{"id":600342,"date":"2025-11-25T05:04:16","date_gmt":"2025-11-25T05:04:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/600342\/"},"modified":"2025-11-25T05:04:16","modified_gmt":"2025-11-25T05:04:16","slug":"das-nationale-ist-anfang-und-fluchtpunkt-des-europaeischen-projekts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/600342\/","title":{"rendered":"Das Nationale ist Anfang und Fluchtpunkt des europ\u00e4ischen Projekts"},"content":{"rendered":"<p>Gastkommentar<\/p>\n<p>Arthur Kr\u00f6n<\/p>\n<p class=\"mb-2 font-sans text-base font-thin leading-[26px] md:mb-[16px] md:text-xl md:leading-[32px]\">Die Spannung zwischen nationaler Identit\u00e4t und realpolitischer Vernunft l\u00e4sst sich aufl\u00f6sen. Es braucht dazu eine Neuausrichtung der europ\u00e4ischen Idee.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/d348a463-5bba-4792-bd41-be6623f6b22a.jpg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"5000\" height=\"3327\" alt=\"Es gibt eine Vielfalt an Traditionen, die gemeinsam Europas vorchristliche Mythologie, das r\u00f6mische Erbe und die christliche Pr\u00e4gung verk\u00f6rpern \u2013 so etwa das Krampus-Fest im Alpenraum.\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" \/>Es gibt eine Vielfalt an Traditionen, die gemeinsam Europas vorchristliche Mythologie, das r\u00f6mische Erbe und die christliche Pr\u00e4gung verk\u00f6rpern \u2013 so etwa das Krampus-Fest im Alpenraum.<\/p>\n<p>Andrej Tarfila \/ SOPA \/ Getty<\/p>\n<p class=\"articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jabtunkf0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">F\u00fcrsprecher der europ\u00e4ischen Einigung begegnen Nationalbewusstsein oft mit Unverst\u00e4ndnis oder gar Verachtung. Es wird als r\u00fcckw\u00e4rtsgewandtes und irrationales Hindernis auf dem Weg zu einer aufgekl\u00e4rten und \u00abinklusiven\u00bb kontinentalen Ordnung gesehen. Europa m\u00fcsse auf der \u00dcberwindung nationaler Gef\u00fchle aufgebaut werden.<\/p>\n<p>Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen<\/p>\n<p>NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.<\/p>\n<p>Bitte passen Sie die Einstellungen an.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jabtunkh0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Dieser Ansatz ist verkehrt. Er beruht auf einer Verkennung der europ\u00e4ischen Staatengeschichte, und er l\u00e4uft auf eine Art des forcierten und ahistorischen Einigungsprozesses hinaus, der zum Scheitern verurteilt ist. Europas Vergangenheit zeigt, dass sein Gesellschaftsmodell tief in den nationalen Identit\u00e4ten wurzelt, und sie l\u00e4sst keinen Zweifel daran, dass politische Einigungsbewegungen einer gemeinsamen Identit\u00e4t bed\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Linke T\u00e4uschung, rechte Illusion<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jabtunkh1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">W\u00e4hrend von links die Kraft der nationalen Identit\u00e4t untersch\u00e4tzt wird, verleugnen rechtsnationale Anh\u00e4nger eines \u00abEuropas der Vaterl\u00e4nder\u00bb die Notwendigkeit der politischen Einigung \u2013 selbst wenn diese im Interesse der europ\u00e4ischen Vielfalt stattfindet. In Zeiten, in denen amerikanische Konzerne weltweit \u00fcber mehr Einflussm\u00f6glichkeiten verf\u00fcgen als viele europ\u00e4ischen Staaten und in denen Krieg nicht l\u00e4nger nur zu Lande, in der Luft und zur See, sondern auch im Weltraum und im Cyberspace gef\u00fchrt wird, ist das fatal.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jabtunkh2\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Der europ\u00e4ische Nationalstaat als solcher ist nicht mehr wettbewerbsf\u00e4hig. Das Beharren rechtsnationaler Kr\u00e4fte auf Kleinstaaterei in der Konfrontation mit Weltm\u00e4chten gef\u00e4hrdet gerade jene Lebensweisen und Traditionen, die sie zu bewahren vorgeben.