{"id":608834,"date":"2025-11-28T15:34:15","date_gmt":"2025-11-28T15:34:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/608834\/"},"modified":"2025-11-28T15:34:15","modified_gmt":"2025-11-28T15:34:15","slug":"dynamo-dresden-waere-der-wandel-nicht-gekommen-waere-ich-fuer-dynamo-im-knast-gelandet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/608834\/","title":{"rendered":"Dynamo Dresden: \u201eW\u00e4re der Wandel nicht gekommen, w\u00e4re ich f\u00fcr Dynamo im Knast gelandet\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Stefan \u201eLehmi\u201c Lehmann war als Boss der Ultras von Dynamo Dresden jahrelang eine Gr\u00f6\u00dfe in der deutschen Fanszene. Dann verlie\u00df er die Kurve und baute sich in ein v\u00f6llig neues Leben auf. Er sagt: \u201eMeine Einstellung zum Leben war einfach schei\u00dfe.\u201c<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Sein Leben war die Kurve. Stefan Lehmann war nicht <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/sg-dynamo-dresden\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/sg-dynamo-dresden\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">nur bei Dynamo Dresden<\/a> eine Institution, er geh\u00f6rte zu den bekanntesten Capos Deutschlands. Doch diesen \u201eLehmi\u201c, den Dresdner Ultra-Boss, gibt es nicht mehr. Dass er 2017 vom Zaun kletterte, war ein Paukenschlag. Was seitdem mit und in ihm passierte, sorgt f\u00fcr Ungl\u00e4ubigkeit, Erstaunen \u2013 und mehr und mehr auch f\u00fcr Bewunderung.<\/p>\n<p>Inzwischen ist Lehmann \u2013 so unglaublich das klingen mag \u2013 ein v\u00f6llig anderer Mensch. Beruflich f\u00fchrt der 40-J\u00e4hrige sein Catering-Unternehmen \u201eLehm\u00fcse\u201c, setzt dabei auf nachhaltig hergestellte, gesunde Kost.<\/p>\n<p>Auch privat hat er seinen inneren Frieden gefunden. Runter von der \u00dcberholspur, ganz tief rein ins eigene Ich. Der Weg dahin ist spannend und faszinierend zugleich. Erstmals spricht er dar\u00fcber schonungslos offen.<\/p>\n<p>Lehmann geh\u00f6rte zu den Gr\u00f6\u00dften in der Fu\u00dfball-Szene<\/p>\n<p>R\u00fcckblick: Im April 2017 spielte Dynamo Dresden <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/sport\/fussball\/2-bundesliga\/\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/sport\/fussball\/2-bundesliga\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">in der Zweiten Liga <\/a>beim VfB Stuttgart. Mit 6000 anderen Fans war Lehmann im Stuttgarter Neckarstadion: \u201eDanach bekam ich einen Anruf von einem Stuttgarter Ultra, dass er etwas Vergleichbares im eigenen Stadion noch nie erlebt h\u00e4tte.\u201c<\/p>\n<p>Der Junge aus Dresden-L\u00f6btau, aufgewachsen in der Platte und am Anfang seiner Capo-Laufbahn von den eigenen Fans mit Bananen beworfen, war ganz oben angekommen. Er geh\u00f6rte jetzt zu den Gr\u00f6\u00dften in der deutschen Fu\u00dfball-Szene.<\/p>\n<p>Das Problem: Er konnte sich nicht dar\u00fcber freuen, stellte sich pl\u00f6tzlich die Sinnfrage. \u201eIch verstand mich selber nicht. Habe zum ersten Mal gemerkt, dass irgendwas nicht mehr passte. Ich musste runter vom Zaun.\u201c So erz\u00e4hlt es Lehmann jetzt. <\/p>\n<p>Ein halbes Jahr sp\u00e4ter war es so weit: Das Derby gegen Aue war ein w\u00fcrdiger Rahmen f\u00fcr seinen offiziellen Abschied. Doch der Kampf mit sich selbst fing erst richtig an: \u201eIch stand danach v\u00f6llig fremd im Stadion. Konnte aber auch nicht loslassen, war innerlich zerrissen. Die ganzen Sachen wie Tod und Hass und auf die Mappe hauen waren pl\u00f6tzlich so sinnlos f\u00fcr mich. Mein ganzer Fu\u00dfball-Kosmos hat sich in zwei Jahren komplett zerschreddert. Ich habe total an mir gezweifelt.\u201c<\/p>\n<p>Dann ein schicksalhafter Moment. Seine Frau \u2013 eine Yoga-Lehrerin \u2013 bat ihn, ihm die Augen verbinden zu d\u00fcrfen und sich auf eine Sitzung mit ihr einzulassen. Lehmann war erst mal wenig begeistert. \u201eAber nach zehn Minuten war ich in einer anderen Welt und danach hat es mich gesch\u00fcttelt.