{"id":612698,"date":"2025-11-30T06:41:24","date_gmt":"2025-11-30T06:41:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/612698\/"},"modified":"2025-11-30T06:41:24","modified_gmt":"2025-11-30T06:41:24","slug":"usa-fehlen-eu-schwaechelt-in-belem-offenbart-sich-der-klima-machtwechsel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/612698\/","title":{"rendered":"USA fehlen, EU schw\u00e4chelt: In Bel\u00e9m offenbart sich der Klima-Machtwechsel"},"content":{"rendered":"<p>Die COP30 in Bel\u00e9m macht den Amazonas zum Pr\u00fcfstein globaler Klimapolitik. Zwischen geopolitischen Machtk\u00e4mpfen, ungel\u00f6ster Klimafinanzierung und Chancen f\u00fcr Kooperation zeigt sich: Wer die Zukunft des Weltklimas gestalten will, muss Politik, Wirtschaft und Natur in Einklang bringen.<\/p>\n<p>Der Beginn der COP30 in Bel\u00e9m markiert einen historischen Moment in der Geschichte der internationalen Klimaverhandlungen. Rund 50 Staats- und Regierungschefs sind bei der COP30 in Bel\u00e9m anwesend, darunter Gastgeber Lula da Silva (Brasilien), Bundeskanzler Friedrich Merz (Deutschland), Ursula von der Leyen (EU-Kommission), Vertreter aus Gro\u00dfbritannien, China, Indien, S\u00fcdafrika und weiteren BRICS-Staaten. Die USA sind durch Pr\u00e4sident Trump nicht vertreten. Im Fokus stehen neben Brasilien <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/earth\/energiewende-china-paradox-wie-der-groesste-schmutzfink-unbemerkt-das-klima-rettet_981d7066-ccd3-4240-81a3-3a950cfc87b8.html\" rel=\"follow nofollow noopener\" target=\"_self\">vor allem China und die gro\u00dfen Schwellenl\u00e4nder als entscheidende Akteure der Konferenz.<\/a><\/p>\n<p>ANZEIGEDer Amazonas r\u00fcckt ins Zentrum der Weltklimapolitik<\/p>\n<p>Zum ersten Mal findet die UN-Klimakonferenz im Amazonasgebiet statt \u2013 einem der empfindlichsten \u00d6kosysteme der Erde und Sinnbild des globalen Kampfes gegen Entwaldung und Erderw\u00e4rmung. Die Symbolik ist eindeutig: Der Amazonas steht f\u00fcr den Zustand des Weltklimas, der Amazonasdschungel f\u00fcr das Gleichgewicht zwischen Mensch, Wirtschaft und Natur. Doch w\u00e4hrend die tropische Kulisse Hoffnung auf Erneuerung weckt, spiegeln sich in den klimatisierten Konferenzs\u00e4len dieselben alten Konfliktlinien zwischen Nord und S\u00fcd, zwischen Wohlstand und Verantwortung, zwischen Ambition und Realit\u00e4t.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Brasilien, Gastgeber und Hoffnungstr\u00e4ger zugleich, versucht, dem Prozess neues Vertrauen einzuhauchen. Nach Jahren der politischen Polarisierung unter vorherigen Regierungen hat Pr\u00e4sident Lula da Silva die internationale B\u00fchne genutzt, um Brasilien als Moderatorin eines neuen multilateralen Klimadialogs zu positionieren.\u00a0<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Mit dem ersten globalen Bestandsbericht, dem sogenannten Global Stocktake, liegen die Fakten offen auf dem Tisch: Weder sind die bisherigen nationalen Beitr\u00e4ge ausreichend, noch existiert eine verbindliche Perspektive, die das 1,5\u2011Grad\u2011Ziel erreichbar macht. Die Emissionen steigen, w\u00e4hrend die Anpassungsfinanzierung hinter den globalen Bed\u00fcrfnissen zur\u00fcckbleibt. In diesem Spannungsfeld gewinnt die Rolle der gro\u00dfen Schwellenl\u00e4nder an Bedeutung \u2013 allen voran China, Indien, Brasilien und S\u00fcdafrika. Ihre Entscheidungen dar\u00fcber, wie schnelles Wachstum, soziale Stabilit\u00e4t und Dekarbonisierung vereinbart werden k\u00f6nnen, pr\u00e4gen die Zukunft der globalen Klimapolitik.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>In diesem Jahr kommen die Staaten bei der <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/earth\/weltklimakonferenz\/\" rel=\"follow nofollow noopener\" target=\"_self\">UN-Klimakonferenz in Bel\u00e9m <\/a>zusammen, um \u00fcber den weltweiten Kampf gegen die Klimakrise zu diskutieren.<\/p>\n<p>FOCUS online Earth berichtet f\u00fcr Sie \u00fcber die COP30: Alle wichtigen Entwicklungen, Hintergr\u00fcnde und aktuellen Updates k\u00f6nnen <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/earth\/weltklimakonferenz\/eu-setzt-sich-nicht-durch-cop-der-wahrheit-wird-zur-cop-der-verpassten-chance_519a1f8a-2500-41e3-a3f2-fb60b38e725b.html\" rel=\"follow nofollow noopener\" target=\"_self\">Sie hier im Ticker nachverfolgen.