{"id":604809,"date":"2025-11-26T23:54:11","date_gmt":"2025-11-26T23:54:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/604809\/"},"modified":"2025-11-26T23:54:11","modified_gmt":"2025-11-26T23:54:11","slug":"marco-2024-film-rezensionen-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/604809\/","title":{"rendered":"Marco (2024) | Film-Rezensionen.de"},"content":{"rendered":"<p><b>Inhalt \/ Kritik<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim Besuch eines illegalen Cagefights wird Wassim (<strong>Bashid Basheer<\/strong>) im Auftrag seines Bruders Tariq (<strong>Arjun Nandakumar<\/strong>) ermordet. Der blinde Victor (<strong>Ishan Shoukath<\/strong>), Zeuge der Tat, bleibt zun\u00e4chst verschont, erweist sich dann aber als zu gef\u00e4hrlich und wird ebenfalls aus dem Weg ger\u00e4umt. Hinter den Morden stehen Tariqs Gesch\u00e4ftspartner Tony Isaac (<strong>Jagadish<\/strong>), ein Gangsterboss alten Schlages, und seine S\u00f6hne Russell (<strong>Abhimanyu Shammy Thilakan<\/strong>) und Cyrus (<strong>Kabir Duhan Singh<\/strong>). Was zun\u00e4chst wie Routine im organisierten Verbrechen wirkt, entwickelt sich zum Pulverfass, als sich herausstellt, dass Victor der Bruder des einflussreichen Gangsterbosses George Adat (<strong>Siddique<\/strong>) ist. Und dann ist da noch Marco (<strong>Unni Mukundan<\/strong>), Victors Adoptivbruder, der einen blutigen Rachefeldzug startet \u2013 flankiert, scheinbar hilfreicherweise, von den Isaac-Br\u00fcdern, die ihn zugleich lenken und in die Irre f\u00fchren wollen. Dass dieser Plan nicht ohne Konsequenzen bleibt, versteht sich bei einem Film wie Marco beinahe von selbst.<\/p>\n<p>Eskalierende Gewaltspirale<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als \u201ebrutalster indischer Film aller Zeiten\u201c wird der Malayalam-Film aus der Mollywood-Schmiede des s\u00fcdwestindischen Bundesstaates Kerala beworben \u2013 eine vollmundige Behauptung, die vor allem wie ein gezielter K\u00f6der f\u00fcr ein sehr spezifisches Publikum wirkt. Berechtigt ist immerhin die Triggerwarnung, die dem Film vorangestellt ist: Marco ist ein Exzess an Gewalt, der kaum R\u00fccksicht auf die klassischen Tabus des Mainstream-Kinos nimmt. Opfer sind hier nicht nur namenlose Handlanger, sondern auch Figuren, die andere Filme gern schonen w\u00fcrden. Das Problem: Diese eskalierende Gewaltspirale dient erkennbar dem Selbstzweck und erweitert weder den ohnehin d\u00fcnnen Plot noch die Charakterentwicklung. Im Gegenteil: Je mehr Knochen brechen, je mehr Gliedma\u00dfe abgetrennt werden und je mehr Innereien aus dem K\u00f6rper gerissen werden \u2013 desto weniger entwickelt sich die Geschichte weiter. Dass die Gewalt, sobald sie von Marco ausgeht, aufw\u00e4ndig \u00e4sthetisiert wird \u2013 Zeitlupe, Coolness, heroisch auftrumpfende Musik von <strong>Ravi Basrur<\/strong> \u2013, verschiebt das Ganze in Richtung Gewaltstil\u00fcbung, deren Bodycount wichtiger ist als jede moralische oder psychologische Nuance.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Was der Verleih diskret verschweigt: Marco ist ein Spin-off des 2019 erschienenen Mikhael, in dem dieselbe Figur noch als Antagonist zum von <strong>Nivin Pauly<\/strong> gespielten Titelhelden auftrat. F\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des neuen Films ist das unerheblich, zumal Mikhael im deutschsprachigen Raum kaum zug\u00e4nglich ist. Doch es bleibt bemerkenswert, wie hier ein fr\u00fcherer B\u00f6sewicht in den Status eines d\u00fcster gl\u00e4nzenden Helden erhoben wird. Autor und Regisseur <strong>Haneef Adeni<\/strong>, in beiden Filmen f\u00fcr Buch und Inszenierung verantwortlich, offenbart in Marco zugleich sein erhebliches Talent f\u00fcr Action und sein Unverm\u00f6gen, den Raum zwischen den Setpieces mit einer schl\u00fcssigen, spannenden Erz\u00e4hlung zu f\u00fcllen. Es dauert qu\u00e4lend lange, bis die eigentliche Rachegeschichte \u00fcberhaupt Fahrt aufnimmt, und wenn sie dann endlich rollt, folgt sie einem strengen Schema aus Wiederholung und Steigerung: Mehr Gewalt, mehr Zeitlupe, mehr Pathos \u2013 aber kaum \u00fcberraschende Wendungen, es sei denn, man h\u00e4lt unlogische Volten f\u00fcr originelle Erz\u00e4hlideen.