{"id":612365,"date":"2025-11-30T03:05:02","date_gmt":"2025-11-30T03:05:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/612365\/"},"modified":"2025-11-30T03:05:02","modified_gmt":"2025-11-30T03:05:02","slug":"leiko-ikemura-in-der-albertina-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/612365\/","title":{"rendered":"Leiko Ikemura in der Albertina \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Sch\u00fctzende Hasenfrauen und traumhafte K\u00f6rperlandschaften malt die in Berlin lebende japanische K\u00fcnstlerin Leiko Ikemura. Aber sie macht auch gro\u00dfe und kleinste Skulpturen, zeichnet fantastisch und dichtet auch. Jetzt erstmals gro\u00df in Wien zu sehen. <\/p>\n<p>Japanische K\u00fcnstlerinnen sind Meisterinnen der Wiedererkennung, zumindest die bekanntesten, was damit wohl zusammenh\u00e4ngt. Denken wir an die Punkte von <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/yayoi-kusama\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" niemals=\"\" m=\"\" zu=\"\" ihren=\"\" girls:=\"\" leiko=\"\" ikemura=\"\" in=\"\" der=\"\" albertina=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Yayoi Kusama<\/a>, derzeit mit einer spektakul\u00e4ren Schau in der Baseler Fondation Beyeler zu sehen. An die roten F\u00e4den, mit denen Chiharu Shiota ihre und unsere Erinnerungsst\u00fccke und Briefe einwebt, aktuell im Horten Museum in Wien zu bestaunen. Oder an die unheimlich(en) z\u00e4rtlichen Hasenwesen, eigentlich H\u00e4sinnenwesen, die Leiko Ikemura in teils monumentalem Format \u00fcber ihre Ausstellungen wachen l\u00e4sst. Wie gerade eben in der Pfeilerhalle der Albertina. <\/p>\n<p>Es ist eine m\u00e4rchenhafte Chim\u00e4re, eine Mischform aus M\u00e4dchen, Tier und G\u00f6ttin: Der ausgestellte, vorne wie ein Tor ge\u00f6ffnete Rock erinnert an eine Schutzmantelmadonna. Die Pfoten sind gebetshaft an die Brust gelegt. Tr\u00e4nen scheinen dem Frauenkopf \u00fcber die Wange zu rinnen. Und die Ohren sind wie H\u00f6rner hoch aufgerichtet, die Patina der Bronze ist an den Spitzen poliert, dass sie wie gl\u00fchende Antennen wirken. Wohin weisen sie? In die hypnotischen Welten einer fluiden Naturweiblichkeit oder Weiblichkeitsnatur, die diese alterslos wirkende K\u00fcnstlerin (sie ist unglaubliche 74) erschaffen hat. <\/p>\n<p>\u201eUsagi\u201c nennt Ikemura diese Figuren, nach dem japanischen Wort f\u00fcr Hase, was auch ein beliebter M\u00e4dchenvorname ist und tief in der aktuellen Popkultur des Landes verwurzelt ist- So hei\u00dft die ber\u00fchmteste japanische Manga-Superheldin \u201eSailor Moon\u201c im b\u00fcrgerlichen Namen Usagi Tsukino, Mondhase. In der japanischen Legende haust n\u00e4mlich nicht wie hierzulande ein schn\u00f6der Mann am Mond, sondern ein f(r)uchtbarer, in einem M\u00f6rser Reismehl mahlender Hase. Willkommen in Ikemuras magischem Wald aus Referenzen, in dessen sanftem Dunkel asiatische und westliche Ikonografien verschmelzen, geheimnisvoll beleuchtet von einem spezifisch weiblichen, ja feministischen Licht. Wenn Sie so wollen: Mondlicht. In Japan geboren, ging Ikemura bald nach Europa, wo sie erst Literatur in Spanien studierte, in der Schweiz erste Ausstellungen machte und 1991 zur ersten ausl\u00e4ndischen Professorin an die Berliner Kunstuniversit\u00e4t UDK berufen wurde, an deren recht rau-machistische Kollegenschaft sie sich nur ungern erinnert. Die aktuelle Ausstellung in der Albertina, f\u00fcr die Direktor <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/ralph-gleis\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" niemals=\"\" m=\"\" zu=\"\" ihren=\"\" girls:=\"\" leiko=\"\" ikemura=\"\" in=\"\" der=\"\" albertina=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ralph Gleis<\/a> die Idee noch aus seiner Berliner Zeit mitbrachte, ist die erste gr\u00f6\u00dfere in \u00d6sterreich. <\/p>\n<p>Nicht als reine Retrospektive gedacht, konzentriert sie sich auf j\u00fcngere Werke, weist aber auch mit einigen zart verst\u00f6renden, fragilen Zeichnungen aus der Mitte der Neunzigerjahre auf die Kontinuit\u00e4t des M\u00e4dchen-Themas in Ikemuras Arbeit hin. Wobei: Sagt nie M\u00e4dchen zu ihnen. Immer nur \u201eGirls\u201c, so will es die K\u00fcnstlerin. Das ist frecher, st\u00e4rker, h\u00e4rter. <\/p>\n<p>Gerade in manchen dieser fr\u00fchen Pastelle denkt man unweigerlich an Maria Lassnigs Farbigkeit. Ikemura z\u00e4hlt diese selbst zu den K\u00fcnstlerinnen, die sie beeinflusst haben, neben vielen anderen, etwa der abstrakten Expressionistin Joan Mitchell. Auch die Tier- und Naturliebe verbindet sie mit <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/maria-lassnig\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" niemals=\"\" m=\"\" zu=\"\" ihren=\"\" girls:=\"\" leiko=\"\" ikemura=\"\" in=\"\" der=\"\" albertina=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lassnig<\/a>, treibt diese jedoch weiter. Ein neun Meter breites, nahezu bukolisches Triptychon von 2015, laut Gleis eines von Ikemuras Hauptwerken, konnte die Albertina j\u00fcngst sogar erwerben. Jetzt prangt oder schwebt es vielmehr zentral in der Pfeilerhalle. In einer faszinierend fahlen Farbigkeit, geschaffen durch die Malweise von Tempera auf Jute, \u00f6ffnen sich darin gro\u00dfz\u00fcgige Traumlandschaften, in denen erahnte K\u00f6rper und Umgebung verschmelzen. \u201eMotherscape\u201c ist denn auch der Titel der Schau, eine Wortsch\u00f6pfung aus Mutter und Landschaft. Denn Ikemura dr\u00fcckt sich nicht nur in Skulptur, Malerei, Zeichnung und Video aus, sondern auch in Sprache, in  Dichtung: \u201eWenn ich die Augen l\u00e4nger schlie\u00dfe\/ bin ich im Fluss der glitzernden Bilder\/ Die Landschaft wird fl\u00fcssig und ich tr\u00e4ume ein\u201c.<\/p>\n<p>              Zur Ausstellung<\/p>\n<p><strong>Bis 6. April,<\/strong> t\u00e4gl. 10-18h, Mi. und Fr. bis 21h. <a href=\"https:\/\/www.albertina.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.albertina.at<\/a><\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sch\u00fctzende Hasenfrauen und traumhafte K\u00f6rperlandschaften malt die in Berlin lebende japanische K\u00fcnstlerin Leiko Ikemura. 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