{"id":607031,"date":"2025-11-27T21:59:26","date_gmt":"2025-11-27T21:59:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/607031\/"},"modified":"2025-11-27T21:59:26","modified_gmt":"2025-11-27T21:59:26","slug":"stanford-tool-kann-politische-feindseligkeit-auf-x-verringern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/607031\/","title":{"rendered":"Stanford | Tool kann politische Feindseligkeit auf X verringern"},"content":{"rendered":"<p>Stanford (dpa) &#8211; Forscher der Stanford University haben ein Tool entwickelt, um die parteipolitische Feindseligkeit in einem Feed der Online-Plattform X sp\u00fcrbar zu verringern. Dabei werden keine Inhalte geblockt, sondern nur neu angeordnet, berichten die Wissenschaftler der US-Elite-Universit\u00e4t in der Fachzeitschrift \u00abScience\u00bb. Die Studie deutet auch darauf hin, dass es eines Tages m\u00f6glich sein k\u00f6nnte, den Nutzern die Kontrolle \u00fcber ihre eigenen Social-Media-Algorithmen zu \u00fcberlassen &#8211; nicht nur bei X (ehemals Twitter), sondern auch auf anderen Plattformen.<\/p>\n<p>Nach der \u00dcbernahme von Twitter im Jahr 2022 hatte Tech-Milliard\u00e4r Elon Musk viele Beschr\u00e4nkungen aufgehoben, die Nutzer der Plattform vor Hassrede und Falschinformationen sch\u00fctzen sollten. Wer Musks rechte politische Ansichten teilt, dessen Stimme bekam mehr Gewicht bei dem Dienst.<\/p>\n<p>Feed mit KI in Echtzeit neu sortiert<\/p>\n<p>Das Stanford-Team entwickelte nun ohne Zusammenarbeit mit X eine Browser-Erweiterung, mit der die X-Feeds der Studien-Teilnehmer neu geordnet wurden. Beitr\u00e4ge, die antidemokratische Einstellungen und parteipolitische Feindseligkeit zum Ausdruck brachten, wurden dabei im Feed eines Nutzers nach unten verschoben. Betroffen waren Inhalte, in denen Gewalt bef\u00fcrwortet oder die Inhaftierung von Anh\u00e4ngern und der gegnerischen Partei gefordert wurde. Dabei analysierte ein KI-Sprachmodell den X-Feed in Echtzeit. Im Gegensatz zu einem Werbeblocker, der als Browser-Erweiterung Werbeinhalte ausblendet, wurden bei dem Experiment der Stanford-Wissenschaftler keine Inhalte gel\u00f6scht oder blockiert.\u00a0<\/p>\n<p>Der Feldversuch wurde vor den Pr\u00e4sidentschaftswahlen 2024 mit 1.256 Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf X vorgenommen. Die Probanden wurden nach dem Zufallsprinzip zwei parallelen Experimenten zugewiesen, in denen ihre Feeds eine Woche lang dynamisch neu sortiert wurden. Die erste Gruppe bekam polarisierende Posts weiter vorn angezeigt, die zweite weiter hinten im Feed. Bei denjenigen, deren antidemokratische Inhalte herabgestuft wurden, habe sich eine positivere Einstellung gegen\u00fcber der gegnerischen Partei gezeigt. Der Effekt zeigte sich partei\u00fcbergreifend und galt sowohl f\u00fcr Personen, die sich als liberal als auch solchen, die sich als konservativ eingestuft hatten.\u00a0<\/p>\n<p>Nutzer k\u00f6nnen Feeds selbst gestalten<\/p>\n<p>\u00abSocial-Media-Algorithmen haben einen direkten Einfluss auf unser Leben, aber bisher hatten nur die Plattformen die M\u00f6glichkeit, sie zu verstehen und zu gestalten\u00bb, sagte Michael Bernstein, Professor f\u00fcr Informatik an der\u00a0Stanford School of Engineering\u00a0und leitender Autor der Studie. \u00abWir haben einen Ansatz vorgestellt, der Forschern und Endnutzern diese M\u00f6glichkeit bietet.\u00bb<\/p>\n<p>Das Tool k\u00f6nnte auch Wege er\u00f6ffnen, um Ma\u00dfnahmen zu entwickeln, die nicht nur die parteipolitische Feindseligkeit mindern, sondern auch ein gr\u00f6\u00dferes soziales Vertrauen und einen ges\u00fcnderen demokratischen Diskurs \u00fcber Parteigrenzen hinweg f\u00f6rdern, sagte Bernstein.<\/p>\n<p>Kleine \u00c4nderungen im Algorithmus mit gro\u00dfen Wirkungen<\/p>\n<p>Josephine Schmitt, Wissenschaftliche Koordinatorin am Center for Advanced Internet Studies (CAIS) in Bochum, sagte, die Studie zeige robuste, teils recht starke Effekte auf die emotionalen Spannungen zwischen unterschiedlichen politischen Lagern. \u00abDie Studie macht damit deutlich, dass schon kleine algorithmische Eingriffe messbar die Gef\u00fchle gegen\u00fcber der politischen Gegenseite verschieben. Das st\u00fctzt die grunds\u00e4tzliche Aussage: Feed-Sortierung ist nicht neutral, sie wirkt auf Emotionen und damit auf affektive Polarisierung.\u00bb<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie auch Schmitt wies Philipp Lorenz-Spreen vom Max-Planck-Institut f\u00fcr Bildungsforschung in Berlin darauf hin, dass das Experiment und die Ergebnisse nur bedingt auf die Verh\u00e4ltnisse in Deutschland zu \u00fcbertragen seien. \u00abAllein schon, weil wir kein Zweiparteiensystem haben und die Fremdgruppe und die affektive Polarisierung f\u00fcr so ein Experiment nicht so einfach zu definieren w\u00e4re.\u00bb Am besten w\u00e4re, so ein Experiment in anderen L\u00e4ndern zu wiederholen, sagte Lorenz-Spreen.\u00a0<\/p>\n<p>Die Bochumer Wissenschaftlerin Schmitt verwies zudem darauf, dass X im deutschen Medienalltag eine deutlich kleinere Rolle als in den USA spielt. Schmitt und Lorenz-Spreen waren selbst nicht an der Studie beteiligt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stanford (dpa) &#8211; Forscher der Stanford University haben ein Tool entwickelt, um die parteipolitische Feindseligkeit in einem Feed&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":607032,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1841],"tags":[1605,5308,3364,29,30,1724,59472,984,198,1209,16,3795,64,2534,193],"class_list":{"0":"post-607031","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bielefeld","8":"tag-bielefeld","9":"tag-computer","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-gesellschaft","14":"tag-informationstechnologie","15":"tag-international","16":"tag-internet","17":"tag-nordrhein-westfalen","18":"tag-politik","19":"tag-telekommunikation","20":"tag-usa","21":"tag-wahl","22":"tag-wissenschaft"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115623910889221611","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/607031","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=607031"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/607031\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/607032"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=607031"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=607031"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=607031"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}