\u201c<\/p>\n<p>Pl\u00f6tzlich stand die Polizei vor der T\u00fcr<\/p>\n<p>Sein neuer Weg war steinig, aber lehrreich. So, als ihn am 5. Dezember 2017 die Vergangenheit einholte: Wegen des martialischen Auftritts der Dynamo-Fans als \u201eFootball Army Dresden\u201c beim Ausw\u00e4rtsspiel in Karlsruhe standen pl\u00f6tzlich Polizei und Staatsanwaltschaft vor seiner T\u00fcr, durchsuchten die Wohnung. Vor den Augen seiner Frau und seiner zwei kleinen Jungs.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter wurde er als \u201eR\u00e4delsf\u00fchrer\u201c zu zwei Jahren auf Bew\u00e4hrung und 15.000 Euro Strafe verurteilt: \u201eDass ich verurteilt worden bin, war f\u00fcr mich r\u00fcckblickend das Beste, was mir je passiert ist. Obwohl ich zum ersten Mal wirklich nichts Strafbares gemacht hatte.\u201c<\/p>\n<p>Vielleicht auch gerade deshalb. \u201eIch hatte vorher so viel Schei\u00dfe gebaut. Schl\u00e4gereien, \u00dcberf\u00e4lle, und immer bin ich ungeschoren davongekommen\u201c, erz\u00e4hlt Lehmann und verweist auf das Polarit\u00e4tsgesetz: \u201eJetzt hatte sich das Pendel auf die andere Seite geschlagen.\u201c<\/p>\n<p>Ein Familienurlaub in D\u00e4nemark \u00f6ffnete ihm weiter die Augen. \u201eIm ersten Moment dachte ich: Wie monoton ist das bitte, immer nur aufs Meer zu glotzen. Am Ende haben die drei Wochen so gutgetan. Heute wei\u00df ich: Willst du runterkommen, mach was Monotones.\u201c<\/p>\n<p>Letztlich entstand so auch die Idee f\u00fcr seine berufliche Zukunft. \u201eW\u00e4hrend der Corona-Zeit musste ich bei meiner damaligen Firma nach dem Rechten sehen. Ganz alleine in einer Riesen-Halle, bei absoluter Stille. Da sind viele Gedanken entstanden, auch Lehm\u00fcse.\u201c<\/p>\n<p>Lehmann h\u00f6rte zudem einen Podcast des bekannten Mentaltrainers Dieter Lange, besuchte ein halbes Jahr dessen Seminar \u201eLebensschule\u201c. \u201eDa ging es anfangs ganz viel um Loslassen. Irgendwann habe ich meine ganzen Fu\u00dfball-Sachen aus der Wohnung in Kisten gepackt und ja, sogar meine Dynamo-Mitgliedschaft gek\u00fcndigt.\u201c<\/p>\n<p>Inzwischen genie\u00dft \u201eLehmi\u201c sein zweites Leben in vollen Z\u00fcgen. \u201eIch f\u00fchle mich so gut wie nie. Um 4.15 Uhr stehe ich ohne Wecker auf, dann geht\u2019s 45 Minuten auf die Yoga-Matte. Ich meditiere jeden Tag, bin dadurch ruhig und entspannt. Und die Tage, an denen ich dieses Jahr Alkohol getrunken habe, kann ich an einer Hand abz\u00e4hlen.\u201c<\/p>\n<p>Fr\u00fcher undenkbar, es gab kaum einen Tag ohne Bier-Rausch. \u201eWenn ich daran denke, wie kurz meine Z\u00fcndschnur war. W\u00e4re der Wandel nicht gekommen, w\u00e4re ich f\u00fcr Dynamo im Knast gelandet. Meine Einstellung zum Leben war einfach schei\u00dfe.\u201c<\/p>\n<p>Jetzt lautet sein Credo: \u201ePflanz dir einen Samen in den Kopf und geh los. Wenn du von einer Idee \u00fcberzeugt bist, mach es!\u201c So wie die Vortragsreihe \u00fcber seinen 180-Grad-Wandel. \u201eVon der Fankurve auf die Yogamatte\u201c \u2013 Lehmanns Zeitreise ist extrem kurzweilig, fesselnd, faszinierend, authentisch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stefan \u201eLehmi\u201c Lehmann war als Boss der Ultras von Dynamo Dresden jahrelang eine Gr\u00f6\u00dfe in der deutschen Fanszene.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":608835,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1835],"tags":[3364,29,2386,30,859,11759,130404,144930],"class_list":{"0":"post-608834","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-dresden","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-dresden","11":"tag-germany","12":"tag-sachsen","13":"tag-sg-dynamo-dresden","14":"tag-ultras-ks","15":"tag-yoga-ks"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115628059243893528","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/608834","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=608834"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/608834\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/608835"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=608834"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=608834"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=608834"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}