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jabtunki0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Diese Spannung zwischen nationaler Identit\u00e4t und realpolitischer Notwendigkeit l\u00e4sst sich l\u00f6sen \u2013 durch eine Neuausrichtung der europ\u00e4ischen Idee. In ihrer heutigen Form beruft sie sich meist auf die k\u00fchle Ratio der Wirtschafts- und Sicherheitspolitik sowie die hohen Ideale der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung und Menschenrechte. Das ist l\u00f6blich und historisch verst\u00e4ndlich. Allerdings fehlt diesem die Emotionalit\u00e4t, ein gef\u00fchlter und geteilter Wesenskern, den es brauchen w\u00fcrde, um Europa in einen handlungsf\u00e4higen Akteur auf der Weltb\u00fchne zu verwandeln \u2013 mit gemeinsamen europ\u00e4ischen Streitkr\u00e4ften, tiefgreifenden demokratischen Institutionen und einer koh\u00e4renten europ\u00e4ischen Aussenpolitik.<\/p>\n<p>Mehr Europa \u2013 aus Vaterlandsliebe<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jabtunkj0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Um die notwendige innere Kraft zu entwickeln, muss die europ\u00e4ische Idee auf dem Nationalbewusstsein der Europ\u00e4er aufbauen. Die europ\u00e4ische Identit\u00e4t, die es f\u00fcr mehr politische Einigung braucht, k\u00f6nnte dann aus der Liebe der Europ\u00e4er zu ihren nationalen Gemeinschaften und Traditionen erwachsen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jabtunkj1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Die Grundlagen daf\u00fcr existieren bereits. Die Nationen sind ein gemeinsames Erbe Europas, und unsere einzigartige Beziehung zu ihnen ist Teil dessen, was uns Europ\u00e4er verbindet und ausmacht. Nirgends sonst auf der Welt wird nationale Identit\u00e4t so praktiziert \u2013 auf engstem Raum in Frieden und Freiheit zusammenlebend, getragen von einer einzigartigen Vielfalt weit zur\u00fcckreichender nationaler und staatlicher Traditionen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jabtunkj2\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Das europ\u00e4ische Nationalbewusstsein gr\u00fcndet dabei auf zwei Pfeilern. Der eine besteht aus einer unbedingten Bindung zu einer bestimmten Geografie, einer kulturell und historisch gewachsenen Gemeinschaft und einem kollektiven Ged\u00e4chtnis. Dieser Pfeiler ist meist untrennbar verbunden mit einem zweiten: dem aufgekl\u00e4rten Wunsch, freier Staatsb\u00fcrger zu sein. Ohne Ersteren fehlt dem Staat das gemeinschaftliche Fundament; ohne Letzteren endet man alsbald in der Despotie.<a href=\"#_msocom_2\"\/><\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jabtunkk0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Diese Kombination aus gefestigtem, aber entspanntem Selbstverst\u00e4ndnis und offenem, aufgekl\u00e4rtem B\u00fcrgertum erm\u00f6glichte jene Errungenschaften, die bis heute Europas gesellschaftliche und politische Grundlage bilden. Die Nation und ihre tiefgreifende innere Solidarit\u00e4t waren wegbereitend f\u00fcr den innerstaatlichen Sozialvertrag. Der s\u00e4kulare Charakter des Nationalismus und seine zivilreligi\u00f6se Macht erm\u00f6glichten die Trennung zwischen Kirche und Staat. Die Gleichheit und Einheit des Volkes verdr\u00e4ngte die Spaltung der St\u00e4nde und trug so zur Festigung der Demokratie bei.<\/p>\n<p>Geteilter Stolz<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jabtunkk1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">In ihrer Emanzipationsgeschichte hat jede europ\u00e4ische Nation ihren Teil zu der europ\u00e4ischen Lebensweise beigetragen. In unserem Stolz auf diese nationalen Momente sind wir zugleich stolz auf ihr europ\u00e4isches Gewicht. Die Franz\u00f6sische Revolution ist so kein rein nationaler Mythos; durch ihren Einfluss auf andere europ\u00e4ische revolution\u00e4re Momente \u2013 von 1848 bis 1989 \u2013 erlangt sie ihre welthistorische Bedeutung.