{"id":610404,"date":"2025-11-29T07:25:15","date_gmt":"2025-11-29T07:25:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/610404\/"},"modified":"2025-11-29T07:25:15","modified_gmt":"2025-11-29T07:25:15","slug":"frankreich-gibt-klimawandel-die-schuld-an-der-krise-im-weinbau-hilft-reben-roden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/610404\/","title":{"rendered":"Frankreich gibt Klimawandel die Schuld an der Krise im Weinbau: hilft Reben roden?"},"content":{"rendered":"<p>Frankreich hat die Europ\u00e4ische Union um Unterst\u00fctzung gebeten, nachdem es zus\u00e4tzliche Gelder angek\u00fcndigt hat, um seine angeschlagene Weinindustrie zu retten.<\/p>\n<p>Anfang der Woche best\u00e4tigte das franz\u00f6sische Landwirtschaftsministerium: Es stellt 130 Millionen Euro f\u00fcr einen neuen, dauerhaften Plan zur Rodung von Reben bereit. Ziel ist, das Angebot wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die wirtschaftliche Tragf\u00e4higkeit angeschlagener H\u00f6fe in besonders verwundbaren Regionen zu sichern.<\/p>\n<p>Bei diesem Verfahren werden die Reben samt Wurzeln aus dem Boden gel\u00f6st und herausgezogen, meist mit Spezialger\u00e4t wie einem Tiefpflug. Die Kosten liegen bei rund 1.000 Euro pro Hektar.<\/p>\n<p>Ministerin Annie Genevard hat zudem den EU-Kommissar f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung, Chrisophe Hansen, gebeten, die Krisendestillation nicht vermarktbarer \u00dcbersch\u00fcsse zu finanzieren. Dabei wird \u00dcberangebot zu Alkohol f\u00fcr industrielle Zwecke statt zum Konsum verarbeitet.<\/p>\n<p>Was steckt hinter der Weinbaukrise in Frankreich?<\/p>\n<p>Genevard sagt, Frankreich, eines der gr\u00f6\u00dften Weinl\u00e4nder der Welt und Heimat von elf Prozent der <a href=\"https:\/\/www.euronews.com\/green\/2025\/08\/21\/frances-vineyards-begin-2025-harvest-early-after-hot-temperatures\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>globalen Weinbaufl\u00e4chen<\/strong><\/a>, befinde sich seit Jahren durchgehend in der Krise.<\/p>\n<p>In einer Erkl\u00e4rung vom 24. November nannte sie eine Dreifachbelastung als Ursache, darunter massive geopolitische Spannungen.<\/p>\n<p>Hintergrund ist, dass <a href=\"https:\/\/www.euronews.com\/business\/2025\/11\/24\/us-to-cut-steel-tariffs-only-if-eu-agrees-to-soften-digital-rules-enforcement-in-return\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Donald Trump<\/strong><\/a> Anfang des Jahres mit einem Zoll von 200 Prozent auf europ\u00e4ischen Alkohol drohte. Der Vorsto\u00df wurde schnell zur\u00fcckgenommen. Einige Monate sp\u00e4ter folgte jedoch ein Zoll von 15 Prozent auf Ausfuhren in die USA, einen Schl\u00fcsselmarkt f\u00fcr die franz\u00f6sische Weinbranche.<\/p>\n<p>Fachleute bef\u00fcrchten, dass Z\u00f6lle und Wechselkurse die j\u00e4hrlichen Erl\u00f6se aus franz\u00f6sischem Wein und Spirituosen um rund eine Milliarde Euro dr\u00fccken k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Der anhaltende R\u00fcckgang des Weinkonsums, besonders bei Rotwein, hat die <a href=\"https:\/\/www.euronews.com\/culture\/2023\/02\/17\/why-do-frances-winemakers-want-to-destroy-their-vineyards\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Weinbaukrise in Frankreich<\/strong><\/a> zus\u00e4tzlich versch\u00e4rft. Im vergangenen Jahr sank der weltweite Weinkonsum auf den niedrigsten Stand seit mehr als 60 Jahren. Mehrere Umfragen zeigen, dass die Gen Z (geboren zwischen 1997 und 2021) Alkohol zunehmend ganz meidet.<\/p>\n<p>Zudem leide der Sektor unter den Folgen des <a href=\"https:\/\/www.euronews.com\/green\/2025\/11\/25\/from-the-alps-to-the-andes-how-climate-change-in-mountain-regions-is-putting-billions-at-r\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Klimawandels<\/strong><\/a>, der die Ernten seit mehreren Jahren wiederholt beeintr\u00e4chtige.