{"id":615783,"date":"2025-12-01T14:44:25","date_gmt":"2025-12-01T14:44:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/615783\/"},"modified":"2025-12-01T14:44:25","modified_gmt":"2025-12-01T14:44:25","slug":"muenchen-neue-buecher-von-joana-osman-und-mirjam-zadoff-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/615783\/","title":{"rendered":"M\u00fcnchen: Neue B\u00fccher von Joana Osman und Mirjam Zadoff &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vw426e\">\u201eM\u00f6gest Du in interessanten Zeiten leben!\u201c H\u00f6flicher kann man eine Verw\u00fcnschung kaum aussprechen. Angesichts der Weltlage verwundert es nicht, dass dieser der Legende nach aus China stammende Spruch gerade enorm en vogue ist. So hat er seinen Weg auch in zwei Essayb\u00e4nde gefunden, in denen zwei M\u00fcnchner Autorinnen unsere augenscheinlich destabilisierte Gegenwart reflektieren. In Joana Osmans \u201eFrieden. Eine reale Utopie\u201c (Penguin) begegnet einem der unfromme Wunsch bereits auf Seite 10, in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/literaturfest-muenchen-diskussion-demokratie-li.3216823\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mirjam Zadoffs<\/a> \u201eWie wir \u00fcberwintern\u201c (Hanser) muss man immerhin bis Seite 15 bl\u00e4ttern.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eZuversicht \u2013 gerade jetzt\u201c, unter diesem Motto haben die Veranstalter der M\u00fcnchner B\u00fccherschau Osman und Zadoff \u201ezum Gespr\u00e4ch \u00fcber Hoffnung in schwierigen Zeiten\u201c im Haus der Kunst auf die Couch gebeten. Moderiert von Andrea M\u00fchlberger, BR. Wobei Joana Osman gleich zu Anfang klarstellt, dass sie mit dem Wort \u201eHoffnung\u201c ein deutliches Problem hat. Zu passiv, zu \u201e\u201ainshallah&#8217;\u201c, zu wenig Vertrauen in die eigene Kraft.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Denn genau darum geht es den Autorinnen: Ins Handeln kommen, den vor allem von Demokratiefeinden lancierten \u201eDisaster Porn\u201c, hier zitiert Mirjam Zadoff Susan Sontag, durch handlungsorientierten Optimismus \u00fcberwinden. Sie und Osman bieten mit ihren kaum 120 Seiten kurzen B\u00fcchern dazu Strategien an. Sehr pers\u00f6nlich, pragmatisch, \u00fcberraschend simpel zuweilen. Dass sie sich damit angreifbar machen, von Zynikern (gendern in diesem Fall eher unn\u00f6tig) mit H\u00e4me \u00fcbersch\u00fcttet, als naive Kalenderspruch-Lieferantinnen gebasht werden. Erwartbar, sagen sie, und nehmen es souver\u00e4n in Kauf.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Biografisch verbindet die beiden Frauen auf den ersten Blick nicht allzu viel: Mirjam Zadoff, 1974 in Innsbruck geboren, einst Doktorandin bei Michael Brenner am Lehrstuhl f\u00fcr J\u00fcdische Geschichte und <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Kultur\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kultur<\/a> an der LMU, Historikern mit Lehraufenthalten\u00a0in den <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/USA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">USA<\/a>, leitet seit 2018 das NS-Dokumentationszentrum in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a>. Sie ist Mutter.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Joana Osman, Jahrgang 1982, geb\u00fcrtige M\u00fcnchnerin, Schriftstellerin, Tochter eines Pal\u00e4stinensers und deutschen Mutter, ihr Vater Mohammad starb, als sie noch ein Baby war. Die weitverzweigte Osman-Familie lebt verstreut in alle Welt. Nachzulesen in ihrem Roman \u201eWo die Geister tanzen\u201c. Die Autorin hat Amerikanistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte studiert, ist Aktivistin und Mitbegr\u00fcnderin der Friedensbewegung \u201eThe Peace Factory\u201c.\u00a0 Auch sie ist Mutter.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Mirjam Zadoff beginnt ihren Essay an einem Tiefpunkt, als trauernde Tochter. Der Vater ist an Krebs gestorben. \u201eIch kann nicht aufh\u00f6ren zu schwimmen. Das Wasser ist eiskalt, blaugr\u00fcn und weich.\u201c Das kalte Wasser macht sie wach. Das Leben sei nur nach vorne interessant. An diesen Satz des Vaters muss sie denken. Anleitungen zum Gl\u00fcck, nein, die gibt es laut Zadoff nicht, aber \u00dcbungen zur Zuversicht, wie ein Muskeltraining, das Ausdauer erfordert.