{"id":600901,"date":"2025-11-25T10:40:17","date_gmt":"2025-11-25T10:40:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/600901\/"},"modified":"2025-11-25T10:40:17","modified_gmt":"2025-11-25T10:40:17","slug":"suwalki-in-polen-leben-an-der-achillesferse-der-nato","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/600901\/","title":{"rendered":"Suwalki in Polen: Leben an der Achillesferse der NATO"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/polen-grenze-125.jpg\" alt=\"Ein polnischer Grenzpfosten steht neben einem Hochsitz an der Suwalki-L\u00fccke.\" title=\"Ein polnischer Grenzpfosten steht neben einem Hochsitz an der Suwalki-L\u00fccke. | REUTERS\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>weltspiegel<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 25.11.2025 11:34 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Die Gegend um das polnische Suwalki gilt als die gr\u00f6\u00dfte Schwachstelle des NATO-Gebiets. Russland und Belarus k\u00f6nnten hier schnell durchsto\u00dfen und das Baltikum abtrennen. Doch die Bewohner der Stadt sehen das anders. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/ina-ruck-122.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Ina Ruck\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/ruck-104.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auf dem zentralen Platz der h\u00fcbschen Innenstadt blickt Polens Nationalheld Josef Pi\u0142sudski streng vom Denkmalssockel herab. Schr\u00e4g gegen\u00fcber steht eine Muttergottes-Statue, und nicht weit davon entfernt ein Denkmal f\u00fcr Papst Johannes Paul II.: Suwalki ist eine typische polnische Provinzstadt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sie liegt im \u00e4u\u00dfersten Nordosten des Landes, hat 70.000 Einwohner, kostenloses Wifi im Park, viele Konditoreien. Doch dass die Stadt weit \u00fcber Polens Grenzen hinaus bekannt ist, liegt nicht an ihrer Beschaulichkeit &#8211; sondern an ihrer Lage.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sieht man sich die auf der Karte an, so wirken Suwalki und das umgebende Gebiet wie eingeklemmt zwischen Russlands Exklave Kaliningrad im Nordwesten und Belarus im Osten: Die NATO nennt das die &#8222;Suwalki-L\u00fccke&#8220;. Aus Sicht der Gener\u00e4le ist dies ein h\u00f6chst verwundbarer und schwer zu verteidigender Streifen Land. Denn an der engsten Stelle dieser politisch brisanten Landenge liegen nur 65 Kilometer zwischen den beiden Grenzen. Und mittendrin Suwalki.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">W\u00fcrden russische und belarusische Soldaten, so das Szenario, hier in einer Zangenbewegung von rechts und links angreifen, k\u00f6nnten sie das n\u00f6rdlich der Suwalki-L\u00fccke gelegene Baltikum abtrennen von Polen &#8211; und damit von der gesamten restlichen NATO. Und bei der Gelegenheit auch gleich ein St\u00fcck Polen besetzen.<\/p>\n<p>    &#8222;Wir sind in der NATO, wir sind gesch\u00fctzt&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auf dem Wochenmarkt von Suwalki sind sie eher genervt, wenn man nach der Stimmung oder gar nach Angst fragt. Nein, wieso Angst, sagen die Frauen am Eierstand: &#8222;Sie sehen doch, dass die Drohnen auch anderswo in Polen herunterkommen.&#8220; Immer wieder f\u00e4llt auch der Satz: &#8222;Wir sind in der NATO, wir sind gesch\u00fctzt.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Ich sehe doch &#8218;Apache&#8216;-Hubschrauber in der Luft, das gibt Sicherheit&#8220;, sagt ein \u00e4lterer Mann. Vor allem auf die US-Amerikaner setzt man hier, mit ihren St\u00fctzpunkten in Polen und dem Baltikum. Und: auf sich selbst.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Angst sei der falsche Begriff, findet auch der Sejm-Abgeordnete Jacek Niedzwiedzki, der hier in Suwalki seinen Wahlkreis hat. &#8222;Es geht um das Bewusstsein f\u00fcr die Gefahr, und das haben wir hier im Blut. Wir leben mit diesen Nachbarn unser ganzes Leben. Deswegen weinen wir nicht, das bringt nichts. Wir r\u00fcsten uns.&#8220;<\/p>\n<p>    Ein hoch gesicherter Ort<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Polen steckt fast f\u00fcnf Prozent seines Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung. Rund um Suwalki kann man das sehen. Die Grenze zu Belarus ist mit einer meterhohen Metallwand und Hightech-Absperrungen bewehrt. Die zu Kaliningrad wird gerade auf breiter Fl\u00e4che in einer gro\u00dfangelegten Sicherungsaktion mit Panzersperren, hohen Z\u00e4unen und potentiellen Minenfeldern abgeriegelt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Polen ist bereits im Sommer aus dem Ottawa-Abkommen zum Verbot von Landminen ausgetreten, um seine Grenzen im Norden und Osten im Ernstfall verminen zu k\u00f6nnen. Zwar sind noch nicht viel mehr als 20 Kilometer der neuen Grenzsicherung zu Kaliningrad fertig. Aber der Plan steht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Geld