{"id":606210,"date":"2025-11-27T13:58:15","date_gmt":"2025-11-27T13:58:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/606210\/"},"modified":"2025-11-27T13:58:15","modified_gmt":"2025-11-27T13:58:15","slug":"nachweislich-nationalsozialistisch-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/606210\/","title":{"rendered":"Nachweislich nationalsozialistisch \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt steht es fest: die Baumasse in der Kamenzer Stra\u00dfe 12 wird unter Denkmalschutz gestellt. Hier befand sich das gr\u00f6\u00dfte Frauenau\u00dfenlagers vom KZ Buchenwald, in dem von 1944 bis 1945 Zwangsarbeiterinnen eines der gr\u00f6\u00dften deutschen R\u00fcstungskonzerne \u2013 der nahe gelegenen Hugo Schneider AG (HASAG) \u2013 untergebracht waren. Nach 1945 sollte dieser Teil der Geschichte aus der \u00d6ffentlichkeit verschwinden. Geb\u00e4udeteile wurde erst gesprengt, dann mit Gewerbebauten versehen, wie in der Informationsbrosch\u00fcre der Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr Zwangsarbeit detailliert nachzulesen ist.<\/p>\n<p>Seit 2007 nutzen Rechte das Areal, organisieren Konzerte und Veranstaltungen. Die 2010 von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes \u2013 Bund deutscher Antifaschistinnen und Antifaschisten aufgestellte Gedenktafel wurde wiederholt gesch\u00e4ndet. 2017 bezog zudem das Imperium Fight Team um Lok-Leipzig-Fan Benjamin Brinsa hier zwischenzeitlich seine \u00dcbungsst\u00e4tte. Im Dezember 2019 kritisierten das B\u00fcndnis Ladenschluss und zivilgesellschaftliche Initiativen in einem offenen Brief an die Stadtverwaltung, dass sie den Nazitreff stillschweigend duldete. Daraufhin fasste der Stadtrat im Mai 2020 den Beschluss: \u00bbDie Stadt anerkennt, dass der Geb\u00e4udekomplex in der Kamenzer Stra\u00dfe 10\/12 als ehemaliges Zwangsarbeiter*innenlager der HASAG und gr\u00f6\u00dftes Frauenau\u00dfenlager des KZ Buchenwald von besonderer Bedeutung ist, und verurteilt die aktuelle Nutzung durch Neonazis.\u00ab<\/p>\n<p>Nach der ersten oberfl\u00e4chliche Untersuchung zum Denkmalschutz wurde dieser 2021 <a href=\"https:\/\/kreuzer-leipzig.de\/2021\/05\/01\/nazitreff-statt-denkmalschutz\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">zun\u00e4chst verweigert<\/a>, unter anderem, weil es angeblich keine\u00a0\u00bbunverf\u00e4lschten Reste der historischen Geb\u00e4udesubstanz\u00ab mehr g\u00e4be. Seit Sommer <a href=\"https:\/\/kreuzer-leipzig.de\/2022\/07\/13\/neue-gedenk-stele-in-der-kamenzer-strasse\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">2022 erinnert zumindest eine Gedenktafel<\/a> der Stadt an die historischen Ereignisse.<\/p>\n<p>2024 besch\u00e4ftigte sich der Stadtrat erneut mit dem Grundst\u00fcck. Auf kreuzer-Anfrage erkl\u00e4rt das Dezernat Stadtentwicklung und Bau, dass basierend auf den Ratsbeschluss Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr Zwangsarbeit Leipzig von 2024 \u00bbeine erneute bauhistorische Pr\u00fcfung des Objektes Kamenzer Stra\u00dfe 12 beauftragt\u00ab wurde. Das neue Gutachten \u00bbwurde im Oktober dem Fachausschuss Kultur sowie dem Fachausschuss Stadtentwicklung vorgestellt\u00ab, so das erkl\u00e4rt das Dezernat.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zur ersten Untersuchung analysierte das Expertenteam nun in f\u00fcnf Tagen rund 5000 Quadratmeter Fl\u00e4che und etwa 100 R\u00e4ume. \u00bbDie Gutachterinnen und Gutachter kommen zu dem Ergebnis, dass der bauzeitliche Bestand au\u00dferordentlich hoch ist. Das Erdgeschoss, das Kellergeschoss sowie die Au\u00dfenw\u00e4nde des Obergeschosses sind als Bestand aus der NS-Zeit nachweisbar\u00ab, erkl\u00e4rt das Dezernat. Das bedeutet konkret auch, dass das Geb\u00e4ude Kamenzer Stra\u00dfe 12 laut Gutachterinnen und Gutachter \u00bbein Zeugnis von nationalem und internationalem Rang mit hoher Bedeutung f\u00fcr Sachsen und Leipzig\u00ab darstellt. Weiter ist im Schreiben nachzulesen: \u00bbEs handle sich um ein Kulturdenkmal mit gro\u00dfem Seltenheitswert und um das einzige erhaltene Massivgeb\u00e4ude der HASAG neben dem ehemaligen Verwaltungsgeb\u00e4ude. Aufgrund der Ergebnisse des bauhistorischen Gutachtens hat das Landesdenkmalamt Sachsen entschieden, das Geb\u00e4ude gem\u00e4\u00df S\u00e4chsischem Denkmalschutzgesetz unter Denkmalschutz zu stellen.\u00ab<\/p>\n<p>Ein wichtiger und l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lliger Schritt. Der Eigent\u00fcmer ist dar\u00fcber in Kenntnis gesetzt wurden. Gleichzeitig h\u00e4lt das Dezernat fest, dass dieser \u00bbnicht verpflichtet werden kann, weitere Forschungen oder Erhaltungsma\u00dfnahmen durchzuf\u00fchren.\u00ab<\/p>\n<p>Die Stadt wei\u00df nun allerdings, wie sie im Schreiben ausf\u00fchrt, dass im April 2025 der Eigent\u00fcmer bekannt gab, \u00bbdass er das Geb\u00e4ude f\u00fcr erinnerungskulturelle Zwecke \u00f6ffnen m\u00f6chte und sich hierzu im Austausch mit der Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr Zwangsarbeit Leipzig \u00fcber eine m\u00f6gliche Einmietung befindet.\u00ab<br \/>Ein Anruf bei der Gedenkst\u00e4tte h\u00e4tte die Verantwortlichen der Stadt allerdings gezeigt, dass dies keinesfalls der Wahrheit entspricht. Die Gedenkst\u00e4tte erfuhr erst durch die\u00a0kreuzer-Anfrage von diesem angeblichen Austausch.<\/p>\n<p>Letztlich bleibt die Stadt bei dem Entschluss, dass sie das Geb\u00e4ude nicht kaufen m\u00f6chte \u2013 auch nicht nach dem neuen Gutachten. So erfreulich der Denkmalschutz f\u00fcr das ehemalige Konzentrationslager auch ist: f\u00fcr die Erinnerungsarbeit bleibt noch viel zu tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Jetzt steht es fest: die Baumasse in der Kamenzer Stra\u00dfe 12 wird unter Denkmalschutz gestellt. 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