{"id":614781,"date":"2025-12-01T04:10:16","date_gmt":"2025-12-01T04:10:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/614781\/"},"modified":"2025-12-01T04:10:16","modified_gmt":"2025-12-01T04:10:16","slug":"warum-eine-gescheiterte-stadtbahn-und-ein-bier-der-anfang-von-allem-waren-nahverkehr-hamburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/614781\/","title":{"rendered":"Warum eine gescheiterte Stadtbahn und ein Bier der Anfang von allem waren \u2013 NAHVERKEHR HAMBURG"},"content":{"rendered":"<p>Anfang Dezember 2010. Ein nasskalter Abend, ein Tresen, zwei Biere. Mein Kollege und guter Freund Harald Hohberg und ich sa\u00dfen zusammen und sezierten die vor wenigen Tagen gescheiterte schwarz-gr\u00fcne Koalition in Hamburg, sowie das damit auch absehbare Ende der geplanten Stra\u00dfenbahn.<\/p>\n<p>Der Bau war damals heftig umstritten, die Verantwortlichen sprachlos. Eine kleine, laute Gruppe f\u00fcllte das Vakuum mit Emotionen, und die gro\u00dfen Medien in der Stadt befeuerten die Entwicklung durch verk\u00fcrzte Berichterstattung \u2013 \u00fcberwiegend aus der \u201eWindschutzscheiben-Perspektive\u201c. Fakten spielten in der Debatte zuletzt kaum noch eine Rolle.<\/p>\n<p>Wir waren uns einig: Es fehlte eine Plattform, die solche \u00f6ffentlichen Diskurse mit unabh\u00e4ngig recherchierten Fakten versachlicht. Eine Stimme, die Hintergr\u00fcnde und Zusammenh\u00e4nge so erkl\u00e4rt, dass man sich mit wenig Aufwand selbst eine fundierte Meinung bilden kann. Ein Ort, der sich Zeit nimmt und in die Tiefe geht, w\u00e4hrend anderswo verk\u00fcrzt und an der Oberfl\u00e4che geblieben wird.<\/p>\n<p>\u201eEigentlich\u201c, sagte ich zu Harald, \u201ebr\u00e4uchte diese Stadt f\u00fcr Mobilit\u00e4tsthemen ein Medium, das Emotionalit\u00e4t rausnimmt und Fakten reinbringt. Damit die Leute souver\u00e4ner mitdiskutieren k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDann machen wir es eben selbst\u201c<\/p>\n<p>Wir sahen beide das Potenzial. Und weil wir Journalisten waren, juckte es uns in den Fingern. Noch am selben Abend beschlossen wir: Wir schaffen dieses Medium einfach selbst. NAHVERKEHR HAMBURG war geboren. Innerhalb weniger Tage ging die Website mit einem <a href=\"https:\/\/www.nahverkehrhamburg.de\/hadag-faehren-bekommen-stahl-nasen-verpasst-933\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">ersten kurzen Artikel online<\/a>. Unser Fokus lag zun\u00e4chst auf HVV-Themen.<\/p>\n<p>Schon damals war uns wichtig, vor allem Themen aufzugreifen, die in den Hamburger Massenmedien nur eine Nebenrolle spielten oder gar nicht vorkamen. Gleichzeitig wollten wir aber auch kein Fachmagazin sein, sondern die oft komplizierten Hintergr\u00fcnde und Zusammenh\u00e4nge so einfach erkl\u00e4ren, dass sie jeder ohne Vorwissen versteht.<\/p>\n<p>Ich f\u00fchrte fortan ein Doppelleben: Fr\u00fchmorgens ab 4:30 Uhr recherchierte ich Fahrplan\u00e4nderungen, w\u00e4lzte Senatsdrucksachen und schrieb Artikel f\u00fcr NAHVERKEHR HAMBURG. Um 9 Uhr fuhr ich dann zu meinem Hauptberuf als Redakteur und Moderator beim NDR. Abends folgten dann meist noch zwei bis drei weitere Stunden f\u00fcr die neue Plattform. Die Wochenenden sahen \u00e4hnlich aus. Freizeit? Wenig. Das Gef\u00fchl, etwas Relevantes aufzubauen? Unbezahlbar.<\/p>\n<p>Wir hatten offenbar einen Nerv getroffen. Die Zugriffszahlen gingen durch die Decke. Das Bed\u00fcrfnis nach unabh\u00e4ngigem und verl\u00e4sslichem Mobilit\u00e4tsjournalismus war riesig. Neben interessierten Privatleuten lasen auch immer mehr Verantwortliche aus Politik und Verkehrsbranche bei uns mit. Erste Recherchen wurden von gro\u00dfen Medien aufgegriffen.<\/p>\n<p>Wir \u00f6ffneten uns weiteren Themen: Rad- und Fu\u00dfverkehr kamen hinzu, sp\u00e4ter Sharingdienste und Autoverkehr.