<\/p>\n<p>&#8222;Dieser erhebliche neue finanzielle Kraftakt, trotz eines besonders schwierigen Haushaltsrahmens und vorbehaltlich der Verabschiedung des Etatgesetzes, zeigt den Willen der Regierung, unsere Weinindustrie langfristig zu retten und ihr eine Erholung zu erm\u00f6glichen&#8220;, sagt die Ministerin.<\/p>\n<p>&#8222;Das ist kein weiterer Notfallplan, um ein strukturelles Ungleichgewicht zu kaschieren. Es ist eine Investition in unseren Weinsektor und in die Landwirte dieser Produktionsgebiete.&#8220;<\/p>\n<p>Was bedeutet Roden?<\/p>\n<p>Die Idee, Weinberge herauszurei\u00dfen, ist nicht neu. Ihren Ursprung soll sie im ersten Jahrhundert haben, als der r\u00f6mische Kaiser Domitian befahl, in Gallien die H\u00e4lfte der Rebst\u00f6cke zu roden \u2013 aus Angst vor Konkurrenz f\u00fcr r\u00f6mische Weine.<\/p>\n<p>Seither wurden mehrfach Pr\u00e4mien f\u00fcrs Roden gezahlt, und heute gilt es als wirtschaftlichere Ma\u00dfnahme als das Destillieren oder Einlagern von \u00dcbersch\u00fcssen.<\/p>\n<p>&#8222;Unsere Probleme heute sind \u00dcberproduktion und stark sinkender Konsum, vor allem bei <a href=\"https:\/\/www.euronews.com\/video\/2025\/11\/21\/midnight-tastings-mark-beaujolais-nouveau-celebrations-in-france\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Rotweinen<\/strong><\/a>, \u00fcberwiegend im Einstiegssegment&#8220;, sagt Pierre Metz, Teilhaber des Weinguts Domaine Alain Chabanon in Terrasse du Larzac in S\u00fcdfrankreich, gegen\u00fcber Euronews Green.<\/p>\n<p>&#8222;J\u00fcngere Konsumenten trinken tendenziell weniger Wein. Das dr\u00fcckt die Verkaufspreise und zieht am Ende auch die Erzeugerpreise nach unten.&#8220;<\/p>\n<p>Metz erkl\u00e4rt, dass Erzeuger f\u00fcr einen Liter &#8222;generischen&#8220; Bordeaux inzwischen nur noch etwa 0,80 Euro erhalten.<\/p>\n<p>&#8222;Die von Produzentenverb\u00e4nden vorgeschlagene L\u00f6sung lautet: Produktion senken&#8220;, f\u00fcgt er hinzu.<\/p>\n<p>&#8222;Ein unproduktiver Weinberg verursacht dennoch Pflegekosten, um Krankheiten einzud\u00e4mmen. Wer seinen Weinberg nicht instand h\u00e4lt, riskiert sogar Bu\u00dfgelder.&#8220;<\/p>\n<p>Es gibt zwei Arten der Rodung: dauerhaft oder vor\u00fcbergehend. Die vor\u00fcbergehende Variante erm\u00f6glicht es Winzern, hitzeresistente Sorten neu zu pflanzen und sich so an <a href=\"https:\/\/www.euronews.com\/green\/2025\/11\/22\/six-thousand-year-old-data-reveals-europe-could-face-42-extra-days-of-summer-by-2100\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>steigende Temperaturen<\/strong><\/a> anzupassen. Sie verringert die Produktion jedoch f\u00fcr einige Jahre.<\/p>\n<p>Die Gefahr von Waldbr\u00e4nden<\/p>\n<p>Eine dauerhafte Rodung birgt eigene Risiken. Sie st\u00f6rt die Tierwelt und erschwert die Vorbeugung gegen Waldbr\u00e4nde.<\/p>\n<p>Europa hat es mit mehr <a href=\"https:\/\/www.euronews.com\/green\/2025\/11\/25\/uk-dangerously-unprepared-for-growing-threat-of-climate-change-as-2025-wildfires-break-rec\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Waldbr\u00e4nden<\/strong><\/a> zu tun als je zuvor. D\u00fcrren und steigende Temperaturen durch den Klimawandel machen viele Regionen anf\u00e4lliger. Laut Europ\u00e4ischer Kommission wird die in Frankreich gef\u00e4hrdete Fl\u00e4che bis 2040 um 17 Prozent wachsen.<\/p>\n<p>Gut gepflegte Weinberge k\u00f6nnen jedoch Teil der L\u00f6sung sein, denn Untersuchungen zeigen, dass Rebfl\u00e4chen als &#8222;Feuerbarrieren&#8220; wirken, weil sie Brennstoffl\u00fccken schaffen und die Ausbreitung der Flammen bremsen.<\/p>\n<p>&#8222;Studien in brandgef\u00e4hrdeten Regionen belegen, dass Feuer oft am Rand gut gepflegter Weinberge stoppen, sofern die Fl\u00e4chen zwischen den Zeilen nicht mit leicht brennbarer Vegetation \u00fcberwuchert sind&#8220;, f\u00fcgt die EU-Abteilung f\u00fcr Landwirtschaft und Entwicklung hinzu.