{"id":612884,"date":"2025-11-30T08:35:18","date_gmt":"2025-11-30T08:35:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/612884\/"},"modified":"2025-11-30T08:35:18","modified_gmt":"2025-11-30T08:35:18","slug":"berlin-duesseldorf-karamellkeks-trend-ist-spekulatius-nun-ganzjaehrig-angesagt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/612884\/","title":{"rendered":"Berlin\/D\u00fcsseldorf | Karamellkeks-Trend: Ist Spekulatius nun ganzj\u00e4hrig angesagt?"},"content":{"rendered":"<p>Berlin\/D\u00fcsseldorf (dpa) &#8211; Was fr\u00fcher nur an dunkle Winternachmittage denken lie\u00df, ist jetzt ein Ganzjahresaroma: der Karamellkeks. Meist einzeln verpackt liegt das kleine Geb\u00e4ck in Caf\u00e9s und Restaurants neben der Tasse &#8211; als korrespondierender Keks zum Kaffee. Oft handelt es sich dabei um den sogenannten Biscoff vom Branchenriesen Lotus, der fr\u00fcher \u00abSpeculoos\u00bb hie\u00df.<\/p>\n<p>Den Karamellkeksgeschmack, der an Spekulatius erinnert, gibt es inzwischen auch im Brotaufstrich, in Eiscreme, Mousse, Kuchen. Viele sagen, diese Kekse schmeckten \u00abnach Weihnachten\u00bb. Ist jetzt das ganze Jahr Christmas?<\/p>\n<p>Auch in Friseursalons, die ein Getr\u00e4nk anbieten, wird Karamellkeks oft serviert. Es gibt nicht nur \u00abBiscoff\u00bb, es gibt auch Marken wie \u00abCaramellino\u00bb oder \u00abKaramellgeb\u00e4ck\u00bb unter dem Label \u00abHellma\u00bb oder \u00abStereo\u00bb.<\/p>\n<p>Die Backwarenkette LeCrobag hat derzeit Croissants mit Biscoff-F\u00fcllung im Angebot, andere Systemgastronomen verkaufen Zimtschnecken mit Biscoff-Crumbles. Foodblogger hypen das Produkt mit Zucker und Zimt ohnehin &#8211; f\u00fcr allerhand kalorienreiche Dessert-Kreationen.<\/p>\n<p>\u00abSchreiend s\u00fc\u00df, schmeckt immer so ein bisschen nach Spekulatius\u00bb<\/p>\n<p>\u00ab\u00dcberall seh\u2019 ich nur noch: Lotus-Kekse. Der belgische Karamellkeks\u00bb, sagt Produktentwickler Sebastian Lege in der ZDF-Sendung \u00abLege packt aus &#8211; S\u00fc\u00dfe Supermarkt-S\u00fcnden\u00bb. St\u00e4ndig begegne ihm auf Social Media dieser Biscoff. \u00abSchreiend s\u00fc\u00df, schmeckt immer so ein bisschen nach Spekulatius.\u00bb Lege baute den Keks dann nach: Mehl, Kandiszuckersirup, Palmfett, Zimt.\u00a0<\/p>\n<p>Die Welt der Kekse sei den Produzenten aber eben nicht genug &#8211; siehe etwa den Brotaufstrich als Alternative zu Nuss-Nougat-Creme oder Erdnussbutter. Leges Rat: \u00abHype hin, Hype her, so Karamellkeksbrotaufstrich sollte man nicht jeden Tag genie\u00dfen.\u00bb<\/p>\n<p>Ein Blick auf die N\u00e4hrwerttabelle offenbart: Die \u00abKaramell-Keks-Creme (creamy)\u00bb von \u00abRewe Beste Wahl\u00bb zum Beispiel hat knapp 590 Kalorien pro 100 Gramm. 39 Gramm sind Fett und 31 Gramm Zucker (\u00abNutella\u00bb zum Vergleich: 540 Kalorien pro 100 Gramm; 31 Gramm Fett, 56 Gramm Zucker).\u00a0<\/p>\n<p>Ist ein Karamellkeks das gleiche wie Spekulatius oder nicht?<\/p>\n<p>Einige Mitbewerber der Aufstriche \u00abBiscoff creamy\u00bb oder \u00abBiscoff crunchy\u00bb nennen ihr Produkt auch \u00abSpekulatiuscreme\u00bb. Jetzt wird es verwirrend. Ist \u00abBiscoff\u00bb jetzt das gleiche wie Spekulatius &#8211; oder ist es das eben nicht?<\/p>\n<p>Beim Unternehmen Lotus Bakeries wehrt man sich ein wenig: Nein, Biscoff-Kekse seien kein Spekulatius. \u00abZum einen handelt es sich nicht um ein saisonales Geb\u00e4ck, sondern um ein Produkt, das ganzj\u00e4hrig im Handel erh\u00e4ltlich ist. Zum anderen unterscheidet sich der Geschmack deutlich von Spekulatius\u00bb, meint ein Sprecher am deutschen Sitz von Lotus in D\u00fcsseldorf.\u00a0<\/p>\n<p>Der Biscoff habe eine eigene Rezeptur, die ihm die karamellige Note gebe, sagt der Lotus-Sprecher. Zwar basierten beide Geb\u00e4cke auf \u00e4hnlichen Grundzutaten wie Mehl und braunem Zucker, \u00abSpekulatius enth\u00e4lt jedoch die typischen weihnachtlichen Gew\u00fcrze wie etwa Muskatnuss, Nelken, Ingwerpulver, Kardamom sowie teilweise Anis oder Koriander\u00bb.