<\/p>\n<p>In der Corona-Pandemie stand das Portal vor dem Aus<\/p>\n<p>Doch das Arbeitspensum zehrte. Hauptberuflich arbeitete ich inzwischen bei der Tagesschau, und NAHVERKEHR HAMBURG war mittlerweile so gro\u00df geworden, dass es als Hobbyprojekt nicht mehr in der gewohnten Qualit\u00e4t zu stemmen war. Mitten in der Corona-Pandemie stand ich daher vor der Frage: aufgeben oder professionalisieren?<\/p>\n<p>Ich entschied mich f\u00fcr Letzteres. Doch eine professionelle Redaktion mit guten Fachautorinnen und -autoren kostet Geld. NAHVERKEHR HAMBURG brachte als bisher kostenloses Onlinemagazin aber nichts ein.<\/p>\n<p>Es folgte ein mutiger Schritt: Alle Artikel wanderten hinter eine Bezahlschranke. Der Deal mit unseren Leserinnen und Lesern: Wer unsere Recherchen lesen will, die es so nirgendwo sonst gibt, erm\u00f6glicht durch seinen Beitrag deren Produktion.<\/p>\n<p>Das hat funktioniert und wir konnten ein Team aus f\u00fcnf Autorinnen und Autoren, einem Grafiker und einem Webmaster in einer professionellen Redaktionsstruktur aufbauen. Kleine Besonderheit am Rande: Wir arbeiten alle dezentral aus dem Homeoffice. Redaktionsr\u00e4ume gibt es nicht. Bis heute hat sich unser Team noch nie vollst\u00e4ndig \u201ein Wirklichkeit\u201c gesehen.<\/p>\n<p>Heute sind wir so schlagkr\u00e4ftig wie noch nie, haben mit j\u00e4hrlich \u00fcber einer Million Pageviews, 1.000 zahlenden Mitgliedern, 4.000 Newsletter-Abonnenten und rund 20.000 Social-Media-Followern im Hamburger Medienmarkt einen festen Platz.<\/p>\n<p><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"1170\" height=\"571\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns=\" http:=\"\" alt=\"Das aktuelle Team von NAHVERKEHR HAMBURG (v.l.n.r.): Herausgeber Christian Hinkelmann, Webmaster Patrick Sch\u00f6bel, Redakteur Thomas R\u00f6bke, Redakteur Paul Meerkamp und Redakteurin Katrin Wienefeld. Nicht im Bild: Redakteur Frank Muth und Grafikdesigner Matthias Schinck\" class=\"wp-image-212231\" data-lazy- data-lazy- data-lazy-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Teambild-NVH.jpg\"\/>Das aktuelle Team von NAHVERKEHR HAMBURG (v.l.n.r.): Herausgeber Christian Hinkelmann, Webmaster Patrick Sch\u00f6bel, Redakteur Thomas R\u00f6bke, Redakteur Paul Meerkamp und Redakteurin Katrin Wienefeld. Nicht im Bild: Redakteur Frank Muth und Grafikdesigner Matthias Schinck<\/p>\n<p>So stark wie nie \u2013 dank unserer Mitglieder<\/p>\n<p>Dass wir das heute so professionell machen k\u00f6nnen, verdanken wir allein unseren Leserinnen und Lesern.<\/p>\n<p>Dank unserer Mitglieder k\u00f6nnen wir fast ausschlie\u00dflich investigativ arbeiten und uns viel Zeit f\u00fcr Tiefgang und Einordnung nehmen. Wir stellen Fragen, die sonst keiner stellt. Wir sind hartn\u00e4ckig, graben uns stunden- und manchmal tagelang durch riesige Datenbanken, Archive und Planfeststellungsunterlagen, finden Muster, Zusammenh\u00e4nge und versteckten Sprengstoff. Im Grunde geht unsere Arbeit dort los, wo andere Medien aufh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Zu unserer DNA geh\u00f6rt dabei seit 15 Jahren ein kritisch-konstruktiver Ansatz. Wir sind gro\u00dfe Fans von Mobilit\u00e4t. Wir wollen, dass sie besser wird. Und genau deswegen kritisieren wir sie. Wir legen den Finger in die Wunde und zeigen L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten auf, um Verbesserungen anzusto\u00dfen. Dazu schauen wir beispielsweise immer wieder in andere Metropolen, um zu zeigen, wie \u00e4hnliche Probleme dort gel\u00f6st werden. Und wir werfen gern Blicke in die Hamburger Verkehrsgeschichte, denn manchmal lassen sich die Verkehrsprobleme im Hier und Heute fundierter diskutieren, wenn man wei\u00df, wie sie \u00fcberhaupt zustande gekommen sind.