{"id":609985,"date":"2025-11-29T03:06:15","date_gmt":"2025-11-29T03:06:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/609985\/"},"modified":"2025-11-29T03:06:15","modified_gmt":"2025-11-29T03:06:15","slug":"russlands-neuer-kurs-im-ukraine-konflikt-der-freitag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/609985\/","title":{"rendered":"Russlands neuer Kurs im Ukraine-Konflikt \u2014 der Freitag"},"content":{"rendered":"<p class=\"bc-article-intro__text u-hyphens\">Grunds\u00e4tzlich sei Russland zu Verhandlungen \u00fcber den k\u00fcnftigen Status der Ukraine bereit, versichert Wladimir Putin. Doch der Versuch, europ\u00e4ischer Politiker die 28-Runde-Agenda zu redigieren, weckt Zweifel am Verst\u00e4ndigungswillen<\/p>\n<p>        Zwei die sich verstehen k\u00f6nnten: Wladimir Putin und Steve Witkoff<\/p>\n<p>Foto: Gavriil Grigorov\/POOL\/AFP via Getty Images<\/p>\n<p>Mit Schneeregen und Temperaturen knapp \u00fcber Null ist zu rechnen, wenn Donald <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/trump-witkoff-russland-100.html\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">Trumps Emiss\u00e4r Steve Witkoff<\/a> in der anstehenden Woche in Moskau sein wird. Zwar war zuletzt offiziell noch kein Termin vereinbart, doch Vizeau\u00dfenminister Sergej Rjabkow zeigt sich zuversichtlich: Es g\u00e4be \u201ekeinen Grund, die Reise in Frage zu stellen\u201c. Die russische F\u00fchrung werde \u201emit dem Arbeiten, was Witkoff mitbringt\u201c.<\/p>\n<p>Bisher g\u00e4be es \u201ekeine Klarheit\u201c dar\u00fcber, was zwischen den USA und den EU-Politikern in Genf hinsichtlich m\u00f6glicher Verhandlungen \u00fcber die Ukraine vereinbart worden sei. Man wisse, in Europa wirkten \u201edestruktive Kr\u00e4fte, welche den Verhandlungsprozess sprengen wollen\u201c. Der erfahrene Diplomat Rjabkow, seit 2008 zweiter Mann im Au\u00dfenministerium am Smolensker Platz, lie\u00df damit etwas von der Erwartung durchschimmern, dass Trump und sein Vertrauter Witkoff die <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/johannes-varwick\/ukraine-usa-es-ist-an-der-zeit-fuer-eine-realistische-frontbegradigung\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">Friedensbem\u00fchungen<\/a> nicht aufgeben wollen. Vorerst jedenfalls nicht.<\/p>\n<p>Von maximalistischen Postionen hat sich die russische F\u00fchrung offensichtlich verabschiedet<\/p>\n<p>Was man in Moskau aber von europ\u00e4ischen Forderungen h\u00e4lt, die Grenzen der Ukraine aus dem Jahre 1991 nicht zu ver\u00e4ndern und dem Land den <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/hans-georg-ehrhart\/nato-gipfel-aufwachen-statt-aufruesten\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">NATO-Beitritt<\/a> offenzuhalten, hatte Pr\u00e4sident Putins au\u00dfenpolitischer Berater Juri Uschakow bereits in den Satz gekleidet: \u201eDas passt uns nicht.\u201c Was Moskau passt, und wo die Grenzen russischer Kompromissbereitschaft genau liegen, dar\u00fcber herrscht Schweigen vor und hinter den Kremlmauern.<\/p>\n<p>Doch wenn man den Aussagen regierungsnaher Medien und \u00c4u\u00dferungen Putins aus den vergangenen Wochen mosaiksteinartig nebeneinanderlegt, ergibt sich folgendes Bild: Weder Putin noch Journalisten wiederholen derzeit Forderungen, wie sie im Juni 2024 auf einer Tagung des Au\u00dfenministerium erhoben wurden. Damals hatte Putin als Voraussetzung f\u00fcr eine Friedensregelung verlangt, die Ukraine solle Russland nicht nur Gebiete im Donbass, die sie noch kontrolliere, \u00fcbergeben, sondern auch die Gro\u00dfst\u00e4dte Cherson und Saporischija und deren Umgebung, in der noch ukrainische Truppen stehen. Von diesen maximalistischen Positionen hat sich die russische F\u00fchrung offensichtlich verabschiedet.