{"id":606422,"date":"2025-11-27T15:58:16","date_gmt":"2025-11-27T15:58:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/606422\/"},"modified":"2025-11-27T15:58:16","modified_gmt":"2025-11-27T15:58:16","slug":"aufregung-im-block-prozess-trotz-unterbrechung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/606422\/","title":{"rendered":"Aufregung im Block-Prozess trotz Unterbrechung"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t\t\t<strong><\/p>\n<p>Die Staatsanwaltschaft hat David Barkay, den Chef der israelischen Sicherheitsfirma, in einem abgetrennten Verfahren vernommen. Das Protokoll davon wurde nun geleakt, was eine ganz neue Dynamik im Hamburger Block-Prozess zur Folge hat.<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Die mehrt\u00e4gige Vernehmung des israelischen Unternehmers David Barkay durch die Hamburger Staatsanwaltschaft Anfang November 2025 markiert einen Wendepunkt im Verfahren um die Entf\u00fchrung der beiden j\u00fcngeren Block-Kinder in der Silvesternacht 2023\/24. Nun ist das 327-seitige Vernehmungsprotokoll durchgestochen worden.\u00a0<\/p>\n<p>Insbesondere die <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/2025-11\/block-prozess-christina-block-hamburg-entfuehrung-kinder\" target=\"_blank\" class=\"external-link-new-window\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">Zeit<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=u7IeS_anno8&amp;themeRefresh=1\" target=\"_blank\" class=\"external-link-new-window\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\">SpiegelTV<\/a> berichten ausf\u00fchrlich \u00fcber die Inhalte und geben Ausz\u00fcge des Protokolls teilweise w\u00f6rtlich wieder. Die Ver\u00f6ffentlichung wesentlicher Aussagen ist eine Z\u00e4sur: Sie verschiebt das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zwischen den Verfahrensbeteiligten und verleiht dem Fall eine neue, teils brisante Dynamik.<\/p>\n<p>Wer David Barkay ist und warum er vor deutschen Ermittlern aussagt<\/p>\n<p>David Barkay, ein ehemaliger Angeh\u00f6riger des israelischen Mossad, leitet das Unternehmen Cyber Cupula, das vor allem im Bereich Cyber Security t\u00e4tig ist. In den bisherigen Verhandlungstagen im Block-Prozess wurde deutlich, dass sein Unternehmen urspr\u00fcnglich f\u00fcr Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen des zur Block-Gruppe geh\u00f6renden Hotels Grand Elysee eingesetzt werden sollte.\u00a0<\/p>\n<p>Zudem erhielt Barkay aber auch den Auftrag, Informationen zu den Block-Kindern in D\u00e4nemark zu ermitteln. Letztlich stellte sich heraus, dass Barkay und weitere Israelis aus seinem Umfeld die Entf\u00fchrung der beiden j\u00fcngeren Block-Kinder in der Silvesternacht 2023\/24 durchgef\u00fchrt haben. Nach seiner anschlie\u00dfenden Flucht nach Israel wurde das Verfahren bisher in seiner Abwesenheit durchgef\u00fchrt und hinsichtlich seiner Person gem\u00e4\u00df \u00a7 4 Strafprozessordnung (StPO) abgetrennt.\u00a0<\/p>\n<p>Um ihn zur Aussage zu bewegen, hat die Staatsanwaltschaft Barkay sicheres Geleit nach \u00a7 295 Abs. 1 StPO gew\u00e4hrt. Das soll sicherstellen, dass Barkay trotz seiner Beschuldigtenstellung pers\u00f6nlich am Strafverfahren mitwirken kann, ohne au\u00dferhalb der vorgesehenen Ma\u00dfnahmen einer Festnahme ausgesetzt zu sein.\u00a0<\/p>\n<p>Barkays Wissen \u00fcber die famili\u00e4ren Konflikte der Blocks und insbesondere die Entf\u00fchrung der Kinder macht ihn zu einer zentralen Figur f\u00fcr die Wahrheitsfindung im komplizierten, undurchsichtigen Block-Verfahren. Seine Aussagen bieten wom\u00f6glich eine Antwort auf die noch offene Frage, wer die Entf\u00fchrung der Kinder bei Barkay in Auftrag gegeben hat. Wenn man dem, was bisher aus dem Vernehmungsprotokoll geleakt worden ist, Glauben schenkt, hat laut Barkay Christina Block pers\u00f6nlich ihm den Auftrag erteilt, die zwei j\u00fcngsten Block-Kinder aus D\u00e4nemark nach Deutschland zu holen.