{"id":606689,"date":"2025-11-27T18:34:20","date_gmt":"2025-11-27T18:34:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/606689\/"},"modified":"2025-11-27T18:34:20","modified_gmt":"2025-11-27T18:34:20","slug":"mehrere-faelle-in-berlin-schutzgelderpressung-umgibt-eine-mauer-des-schweigens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/606689\/","title":{"rendered":"Mehrere F\u00e4lle in Berlin: Schutzgelderpressung umgibt eine Mauer des Schweigens"},"content":{"rendered":"<p>Mehrere F\u00e4lle in BerlinSchutzgelderpressung umgibt eine Mauer des Schweigens27.11.2025, 17:58 Uhr <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/autoren\/Marc-Dimpfel-article24053113.html\" class=\"article-detail-head_author___bDMZ\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"Image_img__fQCi0 Image_Img_1_1__Ei3jf\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/DSC-3851-1.webp.webp\" alt=\"DSC-3851-1\"\/>Marc Dimpfel<\/a><img decoding=\"async\" class=\"Image_img__fQCi0 Image_Img_16_9__4BLfH widget-picture-inline_maximizable__t_E7h\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Kriminaltechniker-der-Polizei-sichern-Spuren-vor-einer-Fahrschule-in-der-Scharnweberstrasse-in-Berli.webp\" alt=\"Kriminaltechniker-der-Polizei-sichern-Spuren-vor-einer-Fahrschule-in-der-Scharnweberstrasse-in-Berlin-Reinickendorf-In-der-Fassade-der-Fahrschule-sind-vermutlich-Einschussloecher-zu-sehen\"\/>Einschussl\u00f6cher im Fenster einer Berliner Fahrschule. (Foto: picture alliance\/dpa)TeilenFolgen auf:<a href=\"https:\/\/www.whatsapp.com\/channel\/0029Va5cdVJD8SDp5YZgYF01\" title=\"Auf WhatsApp folgen\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/socialIcons\/whatsapp.svg\" alt=\"whatsapp\" class=\"ArticleShare_icon__FsrC2\"\/><\/a><a href=\"https:\/\/news.google.com\/publications\/CAAiEPMdif5mpRNxiLOeUpHCwwsqFAgKIhDzHYn-ZqUTcYiznlKRwsML?hl=de&amp;gl=DE&amp;ceid=DE%3Ade\" title=\"Auf Google News folgen\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.n-tv.de\/socialIcons\/google.svg\" alt=\"whatsapp\" class=\"ArticleShare_icon__FsrC2\"\/><\/a><\/p>\n<p class=\"Typography_text-m__XI0da Typography_weight-bold__uT6mq storyline_lead_text_leadtext__q_wg8\">Sch\u00fcsse auf Fahrschulen, Drohungen gegen eine Supermarktkette und eine eindringliche Warnung der Polizei: In Berlin h\u00e4ufen sich F\u00e4lle von Schutzgelderpressung. Daten dazu gibt es kaum, doch ein Ermittler sagt: Sehr viele zahlen Geld.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">&#8222;Mit Sicherheit zum Erfolg&#8220; steht auf dem Schaufenster einer Fahrschule im Berliner Bezirk Spandau. Vergangene Woche kamen mehrere Einschussl\u00f6cher dazu. Es war bereits der vierte Schusswaffenangriff innerhalb eines Monats auf das Unternehmen. Von insgesamt sieben Filialen in der Hauptstadt wurden drei beschossen, eine gleich zweimal.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Nicht nur die Polizei geht von einem Zusammenhang aus, auch die t\u00fcrkischen Fahrschulbetreiber berichteten der &#8222;Bild&#8220;-Zeitung, seit Wochen massiv bedroht zu werden. Dabei geht es offenbar um die Zahlung von Schutzgeld. Eine Form der Erpressung, bekannt als Einkommensquelle der italienischen Mafia und anderer Verbrechergruppen. Diese kann sich auch abseits von Geldzahlungen \u00e4u\u00dfern, etwa wenn den Opfern G\u00fcter von einem bestimmten Zulieferer oder die Anstellung eines Mitarbeiters aufgezwungen werden. In welchem Ausma\u00df das in Deutschland praktiziert wird, dar\u00fcber gibt es kaum Informationen. <\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Das liegt zum einen daran, dass Schutzgelderpressung kein eigener Straftatbestand ist. Die Polizei z\u00e4hlt das Ph\u00e4nomen zwar zum T\u00e4tigkeitsbereich der organisierten Kriminalit\u00e4t in Deutschland, in den Kriminalstatistiken werden die F\u00e4lle zumeist aber als N\u00f6tigung oder r\u00e4uberische Erpressung eingeordnet, je nach Vorgehen der T\u00e4ter. Explizit benannt wurden in den vergangenen Jahren nur einzelne F\u00e4lle. <\/p>\n<p>Dunkelziffer ist hoch<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Experten