{"id":614731,"date":"2025-12-01T03:38:16","date_gmt":"2025-12-01T03:38:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/614731\/"},"modified":"2025-12-01T03:38:16","modified_gmt":"2025-12-01T03:38:16","slug":"graz-bonn-bauchgefuehl-was-psyche-und-darm-verbindet-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/614731\/","title":{"rendered":"Graz\/Bonn | Bauchgef\u00fchl: Was Psyche und Darm verbindet"},"content":{"rendered":"<p>Graz\/Bonn (dpa\/tmn) &#8211; Bauchgrummeln, Durchfall oder auch \u00dcbelkeit &#8211; manchmal spiegeln diese Symptome keine k\u00f6rperlichen Ursachen wider, sondern psychische. Beispielsweise Stress, zu gro\u00dfe emotionale Belastungen oder Depressionen. Verantwortlich f\u00fcr diesen Zusammenhang ist die sogenannte Darm-Hirn-Achse.<\/p>\n<p>Sie beschreibt das komplexe Zusammenspiel zwischen unserem Verdauungssystem und dem Gehirn. Dass es sich dabei nicht um eine Einbahnstra\u00dfe handelt, ist mittlerweile wissenschaftlich anerkannt. Vielmehr flie\u00dfen Signale in beide Richtungen \u2013 vom Darm zum Gehirn und umgekehrt. Dabei werden unterschiedliche Signalwege genutzt: das Nerven-, das Hormon- und das Immunsystem, dessen Gro\u00dfteil sich im Darm befindet.<\/p>\n<p>Entspannter Vagusnerv, entspannter Darm<\/p>\n<p>Bei der Kommunikation \u00fcber das Nervensystem spielt der Vagusnerv eine zentrale Rolle. Als Hauptkomponente des Parasympathikus ist er entscheidend f\u00fcr Ruhe, Entspannung und soziale Interaktion. \u00abUm etwa Emotionen im Gesicht unseres Gegen\u00fcbers zu erkennen, muss der Vagusnerv gut funktionieren\u00bb, sagt Psychiaterin und Ern\u00e4hrungsmedizinerin Sabrina Leal Garcia von der Medizinischen Universit\u00e4t Graz. Sie leitet in Graz die Spezialambulanz f\u00fcr Nutritional Psychosomatics (Spezialambulanz f\u00fcr Psychosomatik, Ern\u00e4hrung und Psyche).<\/p>\n<p>Studien legen nahe, dass bestimmte probiotische Bakterien wie Laktobazillen und Bifidobakterien den Vagusnerv \u00fcber die Darm-Hirn-Achse positiv stimulieren k\u00f6nnen. Die meisten Studien, die Effekte auf Stimmung oder autonome Nervenfunktion untersuchen, setzen dabei Einnahmezeitr\u00e4ume von mehreren Wochen bis zu etwa drei Monaten ein.<\/p>\n<p>Wie der Darm das Hirn beeinflusst &#8211; und umgekehrt<\/p>\n<p>Im Zentrum dieser Achsen-Kommunikation steht das Mikrobiom, also die Gesamtheit der Mikroorganismen im Darm. Sie produzieren Stoffwechselprodukte wie etwa kurzkettige Fetts\u00e4uren. \u00abDiese wandern entweder in ihrer urspr\u00fcnglichen Form oder umgewandelt zum Hirn und senden dort Signale\u00bb, erkl\u00e4rt Birgit Terjung. Sie ist Chef\u00e4rztin der Abteilung f\u00fcr Innere Medizin und Gastroenterologie am St. Josef Hospital in Bonn-Beuel.\u00a0<\/p>\n<p>Die kurzkettigen Fetts\u00e4uren haben lokal eine antientz\u00fcndliche Wirkung, sie k\u00f6nnen aber auch neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Demenz positiv beeinflussen.<\/p>\n<p>Auch Botenstoffe wie das Hormon Serotonin spielen eine Rolle. Etwa 90 Prozent des k\u00f6rpereigenen Serotonins werden mit Hilfe von Bakterien im Darm produziert. \u00abDort ist es f\u00fcr die Darmbewegung zust\u00e4ndig\u00bb, sagt Sabrina Leal Garcia. Zu viel Serotonin kann daher zu Durchfall, zu wenig Serotonin zu depressiven Verstimmungen f\u00fchren. Zwar gelange dieses Serotonin nicht direkt aus dem Darm ins Gehirn, aber es kann \u00fcber den Vagusnerv indirekt Einfluss auf psychische Prozesse nehmen.<\/p>\n<p>Manche Bakterien f\u00f6rdern Entz\u00fcndungen, andere hemmen sie<\/p>\n<p>Umgekehrt kann ein gestresstes Hirn Signale an die Nebenniere senden, wo Stresshormone wie Adrenalin gebildet werden. Die k\u00f6nnen sich wiederum negativ auf den gesamten K\u00f6rper und auch auf den Darm auswirken.<\/p>\n<p>Das Immunsystem vermittelt ebenfalls zwischen Darm und Gehirn \u2013 etwa \u00fcber Zytokine. Das sind Proteine, die Entz\u00fcndungsprozesse steuern und die neuronale Aktivit\u00e4t beeinflussen k\u00f6nnen. Bestimmte Darmbakterien f\u00f6rdern entz\u00fcndungshemmende Immunreaktionen, w\u00e4hrend andere eine Entz\u00fcndung beg\u00fcnstigen, die mit Depressionen oder Angstst\u00f6rungen in Verbindung gebracht wird.