201eGerade f\u00fcr diese Patientengruppe bietet die neuartige Prothese die M\u00f6glichkeit einer langfristigen Versorgung\u201c, sagt Bail, die im RBK auch die Marfan-Sprechstunde betreut \u2013 in Zusammenarbeit mit dem Institut f\u00fcr Medizinische Genetik und Angewandte Genomik der Uniklinik T\u00fcbingen.<\/p>\n<p>Patienten m\u00fcssen nicht am offenen Brustkorb operiert werden <\/p>\n<p>Die neu entwickelten Aortenprothese ist rund 40 Zentimeter lang, aus Kunststoff und mit mit einer Gef\u00e4\u00dfst\u00fctze \u2013 Stent genannt \u2013 verbunden. Die steife Prothese, die f\u00fcr jeden Patienten individuell angefertigt wird, ist mit mehreren \u00c4sten ausgestattet, an die einzelne Arterien der Bauchorgane verbunden werden. <\/p>\n<p>Der Vorteil dieser Prothese ist, dass sie ausschlie\u00dflich \u00fcber den Bauchraum eingesetzt wird \u2013 ohne den Brustkorb zu \u00f6ffnen und den Patienten an die Herz-Lungen-Maschine anzuschlie\u00dfen. \u201eUm die Zug\u00e4nge an die Gef\u00e4\u00dfe der Bauchorgane wie Leber oder Nieren anzun\u00e4hen, m\u00fcssen diese nur kurz abgeklemmt werden\u201c, sagt Bail. Das senke die Risiken f\u00fcr den Patienten betr\u00e4chtlich. \u201eWir haben dann weniger Beatmungskomplikationen und die Verweildauer auf der Intensivstation sowie die Gefahr von Infektionen ist ebenfalls verringert.\u201c <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/media.media.51e83f50-e097-4e67-bf69-42e6ef68f1df.original1024.media.jpeg\"\/>     Dorothee Bail ist die stellvertretende Leiterin des Aortenzentrums am Robert Bosch Krankenhaus Stuttgart.    Foto: RBK\/Christoph Schmidt      Patienten m\u00fcssen regelm\u00e4\u00dfig medizinisch \u00fcberwacht werden <\/p>\n<p>Entwickelt wurde die Hybridprothese namens Thoracoflo an der Uniklinik Hamburg, im Jahr 2022 wurde das Verfahren erstmals auf einem Medizinkongress vorgestellt: \u201eAls ich dort von der Methode geh\u00f6rt habe, wollte ich sie bei uns einf\u00fchren\u201c, so Bail. Inzwischen wurden im RBK drei solcher Operationen durchgef\u00fchrt \u2013 von 50 Eingriffen weltweit. Adam war der 35. Eingriff. Die Operationen im RBK wurden alle unter der Federf\u00fchrung von Bail und Bartosz Rylski, dem Chefarzt der Herz- und Gef\u00e4\u00dfchirurgie vorgenommen. \u201eBislang zeigen alle unsere Patienten einen sehr guten Genesungsverlauf.\u201c <\/p>\n<p>Auch Adam ist auf einem guten Weg. Er wird auch weiterhin regelm\u00e4\u00dfig medizinisch untersucht, sagt Bail. Studien haben gezeigt, dass langfristige und regelm\u00e4\u00dfige Kontrollen per Computertomografie sowie Blutdruckmessungen die Chance auf ein l\u00e4ngeres Leben vergr\u00f6\u00dfern \u2013 zusammen mit einem gesunden Lebensstil. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Rei\u00dft die Hauptschlagader, drohen lebensgef\u00e4hrliche Blutungen. Jedes Jahr erleiden 4000 Bundesb\u00fcrger eine solche Aortendissektion. 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