und Ermittlern zufolge existiert aber eine deutlich h\u00f6here Dunkelziffer, weil kaum ein Fall angezeigt wird. Oftmals aus Angst vor den T\u00e4tern oder aus mangelndem Vertrauen in die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden. Auch kann es vorkommen, dass Betroffene selbst in kriminelle Aktivit\u00e4ten verwickelt sind und sich deshalb nicht an die Polizei wenden, zum Beispiel im Rotlichtmilieu. Mit Blick auf das gro\u00dfe Dunkelfeld sei von einer &#8222;konstanten Entwicklung dieser Kriminalit\u00e4t&#8220; auszugehen, teilte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) auf Anfrage von ntv.de mit. <\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">In einigen Branchen wie der Gastronomie oder dem Sexgewerbe &#8222;zahlen sehr viele an irgendwen&#8220;, sagte ein anonymer Ermittler dem &#8222;Tagesspiegel&#8220;. In der \u00fcberwiegenden Zahl der F\u00e4lle seien keine Strafanzeigen oder Aussagen von Gesch\u00e4digten zu erwarten. &#8222;Wer in bestimmten Stra\u00dfen &#8211; selbst in der City West &#8211; ein gro\u00dfes Restaurant hat, aber nicht selbst zu einer der tonangebenden Familien geh\u00f6rt, wird in vielen F\u00e4llen vierstellige Summen im Monat zahlen&#8220;, zitiert die Zeitung den Beamten. <\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Hinweise auf die Verbreitung gibt eine der wenigen Studien zum Thema: Im Jahr 2018 f\u00fchrte das Portal Immoscout24 eine Befragung unter 120 Gewerbetreibenden durch. 18 Prozent gaben an, schon einmal mit Schutzgeldforderungen konfrontiert gewesen zu sein. Die Umfrage ist nicht repr\u00e4sentativ. So sind es vor allem Einzelf\u00e4lle, die an die \u00d6ffentlichkeit kommen.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Aktuell besonders betroffen scheint Berlin zu sein. Dort nahm die Polizei im April vier Mitglieder einer bekannten arabischen Gro\u00dffamilie fest. Die M\u00e4nner sollen einen Gesch\u00e4ftsmann \u00fcber einen Zeitraum von einem halben Jahr aufgefordert haben, Schutzgeld zu bezahlen, um &#8222;unangenehme \u00dcberraschungen&#8220; zu vermeiden. Sie drohten unter anderem damit, sein Gesch\u00e4ft in Brand zu setzen oder zu wissen, wo das Kind des Opfers zur Kita geht, teilte die Staatsanwaltschaft mit. 40.000 Euro habe der Mann den Erpressern gezahlt.<\/p>\n<p>Dalton-Bande verlangt &#8222;Schutzz\u00f6lle&#8220;<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">In einem weiteren Berliner Fall wurden Anfang des Monats drei M\u00e4nner t\u00fcrkischer Staatsangeh\u00f6rigkeit zu Haftstrafen verurteilt. Sie sollen der Dalton-Bande angeh\u00f6ren, einer aus der T\u00fcrkei agierenden mafia\u00e4hnlichen Organisation, benannt nach Revolverhelden aus dem Wilden Westen. Die Gruppe hat nach \u00dcberzeugung des Gerichts versucht, leitende Mitarbeiter der t\u00fcrkischen Supermarktkette Eurogida zu erpressen. Dabei verlangten sie &#8222;Schutzz\u00f6lle&#8220; von bis zu einer halben Million Euro. Sie drohten mit der Sprengung von Filialen und ihren Opfern mit dem Tod. Auf zwei Berliner Superm\u00e4rkte wurde geschossen. Geld soll keines geflossen sein. <\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Das Anti-Mafia-Projekt Echolot hat &#8211; auch aus Mangel an empirischer Forschung &#8211; die mediale Berichterstattung \u00fcber Schutzgelderpressung ausgewertet. Demnach gibt es seit den 1990er Jahren Berichte \u00fcber das Ph\u00e4nomen in Deutschland. Zun\u00e4chst wurden insbesondere Gastronomen aus der italienischen Community von der italienischen Mafia erpresst. Wer nicht darauf einging, dessen Lokale wurden in Brand gesetzt. <\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Inzwischen sei das Betroffenenfeld erweitert. &#8222;Folgt man der medialen Berichterstattung, so sind besonders Restaurants und Kneipen, Blumenl\u00e4den, Bordelle und Swingerclubs stark betroffen. Dar\u00fcber hinaus tauchen aber auch weitere Gewerbe &#8211; Kioske, Friseurbetriebe, Nagelstudios, Tattoostudios, Gl\u00fccksspielgewerbe, Saunen und Hostels &#8211; auf&#8220;, schreiben die Autoren. Laut der