{"id":602049,"date":"2025-11-25T21:30:16","date_gmt":"2025-11-25T21:30:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/602049\/"},"modified":"2025-11-25T21:30:16","modified_gmt":"2025-11-25T21:30:16","slug":"bosch-in-der-krise-stoppt-die-job-killer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/602049\/","title":{"rendered":"Bosch in der Krise: \u201eStoppt die Job-Killer\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a data-rtr-index=\"4\" title=\"Waiblingen\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/thema\/waiblingen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Waiblingen<\/a>, Jesistra\u00dfe. Von einem Hochhaus h\u00e4ngt ein Banner, \u00fcber dem Bosch -Logo der Schriftzug \u201eWer braucht schon Kapitalisten?\u201c. Auf der Stra\u00dfe begr\u00fc\u00dfen mehr als 1200 Protestierende die Parole und skandieren ihrerseits: \u201eStoppt die Jobkiller, Hartung ist der Bosch-Killer.\u201c Im Kern geht es ihnen um den Beschluss von Bosch-Chef Stefan Hartung, das Werk Waiblingen zu schlie\u00dfen \u2013 doch die Sorgen sind gr\u00f6\u00dfer: In den Werkhallen der Autohersteller und ihrer Zulieferer ist die Angst endg\u00fcltig angekommen, dass im Zuge des Strukturwandels Zehntausende von Menschen ihre Arbeitspl\u00e4tze verlieren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Im S\u00fcdwesten wird in diesen Tagen der Unmut lauter, die Nervosit\u00e4t gr\u00f6\u00dfer \u2013 und die Wortwahl sch\u00e4rfer. Arbeiter der baden-w\u00fcrttembergischen Autoindustrie und ihre Gewerkschaft <a data-rtr-index=\"15\" title=\"IG Metall\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/ig-metall\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">IG Metall<\/a> forcieren ihre Proteste gegen die Sparprogramme der Unternehmen. Nach einer Demo bei Bosch in Reutlingen und dem Aktionstag in Waiblingen wettert am Dienstag die baden-w\u00fcrttembergische IG-Metall-Chefin Barbara Resch vor dem Werk von Bosch in Stuttgart-Feuerbach gegen die aus ihrer Sicht unt\u00e4tigen Politiker. In Br\u00fchl protestiert die Gewerkschaft am Mittwoch, in Feuerbach im Dezember.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eWir erleben eine gef\u00e4hrliche Entwicklung: Unternehmen k\u00fcrzen Investitionen, verlagern die Produktion und streichen Arbeitspl\u00e4tze\u201c, sagt Resch. \u201eSteuern wir jetzt nicht gegen, verlieren wir industrielle Substanz und damit die Zukunftsf\u00e4higkeit unseres Landes.\u201c Die Ergebnisse der aktuellen Betriebsr\u00e4tebefragung seien alarmierend. Mehr als 60 Prozent der Arbeitnehmervertreter sind \u00fcberzeugt, dass die Investitionen nicht ausreichen, in fast der H\u00e4lfte der Unternehmen sei die Finanzierungslage angespannt, und 40 Prozent der Automobilunternehmen planten den Abbau von Stammarbeitskr\u00e4ften.<\/p>\n<p>Erschreckend, dass sich alle um die Entscheidungen immer herumwinden\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Das Atmosph\u00e4re bei der Pressekonferenz ist so trostlos wie die Botschaften. Es regnet, ein k\u00fchler Wind wirbelt vor dem Werktor das letzte Laub auf. Neben Resch stehend, berichtet Bosch-Gesamtbetriebsratschef Frank Sell von den Verhandlungen, die er seit Monaten mit der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung des weltgr\u00f6\u00dften Zulieferers f\u00fchrt. 22.000 Jobs will Bosch in der Autosparte streichen. \u201eWir fordern den Ausschluss von betriebsbedingten K\u00fcndigungen. Die sagen aber, dass sie glauben, dass betriebsbedingte K\u00fcndigungen notwendig sein werden.\u201c Boris Schw\u00fcrz, Gesamtbetriebsratschef von Mahle, fordert ein klares Signal von der Politik. \u201eEs ist erschreckend, dass sich alle um die Entscheidungen immer herumwinden.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Auch f\u00fcr Resch sind die Folgen der Strukturkrise f\u00fcr viele Unternehmen so einschneidend, dass die \u201eSozialpartner sie nicht allein bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen, wir brauchen dazu die Unterst\u00fctzung der Politik\u201c, erl\u00e4utert sie. Neben schneller Klarheit im Hinblick auf die Unsicherheit bei Verbrenner-Aus und CO2-Regeln seien vor allem ein Transformationsfonds f\u00fcr angeschlagene Zulieferer und Regeln zur lokalen Wertsch\u00f6pfung n\u00f6tig. \u201eWas hier in Autos eingebaut wird, muss auch hier produziert werden\u201c, sagt Resch. Weiter m\u00fcsse eine nachhaltige Industriepolitik f\u00fcr eine sichere Rohstoffversorgung und belastbare Lieferketten sorgen. \u201eDie Zahlen sprechen eine deutliche Sprache\u201c, erkl\u00e4rt die Gewerkschafterin, und die Situation f\u00fcr die Mitarbeiter sei bedr\u00fcckend. \u201eEin Teil hat gro\u00dfe Angst vor der Zukunft, die sagen, ich habe ein Haus, Familie \u2013 wie soll es weitergehen?