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das Workout k\u00f6nnte so aussehen: Lesen als St\u00e4rkung gegen die wachsende Fantasie und Emotionslosigkeit, anti-dystopische Erz\u00e4hlungen in die Welt bringen. Auf die Stra\u00dfe gehen, mit friedlichem, zivilem Ungehorsam. Dabei die Smartphones aber besser zu Hause lassen, um den \u00dcberwachungssystemen eins auszuwischen, der Hashtag-Aktivismus \u00fcber Twitter (X) war gestern. \u201eSorgt euch\u201c um andere, lautet ihr Aufruf, \u201eschaut hin\u201c, \u201ebe kind\u201c. Und tragt roten Lippenstift, wie die Frauenrechtlerinnen vor mehr als 100 Jahren! Wie die befreiten Frauen in Bergen-Belsen, als Statement gegen die besiegten Nazis.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/joana-osman-wo-die-geister-tanzen-palaestinenser-israel-roman-muenchen-lesung-1.6215478\" aria-label=\"Artikelverlinkung:\" data-track-szde=\"{&quot;event&quot;:&quot;teaser_clicked&quot;,&quot;teaser_clicked&quot;:{&quot;article_title&quot;:&quot;die_leerstellen_fuellen&quot;,&quot;doctype&quot;:&quot;&quot;,&quot;label&quot;:&quot;szplus&quot;,&quot;main_topic&quot;:&quot;kultur_in_muenchen&quot;,&quot;object_id&quot;:&quot;sz.1.6215478&quot;,&quot;pcat&quot;:&quot;paid&quot;,&quot;section&quot;:&quot;muenchen&quot;,&quot;teaser_type&quot;:&quot;article_teaser_top&quot;}}\" data-manual=\"teaser-url\" data-tb-link=\"\" aria-labelledby=\"teaser-httpswwwsueddeutschedemuenchenjoana-osman-wo-die-geister-tanzen-palaestinenser-israel-roman-muenchen-lesung-16215478\" class=\"css-14tg8sh\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/0e710a0b-aab1-4620-b466-f7c92c4680db.jpeg\"   alt=\"\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/><\/p>\n<p>Buchpremiere<\/p>\n<p>:Die Leerstellen f\u00fcllen<\/p>\n<p class=\"css-a6ecqs\" data-manual=\"teaser-text\" data-tb-description=\"\" data-schema-org-speakable=\"true\">Wie geht man um mit belastenden Gef\u00fchlserbschaften? Die M\u00fcnchner Autorin Joana Osman hat einen bewegenden Roman \u00fcber die Fluchtgeschichte einer pal\u00e4stinensischen Familie geschrieben &#8211; ihrer Familie.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">F\u00fcr Joana Osman waren der 7. Oktober und seine Folgen \u201eein Schock, den ich bis heute nicht absch\u00fctteln kann\u201c. Doch glaubt die Schriftstellerin an die \u201egerade zu magische\u201c Wirkmacht der Narrative in Zeiten des Extraktivismus, dem umfassenden Ressourcen-Raub, der als Treiber der Polykrisen \u201eunser gesellschaftliches Immunsystem zerm\u00fcrbt.\u201c \u201eDestruktive Narrative sind in der Lage, ganze Gesellschaften zu spalten.\u201c Das einzige \u201eGegengift\u201c, so Osman, seien nicht so sehr die blo\u00dfen Fakten, sondern kraftvollere Geschichten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Sie erz\u00e4hlt von der \u201ePeace Factory\u201c, jenem Online-Projekt, das sie zusammen mit dem Israeli Ronny Edry aufgesetzt hat. Menschen aus Israel, aus den Pal\u00e4stinenser-Gebieten, aus Iran erz\u00e4hlten sich gegenseitig ihre Geschichten. Harte Gespr\u00e4che, \u201enichts davon war leicht.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eFrieden ist nicht das Ende von Krieg\u201c, sagt Joana Osman, in Hinblick auf Trumps Gaza-Abkommen, oder auch dem, was wom\u00f6glich zwischen der Ukraine und Russland zustande kommen k\u00f6nnte. Realer Frieden, das sei der Beginn von etwas Neuem, eine Haltung, \u201enichts Geringeres als radikale Menschlichkeit\u201c. Zu erreichen in drei Schritten: Missst\u00e4nde erkennen und klar benennen, eine konkrete Gegenvision im kollektiven Bewusstsein verankern und schlie\u00dflich: \u201eUnsere Kraft b\u00fcndeln, uns vernetzen und an der Verwirklichung dieser realen Utopie arbeiten.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Joana Osman pflegt auch in diesem Buch die sch\u00f6ne Eigenheit, ihren Lesern einen Soundtrack mitzuliefern, 28 Titel, Nummer 1: R.E.M., \u201eThe End Of The World As We Know It\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eM\u00f6gest Du in interessanten Zeiten leben!\u201c H\u00f6flicher kann man eine Verw\u00fcnschung kaum aussprechen. 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