\u00a0<\/p>\n<p>Deutschlands S\u00fc\u00dfwarenindustrie z\u00e4hlt klassischen Spekulatius &#8211; ebenso wie etwa Dominosteine und Zimtsterne &#8211; zur Kategorie \u00abHerbstgeb\u00e4ck\u00bb. Alle Jahre wieder liegt es von September bis Dezember massenhaft in den L\u00e4den. Ein paar Regale weiter findet man aber ganzj\u00e4hrig Karamellgeb\u00e4ck &#8211; oft zwischen Cantuccini, L\u00f6ffelbiskuits, Amarettini oder Waffelgeb\u00e4ck.<\/p>\n<p>Marktforscher stellen einen Spekulatius-Trend fest<\/p>\n<p>Nach Absatzzahlen der Marktforscher Nielsen IQ sind Lebkuchen die Favoriten deutscher Verbraucherinnen und Verbraucher beim Herbstgeb\u00e4ck. Doch danach folgt &#8211; noch vor Stollen &#8211; der Spekulatius, der in den letzten Jahren boomte. Auch 2025 sei das Spekulatius-Segment innerhalb des Saisongeb\u00e4cks bei Umsatz und Absatz bislang besonders kr\u00e4ftig gestiegen, hei\u00dft es von NIQ. Man k\u00f6nnte also sagen: Zimtiges M\u00fcrbegeb\u00e4ck hat derzeit einen Lauf.<\/p>\n<p>\u00abAktuelle Trends um Gew\u00fcrzkekse appellieren an das nostalgische Gef\u00fchl vergangener Feiertage\u00bb, sagt der Kulturwissenschaftler Gunther Hirschfelder. \u00abIn der unsicheren und schnellen Welt von heute suchen Menschen Produkte, die ein Gef\u00fchl von Behaglichkeit vermitteln. Die Wintergew\u00fcrze und vor allem Zimt sind dabei mit Komfortessen assoziiert, die Geborgenheit und W\u00e4rme spenden.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>\u00abNiedrigschwelliger Keks, vertraut in Geschmack und Konsistenz\u00bb<\/p>\n<p>Der Kulturwissenschaftler von der Universit\u00e4t Regensburg sagt auch, der Biscoff-Keks sei \u00abstrukturell konservativ\u00bb, \u00abein niedrigschwelliger Keks, vertraut in Geschmack und Konsistenz\u00bb. \u00abIn Zeiten permanenter Selbstkontrolle ist er klein genug, um durch das Raster der Selbstbeherrschung zu fallen. Ein kleiner Keks. Den wird man doch wohl noch essen d\u00fcrfen.\u00bb<\/p>\n<p>Hinter dem Erfolg des &#8211; wir sagen jetzt nur noch spekulatius\u00e4hnlichen &#8211; Biscoff-Kekses steckt seit Jahrzehnten eine geschickte Marketingstrategie. 1932 auf dem Land in Flandern gegr\u00fcndet, wurde der Speculoos-Keks ab den 50er Jahren gezielt in Gastst\u00e4tten und Caf\u00e9s als Pl\u00e4tzchen zum Kaffee platziert.\u00a0<\/p>\n<p>Das Wort \u00abBiscoff\u00bb wurde aus Biscuit und Coffee gebildet<\/p>\n<p>In Amerika wurde der Keks ab den 80ern bei Airlines als Bordsnack etabliert. Vor rund 40 Jahren bekam er dann im US-Markt mit \u00abBiscoff\u00bb einen f\u00fcr die Globalisierung geeigneteren Namen &#8211; aus der Verschmelzung der englischen Begriffe \u00abBiscuit\u00bb (Keks) und \u00abCoffee\u00bb (Kaffee). Offiziell auf Verpackungen kam dieser Produktname aber erst 2013, wie Lotus erkl\u00e4rt. In den Heimatm\u00e4rkten, also in den Benelux-Staaten, geschah dies sogar erst vor f\u00fcnf Jahren.<\/p>\n<p>Auch historisch ist \u00abSpeculoos\u00bb nicht gleich \u00abSpeculaas\u00bb. Speculaas ist urspr\u00fcnglich ein niederl\u00e4ndisches Produkt, das zur Kolonialzeit entstand und im Unterschied zum fl\u00e4mischen Keks Speculoos (bei Lotus heute Biscoff genannt) in der Tat mehr exotische Zutaten aufweist.<\/p>\n<p>In Deutschland ist auch oft vom Gew\u00fcrzspekulatius die Rede (wiederum im Gegensatz zum weniger herben Butterspekulatius). Wir halten jedoch fest: Nicht jede und jeder schmeckt die Gew\u00fcrzunterschiede. In der jungen Generation k\u00f6nnte bald vielleicht sogar das Wort Spekulatius aussterben. Spekulieren wir jetzt mal. Weil: Das hei\u00dft doch Biscoff.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin\/D\u00fcsseldorf (dpa) &#8211; Was fr\u00fcher nur an dunkle Winternachmittage denken lie\u00df, ist jetzt ein Ganzjahresaroma: der Karamellkeks. 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