<\/p>\n<p>Wie Barkays Aussagen Christina Block belasten<\/p>\n<p>Laut den Medienberichten, die sich auf das Vernehmungsprotokoll beziehen, hat Barkay bereits im Januar 2023 durch einen <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/hintergruende\/h\/kindesentziehungsprozess-christina-block-israelischer-kontaktmann-ausschluss-oeffentlichkeit-staatssicherheit\" target=\"_blank\" class=\"external-link-new-window\" rel=\"nofollow noopener\">bereits gerichtlich vernommenen, israelischen Gesch\u00e4ftsmann<\/a> von den Sorgerechtsstreitigkeiten der Familie Block erfahren. Ende Januar habe er dann Christina Block und zwei Mitangeklagte, den Anwalt der Familie und ihren Lebensgef\u00e4hrten Gerhard Delling, in einem Hamburger Restaurant getroffen. Block habe geweint und \u00fcber die Gef\u00e4hrdung ihrer Kinder gesprochen. Barkay sei \u00fcberrascht gewesen, da seine Firma eigentlich im Bereich Cyber-Sicherheit arbeitet und nicht Personen aus dem Ausland nach Deutschland holt. Der Plan sei deshalb zun\u00e4chst gewesen, Informationen zu sammeln und nur im Notfall die Kinder zu &#8222;retten&#8220;.<\/p>\n<p>Die Bezahlung Barkays, eine sechsstellige Summe, sei nach seinen Angaben gr\u00f6\u00dftenteils \u00fcber den Familienanwalt und nur zu einem geringen Teil von Christina Block selbst erfolgt. Die Entf\u00fchrer h\u00e4tten von Barkay jeweils 10.000 Euro f\u00fcr ihre Leistungen erhalten. Zwei von ihnen, darunter auch der vor dem Landgericht (LG) Hamburg israelische Mitangeklagte, h\u00e4tten das Honorar abgelehnt. Barkay und sein Team h\u00e4tten die Familie Hensel in D\u00e4nemark auch in ihrem Haus \u00fcber Wochen hinweg beobachtet und dabei Ferngl\u00e4ser, Drohnen und Kameras eingesetzt. Block sei \u00fcber diese \u00dcberwachung informiert gewesen und habe auch Aufnahmen zu Gesicht bekommen. \u00a0<\/p>\n<p>In den ver\u00f6ffentlichten Ausz\u00fcgen beschreibt Barkay Christina Block als emotional stark belastet. Sie habe um die Sicherheit ihrer Kinder unter ihrem Ex-Mann Stephan Hensel gef\u00fcrchtet. In diesem Zusammenhang habe Block gesagt, Barkay solle die Kinder &#8222;retten&#8220;, sollten diese &#8222;in Gefahr sein&#8220;. Noch am 28. Dezember 2023, also drei Tage vor der Entf\u00fchrung, soll es ein Treffen der Beteiligten im Hotel Elysee gegeben haben, bei dem sich Block f\u00fcr eine &#8222;legale Aktion&#8220; bei Barkay bedankt haben soll. Die Entf\u00fchrung selbst soll Barkay als &#8222;schrecklich&#8220; beschrieben haben. <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/hintergruende\/h\/block-prozess-tonaufnahmen-kinder-silvesternacht\" target=\"_top\" class=\"external-link-new-window\" rel=\"nofollow noopener\">Sie sei chaotisch gewesen<\/a>, zeitweise soll die Tochter auf ihrem Bruder gelegen und gef\u00fcrchtet haben, diesen zu ersticken.<\/p>\n<p>Wie glaubw\u00fcrdig sind Barkays Aussagen?<\/p>\n<p>Hinsichtlich der Entf\u00fchrung \u00e4u\u00dfert Barkay zwar, dass Block ihm den &#8222;Auftrag&#8220; zur Entziehung der Kinder erteilt habe. Was sie genau gesagt haben soll und unter welchen Bedingungen ein m\u00f6gliches Vorgehen stattfinden sollte, bleibt jedoch weiterhin offen. Daneben sagte er explizit aus, dass Block in die konkreten Ausf\u00fchrungspl\u00e4ne gar nicht eingeweiht gewesen sei. Den Widerspruch l\u00f6st er laut den Berichten \u00fcber das geleakte Vernehmungsprotokoll nicht auf.<\/p>\n<p>Letztlich soll er sich laut Medienberichten in seiner Vernehmung darauf berufen haben, der Block-Anwalt habe die Legalit\u00e4t einer m\u00f6glichen Entf\u00fchrung garantiert. Barkay habe geglaubt, bei der Entf\u00fchrung nicht gegen Recht zu versto\u00dfen. Dann stellt sich aber die Frage, warum er sich hinsichtlich so eines erkennbar riskanten Vorhabens mit der rechtlichen Einsch\u00e4tzung eines involvierten Anwalts begn\u00fcgt haben soll.<\/p>\n<p>Wie Blocks Anw\u00e4lte auf das Leak des Protokolls reagieren<\/p>\n<p>In Presseerkl\u00e4rungen kritisieren Dr. Ingo Bott, der Verteidiger Blocks, und ihre presserechtliche Vertretung, die Kanzlei LHR Rechtsanw\u00e4lte, die Vorgehensweise der Staatsanwaltschaft. Die Vernehmung des Zeugen sei ohne vorherige Information an Gericht und Verteidigung erfolgt. Rechtlich ist das aber kein Problem: Die Staatsanwaltschaft trifft keine Pflicht, Gericht und Anw\u00e4lte vorab informieren zu m\u00fcssen. Ermittlungen sind \u2013 im Gegensatz zu Gerichtsverhandlungen \u2013 nicht \u00f6ffentlich.