{"id":612941,"date":"2025-11-30T09:07:17","date_gmt":"2025-11-30T09:07:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/612941\/"},"modified":"2025-11-30T09:07:17","modified_gmt":"2025-11-30T09:07:17","slug":"ost-beauftragte-kaiser-will-vermoegen-neu-verteilen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/612941\/","title":{"rendered":"Ost-Beauftragte Kaiser will Verm\u00f6gen neu verteilen"},"content":{"rendered":"<p>        Gastbeitrag<br \/>\n      Ost-Beauftragte Kaiser will Verm\u00f6gen neu verteilen<\/p>\n<p>            Artikel anh\u00f6ren<\/p>\n<p>            Kopiere den aktuellen Link<\/p>\n<p>          Zur Merkliste hinzuf\u00fcgen<\/p>\n<p>Ostdeutsche verdienen weniger, erben weniger und besitzen weniger als Westdeutsche. Die Ost-Beauftragte Elisabeth Kaiser will das \u00e4ndern \u2013 mit diesen Vorschl\u00e4gen. Ein Gastbeitrag.<\/p>\n<p class=\"typo-body-sc-md is-initial\">Die Verm\u00f6gensschere verl\u00e4uft nicht nur zwischen Arm und Reich, sondern auch zwischen Ost- und Westdeutschland. Im Jahr 2017 betrug das Durchschnittsverm\u00f6gen in <a class=\"taxonomy-entity place\" data-target-type=\"article\" href=\"https:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/themen\/ostdeutschland-4131960.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ostdeutschland<\/a> 50.000 Euro, im Westen 122.000 Euro. Der Abstand hat sich seit der Jahrtausendwende sogar nochmals leicht vergr\u00f6\u00dfert. Dadurch wird im Osten nicht nur seltener geerbt als im Westen, sondern auch deutlich geringere Betr\u00e4ge.\u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-sc-md\">Das wird 35 Jahre nach der Einheit zum Problem. Immer mehr Ostdeutsche haben das Gef\u00fchl, dauerhaft benachteiligt zu sein. Und zwar nicht wegen mangelnder Leistungsbereitschaft, sondern wegen ungerecht verteilter Startbedingungen. Doch wie ist die regionale Ungleichheit beim Verm\u00f6gen zu erkl\u00e4ren und an welchen Stellschrauben l\u00e4sst sich drehen? Dieser Frage geht eine von mir beauftragte neue Studie des Instituts f\u00fcr Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) T\u00fcbingen nach.<\/p>\n<p class=\"typo-body-sc-md\">Ein Teil der Antwort: Die Unterschiede sind historisch gewachsen. In der alten Bundesrepublik hatten die Menschen 40 Jahre Zeit, ein Verm\u00f6gen aufzubauen. In der <a class=\"taxonomy-entity place\" data-target-type=\"article\" href=\"https:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/themen\/ddr-4155014.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">DDR<\/a> war der Erwerb von Wohneigentum streng reguliert. Und auch privates Unternehmertum ist im Osten erst seit der Wiedervereinigung wieder m\u00f6glich. Und im Zuge der W\u00e4hrungsunion wurden Sparbetr\u00e4ge nur begrenzt 1:1 in D-Mark getauscht. Die Ostdeutschen sind deswegen mit wenig Geld und noch weniger Besitz im wiedervereinigten Deutschland angekommen.<\/p>\n<p>  Ost-Beauftragte: Kenntnis \u00fcber Finanzm\u00e4rkte geringer<\/p>\n<p class=\"typo-body-sc-md\">Auch beim Wohneigentum sind die Unterschiede zwischen Ost und West noch immer beachtlich. 40 Prozent der Westdeutschen leben in ihrer eigenen Immobilie, aber nur 30 Prozent der Ostdeutschen. Dieser Abstand hat sich seit der Wiedervereinigung so gut wie nicht verringert.\u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-sc-md\">Warum also besteht die Diskrepanz auch dreieinhalb Jahrzehnte sp\u00e4ter fort? Die Wissenschaftler haben dazu Fokusgruppen in beiden Landesteilen befragt. Vor allem die ostdeutschen Diskussionsteilnehmer wiesen darauf hin, dass f\u00fcr den Verm\u00f6gensaufbau im Osten bis heute schlicht oft die Mittel fehlen. So sagte eine Frau aus Ostdeutschland: \u201eDie Einkommen sind niedriger, die Renten sind niedriger, die Leute hatten teilweise in der DDR wirklich kein Verm\u00f6gen, weil es quasi verboten war \u2026 Da gibt es nichts, wo man gro\u00df aufbauen kann.\u201c<\/p>\n<p class=\"typo-body-sc-md\">Hinzu kommt: Im Osten ist die Kenntnis \u00fcber die Finanzm\u00e4rkte oftmals geringer als im Westen, auch weil das Thema vor 1989\/90 so gut wie keine Rolle spielte. Zudem suchen Ostdeutsche \u00f6fter nach sicheren Anlagestrategien. Sie meiden Investments mit h\u00f6heren Renditeversprechen. Hier haben vermutlich gerade die wirtschaftlichen Unsicherheiten der Transformationsjahre nach 1990 Spuren hinterlassen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-sc-md\">So setzen in Ostdeutschland finanziell gut gestellte Haushalte h\u00e4ufig auf risikoarme Anlageformen mit geringen Renditechancen. Ganz anders im Westen: Hier nimmt die Risikofreude mit dem durchschnittlichen Verm\u00f6gen zu. Zusammen mit der meist hohen Finanzbildung dieser Gruppe f\u00fchrt das dazu, dass sich im Westen gro\u00dfe Verm\u00f6gen schneller vermehren, w\u00e4hrend das Verm\u00f6gen im Osten langsamer anw\u00e4chst.