Gewerkschaft der Polizei ist Schutzgelderpressung eher in Bargeld gepr\u00e4gten Bereichen zu erwarten, beispielsweise in Diskotheken, Lebensmittelbetrieben, Gastst\u00e4tten oder Shisha-Bars. <\/p>\n<p>Rocker und Clans im Fokus<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Als T\u00e4ter ausgemacht oder vermutet wird demnach die gesamte Bandbreite der organisierten Kriminalit\u00e4t: Rockergruppen wie die Hells Angels, Mafiaorganisationen unterschiedlicher ethnischer Gruppen und sogenannte Familienclans. Diesen Zusammenhang best\u00e4tigt auch die GdP. &#8222;Oft stellt die Polizei dieselben T\u00e4ter oder Beschuldigten fest&#8220;, hie\u00df es zudem. <\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Die Dalton-Bande etwa erhebt offenbar eine Art Anspruch auf t\u00fcrkische Gewerbetreibende in Deutschland. Auch ein Mitarbeiter der beschossenen Fahrschule sagte anonym der &#8222;Bild&#8220;-Zeitung, er vermute die Gruppierung hinter den Taten. Die Erpressung laufe wie folgt ab: &#8222;Es beginnt damit, dass pl\u00f6tzlich eine unbekannte Nummer bei uns anruft. Dann wird auf T\u00fcrkisch eine Nachricht hinterlassen &#8211; Inhalt: die Aufforderung, sofort zur\u00fcckzurufen. Nicht als Bitte gemeint, sondern unmissverst\u00e4ndlich und drohend.&#8220; Das Unternehmen habe nicht reagiert, daraufhin habe es einen Schusswaffen-Anschlag gegeben. Und den n\u00e4chsten Anruf: &#8222;Wir wissen, wo ihr wohnt, und wir kennen die Namen eurer Kinder.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Die Berliner Polizei reagierte auf die Vorf\u00e4lle mit einem \u00f6ffentlichen Aufruf. Die Ermittler seien sich sicher, dass gewaltt\u00e4tige Personen oder Gruppen derzeit vermehrt Gewerbetreibende in Bedr\u00e4ngnis bringen oder ihnen konkret Gewalt androhen. Um Geld zu fordern oder ihnen Nachteile &#8222;in irgendeiner Art und Weise&#8220; zuzuf\u00fcgen. Betroffene sind gebeten, sich bei der Polizei zu melden, auch vertraulich. Untertitelt ist das X-Video in Englisch, T\u00fcrkisch, Russisch und Arabisch.<\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Den Angaben der GdP zufolge geht die Polizei durch Aufkl\u00e4rungsarbeit bei den Gewerbetreibenden und Handelsverb\u00e4nden gegen Schutzgelderpressung vor. Au\u00dferdem gebe es Meldeportale und gemeinsame Kontrollaktionen mit der Gewerbeaufsicht. <\/p>\n<p class=\"Typography_text-default__P3otY Typography_weight-normal__pqUbH storyline_paragraph_p__qSR5N\">Die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Schleswig-Holstein warnt indes davor, auf Erpressungsversuche einzugehen. Betroffene sollen sich an die Polizei wenden, oder an Mitarbeiter der IHK. Das sei vertraulich und an einem neutralen Ort m\u00f6glich. Ansonsten bestehe die Gefahr, sich in eine &#8222;blutsaugerische Umklammerung&#8220; zu begeben. <\/p>\n<p class=\"Typography_text-s__wu_cm Typography_weight-normal__pqUbH Typography_color-darkgrey__sZEnP article-detail-footer_source__KslPc\">Quelle: ntv.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mehrere F\u00e4lle in BerlinSchutzgelderpressung umgibt eine Mauer des Schweigens27.11.2025, 17:58 Uhr Marc DimpfelEinschussl\u00f6cher im Fenster einer Berliner Fahrschule.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":606690,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30,984,1584,1439,3084,121],"class_list":{"0":"post-606689","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-international","12":"tag-kriminalitaet","13":"tag-mafia","14":"tag-organisierte-kriminalitaet","15":"tag-polizei"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115623106528500820","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/606689","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=606689"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/606689\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/606690"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=606689"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=606689"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=606689"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}