<\/p>\n<p>Br\u00fccke zwischen zwei Welten<\/p>\n<p>Besonders macht uns, dass wir nicht nur von Menschen gelesen werden, die Hamburgs Verkehr nutzen, sondern auch managen. Wir verstehen uns daher als Br\u00fccke. Als Vermittler zwischen Fahrg\u00e4sten und Verkehrsbranche.<\/p>\n<p>Viele unserer Recherchen beginnen nicht in der Redaktion, sondern bei unseren Leserinnen und Lesern. Wir bekommen t\u00e4glich E-Mails, Fotos und Hinweise aus U- und S-Bahnen, Bussen oder von Radwegen. Menschen, die fragen: \u201eWarum ist das so?\u201c Oder: \u201eK\u00f6nnt ihr mal nachhaken?\u201c Wir nehmen jede Nachricht ernst und gehen jedem Hinweis nach. NAHVERKEHR HAMBURG ist nicht nur eine Plattform f\u00fcr unsere Leser \u2013 es ist auch eine Plattform von ihnen.<\/p>\n<p>Und wir wirken: Mal sind es Schlagl\u00f6cher, die nach unseren Berichten verschwinden. Mal sind es optimierte Fahrgastinfos oder Ampelschaltungen. Und so manche Diskussion in politischen Aussch\u00fcssen wird durch unsere Berichte angesto\u00dfen.<\/p>\n<p>Unsere Mitglieder finanzieren also nicht nur unseren Journalismus, sondern helfen aktiv dabei, Mobilit\u00e4t in Hamburg zu verbessern.<\/p>\n<p>Was uns in den n\u00e4chsten 15 Jahren erwartet<\/p>\n<p>Hamburgs Mobilit\u00e4t wird sich in den n\u00e4chsten Jahrzehnten stark ver\u00e4ndern: Neue Bahnstrecken, disruptive Innovationen, autonomes Fahren, neue Player und K\u00fcnstliche Intelligenz. Aber auch: Zunehmende Bev\u00f6lkerungsdichte, ver\u00e4nderte Bed\u00fcrfnisse, verst\u00e4rkter Druck durch Klimaziele, Engp\u00e4sse und knappere finanzielle Mittel. Die n\u00e4chsten 15 Jahre werden noch spannender \u2013 und un\u00fcbersichtlicher.<\/p>\n<p>Genau in dieser Un\u00fcbersichtlichkeit wird unabh\u00e4ngiger Journalismus, der einordnet, noch wichtiger. In einer Zeit, in der KI massenhaft Inhalte produziert und PR immer lauter wird, braucht es Medien, die recherchieren, nachfragen und Informationen ans Licht holen, die sonst verborgen blieben.<\/p>\n<p>Wir glauben fest daran, dass menschengemachter Investigativjournalismus vor einer gro\u00dfen Zukunft steht. Exklusive Hintergrundinformationen bei den Verantwortlichen erfragen und fundiert einordnen \u2013 das kann keine KI.<\/p>\n<p><strong>Wir freuen uns auf die n\u00e4chsten spannenden 15 Jahre gemeinsam mit Ihnen!<\/strong><\/p>\n<p>Mein Kollege Harald kann dieses Jubil\u00e4um leider nicht mehr mitfeiern. Er starb vor einigen Jahren nach schwerer Krankheit. Sein Geist und journalistischer Anspruch leben aber bis heute in jedem einzelnen NAHVERKEHR HAMBURG-Artikel weiter.<\/p>\n<p>Auf dich, Harald. Auf Sie, liebe Unterst\u00fctzerinnen und Unterst\u00fctzer.<\/p>\n<p>Herzlichst<br \/>Ihr Christian Hinkelmann<\/p>\n<p>PS: Danke auch an unsere ehemaligen Redaktionsmitglieder Martina Kalweit, Florian B\u00fch, Richard Lemloh, Lars Hansen, Sabine Sommer und Christian Ohrens.<\/p>\n<p>Machen Sie NAHVERKEHR HAMBURG m\u00f6glich<\/p>\n<p class=\"has-text-color\" style=\"color:#000000\">Wenn Sie unsere Arbeit sch\u00e4tzen und wertvollen, unabh\u00e4ngig recherchierten Mobilit\u00e4tsjournalismus unterst\u00fctzen m\u00f6chten, freuen wir uns sehr \u00fcber Ihre Mitgliedschaft. Damit erhalten Sie <strong>Zugriff auf alle unsere Inhalte.<\/strong><\/p>\n<p><strong>M\u00f6chten Sie uns erst einmal kostenlos kennenlernen?<\/strong><br \/>Dann abonnieren Sie unseren t\u00e4glichen <strong>Rushhour-Newsletter<\/strong> mit den wichtigsten Mobility-News des Tages und den aktuellen HVV-St\u00f6rungsmeldungen. <br \/><strong><a href=\"https:\/\/www.nahverkehrhamburg.de\/newsletter-home\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rushhour kostenlos abonnieren<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Anfang Dezember 2010. Ein nasskalter Abend, ein Tresen, zwei Biere. 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