\u00a0<\/p>\n<p>Mediterrane Kost beg\u00fcnstigt \u00abgute\u00bb Darmbakterien<\/p>\n<p>Entscheidend f\u00fcr ein vielf\u00e4ltiges Mikrobiom im Darm ist die Ern\u00e4hrung. Die sollte den Expertinnen zufolge mediterran sein, also viele Ballaststoffe, eine gro\u00dfe Menge Obst und Gem\u00fcse, N\u00fcsse, Samen, \u00d6le wie Oliven\u00f6l mit hohem Anteil an Omega-3-Fetts\u00e4uren, wenig Fleisch, viel Fisch. Auch fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Kombucha oder Kimchi sind sogenannte Synbiotika. Sie enthalten einerseits lebende Darmbakterien (Probiotika), andererseits Futter f\u00fcr die Darmbakterien (Pr\u00e4biotika).<\/p>\n<p>Aber: \u00abEs ist nicht wissenschaftlich erwiesen, dass eine bestimmte Anzahl an Gem\u00fcse- und Obstsorten notwendig w\u00e4re\u00bb, sagt Birgit Terjung. Die Vielfalt sei wichtiger als einzelne vermeintliche \u00abSuperfoods\u00bb. Auch die Auswahl verschiedenfarbiger pflanzlicher Lebensmittel kann sinnvoll sein, da sie unterschiedliche Inhaltsstoffe liefern. Erste Ver\u00e4nderungen im Mikrobiom zeigen sich Sabrina Leal Garcia zufolge oft schon nach wenigen Tagen einer Ern\u00e4hrungsumstellung, doch bis sich das Gesamtsystem messbar ver\u00e4ndert, dauert es Monate.<\/p>\n<p>Stuhl sollte nicht zu weich und nicht zu hart sein<\/p>\n<p>Die Ern\u00e4hrungsform muss zur Person passen, sagt Leal Garcia. Trends wie die Keto-Di\u00e4t mit wenig Kohlenhydraten und viel Fett wurden zun\u00e4chst f\u00fcr gef\u00e4hrlich gehalten. Mittlerweile h\u00e4tten Studien gezeigt, dass diese Ern\u00e4hrungsform bei psychischen Erkrankungen Linderung verschafft. \u00abEs braucht aber in jedem Fall eine \u00e4rztliche Begleitung, vor allem, wenn schon psychische Erkrankungen vorliegen\u00bb, sagt die Ern\u00e4hrungsmedizinerin.<\/p>\n<p>Wer sich nicht sicher ist, ob die eigene Verdauung in Ordnung ist, kann sich zun\u00e4chst mit dem Stuhlgang besch\u00e4ftigen. Der sollte einmal am Tag stattfinden, gut geformt, also nicht zu weich und nicht zu hart sein. Zur Beurteilung dient die sogenannte <a href=\"https:\/\/www.england.nhs.uk\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/Bristol-stool-chart-for-carer-web-version.pdf\" target=\"_blank\" class=\"externalLink\" rel=\"noreferrer noopener\">Bristol Stool Scale<\/a>. \u00abTyp 4 w\u00e4re optimal\u00bb, sagt Leal Garcia.\u00a0<\/p>\n<p>Wie geht es Ihnen nach dem Essen? Ein regelm\u00e4\u00dfiger Bl\u00e4hbauch, Schmerzen oder Sodbrennen k\u00f6nnen Anzeichen f\u00fcr eine gest\u00f6rte Verdauung sein.\u00a0<\/p>\n<p>Analyse des Mikrobioms nicht sinnvoll<\/p>\n<p>Eine Analyse des Mikrobioms sei jedoch schwierig, so Birgit Terjung. Eine Stuhlprobe liefere nur begrenzte Informationen, da sich die bakterielle Zusammensetzung im Darm je nach Abschnitt stark unterscheide. \u00abViele Bakterien haften zudem an der Darmwand und werden durch eine Probe nicht erfasst\u00bb, sagt die Gastroenterologin. Eine Stuhlprobe k\u00f6nne daher einen Trend aufzeigen, eine sinnvolle Therapie lasse sich jedoch &#8211; entgegen aller Versprechen &#8211; nicht darauf aufbauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Graz\/Bonn (dpa\/tmn) &#8211; Bauchgrummeln, Durchfall oder auch \u00dcbelkeit &#8211; manchmal spiegeln diese Symptome keine k\u00f6rperlichen Ursachen wider, sondern&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":614732,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1842],"tags":[1741,2632,17951,17952,3364,29,5763,30,141,129325,638,1209,13353,33605,6069,101071],"class_list":{"0":"post-614731","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bonn","8":"tag-bonn","9":"tag-brcmj","10":"tag-darm","11":"tag-darmgesundheit","12":"tag-de","13":"tag-deutschland","14":"tag-ernaehrung","15":"tag-germany","16":"tag-gesundheit","17":"tag-hirn","18":"tag-krankheiten","19":"tag-nordrhein-westfalen","20":"tag-psychologie","21":"tag-stimmung","22":"tag-stress","23":"tag-tmn0310"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115642230665290012","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/614731","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=614731"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/614731\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/614732"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=614731"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=614731"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=614731"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}