<\/p>\n<p>Visuell beeindruckend<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unni Mukundan spielt Marco als maximal \u00fcberh\u00f6hten R\u00e4cher: ein cooler, unersch\u00fctterlicher Killer, der Loyalit\u00e4t zur Familie und Vergeltung \u00fcber alles stellt. W\u00e4hrend er als nahezu unantastbare Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr Maskulinit\u00e4tsfantasien inszeniert wird, bleibt die Isaac-Familie radikal eindimensional: abgrundtief b\u00f6se, ohne erkennbaren inneren Konflikt. Warum ihre Gewaltausbr\u00fcche moralisch verwerflicher sein sollen als die \u00e4hnlich grausamen Aktionen des Protagonisten, bleibt der Imagination des Publikums \u00fcberlassen \u2013 oder eben v\u00f6llig ungekl\u00e4rt. Dabei liegt in Marco durchaus mehr Potenzial, als das Drehbuch freilegt. <strong>Chandru Selvarajs<\/strong> Kamera nutzt Farbdramaturgie und harte Kontraste, um die Schaupl\u00e4tze und gerade die Actionszenen visuell eindrucksvoll zu modellieren. Die Stuntkoordination von <strong>Kalai Kingson<\/strong> und<strong> Arun Yadav <\/strong>wiederum markiert das tats\u00e4chliche Highlight: Die choreographierte Brutalit\u00e4t wirkt handwerklich pr\u00e4zise und k\u00f6rperlich sp\u00fcrbar. Herausragend ist eine ausgedehnte Sequenz, die un\u00fcbersehbar als Hommage an die legend\u00e4re Korridor-Szene aus <a href=\"https:\/\/www.film-rezensionen.de\/2007\/06\/oldboy\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Oldboy<\/a> gelesen werden darf: Marco k\u00e4mpft sich, scheinbar in einem einzigen, ununterbrochenen Take, durch eine schier endlose Reihe von Gegnern. In solchen Momenten braucht sich Marco hinter internationaler Konkurrenz nicht zu verstecken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im globalen Boom der Racheerz\u00e4hlungen, der nach dem Erfolg von <a href=\"https:\/\/www.film-rezensionen.de\/2015\/06\/john-wick\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">John Wick<\/a> in Serie gegangen ist und inzwischen von Hollywood bis nach Mollywood reicht, best\u00e4tigt Marco eine Entwicklung, die zu erwarten war: Die Schauwerte verdr\u00e4ngen zunehmend das Bed\u00fcrfnis nach einer tragf\u00e4higen Geschichte. Was beim stilbildenden Vorreiter bereits eher als d\u00fcnner Aufh\u00e4nger f\u00fcr stilisierte Action diente, wird nun weiter verd\u00fcnnt, w\u00e4hrend der Gewaltgrad immer weiter nach oben geschraubt wird. F\u00fcr ein Publikum, das sich genau von solchen Exzessen angezogen f\u00fchlt, mag Marco eine willkommene Eskalationsstufe darstellen. F\u00fcr viele andere jedoch wird der Film trotz optischer Reize und inszenatorischer Finesse im Actionbereich zur Zumutung: ein technisch beeindruckender, erz\u00e4hlerisch aber hohler Beitrag zum zeitgen\u00f6ssischen Rachekino auf dem Weg zum n\u00e4chsten, noch brutaleren H\u00f6hepunkt.<\/p>\n<p><b>Credits<\/b><\/p>\n<p><strong>OT:<\/strong> \u201eMarco\u201c<br \/><strong>Land:<\/strong> USA<br \/><strong>Jahr:<\/strong> 2024<br \/><strong>Regie:<\/strong> Haneef Adeni<br \/><strong>Buch:<\/strong> Haneef Adeni<br \/><strong>Musik:<\/strong> Ravi Basrur<br \/><strong>Kamera:<\/strong> Chandru Selvaraj<br \/><strong>Besetzung:<\/strong> Unni Mukundan, Siddique, Jagadish, Abhimanyu Shammy Thilakan, Kabir Duhan Singh, Ishan Shoukath, Yukti Thareja, Ajith Koshy, Lishoy, Meera Nair<\/p>\n<p><b>Filmfeste<\/b><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.film-rezensionen.de\/2025\/09\/fantasy-filmfest-2025\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fantasy Filmfest 2025<\/a><br \/>SLASH 2025<\/p>\n<p><b>Kaufen \/ Streamen<\/b><\/p>\n<p>Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. 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