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jacest0b1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Dasselbe gilt f\u00fcr den Streik in der Danziger Schiffswerft 1980 oder Widerstandsbewegungen gegen die nationalsozialistische Okkupation quer durch den Kontinent. Auch der ukrainische Abwehrkampf wird einmal seinen Weg in das europ\u00e4ische kollektive Ged\u00e4chtnis finden. Historische Momente vor der Aufkl\u00e4rung fungieren ebenso als europ\u00e4ische Wegbereiter. Man denke an die Schlacht von Tours im Jahr 732 oder die Wiener T\u00fcrkenbelagerungen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jabtunkk2\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">\u00c4hnliches gilt f\u00fcr die Vielfalt nationaler und regionaler Traditionen, die gemeinsam Europas vorchristliche Mythologie, das r\u00f6mische Erbe und die christliche Pr\u00e4gung verk\u00f6rpern. Im Alpenraum gibt es das Krampus-Fest, in Polen die Turon-Figur \u2013 in Griechenland gibt es den Kallikantzaros und in Finnland Nuuttipukki. Jeder Brauch wird an einem anderen Datum gefeiert, doch finden sie alle immer im Winter statt, stellen eine furchteinfl\u00f6ssende Gestalt vor und verhandeln Artigkeit und Vergehen. Nation und Europa sind auch hier kein Widerspruch, sie bestehen nebeneinander, beeinflussen sich und bauen aufeinander auf.<\/p>\n<p>Rettung der teuer erk\u00e4mpften Normalit\u00e4t<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jabtunkk3\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Die politischen Herausforderungen unserer Zeit sind eine Chance f\u00fcr die europ\u00e4ische Idee, neue Kraft zu entwickeln \u2013 durch ein klares Bekenntnis zur Bewahrung dieser gemeinsamen Errungenschaften und der kulturellen Eigenheiten. Verlustangst ist mittlerweile die vorherrschende politische Kraft auf dem Kontinent, und sie bezieht sich in ihren nationalen Auspr\u00e4gungen auf Aspekte derselben Grundordnung. Es geht unter anderem um \u00f6ffentliche Sicherheit, gemeinsame kulturelle Normen, Meinungsfreiheit und die Standhaftigkeit der europ\u00e4ischen Demokratien. Mehr als die oft angeprangerte fehlende Toleranz z\u00e4hlt das Gef\u00fchl, dass die altbekannte, hart erarbeitete und teuer erk\u00e4mpfte Normalit\u00e4t in Europa auseinanderbreche.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jabtunkk4\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">In ihrem Versuch, jedem Nationalismus abzuschw\u00f6ren, positionieren sich viele Unterst\u00fctzer der Europ\u00e4ischen Union als Teil des Problems. Es f\u00fchrt am Ziel vorbei, wenn man den Europ\u00e4ern ihr Anrecht auf Nationenliebe aberkennt und diese mit einer neuen europ\u00e4ischen Einheit ersetzen m\u00f6chte \u2013 oder noch schlimmer: in eine Art postmodern-liberalen Hyperindividualismus verf\u00e4llt, in dem nur noch die Selbstverwirklichung des Einzelnen z\u00e4hlt.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jacev6nf1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Wenn Phrasen wie \u00abSchutz der europ\u00e4ischen Lebensweise\u00bb \u00f6ffentlichen Protest ausl\u00f6sen oder st\u00e4ndig aus Br\u00fcssel gegen den Nationalismus gewettert wird, schafft man eine k\u00fcnstliche Trennung zwischen der europ\u00e4ischen Idee und der Identit\u00e4t vieler Europ\u00e4er.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jabtunkk5\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Stattdessen muss das vereinte Europa als Mittel gedacht werden, seine Nationen zu f\u00f6rdern und zu sch\u00fctzen. Nur mit vereinter Kraft k\u00f6nnen wir unsere kulturellen Eigenheiten bewahren, die Sicherheit auf unseren Strassen und Volksfesten vor Terror und Kriminalit\u00e4t sch\u00fctzen und unser demokratisches Zusammenleben st\u00e4rken.