\u201c, sagt Resch. \u201eDer andere Teil ist nur sauer und f\u00fchlt sich von der Politik vernachl\u00e4ssigt.\u201c<\/p>\n<p>Ein Schlag in die Magengrube<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In Waiblingen haben die Demonstranten ihren Protestzug vor der Fabrik in der Stuttgarter Stra\u00dfe begonnen. Das Werk f\u00fcr Verpackungen hat Bosch bereits 2020 an Syntegon verkauft. Die Besch\u00e4ftigten, die an diesem Tag von Kollegen weiterer Standorte und auch von Mitarbeitern anderer Automobilunternehmen wie Mercedes, Mahle und ZF unterst\u00fctzt werden, laufen durch Waiblingen zu dem Werk, das Bosch schlie\u00dfen will. Die Produktion f\u00fcr Steckverbinder aus Thermoplast und Silikonkautschuk f\u00fcr die globale Automobilindustrie soll Ende 2028 auslaufen, wie Bosch Ende September verk\u00fcndet hat.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Am Werktor der Fabrik steht ein Mitarbeiter mit grauer Outdoorjacke, darauf das Bosch-Logo. \u201eDas kam v\u00f6llig \u00fcberraschend und war ein Schlag in die Magengrube\u201c, sagt er. \u201e99 Prozent der Leute hier am Standort haben das nicht geahnt. Auch die F\u00fchrungskr\u00e4fte wussten nicht Bescheid.\u201c Er macht eine kurze Pause und blickt zu dem Kleinlaster, auf dem Helfer der IG Metall eine B\u00fchne herrichten. \u201eDie Existenzangst ist gro\u00df\u201c, sagt er nachdenklich. \u201eMan will fr\u00fchzeitig informieren \u2013 und jetzt stehen wir da, und man l\u00e4sst uns allein.\u201c Ein Kollege, wortkarg, mit Wollm\u00fctze, ein Kaugummi kauend. \u201eWie es aussieht? Schlecht! Woher sollen denn auf einmal 600 Arbeitspl\u00e4tze kommen?\u201c, fragt er grummelnd.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Nach Angaben von Bosch arbeiten in dem Werk zurzeit 560 Menschen. Der Umsatz habe sich innerhalb der vergangenen acht Jahre halbiert, die Produktionsmenge sei seit Langem r\u00fcckl\u00e4ufig. \u201eDie in Waiblingen hergestellten Stecker sind Standardprodukte, die die Autohersteller wie bei Amazon bestellen und dabei nur auf den Preis achten\u201c, erl\u00e4utert eine Sprecherin. Bosch beliefere seine Kunden mit diesen Produkten nun aus Werken in Thailand und China \u2013 auch die europ\u00e4ischen Kunden, wenn sie denn bei Bosch bestellen. Die Entscheidung, die Produktion im Werk auslaufen zu lassen, sei auch nicht kurzfristig getroffen worden, sondern das Ergebnis eines l\u00e4ngerfristigen Prozesses.<\/p>\n<p>\u201eWaiblingen kampfbereit\u201c skandieren sie<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In den Waiblingens Oberb\u00fcrgermeister Sebastian Wolf nicht eingebunden war. \u201eIch habe auch erst am Tag der Verk\u00fcndung von der Entscheidung erfahren, da war die erste Schicht schon informiert\u201c, sagt der CDU-Politiker. \u201eAber das ist egal, die Nachricht ist sowieso schlecht.\u201c Ob er noch Hoffnung habe, dass das Werk doch gehalten werden k\u00f6nne? \u201eEin B\u00fcrgermeister muss immer hoffen \u2013 und das hier ist schon ein starkes Signal\u201c, sagt er mit Blick auf die Menschenmenge, die immer wieder \u201eWaiblingen kampfbereit\u201c skandiert.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Redner auf der B\u00fchne nehmen die markigen T\u00f6ne auf. \u201eWir lassen euch nicht im Stich, wir werden die Schlie\u00dfung verhindern und bis aufs Blut k\u00e4mpfen\u201c, sagt Frank Sell, der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats bei Bosch. \u201eWir wollen, dass die Politiker in Berlin und Br\u00fcssel endlich wach werden und bei ihren Entscheidungen unsere Arbeitspl\u00e4tze an die erste Stelle stellen.\u201c Die Menge antwortet mit Trillerpfeifen und dem Schwenken der roten IG-Metall-Fahnen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Seit Bosch die Entscheidung Ende September verk\u00fcndet hat, verhandelt Stefano Mazzei, der an der Spitze des Betriebsrats am Standort Waiblingen steht, mit der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung. \u201eEs geht darum, zu verhindern, dass die Gangster den best\u00adorganisiertesten Industriebetrieb im Rems-Murr-Kreis schlie\u00dfen\u201c, ruft Mazzei ins Mikrofon. \u201eWenn uns das gelingt, werden andere Belegschaften unserem Beispiel folgen.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Direkt im Anschluss an die Kundgebung ist Mazzei zu einer weiteren Verhandlung geladen. Die Gespr\u00e4che laufen schleppend. Aus Arbeitnehmerkreisen ist zu h\u00f6ren, dass die Bosch-Chefs in der Zentrale des weltgr\u00f6\u00dften Autozulieferers zu keinerlei Kompromissen bereit sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Waiblingen, Jesistra\u00dfe. 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