<\/p>\n<p>Gleiches gilt f\u00fcr Anspr\u00fcche auf Charkiw und <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/in-odessa-warten-viele-auf-das-kriegsende-sie-nennen-sich-tote-auf-urlaub\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">Odessa<\/a>, die zeitweise vollmundig vorgetragen wurden. Moskau sei bereit, \u201eden gr\u00f6\u00dften milit\u00e4rischen Konflikt in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg zu beenden\u201c, bilanziert der gutvernetzte Kommentator Michail Rostowskij von der popul\u00e4ren Tageszeitung Moskowskij Komsomolez die Stimmung in der russischen Elite.<\/p>\n<p>Rostowskij, dessen Artikel in Moskau als Indikator f\u00fcr die Stimmung im Kreml gelesen werden, zweifelt daran, ob US-Au\u00dfenminister Marco Rubio ebenso konstruktiv gesinnt unterwegs ist wie Trump und Witkoff. Rubio habe der ukrainischen F\u00fchrung bei den <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/wadephul-spricht-von-einem-grossen-erfolg-fuer-europa-100.html\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">Gespr\u00e4chen am 23. November in Genf<\/a> Anlass gegeben, \u201esich wahrer Gro\u00dfmannssucht hinzugeben\u201c. Zu den Chancen der Europ\u00e4er, sich bei Verhandlungen durchzusetzen, schreibt Rostowskij: \u201eDer <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/gerd-meissner\/putin-in-sotschi-es-braucht-eine-renaissance-der-diplomatischen-kunst\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">F\u00fchrer eines Landes<\/a>, das den Gegner auf dem Kampffeld zur\u00fcckdr\u00e4ngt, hat keinen Anlass, einem \u201aFriedensplan\u2019 zustimmen, der nicht seine essentiellen Forderungen ber\u00fccksichtigt.\u201c Dennoch h\u00e4lt Rostowskij f\u00fcr die Zeit nach den Witkoff-Konsultationen in Moskau \u201eeine neue Runde von Verhandlungen\u201c f\u00fcr wahrscheinlich.<\/p>\n<p>Bei einer Waffenruhe w\u00fcrde man verst\u00e4rktem westlichen Druck ausgesetzt sein<\/p>\n<p>In der Zeitschrift Russia in Global Affairs schreibt deren Chefredakteur Fjodor Lukjanow, die \u201eAufregung im Westen\u201c \u00fcber die Friedensbem\u00fchungen der US-Administration sei \u201edamit verbunden, dass die Vorschl\u00e4ge zu einer Regelung nicht auf W\u00fcnschen, sondern auf Realit\u00e4ten basieren\u201c. Diese s\u00e4hen so aus: \u201eDie Ukraine kann den Krieg nicht gewinnen, sie kann ihn aber vollst\u00e4ndig verlieren und dabei schwerste Verluste verschiedener Art erleiden.\u201c<\/p>\n<p>Dies aber, so Lukjanow, gelte es durch Verhandlungen zu vermeiden. Es sollte ein \u201eStatus Quo\u201c fixiert werden, \u201ewenn auch ein betr\u00fcblicher f\u00fcr Kiew\u201c. \u00c4hnlich wie Rostowskij erwartet auch Lukjanow \u201eeine weitere Runde\u201c von Verhandlungen, wobei \u201edie Lage an der Front Kiew zum Realismus bringen soll\u201c, was derzeit noch nicht der Fall sei. Russland stehe vor dem Problem, dass es durch die Kriegf\u00fchrung \u00fcber einen Hebel zur politischen Einflussnahme verf\u00fcge. Entfalle dieser Hebel, dann w\u00fcrde Russland \u201edem koordinierten politisch-diplomatischen Druck\u201c des Westens gegen\u00fcberstehen. Es g\u00e4be \u201ekeinen Zweifel, dass man dies in der politischen F\u00fchrung gut versteht\u201c.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Je massiver der Versuch, aus dem Westen Druck auf Russland auszu\u00fcben, desto geringer die Neigung in Moskau, einen Kompromiss f\u00fcr ein Kriegsende zu suchen.<\/p>\n<p>\n    ruktive Kr\u00e4fte, welche den Verhandlungsprozess sprengen wollen\u201c. Der erfahrene Diplomat Rjabkow, seit 2008 zweiter Mann im Au\u00dfenministerium am Smolensker Platz, lie\u00df damit etwas von der Erwartung durchschimmern, dass Trump und sein Vertrauter Witkoff die Friedensbem\u00fchungen nicht aufgeben wollen. Vorerst jedenfalls nicht.Von maximalistischen Postionen hat sich die russische F\u00fchrung offensichtlich verabschiedetWas man in Moskau aber von europ\u00e4ischen Forderungen h\u00e4lt, die Grenzen der Ukraine aus dem Jahre 1991 nicht zu ver\u00e4ndern und dem Land den NATO-Beitritt offenzuhalten, hatte Pr\u00e4sident Putins au\u00dfenpolitischer Berater Juri Uschakow bereits in den Satz gekleidet: \u201eDas passt uns nicht.