<\/p>\n<p>Metz erkl\u00e4rt, dass sich das Brandrisiko durch Heckenpflanzungen, das Pfl\u00fcgen von Wildwuchsfl\u00e4chen und konsequente Pflege mindern l\u00e4sst. Das verursacht jedoch hohe Kosten, die sich Betriebe, die roden wollen, oft nicht leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Gerodete Fl\u00e4chen k\u00f6nnten auch Platz f\u00fcr Gem\u00fcse- oder Getreideanbau schaffen. Viele lassen das Land dennoch brach, weil auch das zun\u00e4chst Investitionen erfordert.<\/p>\n<p>Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Weinbranche aus?<\/p>\n<p>&#8222;Klimawandel ist f\u00fcr Winzer ein t\u00e4gliches Thema&#8220;, sagt Metz und verweist auf die &#8222;H\u00e4ufung&#8220; hei\u00dfer Perioden, befeuert durch die globale Erw\u00e4rmung.<\/p>\n<p>In diesem Sommer standen mehrere Teile Frankreichs unter <a href=\"https:\/\/www.euronews.com\/2025\/08\/11\/france-on-high-alert-as-ongoing-heatwave-fuels-wildfire-and-pollution-risks\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Hitzealarm<\/strong><\/a>, als die Temperaturen in Teilen von Charente und Aude bis auf 43 \u00b0C stiegen. Die Gluthitze wurde als zentraler Treiber eines <a href=\"https:\/\/www.euronews.com\/2025\/08\/11\/france-on-high-alert-as-ongoing-heatwave-fuels-wildfire-and-pollution-risks\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>gewaltigen Waldbrandes<\/strong><\/a> identifiziert, der in Aude 160 Quadratkilometer verbrannte.<\/p>\n<p>&#8222;Diese Folge von Hitzewellen schafft zudem ein Wasserproblem: Es f\u00e4llt weniger Regen, und die Grundwasserreserven sind jedes Jahr niedriger&#8220;, sagt Metz. &#8222;Einige der gro\u00dfen Produktionsgebiete k\u00f6nnen nur mit Bew\u00e4sserung \u00fcberleben, die bei Wasserknappheit immer teurer wird.&#8220;<\/p>\n<p>Im Juni stufte die Europ\u00e4ische D\u00fcrreagentur ein Drittel Europas als von D\u00fcrre betroffen ein, mit zehn Prozent in einem Krisenzustand. In Frankreich war bei mehr als 30,00 Einwohnerinnen und Einwohnern von Kommunen die <a href=\"https:\/\/www.euronews.com\/green\/2023\/08\/14\/300000-residents-left-without-reliable-water-sources-as-drought-ravages-southern-france\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Wasserversorgung unterbrochen<\/strong><\/a>.<\/p>\n<p>Anders als Gro\u00dfproduzenten bew\u00e4ssert Metz seine Reben nicht und verzichtet auf D\u00fcnger. Das zwinge die Pflanze, ihren &#8222;\u00dcberlebensinstinkt&#8220; zu nutzen und die Wurzeln &#8222;tiefer ins Erdreich zu schicken, um Grundwasser zu suchen&#8220;.<\/p>\n<p>Er meint, gute Winzer br\u00e4uchten keinen Schutz und sollten f\u00e4hig sein, sich an die ver\u00e4nderte Umwelt anzupassen.<\/p>\n<p>&#8222;Wirklich helfen w\u00fcrde, die Qualit\u00e4t zu steigern, indem der Ertrag pro Hektar sinkt&#8220;, erg\u00e4nzt Hetz. Das Roden werde f\u00fcr die meisten Erzeuger &#8222;nur ein Tropfen auf den hei\u00dfen Stein&#8220; sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Frankreich hat die Europ\u00e4ische Union um Unterst\u00fctzung gebeten, nachdem es zus\u00e4tzliche Gelder angek\u00fcndigt hat, um seine angeschlagene Weinindustrie&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":610405,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,6789,548,663,3934,3980,156,13,952,14,15,12,71453,16560],"class_list":{"0":"post-610404","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-alkohol","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europe","14":"tag-france","15":"tag-frankreich","16":"tag-headlines","17":"tag-klimawandel","18":"tag-nachrichten","19":"tag-news","20":"tag-schlagzeilen","21":"tag-trumps-zoelle","22":"tag-wein"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115631798735587200","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/610404","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=610404"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/610404\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/610405"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=610404"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=610404"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=610404"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}