<\/p>\n<p>  Das Gef\u00fchl, zweite Klasse zu sein<\/p>\n<p class=\"typo-body-sc-md\">Das verbreitete Gef\u00fchl der materiellen Benachteiligung ist ein zentraler Grund, weshalb zwei Drittel der Menschen im Osten sagen, Ostdeutsche seien B\u00fcrger zweiter Klasse. Um die Demokratie zu st\u00e4rken, muss der Staat die Verm\u00f6gensunterschiede genauer in den Blick nehmen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-sc-md\">Notwendig ist eine Debatte um eine Reform der Erbschaftssteuer. Es kann nicht sein, dass wir Erbschaften und Verm\u00f6gen geringer besteuern als L\u00f6hne und Geh\u00e4lter. Die Erbschaftssteuer ist eine L\u00e4ndersteuer. Erh\u00f6ht man sie, sollten die L\u00e4nder diese Mittel vor allem in den Ausbau des Bildungssystems stecken. Das haben auch die Wirtschaftsweisen in ihrem neuen Jahresgutachten herausgearbeitet. Denn gute Bildung reduziert den biografischen Einfluss der sozialen Herkunft \u2013 und f\u00fchrt langfristig zu mehr Chancengleichheit auch beim Verm\u00f6gensaufbau.\u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-sc-md\">Parallel m\u00fcssen wir die Menschen, die wenig besitzen, st\u00e4rker bei der Verm\u00f6gensbildung unterst\u00fctzen. Deshalb ist die im Koalitionsvertrag vereinbarte Fr\u00fchstart-Rente relevant: F\u00fcr jedes Kind sollen pro Monat 10 Euro in ein kapitalgedecktes Vorsorgedepot einbezahlt werden.\u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-sc-md\">Nach Eintritt ins Erwachsenenalter kann der angesparte Betrag bis zum Beginn der Rente durch private Einzahlungen weiter bespart werden. Das ist ein gutes Instrument, um jungen Menschen und deren Eltern risikoarme Erfahrungen mit dem Kapitalmarkt zu erm\u00f6glichen.\u00a0<\/p>\n<p>  Frage der Verm\u00f6gensverteilung f\u00fcr Einheit zentral<\/p>\n<p class=\"typo-body-sc-md\">Au\u00dferdem m\u00fcssen wir die Finanzbildung bundesweit verbessern. Finanzwissen sollte ein fester Teil von schulischen Lehrpl\u00e4nen werden, um fr\u00fchzeitig \u00f6konomische Grundkompetenzen zu vermitteln. Ebenso sehr ben\u00f6tigen wir Weiterbildungsangebote zur Verm\u00f6gensbildung f\u00fcr Erwachsene.\u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-sc-md\">\u00dcberdies m\u00fcssen wir \u00fcber eine Anpassung bestehender F\u00f6rderinstrumente diskutieren. Wieso nicht die Arbeitnehmersparzulage auch f\u00fcr die Mittelschicht zug\u00e4nglich machen? Oder eine st\u00e4rker pauschalierte F\u00f6rderung beim Immobilienerwerb einf\u00fchren? Diese Vorschl\u00e4ge gehen \u00fcber den Koalitionsvertrag hinaus. Doch die Debatte m\u00fcssen wir jetzt f\u00fchren.\u00a0<\/p>\n<p class=\"typo-body-sc-md\">Die Frage der Verm\u00f6gensverteilung ist f\u00fcr die Einheit unseres Landes zentral. Es geht dabei nicht nur um materielle Fragen, sondern auch um Anerkennung, Respekt, Gerechtigkeit. Denn die im Vergleich geringeren Verm\u00f6gen vieler (Ost)deutscher haben nichts mit ihrer Lebensleistung, sondern einzig mit ihrer Herkunft zu tun. Das Thema muss oben auf der politischen Agenda bleiben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gastbeitrag Ost-Beauftragte Kaiser will Verm\u00f6gen neu verteilen Artikel anh\u00f6ren Kopiere den aktuellen Link Zur Merkliste hinzuf\u00fcgen Ostdeutsche verdienen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":612942,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[13,14,15,12,10,8,9,11],"class_list":{"0":"post-612941","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-headlines","9":"tag-nachrichten","10":"tag-news","11":"tag-schlagzeilen","12":"tag-top-news","13":"tag-top-meldungen","14":"tag-topmeldungen","15":"tag-topnews"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115637862063259564","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/612941","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=612941"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/612941\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/612942"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=612941"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=612941"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=612941"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}