{"id":612414,"date":"2025-11-30T03:37:23","date_gmt":"2025-11-30T03:37:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/612414\/"},"modified":"2025-11-30T03:37:23","modified_gmt":"2025-11-30T03:37:23","slug":"die-patchwork-welt-der-wuppertalerin-ortrud-engemann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/612414\/","title":{"rendered":"Die Patchwork-Welt der Wuppertalerin Ortrud Engemann"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">\u201eIch hatte in meinem Leben niemals Langeweile\u201c. Als Ortrud Engemann die T\u00fcr zu ihrer Wohnung in der Seniorenwohnanlage in Barmen \u00f6ffnet und der WZ Decken und Wandbeh\u00e4nge pr\u00e4sentiert, die die W\u00e4nde ihres Schlafzimmers zieren, ist kaum zu \u00fcbersehen, wie stolz sie auf ihr Hobby ist. Ein Hobby, das die 89-J\u00e4hrige bereits seit Jahrzehnten begleitet. Bei der sogenannten \u201ePatchwork\u201c, auf Deutsch \u201eFlickarbeit\u201c, handelt es sich um eine Textiltechnik, bei der St\u00fccke oder Reste verschiedener Materialien, h\u00e4ufig Stoffe, zu einem neuen Textil zusammengef\u00fcgt werden.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ortud Engemann hat eine bewegte Vergangenheit. Sie ist 1936 geboren, im Hochschwarzwald mit ihrer Mutter und drei Geschwistern aufgewachsen. \u201eMeine Mutter ist in Wuppertal Cronenberg geboren \u2013 ich wusste als Kind nie, wo das ist\u201c, erinnert sich die Seniorin l\u00e4chelnd. Sie selbst nennt vieles von dem, was sie erlebt hat, \u201eschicksalhaft\u201c. Sie erlebte den Zweiten Weltkrieg, nur mit 27 Jahren wurde sie Witwe, war alleine mit einem kleinen Kind. Nach erlebnisreichen Jahren, einer Zeit als Au-Pair in England (\u201eals die Suezkrise 1956 aufkam, sagte mir meine Mutter, ich solle schnell nach Hause kommen!\u201c), Aushilfst\u00e4tigkeiten in der Praxis ihres Onkels in Essen, lernte sie 1971 den Mann kennen, durch den sie an den Geburtsort ihrer Mutter kommen sollte: nach Wuppertal. In den darauffolgenden Jahren entdeckte sie ihre Leidenschaft f\u00fcr die Patchwork-Arbeit. \u201eDen ersten Kursus habe ich in einer Familien-Bildungsst\u00e4tte gemacht, ungef\u00e4hr im Jahr 1978, vielleicht war es auch schon 1980\u201c, erinnert sie sich zur\u00fcck. \u201eWir haben uns St\u00fccke aus alten Tapeten herausgeschnitten, Dreiecke, Vierecke, und diese dann zusammengesetzt. Es gefiel mir auf Anhieb.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Fr\u00fche Urspr\u00fcnge dieser Textilarbeit finden sich bereits im alten \u00c4gypten und in China, sie verbreitete sich aus dem Orient bis nach Europa und wurde ab dem 11. Jahrhundert daf\u00fcr genutzt, Wandbeh\u00e4nge, aber auch zum Beispiel Kleidung herzustellen. Fr\u00fchere Patchwork-Arbeiten in Amerika entstanden aus der Not heraus, w\u00e4rmende Decken wurden produziert, \u201eund aus diesen \u00e4rmlichen Anf\u00e4ngen entstanden dann ja richtige Kunstwerke. Wundersch\u00f6ne Wandbeh\u00e4nge zum Beispiel, die in Museen h\u00e4ngen.\u201c Diese habe sie immer gern besucht, um Inspirationen f\u00fcr ihre eigenen Arbeiten zu sammeln. \u201eAber etwas kopiert habe ich nie\u201c, betont sie.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ein Vorteil an der Patchwork, den Engemann hervorhebt, ist, \u201edass die Arbeit in Gemeinschaft passieren kann. Ich habe das viele Jahre lang mit zwei Freundinnen zusammen gemacht, daraus sind tiefe Freundschaften entstanden.\u201c Einmal im Monat trafen sie sich, fuhren gemeinsam zu Ausstellungen \u2013 von einer der beiden Freundinnen musste sie inzwischen Abschied nehmen, erinnert sich gern zur\u00fcck an die \u201eFlei\u00dfig\u00adste\u201c von ihnen dreien. Und im Laufe ihrer Jahre habe Ortrud Engemann auch sehr traurige, fordernde Zeiten erlebt, in denen ihr Hobby das war, \u201ewas mich gerettet hat\u201c, erz\u00e4hlt sie. \u201eIch bin dadurch nicht im Kummer versunken.\u201c Manchmal sei sie f\u00fcr die Arbeit in ihre Heimat in den Schwarzwald gefahren, habe sich \u201edort hingesetzt und in Ruhe gen\u00e4ht\u201c. Im Keller ihres alten Hauses in Barmen habe sie sich ihr kleines Patchwork-Reich aufgebaut, hatte dadurch immer einen R\u00fcckzugsort.<\/p>\n<p>M\u00e4rchenw\u00e4lder, G\u00e4rten und Schneeflocken als Inspiration      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Eines ihrer Lieblingswerke nennt sie \u201eM\u00e4rchenwald\u201c. Zahlreiche Tannen reihen sich aneinander. Mit einer anderen Arbeit versucht sie, die \u201eH\u00e4ngenden G\u00e4rten von Babylon\u201c abzubilden, von denen sie fasziniert ist. \u201eIch habe mich immer gefragt, wie die G\u00e4rten wohl aussehen m\u00f6gen. Ob es so stimmt, wei\u00df ich nicht \u2013 aber so habe ich sie mir immer vorgestellt\u201c, sagt sie mit Blick auf die Arbeit, f\u00fcr die sie alte, blumige Stoffe zusammengesucht habe, die zu ihrer Vorstellung passten. F\u00fcr ein Werk besch\u00e4ftigte sie sich mit der Farbenlehre, ein anderes n\u00e4ht sie aus 1500 Teilen zusammen, besch\u00e4ftigt sich mit dem Aufbau von Schneeflocken, den einzelnen Bestandteilen, bringt die unterschiedlichen Formen auf Stoffst\u00fccken zusammen. Ein Thema, das sie schon lange umtreibt, durch das sie sich mit den Thesen des amerikanischen Schneeforschers Wilson Alwyn Bentley auseinandersetzt, dessen Arbeiten sie faszinieren. Und einem ihrer vier Ur-Enkel kreierte sie eine Decke \u201emit Dinos \u2013 weil er die so gerne mag.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Ortrud Engemann begleitete die Patchwork ihr ganzes Leben: \u201eEs ist ein wundersch\u00f6nes Hobby\u201c, sagt sie. \u201eAber: Man muss es eben auch m\u00f6gen. Das ist in einem drin, und so war das bei mir.\u201c Heute verbringe sie nicht mehr so viel Zeit mit der Patchwork; so sei die Arbeit doch langsam sehr m\u00fchsam. Aber ihre fertigen Werke zieren weiter ihr Zimmer, Werke, die teils von Kummer, teils von Freude begleitet und dann wieder einfach Zeitvertreib waren. \u201eAn manchen Arbeiten habe ich zehn Jahre gesessen. Ja, man k\u00f6nnte schon sagen, es sind Lebenswerke f\u00fcr mich.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eIch hatte in meinem Leben niemals Langeweile\u201c. 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