{"id":614257,"date":"2025-11-30T22:35:12","date_gmt":"2025-11-30T22:35:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/614257\/"},"modified":"2025-11-30T22:35:12","modified_gmt":"2025-11-30T22:35:12","slug":"mainz-la-cenerentola-von-rossini-begeistert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/614257\/","title":{"rendered":"Mainz: \u201eLa Cenerentola\u201c von Rossini begeistert"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Seine besten Zeiten hat das \u201eHotel Magnifico\u201c schon lange hinter sich gelassen. Das Telefon ist kaputt, die Heizung leckt, die Dreht\u00fcr klemmt und die Pflanze in der Lobby hat ihr letztes gr\u00fcnes Blatt wohl vor vielen Jahren verloren. Hoteldirektor Don Magnifico lebt von der Substanz, und die besteht neben dem schmucken Innendekor aus den F\u00fcnfzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts vor allem aus Angelina, seiner Stieftochter. Sie h\u00e4lt im adretten Angestellten-Outfit den Laden in Schwung, was mangels G\u00e4sten vor allem bedeutet, dass sie ihm und ihren beiden Stiefschwestern permanent zu Diensten steht.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Das Hotel, zu dem in der Mainzer Neuinszenierung von Gioachino Rossinis Aschenputtel-Oper \u201eLa Cenerentola\u201c das nicht weniger heruntergekommene Schloss der M\u00e4rchenvorlage geworden ist, war in besseren Zeiten der Ort ihrer gl\u00fccklichen Kindheit. So sieht es jedenfalls Stephanie Kuhlmann, wenn sie ihre von Bernhard Bruchhardt (B\u00fchne und Kost\u00fcme) ausgestattete Neuinszenierung mit einer stumm zur Ouvert\u00fcre gespielten Erinnerung beginnen l\u00e4sst. Diese Ouvert\u00fcre hatte Rossini, der weit geschickter als sein Don Magnifico mit der Substanz umzugehen wusste, vor der \u201eCenerentola\u201c-Urauff\u00fchrung 1817 in Rom seiner um einige Monate \u00e4lteren Oper \u201eLa Gazzetta\u201c entnommen.<\/p>\n<p>Selbstbewusstes Aschenputtel<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Regisseurin Stephanie Kuhlmann, Leiterin des Jungen Theaters Pforzheim und in <a data-rtr-index=\"15\" title=\"Mainz\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/thema\/mainz\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mainz<\/a> zuletzt f\u00fcr Leonard Evers\u2019 Jugendoper \u201ehumanoid\u201c szenisch verantwortlich, erz\u00e4hlt im Gro\u00dfen Haus des Staatstheaters Rossinis \u201eDramma giocoso\u201c so klar wie zeitgem\u00e4\u00df nach: Alles, auch das Fest beim Prinzen, spielt in den Innenr\u00e4umen des Hotels, und wie in der M\u00e4rchenvorlage hinterl\u00e4sst Angelina ihren Schuh als Erkennungszeichen, aus dem in Rossinis Oper eigentlich ein Armreif geworden war.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Aschenputtel tritt hier von Anfang an ziemlich selbstbewusst auf, und der sch\u00fcchterne Prinz Don Ramiro f\u00fchlt sich beim Rollentausch in der Kleidung seines Dieners Dandini offenbar ganz wohl, zumal er allein Angelinas Augenmerk genie\u00dft, w\u00e4hrend sich der Diener als vermeintlicher Adliger mit dem abgehalfterten Hotelchef und dessen \u00fcberdrehten T\u00f6chtern Clorinda und Tisbe herumschlagen darf. Wer, charakterlich schwach, seinen Vorteil sucht, ist hier zum Stereotyp geworden, und wer auf sein Herz h\u00f6rt, gewinnt am Ende: Cenerentola nicht nur den Prinzen, sondern auch das Hotel zur\u00fcck, das zum gl\u00fccklichen Finale von der befreiten Dienerschaft des Herrenchors zur \u201eCasa Angelina\u201c aufgem\u00f6belt wird. Utopie des M\u00e4rchens: Ein starker Charakter kann eine ganze Welt verbessern.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Diesen Weg zum gl\u00fccklichen Finale hat Rossini mit vielen Verzierungen, Koloraturen und brillanten Ensembles gespickt. Sie werden in Mainz, was hervorragend zu Kuhlmanns spielfreudiger Inszenierung passt, von allen sieben Solisten virtuos belebt. Karina Repova mag sich als Angelina gelegentlich in die minimale Privatheit ihres Betts in einem Durchgangsraum zur\u00fcckziehen: Ihre Cenerentola kennt vokal von Anfang an den maximal gro\u00dfen Auftritt, grundiert von ihrem dunkel eingef\u00e4rbten Mezzosopran, der in der flexiblen H\u00f6he nie an Grenzen ger\u00e4t. Zur Entdeckung wird der in Mainz deb\u00fctierende kolumbianische Tenor Pablo Mart\u00ednez, der f\u00fcr die Prinzenpartie des Don Ramiro mit seinem sehr hellen Timbre, seiner hohen Leichtigkeit und Beweglichkeit bei v\u00f6llig m\u00fchelosen, nat\u00fcrlichen Phrasierungen eine Idealbesetzung ist. Vincenzo Nizzardo bewahrt seinem Hoteldirektor Magnifico erfreulicherweise die baritonale Noblesse, die seiner Erscheinung von vergangener Eleganz verloren gegangen ist.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Partie des Philosophen und Strippenziehers Alidoro hat die Regisseurin aufgewertet, indem sie ihn als Rezeptionisten in die Mitte des Geschehens stellt. Oder, samt Rezeption, wie einen Deus ex machina einschweben und Glitzer werfen l\u00e4sst. Stephan Bootz beglaubigt diese Aufwertung mit hoher darstellerischer Pr\u00e4senz, die auch Gabriel Rollinson als Dandini sowie Alexandra Samouilidou und Alexandra Uchlin als b\u00f6se Schwestern einbringen. Alle Solisten teilen ein gro\u00dfes Gesp\u00fcr f\u00fcr ein hervorragendes Timing, das Kapellmeister Samuel Hogarth mit teils stark beschleunigten Tempi verlangt, so dass sich Rossinis kollektive Plappereien, die mit der Lautst\u00e4rke sich aufschaukelnden Emotionen, aber auch die Innenschauen der Arien vorz\u00fcglich entfalten k\u00f6nnen. Kein Wunder, dass dieses M\u00e4rchen f\u00fcr Erwachsene in drei kurzweiligen Stunden in Mainz ein Publikumserfolg ist.<\/p>\n<p>La Cenerentola Mainz, Staatstheater, n\u00e4chste Vorstellungen am 9. und 19. Dezember sowie am 16. Januar, von 19.30 Uhr an, am 31. Dezember von 18 Uhr an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seine besten Zeiten hat das \u201eHotel Magnifico\u201c schon lange hinter sich gelassen. 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