{"id":611156,"date":"2025-11-29T14:51:17","date_gmt":"2025-11-29T14:51:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/611156\/"},"modified":"2025-11-29T14:51:17","modified_gmt":"2025-11-29T14:51:17","slug":"wie-eine-luftblase-eine-ueberflutung-des-dresdner-abwassersystems-verhinderte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/611156\/","title":{"rendered":"Wie eine Luftblase eine \u00dcberflutung des Dresdner Abwassersystems verhinderte"},"content":{"rendered":"<p>Alexander W\u00fcrzburg hat in seinem Lager im Kl\u00e4rwerk Kaditz gerade eine gro\u00dfe schwarze Gummiblase an den Schlauch angeschlossen und bef\u00fcllt sie mit Druckluft. Bei 0,3 Bar ist der vorgeschrieben Pr\u00fcfdruck erreicht, die Blase schon kr\u00e4ftig angeschwollen. Im Fall der F\u00e4lle presst sich die Gummiblase fest an die W\u00e4nde und verschlie\u00dft den Kanal. Deshalb wird sie Absperrblase genannt, die wie bei einem Fahrradmantel aus einem robustem Verbund aus Textil- und Gummimaterial besteht. Es gibt sie nicht nur in runder Ausf\u00fchrung, sondern auch als eif\u00f6rmige Dichtkissen. So k\u00f6nnen sie sich an jede Kanalform anpassen.\u00a0<\/p>\n<p>\u201eDamit k\u00f6nnen Kan\u00e4le abgesperrt werden, wenn Risse in den W\u00e4nden auszubessern oder andere Instandhaltungen auszuf\u00fchren sind oder bei Havarien\u201c, erkl\u00e4rt der 48-j\u00e4hrige Abwasserfachmann. Nach seiner im Jahr 2000 abgeschlossenen Lehre zum Ver- und Entsorger bei der Dresdner Stadtentw\u00e4sserung hatte er lange als Kanalbetriebsarbeiter und sp\u00e4ter im Team Spezialtechnik im Dresdner Kanalnetz gearbeitet. Er kennt es aus dem Effeff. Seit zwei Jahren ist W\u00fcrzburg f\u00fcrs Fahrzeugwesen und die Lagerverwaltung zust\u00e4ndig \u2013 und damit auch f\u00fcr diese Absperrblasen, von denen 48 in seinem Lager liegen.&#13;\n<\/p>\n<p>Gefahr f\u00fcrs Kanalnetz an der Carolabr\u00fccke&#13;<\/p>\n<p>In der Nacht zum 11. September 2024 st\u00fcrzt die Carolabr\u00fccke ein. \u201eMit meinen Kindern habe ich vorm Fernseher gesessen und verfolgt, wie die Tr\u00fcmmer an der Carolabr\u00fccke beiseite ger\u00e4umt werden\u201c, berichtet der Familienvater, der in Steinbach bei Moritzburg wohnt. \u201eIn dieser Woche hatte ich Bereitschaftsdienst und war somit f\u00fcr Havarien oder Einbr\u00fcchen im Kanalnetz zust\u00e4ndig.\u201c Dazu geh\u00f6rt auch der Neust\u00e4dter Abfangkanal. Dieser rechtselbische Hauptkanal verl\u00e4uft vom Albertplatz in Richtung Kl\u00e4rwerk direkt unterm Br\u00fcckenende hindurch. Vor der Carolabr\u00fccke ist darin ein Regen\u00fcberlaufbauwerk. Rechts flie\u00dft das Abwasser durch eine R\u00f6hre weiter zum K\u00f6nigsufer Richtung Kl\u00e4ranlage. \u00dcber die Trennwand des Regen\u00fcberlaufs l\u00e4uft bei besonders starkem Regen stark verd\u00fcnntes Abwasser durch zwei Auslasskan\u00e4le in die Elbe \u00fcber. &#13;\n<\/p>\n<p>Schwillt die Elbe bei Hochwasser an, verschlie\u00dfen ab einem Pegel von 4,2 Metern zwei st\u00e4hlerne Hochwasserschieber die gro\u00dfen Betonr\u00f6hren in der Gegenrichtung. Denn sonst w\u00fcrde das gesamte Neust\u00e4dter Abwassernetz \u00fcberflutet und damit kollabieren. Genau das drohte am ersten Wochenende nach dem Br\u00fcckeneinsturz am 11. September 2024. Das Hochwasser steigt rasant, flutet in den Kanal. &#13;\n<\/p>\n<p>Mit Gummiblase wird Katastrophe verhindert&#13;<\/p>\n<p>\u201eIch hatte schon geh\u00f6rt, dass die Hochwasserschieber geschlossen werden m\u00fcssen\u201c, erz\u00e4hlt W\u00fcrzburg. \u201eAm Sonntag habe ich einen Anruf von unserem Teamleiter Abwasserableitung Thomas W\u00fcrfel erhalten, dass er jetzt ganz schnell eine Absperrblase braucht.