\u00a0<\/p>\n<p>Blocks Anw\u00e4lte weisen darauf hin, dass die Weitergabe und Ver\u00f6ffentlichung von Akteninhalten gem\u00e4\u00df \u00a7 353d Strafgesetzbuch (StGB) strafbar ist. Die Hamburger Staatsanwaltschaft teilt diese Auffassung in diesem Fall aber nicht und ermittelt deswegen derzeit auch nicht. Der Grund: Die Medien, die \u00fcber das gegen\u00fcber ihnen geleakte Protokoll berichten, erf\u00fcllten den Straftatbestand erst, wenn die Zitate aus dem Protokoll &#8222;in wesentlichen Teilen w\u00f6rtlich&#8220; erfolgt w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Thomas Herro von LHR Rechtsanw\u00e4lte gibt gegen\u00fcber LTO zu bedenken, dass es sich bei den Ver\u00f6ffentlichungen der Medien, denen das Protokoll vorliegt, um eine &#8222;vorverurteilende Darstellung&#8220; durch die Presse handeln k\u00f6nne, die m\u00f6glicherweise Anspr\u00fcche wegen Pers\u00f6nlichkeitsrechtsverletzungen zur Folge haben k\u00f6nnten. Insbesondere h\u00e4tten diese Medien Blocks Anw\u00e4lten nur sehr wenig Zeit zur Stellungnahme zu dem Leak gew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Was Staatsanwaltschaft und die Gerichtspressestelle sagen<\/p>\n<p>Die Pressestelle der Staatsanwaltschaft versichert auf LTO-Anfrage, dass es keine Anhaltspunkte f\u00fcr eine Weitergabe des Vernehmungsprotokolls durch die Staatsanwaltschaft nach au\u00dfen gebe. Nur Verfahrensbeteiligte h\u00e4tten im Rahmen des Akteneinsichtsrechts nach \u00a7 147 Abs.1 StPO \u00fcber das Gericht Zugang zu dem Vernehmungsprotokoll gehabt. Barkay sei als Beschuldigter unter anderem im Zusammenhang mit der Kindesentf\u00fchrung in einem abgetrennten Verfahren vernommen worden. Eine Abstimmung mit dem Gericht oder der Verteidigung sei in diesem Rahmen nicht erforderlich.\u00a0<\/p>\n<p>Auf LTO-Anfrage teilt die auch f\u00fcr das LG zust\u00e4ndige Pressesprecherin des Hamburger Oberlandesgerichts mit, dass Einsicht in das Vernehmungsprotokoll bereits am 19. November 2025 gew\u00e4hrt wurde. Das Gericht habe das Verfahren <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/nachrichten\/n\/632kls1025-lg-hamburg-block-prozess-have-astrid-aussage\" target=\"_top\" class=\"external-link-new-window\" rel=\"nofollow noopener\">daraufhin f\u00fcr drei Wochen bis zum 10. Dezember unterbrochen<\/a>, um den Verfahrensbeteiligten die M\u00f6glichkeit einer umfassenden Auseinandersetzung mit den neuen Ermittlungsergebnissen zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>F\u00fcr das gerichtliche Hauptverfahren, hier also den Block-Prozess, gilt im Hinblick auf die Vernehmung Barkays weiterhin der Unmittelbarkeits- und M\u00fcndlichkeitsgrundsatz nach \u00a7 250 StPO. Danach ist grunds\u00e4tzlich der Zeuge, hier also Barkay, pers\u00f6nlich vor Gericht zu vernehmen. Nur wenn dies nicht m\u00f6glich ist, kann das Vernehmungsprotokoll Barkays nach \u00a7 251 Abs. 1 Nr. 3 StPO als Urkunde durch Verlesung in das Hauptverfahren eingebracht werden. Mit R\u00fccksicht auf die Sicherheitslage David Barkays, der ehemaliger Mossad-Agent ist, k\u00f6nne nicht gesagt werden, ob und gegebenenfalls wann er als Zeuge geladen wird, so die Gerichtssprecherin.\u00a0<\/p>\n<p>Zitiervorschlag<\/p>\n<p id=\"citeArticleContent\">\n<p>\t\t\t\t\tVernehmungsprotokoll durchgestochen:<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t. In: Legal Tribune Online,<br \/>\n\t\t\t\t\t27.11.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t, https:\/\/www.lto.de\/persistent\/a_id\/58732 (abgerufen am:<br \/>\n\t\t\t\t\t27.11.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t)\n\t\t\t\t<\/p>\n<p>\t\t\t\tKopieren<br \/>\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/rechtliches\/zitierhinweise\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Infos zum Zitiervorschlag<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Staatsanwaltschaft hat David Barkay, den Chef der israelischen Sicherheitsfirma, in einem abgetrennten Verfahren vernommen. 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