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jacfgoqa1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Wo die Bedrohung gegen das europ\u00e4ische Leben greifbarer ist, ist nationale Identit\u00e4t bereits untrennbar mit Europa verstrickt. Man denke an die Ukraine, Georgien oder die Moldau, wo ein in Unterschiedlichkeit einiger Kontinent als sicherer Hafen f\u00fcr nationales Leben gesehen wird \u2013 ein Rahmen, der Europ\u00e4er in ihren lokalen Traditionen best\u00e4rkt und diese vor zerst\u00f6rerischen Einfl\u00fcssen sch\u00fctzt.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jabtunkk6\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Anders als man meinen k\u00f6nnte, herrschen zurzeit optimale Voraussetzungen f\u00fcr ein Wiederaufleben der europ\u00e4ischen Idee \u2013 als Besch\u00fctzer einer gemeinsamen Heimat; eines Europas, in dem freie B\u00fcrger ihre nationalen Traditionen und Identit\u00e4ten in Frieden und Sicherheit ausleben k\u00f6nnen. So liesse sich die seit Jahrhunderten existierende Br\u00fccke zwischen Nation und Europa auf die Politik \u00fcbertragen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jabtunkk7\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Das Nationalbewusstsein ist so keine Bedrohung f\u00fcr die europ\u00e4ische Einigung mehr, es wird ihre St\u00fctze. Ausserdem w\u00e4re antieurop\u00e4ischen, sogenannten \u00abnationalistischen\u00bb Kr\u00e4ften ihre Argumentationsgrundlage genommen und ihr Widerstand gegen europ\u00e4ische Zusammenarbeit als nicht nur antieurop\u00e4isch, sondern auch als antinational entlarvt. Das gemeinsame Streben, diese Heimat zu bewahren, k\u00f6nnte dann die emotionale Kraft spenden, deren die europ\u00e4ische Einigung so dringend bedarf.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jabtunkk8\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Sie ist und bleibt f\u00fcr viele ein Kompromiss. Den einen wird es schwerfallen, in ihrer universalistischen Weltanschauung Nationalstolz als Teil Europas zu akzeptieren. Andere werden nur unter grossen Schmerzen ihre nationale Identit\u00e4t von der Souver\u00e4nit\u00e4t nationaler politischer Institutionen trennen k\u00f6nnen. Jedoch ist der Preis der Unt\u00e4tigkeit h\u00f6her.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jacf27r41\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Das Fortbestehen unserer universalistischen Werte genauso wie die Bewahrung unserer Traditionen verlangen im Zeitalter globaler Konfrontationen eine wehrhafte gemeinsame Heimat. Anders als in vergangenen Jahrhunderten wartet die Welt nicht mehr auf Europa. Die Entscheidung liegt indes noch bei uns.<a href=\"#_msocom_3\"\/><\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-700 dark:text-paper-200 darknzz:text-paper-200 dark:lightnzz:text-paper-700 relative pt-4 text-sm md:text-base font-sans after:content-[''] after:absolute after:top-0 after:left-0 after:w-[40px] after:h-0 after:border after:border-0 after:border-b after:border-solid border-paper-950 dark:border-paper-25 darknzz:border-paper-25 dark:lightnzz:border-paper-950 after:border-paper-500 dark:after:border-paper-400\" id=\"id-doc-1jabu0d9o0\" componenttype=\"footnote\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" data-team-footnote=\"true\"><strong>Arthur Kr\u00f6n<\/strong> ist \u00f6sterreichischer Historiker an der University of Oxford.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gastkommentar Arthur Kr\u00f6n Die Spannung zwischen nationaler Identit\u00e4t und realpolitischer Vernunft l\u00e4sst sich aufl\u00f6sen. 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