<\/a><\/p>\n<p>Die Agenda von Bel\u00e9m<\/p>\n<p>Der offizielle Verhandlungsrahmen der COP30 umfasst die Umwandlung der bisherigen freiwilligen Klimaversprechen in konkrete Umsetzungsprogramme. Die Priorit\u00e4ten sind klar definiert:\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li>Nationale Beitr\u00e4ge (NDCs) sollen f\u00fcr die Zeit nach 2030 verbindlicher gestaltet werden; <\/li>\n<li>Energie-, Industrie- und Verkehrssysteme m\u00fcssen dekarbonisiert werden; <\/li>\n<li>und die weltweite Anpassungsfinanzierung soll auf j\u00e4hrlich 1,3 Billionen US\u2011Dollar anwachsen. <\/li>\n<li>Zus\u00e4tzlich will Brasilien Fortschritte beim Fonds f\u00fcr \u201eVerluste und Sch\u00e4den\u201c erreichen, der von Entwicklungsl\u00e4ndern als zentrales Gerechtigkeitssignal betrachtet wird.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dar\u00fcber hinaus r\u00fcckt die Transparenz-Agenda ins Zentrum. K\u00fcnftig sollen Emissionsdaten nach einheitlichen Standards ver\u00f6ffentlicht werden, um Vertrauen zwischen den Vertragsstaaten aufzubauen.\u00a0<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Gerade hier ist China ein viel beobachteter Akteur. Mit seiner neuen Zielsetzung, die nationalen Emissionen bis 2035 um sieben bis zehn Prozent gegen\u00fcber dem H\u00f6chststand zu reduzieren, hat die Volksrepublik ein messbares, wenngleich vorsichtig formuliertes Ziel eingef\u00fchrt. W\u00e4hrend die EU diese Schrittfolge als unzureichend einstuft, sehen viele L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens darin ein pragmatisches Gleichgewicht zwischen wirtschaftlicher Entwicklung und Klimaschutz.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>USA fehlen, EU schw\u00e4chelt: In Bel\u00e9m offenbart sich der Klima-Machtwechsel<\/p>\n<p>Bel\u00e9m zeigt eine tektonische Verschiebung in der internationalen Klimadiplomatie. Die traditionellen F\u00fchrungsm\u00e4chte \u2013 USA und EU \u2013 stehen vor internen Belastungen. Die Vereinigten Staaten haben sich unter der neuen Administration weitgehend aus der aktiven multilateralen Klimapolitik zur\u00fcckgezogen. Die EU k\u00e4mpft mit wirtschaftlichem Druck, Energieabh\u00e4ngigkeiten und politischer Uneinigkeit zwischen Mitgliedstaaten, die den gemeinsamen Ton gegen\u00fcber China erschweren.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>In diesem Vakuum streben Schwellenl\u00e4nder nach gr\u00f6\u00dferem Einfluss. Brasilien, China und Indien nehmen dabei eine koordinierende Rolle ein, die auf Kooperation, aber auch auf eigenst\u00e4ndigem Selbstverst\u00e4ndnis beruht. Die BRICS-Staaten betonen den Vorrang von Gerechtigkeit, Anpassungsf\u00e4higkeit und Entwicklungsspielraum.\u00a0<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>F\u00fcr viele L\u00e4nder in Afrika, Lateinamerika und S\u00fcdostasien sind diese Positionen attraktiver als westliche Forderungen nach schneller Dekarbonisierung, die oft mit Handelsbarrieren wie dem europ\u00e4ischen CO\u2082\u2011Grenzausgleichssystem verkn\u00fcpft sind.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>China versucht, seine internationale Position mit einer diplomatisch kalkulierten Mischung aus Eigenst\u00e4ndigkeit und Partnerschaft auszubauen. Die 2035\u2011Strategie soll der Startpunkt eines neuen Modells werden, das gr\u00fcnes Wachstum, Technologieexporte und S\u00fcd\u2011S\u00fcd\u2011Kooperation verbindet. Ziel ist es, die eigene wirtschaftliche St\u00e4rke in politische Glaubw\u00fcrdigkeit zu \u00fcbersetzen. Dazu geh\u00f6ren Programme f\u00fcr erneuerbare Energien in Afrika, Kooperationen zur Anpassungsfinanzierung in Asien und Unterst\u00fctzung lateinamerikanischer Staaten bei nachhaltiger Infrastruktur.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Brasilien wiederum will mit seiner Rolle als Vermittler und moralischer Akteur punkten. Der Schutz des Amazonas bleibt innenpolitisch ein heikles Thema \u2013 wirtschaftliche Interessen, Agrarlobby und soziale Ungleichheit stehen der Vision des globalen Vorbilds entgegen. Dennoch gilt Bel\u00e9m als Versuch, Politik und Realit\u00e4t miteinander zu vers\u00f6hnen: durch lokale Projekte zur Wiederaufforstung, durch internationale Fonds und durch Dialog mit beiden Lagern, Industrie- wie Entwicklungsl\u00e4ndern.