{"id":599086,"date":"2025-11-24T16:14:27","date_gmt":"2025-11-24T16:14:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/599086\/"},"modified":"2025-11-24T16:14:27","modified_gmt":"2025-11-24T16:14:27","slug":"religionen-in-muenchen-dann-erklimmt-alt-ob-ude-empoert-das-podium-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/599086\/","title":{"rendered":"Religionen in M\u00fcnchen: Dann erklimmt Alt-OB Ude emp\u00f6rt das Podium &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Im Alten Rathaussaal wimmelt es am Sonntagabend von der ganzen Vielfalt, die diese Stadt zu bieten hat: Buddhistinnen sitzen im Publikum, Jesiden, Hindus, Sikhs, Angeh\u00f6rige der japanischen Tenrikyo-Glaubensgemeinschaft, vereinzelt entdeckt man Menschen mit Kopftuch, welche mit Turban. Allesamt sind sie M\u00fcnchnerinnen und M\u00fcnchner. Die, die an diesem Abend fehlen, sind es, die den Unmut von Alt-Oberb\u00fcrgermeister Christian Ude (SPD) zu fortgeschrittener Stunde so sehr erregen, dass er unangek\u00fcndigt das Podium erklimmt, um das Wort zu ergreifen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eUnzufrieden\u201c sei er, weil \u201eder wei\u00dfe Elefant, der hier riesengro\u00df im Raum steht, nicht benannt wird\u201c. Es geht Ude um die abwesenden Vertreter der beiden j\u00fcdischen Gemeinden der Stadt, der liberalen Beth Shalom und der Israelitischen Kultusgemeinde <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">M\u00fcnchen<\/a> und Oberbayern (IKG). Letztere hat nach urspr\u00fcnglicher Zusage vor wenigen Tagen die Teilnahme ihres Rabbiners Jan Guggenheim an dem Podiumsgespr\u00e4ch zur\u00fcckgezogen, wie eingangs als Veranstalter der st\u00e4dtische Beauftragte f\u00fcr interreligi\u00f6sen Dialog, Marian Offman, erl\u00e4utert. Dabei ist der Abend \u00fcberschrieben mit\u00a0 \u201eGemeinsam in schwierigen Zeiten\u201c. Im Mittelpunkt soll die M\u00fcnchner Charta der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften stehen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Grund der Absage, das deutet Offman, ohne Namen zu nennen, indirekt an, ist die Teilnahme eines anderen Diskutanten auf dem Podium: des Penzberger Imams Benjamin Idriz, gleichzeitig Vorsitzender des M\u00fcnchner Forums f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Islam\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Islam<\/a>. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/muenchen-imam-thomas-dehler-preis-kontroverse-benjamin-idriz-fdp-li.3330481\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gegen die Verleihung des Toleranz-Preises der FDP-nahen Thomas-Dehler-Siftung Ende Oktober an den Imam<\/a> hatte sich unter anderem die IKG-Pr\u00e4sidentin Charlotte Knobloch eingesetzt. Die Ehrung l\u00f6ste bundesweit eine Kontroverse aus. Expliziter wird erst Ude darauf zu sprechen kommen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Davor geh\u00f6rt der Abend den vielen \u2013 vor allem glaubens- und weltanschaulichen Minderheiten \u2013 dieser Stadt. Und einige von ihnen, wie bei einer kurzen Vorstellungsrunde klar wird, haben ebenfalls mit Ressentiments zu k\u00e4mpfen. \u201eEs ber\u00fchrt mich sehr, dass wir heute hier in schwierigen Zeiten zusammenstehen\u201c, begr\u00fc\u00dft eingangs B\u00fcrgermeisterin Verena Dietl (SPD) die G\u00e4ste im bis zum letzten Platz gef\u00fcllten Alten Rathaussaal. Es werde viel zu selten auf das Gemeinsame geblickt, \u201edas uns verbindet\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">An Dietls B\u00fcro angegliedert ist die Fachstelle f\u00fcr migrationsgesellschaftliche Diversit\u00e4t, die seit Jahren Kontakt aufbaut und h\u00e4lt zu den vielen Religions-, Glaubens- und Weltanschauungsgemeinschaften in der Stadt, mit ihren ganz unterschiedlichen Bed\u00fcrfnissen. Denn, was viele nicht im Blick haben: Zwei Drittel der M\u00fcnchnerinnen und M\u00fcnchner sind weder katholisch noch evangelisch. SPD-Stadtrat Marian Offman, selbst Jude, ist seit 2021 ehrenamtlicher Beauftragter f\u00fcr interreligi\u00f6sen Dialog.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/114bdd65-71b1-46f1-969d-b3f659bd355c.jpg\"   alt=\"Nicht alle blieben der Diskussion fern, mit dabei waren (von links): der evangelische Stadtdekan Bernhard Liess, Terry Swartzberg von J.E.W.S., der st\u00e4dtische Beauftragte f\u00fcr interreligi\u00f6sen Dialog Marian Offman, M\u00fcnchens Dritte B\u00fcrgermeisterin Verena Dietl und der Penzberger Imam Benjamin Idriz.