{"id":611025,"date":"2025-11-29T13:35:21","date_gmt":"2025-11-29T13:35:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/611025\/"},"modified":"2025-11-29T13:35:21","modified_gmt":"2025-11-29T13:35:21","slug":"adbusting-kampagne-nimmt-die-amazon-geschaeftspraktiken-aufs-korn-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/611025\/","title":{"rendered":"Adbusting-Kampagne nimmt die Amazon-Gesch\u00e4ftspraktiken aufs Korn \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>S\u00e4mtliche Werbekan\u00e4le waren in den vergangene Tagen mit Verlockungen zum \u201eBlack Friday\u201c oder zur \u201eBlack Week\u201c gepflastert, Aufforderung an die Konsumenten, allen m\u00f6glichen Schnickschnack noch vor Weihnachten mit gro\u00dfem Rabatt zu kaufen. Aber nachhaltig ist an dieser Rabatt-Aktion nichts.<\/p>\n<p>Und gut f\u00fcr die Umwelt ist dieser wilde Kaufrausch erst recht nicht. Auch nicht f\u00fcr die Mitarbeiter in den Verteilzentren der gro\u00dfen Online-H\u00e4ndler, die auch im Leipzig stehen. Einige Aktivisten nutzten die vergangenen Tage, um auf diese Schieflage in den Leuchtwerbek\u00e4sten der Stadt aufmerksam zu machen.<\/p>\n<p>Sie h\u00e4ngten anl\u00e4sslich des gr\u00f6\u00dften Konsum- und Werbespektakels des Jahres, dem \u201eBlack Friday\u201c, amazon-kritische Poster in Leipziger Werbevitrinen. An Leipzigs Konsumtempel, den H\u00f6fen am Br\u00fchl, sahen Passant\/-innen statt Werbeplakaten mit dem n\u00e4chsten noch krasserem Angebot nun selbst gebastelte Poster mit kapitalismuskritischen Spr\u00fcchen wie \u201eAmazingly ausbeuterisch\u201c oder \u201eStreikrecht? Nicht bei Uns!\u201c.<\/p>\n<p>Abge\u00e4nderte Plakate der Amazonwerbekampagne selbst begr\u00fc\u00dften die Mitarbeitenden des Amazon Logistigzentrums LEJ1 an der Tramstation auf dem Weg zur Arbeit. Statt der Ank\u00fcndigung der \u201eBlack Friday Week\u201c stand auf den Adbustings nun \u201eSolidarische Gr\u00fc\u00dfe \u2013 Greetings to all workers\u201c oder \u201ePowerful Strikes Worldwide\u201c.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-640188\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/amazon1.jpg\" alt=\"Kritik am riesigen Verm\u00f6gen des Amazon-Chefs in einem Warteh\u00e4uschen am Goerdelerring. Foto: privat\" width=\"2250\" height=\"1497\"  \/>Kritik am riesigen Verm\u00f6gen des Amazon-Chefs in einem Warteh\u00e4uschen am Goerdelerring. Foto: privat<\/p>\n<p>Die Aktivist\/-innen versahen jedes Poster mit dem Logo des internationalen B\u00fcndnisses <a href=\"http:\/\/makeamazonpay.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Make Amazon Pay<\/a> und fordern damit die Auszahlung des gesamten Verm\u00f6gens von Jeff Bezos an alle Besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<p>Die Aktivistin Freya Schwarz erkl\u00e4rt zu der Aktion: \u201eUnsere Poster unterbrechen die unausweichliche Dauerwerbebeschallung zum Black Friday. Stattdessen zeigen sie, was hinter den Konsumversprechen der Konzerne steckt: Ausbeutung, Isolierung und \u00dcberwachung.\u201c<\/p>\n<p>Ausbeutung Made in Leipzig<\/p>\n<p>Und es geht nicht nur um eine penetrante Werbeaktion. Es geht auch um die Arbeitsbedingungen in den Amazon-Verteilzentren. Die Anti-Amazon-Aktivist\/-innen kritisieren die massiven Leistungsanforderungen, die zu Druck und Stress bei der Belegschaft in den Logistikzentren f\u00fchren. So hei\u00dft es auf eine neugestalteten Poster: \u201eAmazingly ausbeuterisch \u2013 50 sec. pro Paket? Stress, \u00dcberwachung, Konkurrenz\u201c.<\/p>\n<p>Die Vorgesetzten und die eingesetzte KI geben den Picker\/-innen, Packer\/-innen und Fahrer\/-innen jeden Schritt automatisiert vor. Kameras, Apps und die Handscanner dienen zur st\u00e4ndigen Kontrolle. Amazon nutzt dabei insbesondere die prek\u00e4re Situation migrantischer Besch\u00e4ftigter aus, die froh sind, \u00fcberhaupt eine Arbeit zu finden.<\/p>\n<p>Trotz jahrelangem Arbeitskampf, wie zuletzt zur \u201ePrime Week\u201c im Juli in Leipzig, verweigert Amazon seinen Mitarbeitenden einen Tarifvertrag. Ein Poster fragt deshalb in Jugendsprache: \u201eWann Tarifvertrag???