{"id":599384,"date":"2025-11-24T19:09:20","date_gmt":"2025-11-24T19:09:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/599384\/"},"modified":"2025-11-24T19:09:20","modified_gmt":"2025-11-24T19:09:20","slug":"deutsches-museum-debatte-um-renovierung-des-ehrensaals","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/599384\/","title":{"rendered":"Deutsches Museum: Debatte um Renovierung des &#8222;Ehrensaals&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Einen unverzeihlichen Akt des Vandalismus&#8220; beklagt am 28. M\u00e4rz dieses Jahres der Landesdenkmalrat, der die Bayerische Landesregierung in Fragen des Denkmalschutzes ber\u00e4t. Diesen Beschluss fasste das Gremium nach einer Ortsbegehung im Deutschen Museum, <a href=\"https:\/\/www.deutsches-museum.de\/museumsinsel\/ausstellung\/ehrensaal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bei der es um die Sanierungsma\u00dfnahmen im Ehrensaal ging, eines \u00fcppig mit Bauschmuck und B\u00fcsten ausgestatteten Veranstaltungsraumes<\/a> (externer Link).  Jetzt soll das Thema im Landtagsausschuss f\u00fcr Wissenschaft und Kunst verhandelt werden.<\/p>\n<p>Eine &#8222;komplette Zerst\u00f6rung&#8220; eines Denkmals?<\/p>\n<p>Im Zuge der Generalsanierung des Deutschen Museums soll auch der Ehrensaal renoviert und modernisiert werden. Dabei, so die Entw\u00fcrfe des M\u00fcnchner Architekturb\u00fcros CL MAP, sollen u. a. Holz und Glas die urspr\u00fcngliche, teilweise schon abgenommene Stoffbespannung ersetzen, sowie die B\u00fcsten von Wissenschaftlern niedriger geh\u00e4ngt werden. F\u00fcr den Landesdenkmalrat stellt das die &#8222;komplette Zerst\u00f6rung des Ehrensaals&#8220; dar. Der Vorwurf: Hier werde ein Denkmal in einem staatlichen Museum mutwillig zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Befremdlich ist f\u00fcr die Kunsthistorikerin Claudia B\u00fcttner, die im Auftrag des Bundesbauministeriums \u00fcber Kunst am Bau forscht, die Begr\u00fcndung des Landesdenkmalrats f\u00fcr die Schutzw\u00fcrdigkeit des Baus. Er stelle &#8222;ein bedeutendes Zeugnis f\u00fcr den Wiederaufbau&#8220; dar. Der Vorsitzende des Ausschusses, Robert Brannek\u00e4mper, <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/muenchen-vandalismus-vorwurf-deutsches-museum-ehrensaal-landesdenkmalrat-li.3338696\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">sagte gegen\u00fcber der SZ<\/a> (externer Link): &#8222;Er hat den Geist und den Nimbus der neuen Bundesrepublik verstr\u00f6mt.&#8220; F\u00fcr B\u00fcttner ist das Gegenteil der Fall: &#8222;F\u00fcr die Ausschm\u00fcckung wurden mit Hermann Kaspar und Joseph Wackerle zwei K\u00fcnstler beauftragt, die ihre gr\u00f6\u00dften Erfolge in der NS-Zeit gefeiert hatten. Was in M\u00fcnchen jeder wissen konnte. Deren Beauftragung war also alles andere als ein Aufbruchssignal, sondern ein Schritt zur\u00fcck. Gerade in Bayern ist zu beobachten, dass es eine nahezu nahtlose Weiterbesch\u00e4ftigung von prominenten NS-K\u00fcnstlern in der Nachkriegszeit gab.&#8220;<\/p>\n<p>Tradition der Traditionslosigkeit?<\/p>\n<p>Der r\u00fccksichtslose Umgang mit der historischen Substanz hat allerdings Tradition im Deutschen Museum. Denn schon direkt nach dem Krieg gab es massive Eingriffe. Im Vorfeld der Einweihung 1925 hatte August Dietz ein Deckengem\u00e4lde f\u00fcr den Ehrensaal geschaffen. Das wurde zwar w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs besch\u00e4digt, aber nicht zerst\u00f6rt. Statt es zu restaurieren, wurde Hermann Kaspar mit einem neuen Fresko beauftragt, obwohl er wegen seiner NS-Mitgliedschaft nach dem Krieg kurzzeitig seine Professur an der M\u00fcnchner Kunstakademie verloren hatte. Worauf B\u00fcttner hinweist: Schon 1972, nachdem es in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg Aktionen gegen Hermann Kaspar gegeben hatte, lie\u00df das Deutsche Museum das Wandgem\u00e4lde &#8222;Gro\u00dfe Naturforscher der Antike, des Mittelalters und der Renaissance&#8220;, mit wei\u00dfer Farbe &#8222;reversibel&#8220; \u00fcbermalen. 1955 hatte es Kaspar im zentralen Treppenhaus gemalt.<\/p>\n<p>In den Augen der Kunsthistorikerin B\u00fcttner ist der urspr\u00fcngliche Zustand des Saales und seiner Umgebung deswegen l\u00e4ngst verloren. Ihn in einen vermeintlichen &#8222;Nachkriegszustand weitgehend wiederherzustellen&#8220;, wie es das Landesdenkmalamt fordert, blende die zahlreichen Eingriffe aus.<\/p>\n<p>Zerst\u00f6rt trotz &#8222;gutem Erhaltungszustand&#8220;<\/p>\n<p>Sowohl der Zeitpunkt als auch die inhaltliche Begr\u00fcndung werfen allerdings Fragen auf. Schon im Mai 2023 berichtete der BR \u00fcber die drohende Zerst\u00f6rung des Deckengem\u00e4ldes von Hermann Kaspar im Heldensaal aus dem Jahr 1953 &#8211; entgegen einem Gutachten des Landesamts f\u00fcr Denkschmalpflege von 1996, das dem BR vorliegt. Dort hie\u00df es: &#8222;Das nicht asbestbelastete, in gutem Erhaltungszustand befindliche Fresko ist in jedem Falle unver\u00e4ndert zu belassen&#8220;. Aber 2024 erhielt das Deutsche Museum die Genehmigung, das Fresko abnehmen zu d\u00fcrfen, weil die Erhaltungskosten im &#8222;sechsstelligen Bereich&#8220; zu hoch seien. <\/p>\n<p>Ebenso f\u00fcr die gesamte Umgestaltung, wie das Deutsche Museum in einer Stellungnahme an den BR schreibt: &#8222;Das Deutsche Museum [habe sich] bei den Planungen im Rahmen der Modernisierung stets eng mit den zust\u00e4ndigen Denkmalbeh\u00f6rden abgestimmt. Dementsprechend [\u2026]  liegen nat\u00fcrlich alle denkmalschutzrechtlich notwendigen Genehmigungen und damit auch eine g\u00fcltige Baugenehmigung vor.&#8220; Wusste der Landesdenkmalrat nichts davon? Die Abstimmung zwischen den verschiedenen Instanzen, die sich mit dem Denkmalschutz in Bayern befassen, erscheint zumindest mangelhaft. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Einen unverzeihlichen Akt des Vandalismus&#8220; beklagt am 28. 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