gibt es auch f\u00fcr den Zivilschutz. So viel, dass Joanna Ras, B\u00fcrgermeisterin der Landgemeinde Sejny im Gebiet von Suwalki direkt an der Grenze zu Belarus, jetzt in gro\u00dfem Stil einkauft: Wassertanks, Notstromaggregate, Lebensmittelvorr\u00e4te. Sollte die Infrastruktur gest\u00f6rt werden, muss ihre Gemeindeverwaltung 4.000 Menschen versorgen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ras hat gerade auch Vertr\u00e4ge f\u00fcr ein neues gro\u00dfes Lagerhaus abgeschlossen, die Fotos der neuen Wasserzisterne hat sie auf dem Handy. &#8222;Es gibt dieses Sprichwort: Wenn du Frieden willst, bereite den Krieg vor. Ich finde, so etwas muss man ganz in Ruhe machen, ohne Panik zu sch\u00fcren. Man darf sich nicht von diesen ganzen Bedrohungs-Unkereien verunsichern lassen. Die Leute wissen, dass ich mich k\u00fcmmere.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dass die Russen bei Suwalki angreifen k\u00f6nnten, h\u00e4lt sie f\u00fcr sehr unwahrscheinlich. Es sei auch nicht der gef\u00e4hrlichste Ort Polens, sondern eher der am besten gesch\u00fctzte, lacht sie. So viele Soldaten wie hier an der Grenze gebe es nirgendwo sonst.<\/p>\n<p>    Investoren bleiben aus &#8211; und Touristen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wer sich davon bislang wenig \u00fcberzeugen l\u00e4sst, sind Investoren. Im Rahmen des Entwicklungsprogramms f\u00fcr strukturschwache Gebiete hat Polen Joanna Ras&#8216; Gemeinde Sejny ein perfekt erschlossenes Investitionsgebiet hingestellt: Auf einem gro\u00dfen Feld sind Anschl\u00fcsse gelegt, Zufahrtswege asphaltiert, Stra\u00dfenbeleuchtung aufgestellt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bis Jahresende m\u00fcssen Unternehmen gefunden werden, die hier mit gro\u00dfen Steuerverg\u00fcnstigungen etwas aufbauen wollen, sonst muss die Gemeinde Geld f\u00fcr den Ausbau zur\u00fcckerstatten. Doch das Feld ist g\u00e4hnend leer. Nebenan, auf der ebenfalls gef\u00f6rderten Investitionsfl\u00e4che der Gebietshauptstadt Suwalki, haben sich einige Investoren gefunden. Doch nach Sejny, noch n\u00e4her an der Grenze gelegen, traut sich niemand.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch mit dem Tourismus sieht es schlecht aus. Beim Treffen der Landfrauen von Sejny und Umgebung basteln sie Kr\u00e4nze f\u00fcr Weihnachten, auch Ras ist dabei. Landwirtschaft ist der Haupterwerbszweig hier, doch immer mehr H\u00f6fe h\u00e4tten auch Zimmer angeboten, Ferien auf dem Bauernhof, erz\u00e4hlen uns die Frauen hier.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch seit Russlands Angriff auf die Ukraine seien immer weniger Familien gekommen. &#8222;Sie lesen etwas \u00fcber die Gegend, finden den Begriff Suwalki-L\u00fccke und bekommen Angst. Ich hasse den Begriff mittlerweile&#8220;, sagt Ras.<\/p>\n<p>    &#8222;Gef\u00e4hrlich ist es auch anderswo&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Gef\u00e4hrlich sei es doch l\u00e4ngst auch anderswo in Polen, so Ras. Tats\u00e4chlich ist Polen seit Monaten zunehmend hybriden Attacken ausgesetzt, nicht nur an seinen Grenzen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">J\u00fcngst gab es einen Anschlag auf eine wichtige Eisenbahnstrecke, \u00fcber die viele R\u00fcstungsg\u00fcter in die Ukraine transportiert werden. In Warschau glaubt man die Hinterm\u00e4nner in Russland.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Polens Regierungschef Tusk spricht l\u00e4ngst von &#8222;russischem Staatsterrorismus&#8220;: Mit immer neuen hybriden Angriffen versuche Russland, die Grundlagen des polnischen Staats zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"weltspiegel Stand: 25.11.2025 11:34 Uhr Die Gegend um das polnische Suwalki gilt als die gr\u00f6\u00dfte Schwachstelle des NATO-Gebiets.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":600902,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4013],"tags":[331,332,916,13,812,14,15,3917,4043,4044,850,307,12],"class_list":{"0":"post-600901","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-russland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-belarus","11":"tag-headlines","12":"tag-litauen","13":"tag-nachrichten","14":"tag-news","15":"tag-polen","16":"tag-russia","17":"tag-russian-federation","18":"tag-russische-foederation","19":"tag-russland","20":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115609916966134985","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/600901","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=600901"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/600901\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/600902"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=600901"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=600901"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=600901"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}