\u201c Denn der Hochwasserschieber am \u00e4u\u00dferen Auslass direkt vor der Neust\u00e4dter Br\u00fcckenkammer funktioniert nicht mehr, da ein Kabel zu stark besch\u00e4digt ist und Tr\u00fcmmerteile die Schachtabdeckung des Schieberschachtes meterhoch bedecken. &#13;\n<\/p>\n<p>In einer Blitzaktion wird eine Notl\u00f6sung umgesetzt. \u201eNur ein Gl\u00fcck, dass ich als Lagerverantwortlicher den schnellen Zugriff auf die Blasen habe\u201c, sagt er. Mit seinem Kollegen Patrick Fleischer holt er eine Blase und braust mit dem Bereitschaftsfahrzeug zur Carolabr\u00fccke. \u201ePatrick ist oben am Kompressor geblieben, und ich bin mit der Gummiblase und dem Druckluftschlauch durch den Schacht nach unten gestiegen\u201c, erkl\u00e4rt Alexander W\u00fcrzburg. &#13;\n<\/p>\n<p>Mit Thomas W\u00fcrfel schiebt er die Absperrblase in die \u00d6ffnung, pumpt sie bis zu 2,5 Bar auf und verankert sie mit schnell herbeigeholten Stahltr\u00e4gern. Denn sonst w\u00fcrde sie dem gewaltigen Wasserdruck nicht standhalten. \u201eBei Thomas ist das Wasser schon in die Wathose gelaufen. Ich hatte mich gewundert, warum meine Eimer mit dem Werkzeug immer schwerer werden, obwohl ich sie nach oben halte.\u201c Doch durch den Starkregen war das Wasser im Kanal so gestiegen, dass es von hinten bereits in die Eimer lief. Eine Stunde sp\u00e4ter w\u00e4ren sie nicht mehr in den Kanal gekommen. \u201eHier kam es auf die Minute an. Doch jeder ist ruhig geblieben und wusste, was er zu machen hat. Wir waren echt froh, als wir das geschafft hatten\u201c, berichtet W\u00fcrzburg.  Und so konnte die Katastrophe verhindert werden.&#13;\n<\/p>\n<p>Blasen werden einmal j\u00e4hrlich gepr\u00fcft&#13;<\/p>\n<p>\u201eGenau deshalb ist es so wichtig, dass wir einmal j\u00e4hrlich eine Sicht- und Funktionspr\u00fcfung der Absperrblasen durchf\u00fchren\u201c, erkl\u00e4rt W\u00fcrzburg. Daf\u00fcr hat er eine Spezialschulung zur Pr\u00fcfung von Absperreinrichtungen im nordrhein-westf\u00e4lischen Wassenberg an der holl\u00e4ndischen Grenze absolviert. Zur Pr\u00fcfung wird die Blase aus dem Lager geholt und zuerst schonend mit Wasser und Seife gereinigt. &#13;\n<\/p>\n<p>\u201eBeim Aufpumpen sehe ich, ob es Risse oder Sch\u00e4den gibt.\u201c Schlie\u00dflich w\u00fcrden dann Blasen im Seifenwasser entstehen. \u201eWenn sie undicht ist, hat sie meistens ausgedient. Denn oft kann die por\u00f6se Gummischicht nicht mehr vulkanisiert werden.\u201c Genauso war es auch bei der rettenden Absperrblase von der Carolabr\u00fccke. \u201eSie war bei dem Einsatz so besch\u00e4digt worden, dass sie nicht mehr zu verwenden war. Sie hatte ihren Zweck aber mehr als erf\u00fcllt\u201c, res\u00fcmiert er. &#13;\n<\/p>\n<p>Bei der j\u00e4hrlichen Pr\u00fcfung wird so eine Blase mit einem Durchmesser von einem Meter mit einem Druck von 0,3 Bar bef\u00fcllt. Den muss sie f\u00fcnf Minuten halten. Ist das der Fall, bekommt sie ihre Pr\u00fcfmarke. \u201eDas ist \u00e4u\u00dferst wichtig, damit es nicht zu Unf\u00e4llen im Kanal kommt\u201c, erkl\u00e4rt der Blasenspezialist. \u201eIch habe einmal erlebt, wie eine Absperrblase geplatzt ist, die eine Spezialfirma bei der Kanalreinigung eingesetzt hat\u201c, erz\u00e4hlt er. \u201eDas hat mordsm\u00e4\u00dfig geknallt. Zum Gl\u00fcck ist nichts passiert.\u201c &#13;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Alexander W\u00fcrzburg hat in seinem Lager im Kl\u00e4rwerk Kaditz gerade eine gro\u00dfe schwarze Gummiblase an den Schlauch angeschlossen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":611157,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1835],"tags":[145272,3364,29,2386,145273,30,145274,859],"class_list":{"0":"post-611156","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-dresden","8":"tag-carolabrcke","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-dresden","12":"tag-dresdner-stadtentwssewrung","13":"tag-germany","14":"tag-luftblase","15":"tag-sachsen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115633552498432026","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/611156","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=611156"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/611156\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/611157"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=611156"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=611156"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=611156"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}