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Nicht alle blieben der Diskussion fern, mit dabei waren (von links): der evangelische Stadtdekan Bernhard Liess, Terry Swartzberg von J.E.W.S., der st\u00e4dtische Beauftragte f\u00fcr interreligi\u00f6sen Dialog Marian Offman, M\u00fcnchens Dritte B\u00fcrgermeisterin Verena Dietl und der Penzberger Imam Benjamin Idriz. (Foto: Robert Haas)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">In dieser Eigenschaft hat er 2023 zusammen mit der Fachstelle die sogenannte M\u00fcnchner Charta der Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften auf den Weg gebracht. Zw\u00f6lf Gruppierungen bekennen sich darin zu gemeinsamen Werten und dem deutschen Grundgesetz. Nach dem 7. Oktober 2023, als die Hamas das Massaker auf israelische Zivilisten ver\u00fcbt hat, wurde nach vielen Diskussionen in der Charta-Gruppe auch noch dieser Satz zur Erkl\u00e4rung hinzugef\u00fcgt: \u201eWir lehnen insbesondere jede Form von Antisemitismus und Islamfeindlichkeit ab.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Unterzeichner des Wertepapiers haben am Sonntag kurz ihre Gemeinschaft von der B\u00fchne aus vorgestellt, darunter etwa die Alevitische Gemeinde M\u00fcnchen, der hinduistische Kulturverein Matri Mandir und die Jesiden. Erstmals tritt im Rathaussaal auch der Menschenrechtschor aller beteiligten Gemeinschaften auf und stimmt unter anderem Artikel 1 der Menschenrechtserkl\u00e4rung an: \u201eAlle Menschen sind frei und gleich an W\u00fcrde und Rechten geboren.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">In einem kurzen Werbeblock d\u00fcrfen ausgew\u00e4hlte Vertreter anschlie\u00dfend auf dem Podium erkl\u00e4ren, welchen Beitrag ihre Gemeinschaft f\u00fcr die Stadtgesellschaft leistet und wo es noch Luft nach oben gibt. Der evangelische Stadtdekan Bernhard Liess, gleichzeitig Sprecher im Rat der Religionen M\u00fcnchen, nutzt die Gelegenheit, um an \u201ekluge\u201c Religionspolitik in der Vergangenheit zu erinnern: \u201eMan muss auch dem anderen zuh\u00f6ren und sich nicht die K\u00f6pfe einschlagen, sondern davon ausgehen, dass das Gegen\u00fcber vielleicht auch recht haben k\u00f6nnte und sein Glauben kein Unsinn ist.\u201c Benjamin Idriz mahnt \u201efriedlichen, respektvollen Umgang\u201c an.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Kurzfristig ist Terry Swartzberg als j\u00fcdischer Vertreter eingesprungen. Er ist in seiner Funktion als Vorsitzender von \u201eJews Engaged With Students\u201c, kurz J.E.W.S., auf dem Podium, einer Initiative der europ\u00e4ischen Juden, die mit Jugendlichen vor allem auch an Schulen \u00fcber das <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Judentum\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Judentum<\/a> und den Holocaust spricht. Der 72-J\u00e4hrige, der seit zehn Jahren \u00f6ffentlich Kippa tr\u00e4gt, wirbt f\u00fcr seinen positiven Ansatz gegen Diskriminierung: \u201eWir gehen zu den Menschen und bringen unser Judentum zu ihnen ohne Angst, mit Freude und Offenheit.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ein paar Minuten sp\u00e4ter steigt Alt-OB Ude auf die B\u00fchne und spricht vom \u201ewei\u00dfen Elefanten\u201c. Seit dem 7. Oktober 2023 sei das ehemals solidarische Klima unter den M\u00fcnchner Religionen \u201eanders\u201c. Dass ausgerechnet dem \u201eRepr\u00e4sentanten einer Weltreligion\u201c, die es in M\u00fcnchen hunderttausendfach gebe, seines Wissens dem einzigen Imam in Deutschland, der in den vergangenen Jahrzehnten jede Gewaltt\u00e4tigkeit von islamistischer Seite, jede Frauenfeindlichkeit sch\u00e4rfstens zur\u00fcckgewiesen habe, eine Auszeichnung untersagt werden sollte, halte er f\u00fcr einen \u201eblamablen Vorgang und R\u00fcckfall\u201c. Dialogf\u00e4higkeit bedeute f\u00fcr ihn \u201ein einen Austausch eintreten und nicht nur in einer feindseligen Abwehr verharren\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Alten Rathaussaal wimmelt es am Sonntagabend von der ganzen Vielfalt, die diese Stadt zu bieten hat: Buddhistinnen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":599087,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[772,29,30,3314,555,2119,3311,1268,16,575,149],"class_list":{"0":"post-599086","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-bayern","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-glaube-und-religion","12":"tag-islam","13":"tag-judentum","14":"tag-leben-und-gesellschaft-in-muenchen","15":"tag-muenchen","16":"tag-politik","17":"tag-religion","18":"tag-sueddeutsche-zeitung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115605568829072833","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/599086","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=599086"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/599086\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/599087"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=599086"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=599086"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=599086"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}