\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-640189\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/amazon2.jpg\" alt=\"Adbusting-Aktion an der Stra\u00dfenbahnhaltestelle am Amazon-Verteilzentrum. Foto: privat\" width=\"2250\" height=\"1501\"  \/>Adbusting-Aktion an der Stra\u00dfenbahnhaltestelle am Amazon-Verteilzentrum. Foto: privat<\/p>\n<p>Aktuell berichten Angestellte in Leipzig von 6-Tage-Wochen mit anhaltender Urlaubssperre. \u201eDieser Zustand ist eine menschenunw\u00fcrdige Katastrophe! Amazon will nur Geld verdienen. Wir m\u00fcssen uns zusammen tun und die Macht der Konzerne brechen!\u201c, fordert Freya Schwarz.<\/p>\n<p>Ruhe in Frieden<\/p>\n<p>Wie wenig Amazon seine Belegschaft wertsch\u00e4tzt, zeigte sich in Erfurt: <a href=\"http:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/thueringen\/mitte-thueringen\/erfurt\/todesfall-amazon-verdi-kritik-arbeitsbedingungen-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Am 17. November Tagen verstarb dort ein Mitarbeiter w\u00e4hrend seiner Schicht im Amazon Fulfillment-Center in Erfurt-Stotternheim.<\/a> Im Jahr 2022 starb ein weiterer Mitarbeiter bei der Arbeit im Werk Leipzig. Um keinen Umsatz einzub\u00fc\u00dfen, lief der Betrieb einfach weiter.<\/p>\n<p>Freya Schwarz bekundet ihr Beileid: \u201eWir sind traurig und w\u00fctend. Amazon hat keine Skrupel, der Mensch ist f\u00fcr den Konzern nichts wert. Wir sagen: Niemand ist vergessen. Ruhet in Frieden.\u201c<\/p>\n<p>Wie ein Poster der Gruppe zeigt, bestellen Menschen in Deutschland j\u00e4hrlich \u00fcber 800 Millionen Pakete bei Amazon. Die Aktivist\/-innen geben Amazon hierf\u00fcr die Verantwortung, da die Monopolstellung u. a. kleinere Hersteller verdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>\u201eErst kam das Angebot, dann die Nachfrage\u201c, hei\u00dft es auf einem weiteren Poster. Damit kritisiert die Aktion die intensiven Werbekampagnen, die Menschen erst den Konsum von Produkten aufdr\u00e4ngt. Sch\u00f6nheitsideale und mithilfe riesiger Datenmengen personalisierte Anzeigen kreieren einen k\u00fcnstlichen Konsumzwang. Schwarz betont: \u201eVon wegen sich gl\u00fccklich kaufen \u2013 wir leben in Deutschland immer einsamer und die Konzerne freut\u2019s, weil sie noch mehr verkaufen und unsere Welt noch trister machen.\u201c<\/p>\n<p>Die Milliarden des Jeff Bezos<\/p>\n<p>Amazon steht als globaler Multikonzern \u00fcber jeglicher nationaler Gesetzgebung. An dessen Kopf sitzt Jeff Bezos. Ein Plakat kritisiert den \u00dcberreichtum von Jeff Bezos und stellt sein Privatverm\u00f6gen im Balkendiagram von 220 Milliarden Euro dem addierten Gehalt aller 40.000 Amazon-Arbeitenden in Deutschland gegen\u00fcber. Diese Machtkonzentration bei einer Person verletzt jegliche demokratische Grunds\u00e4tze.<\/p>\n<p>\u201eAmazon zieht \u00fcberall Gewinne raus, aber entzieht sich jeder gesellschaftlichen Verantwortung \u2013 weltweit\u201c, so Schwarz.<\/p>\n<p>Um Streiks zu vermeiden, droht Amazon zwar damit, die ausgefallene Arbeit in andere Werke oder L\u00e4nder zu verlagern. Aber dagegen formieren sich weltweite Netzwerke wie Amazon Workers International und der MakeAmazonPay-Day. In den kommenden Tagen soll nun in \u00fcber 30 L\u00e4ndern protestiert und gestreikt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"S\u00e4mtliche Werbekan\u00e4le waren in den vergangene Tagen mit Verlockungen zum \u201eBlack Friday\u201c oder zur \u201eBlack Week\u201c gepflastert, Aufforderung&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":611026,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[2483,3364,29,30,71,54959,859],"class_list":{"0":"post-611025","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-amazon","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-leipzig","13":"tag-online-handel","14":"tag-sachsen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115633254339095554","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/611025","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=611025"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/611025\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/611026"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=611025"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=611025"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=611025"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}