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Konfliktlinien und Chancen<\/p>\n<p>Das zentrale Problem der Klimadiplomatie bleibt unver\u00e4ndert: die Glaubw\u00fcrdigkeitsl\u00fccke zwischen Ank\u00fcndigungen und Umsetzung. Die Industriel\u00e4nder haben ihr Versprechen, j\u00e4hrlich 100 Milliarden Dollar an Klimafinanzierung bereitzustellen, nur teilweise erf\u00fcllt. Gleichzeitig bleibt unklar, wie neue Finanzmechanismen \u2013 \u00f6ffentliche Banken, private Kapitalm\u00e4rkte, Klimaanleihen \u2013 dauerhaft zur Stabilisierung beitragen k\u00f6nnen. China und Brasilien dr\u00e4ngen darauf, multilaterale Entwicklungsbanken st\u00e4rker einzubinden und den Fokus von kurzfristiger Projektfinanzierung auf langfristigen Strukturwandel zu verlagern.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Technologische Zusammenarbeit bietet theoretisch ein Gegengewicht zu den politischen Spannungen, ist aber praktisch schwer umzusetzen. Fragen des geistigen Eigentums und die Abh\u00e4ngigkeit von Lieferketten verhindern oft, dass saubere Technologien schnell global verbreitet werden. Ein Ansatzpunkt k\u00f6nnte der Aufbau gemeinsamer Produktionskapazit\u00e4ten in Lateinamerika oder Afrika sein \u2013 ein Modell, das sowohl lokale Arbeitspl\u00e4tze schafft als auch den Exportdruck senkt.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Hinter technischen Differenzen steckt zunehmend ein geopolitischer Unterton. Die Verhandlungen in Bel\u00e9m sind mehr als ein Klimagipfel: Sie sind ein Schauplatz einer neuen Weltordnung, in der Machtverh\u00e4ltnisse, wirtschaftliche Interessen und normative Anspr\u00fcche miteinander konkurrieren. W\u00e4hrend westliche L\u00e4nder auf Regeln und M\u00e4rkte setzen, betonen Brasilien und China Solidarit\u00e4t, Respekt und Eigenverantwortung. Ob diese Narrative zusammenfinden, h\u00e4ngt von der F\u00e4higkeit ab, Vertrauen in gemeinsamen Strukturen zu verankern \u2013 nicht nur in Lippenbekenntnissen.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Unsere Zukunft<\/p>\n<p>Die Ergebnisse von Bel\u00e9m werden \u00fcber den k\u00fcnftigen Kurs des internationalen Klimasystems entscheiden. Drei Szenarien zeichnen sich ab: Ein Erfolg \u2013 etwa durch Einigung auf verbindliche Finanzierungspfade und neue Transparenzmechanismen \u2013 k\u00f6nnte die Glaubw\u00fcrdigkeit des Pariser Abkommens festigen. Ein moderater Fortschritt w\u00fcrde Stabilit\u00e4t sichern, aber die Dynamik begrenzen. Ein Scheitern hingegen w\u00fcrde das Vertrauen in multilaterale Prozesse weiter aush\u00f6hlen und eine Renaissance nationalistischer Energiepolitik bef\u00f6rdern.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>F\u00fcr Brasilien steht dabei nicht nur klimapolitisches, sondern auch diplomatisches Kapital auf dem Spiel: Gelingt es, die Konferenz als inklusives Forum zu etablieren, w\u00e4chst die Chance, dass Bel\u00e9m als Ort der Erneuerung in Erinnerung bleibt. F\u00fcr China wiederum bedeutet die COP30 einen Test seiner neuen Rolle: zwischen ehrgeizigem F\u00fchrungsanspruch und dem Versprechen, Entwicklungsl\u00e4ndern auf Augenh\u00f6he zu begegnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/in\/berthold-kuhn-2b3037b\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Dr. Berthold Kuhn<\/a> ist Politikwissenschaftler mit Promotion in Leipzig und Habilitation in Berlin. Er ber\u00e4t internationale Organisationen und Denkfabriken zu nachhaltiger Entwicklung. Er ist Teil unseres <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/experts\/faq-zum-experts-circle_362f7625-22cb-4ff0-8522-9b021284062c.html\" target=\"_self\" rel=\"follow nofollow noopener\">EXPERTS Circle<\/a>. Die Inhalte stellen seine pers\u00f6nliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die COP30 in Bel\u00e9m macht den Amazonas zum Pr\u00fcfstein globaler Klimapolitik. 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