\u201c Was Moskau passt, und wo die Grenzen russischer Kompromissbereitschaft genau liegen, dar\u00fcber herrscht Schweigen vor und hinter den Kremlmauern.Doch wenn man den Aussagen regierungsnaher Medien und \u00c4u\u00dferungen Putins aus den vergangenen Wochen mosaiksteinartig nebeneinanderlegt, ergibt sich folgendes Bild: Weder Putin noch Journalisten wiederholen derzeit Forderungen, wie sie im Juni 2024 auf einer Tagung des Au\u00dfenministerium erhoben wurden. Damals hatte Putin als Voraussetzung f\u00fcr eine Friedensregelung verlangt, die Ukraine solle Russland nicht nur Gebiete im Donbass, die sie noch kontrolliere, \u00fcbergeben, sondern auch die Gro\u00dfst\u00e4dte Cherson und Saporischija und deren Umgebung, in der noch ukrainische Truppen stehen. Von diesen maximalistischen Positionen hat sich die russische F\u00fchrung offensichtlich verabschiedet.Gleiches gilt f\u00fcr Anspr\u00fcche auf Charkiw und Odessa, die zeitweise vollmundig vorgetragen wurden. Moskau sei bereit, \u201eden gr\u00f6\u00dften milit\u00e4rischen Konflikt in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg zu beenden\u201c, bilanziert der gutvernetzte Kommentator Michail Rostowskij von der popul\u00e4ren Tageszeitung Moskowskij Komsomolez die Stimmung in der russischen Elite.Rostowskij, dessen Artikel in Moskau als Indikator f\u00fcr die Stimmung im Kreml gelesen werden, zweifelt daran, ob US-Au\u00dfenminister Marco Rubio ebenso konstruktiv gesinnt unterwegs ist wie Trump und Witkoff. Rubio habe der ukrainischen F\u00fchrung bei den Gespr\u00e4chen am 23. November in Genf Anlass gegeben, \u201esich wahrer Gro\u00dfmannssucht hinzugeben\u201c. Zu den Chancen der Europ\u00e4er, sich bei Verhandlungen durchzusetzen, schreibt Rostowskij: \u201eDer F\u00fchrer eines Landes, das den Gegner auf dem Kampffeld zur\u00fcckdr\u00e4ngt, hat keinen Anlass, einem \u201aFriedensplan\u2019 zustimmen, der nicht seine essentiellen Forderungen ber\u00fccksichtigt.\u201c Dennoch h\u00e4lt Rostowskij f\u00fcr die Zeit nach den Witkoff-Konsultationen in Moskau \u201eeine neue Runde von Verhandlungen\u201c f\u00fcr wahrscheinlich.Bei einer Waffenruhe w\u00fcrde man verst\u00e4rktem westlichen Druck ausgesetzt seinIn der Zeitschrift Russia in Global Affairs schreibt deren Chefredakteur Fjodor Lukjanow, die \u201eAufregung im Westen\u201c \u00fcber die Friedensbem\u00fchungen der US-Administration sei \u201edamit verbunden, dass die Vorschl\u00e4ge zu einer Regelung nicht auf W\u00fcnschen, sondern auf Realit\u00e4ten basieren\u201c. Diese s\u00e4hen so aus: \u201eDie Ukraine kann den Krieg nicht gewinnen, sie kann ihn aber vollst\u00e4ndig verlieren und dabei schwerste Verluste verschiedener Art erleiden.\u201cDies aber, so Lukjanow, gelte es durch Verhandlungen zu vermeiden. Es sollte ein \u201eStatus Quo\u201c fixiert werden, \u201ewenn auch ein betr\u00fcblicher f\u00fcr Kiew\u201c. \u00c4hnlich wie Rostowskij erwartet auch Lukjanow \u201eeine weitere Runde\u201c von Verhandlungen, wobei \u201edie Lage an der Front Kiew zum Realismus bringen soll\u201c, was derzeit noch nicht der Fall sei. Russland stehe vor dem Problem, dass es durch die Kriegf\u00fchrung \u00fcber einen Hebel zur politischen Einflussnahme verf\u00fcge. Entfalle dieser Hebel, dann w\u00fcrde Russland \u201edem koordinierten politisch-diplomatischen Druck\u201c des Westens gegen\u00fcberstehen. Es g\u00e4be \u201ekeinen Zweifel, dass man dies in der politischen F\u00fchrung gut versteht\u201c.Mit anderen Worten: Je massiver der Versuch, aus dem Westen Druck auf Russland auszu\u00fcben, desto geringer die Neigung in Moskau, einen Kompromiss f\u00fcr ein Kriegsende zu suchen.\n  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Grunds\u00e4tzlich sei Russland zu Verhandlungen \u00fcber den k\u00fcnftigen Status der Ukraine bereit, versichert Wladimir Putin. 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