{"id":616112,"date":"2025-12-01T17:49:16","date_gmt":"2025-12-01T17:49:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/616112\/"},"modified":"2025-12-01T17:49:16","modified_gmt":"2025-12-01T17:49:16","slug":"kritik-zu-yakushimas-illusion-das-thema-ist-deutlich-interessanter-als-der-film","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/616112\/","title":{"rendered":"Kritik zu Yakushima&#8217;s Illusion: Das Thema ist deutlich interessanter als der Film"},"content":{"rendered":"<p class=\"bo-p\">In den internationalen Statistiken zu den Themen Organspende und Organtransplantation liegt Japan auf den hintersten Pl\u00e4tzen. Die Wartezeit schwerkranker Patienten auf ein Spenderorgan betr\u00e4gt oftmals Jahre, und nicht wenige, deren Leben durch eine Transplantation gerettet werden k\u00f6nnte, versterben in der endlosen Zwischenzeit. Diese im internationalen Vergleich schockierend niedrige Spendenbereitschaft ist in mehrerer Hinsicht kulturell begr\u00fcndet \u2013 so legt es uns jedenfalls \u201e<b>Yakushima\u2019s Illusion<\/b>\u201c dar, der neue Film der japanischen Regisseurin <a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/20968.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Naomi Kawase<\/a> (\u201e<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/kritiken\/235589.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kirschbl\u00fcten und rote Bohnen<\/a>\u201c).<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Der ist in europ\u00e4ischer Koproduktion entstanden und schickt daher die franz\u00f6sische \u00c4rztin Corry (<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/450063.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Vicky Krieps<\/a>) in eine Klinik f\u00fcr herzkranke Kinder in Kobe, um dort der japanischen Belegschaft die europ\u00e4ische Perspektive auf die Organspende und den Tod zu erkl\u00e4ren. (Geht das eigentlich schon als White-Savior-Narrativ durch? Man bilde sich seine eigene Meinung dazu.) <\/p>\n<p>Sein spannendes Thema reicht dem Film nicht aus <\/p>\n<p class=\"bo-p\">In der japanischen Kultur, so wird Corry erkl\u00e4rt, gelte der Hirntod \u00fcberhaupt nicht als Tod, und das Ende des Lebens werde erst festgestellt, wenn das Herz aufh\u00f6rt zu schlagen \u2013 wenn es f\u00fcr eine Transplantation also bereits zu sp\u00e4t sei. Und auf der anderen Seite seien Krankheit und das Angewiesensein auf die Organe Verstorbener zugunsten des eigenen \u00dcberlebens gesellschaftlich zutiefst scham- und schuldbesetzt. Wie man es denn f\u00fcr sich in Anspruch nehmen k\u00f6nne, auf Kosten anderer weiterzuleben, mit diesem Vorwurf m\u00fcssen sich diejenigen, die ein Spenderorgan in sich tragen, immer wieder auseinandersetzen. Ein kultureller Konflikt, der durchaus spannend ist und \u00fcber den man sich eigentlich gern einen Film anschauen w\u00fcrde. Leider ist \u201eYakushima\u2019s Illusion\u201c nicht dieser Film.<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Das liegt vor allem daran, dass Naomi Kawase dieses Thema offensichtlich selbst nicht f\u00fcr fesselnd genug h\u00e4lt, um zwei Kinostunden zu tragen. Daher mischt sie ihm allerlei weitere Zutaten bei, die dem Kinoerlebnis aber wenig Interessantes hinzuzuf\u00fcgen haben. Das beginnt schon mit den zugegeben ber\u00fcckend sch\u00f6nen, aber in ihrem Hang zur esoterischen Naturmystik auch einigerma\u00dfen kitschigen Aufnahmen aus dem immergr\u00fcnen Regenwald der japanischen Insel Yakushima. <\/p>\n<p>                                <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"article-figure-img\" franz=\"\" corry=\"\" krieps=\"\" sieht=\"\" sich=\"\" in=\"\" japan=\"\" nicht=\"\" nur=\"\" mit=\"\" leidenden=\"\" kindern=\"\" und=\"\" kulturellen=\"\" unterschieden=\"\" konfrontiert=\"\" sondern=\"\" bald=\"\" auch=\"\" einer=\"\" komplizierten=\"\" beziehung.=\"\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/15645674aa7533d3c654e9b169ce4db9.jpg\" width=\"640\" height=\"320\" alt=\"Franz\u00f6sin Corry (Vicky Krieps) sieht sich in Japan nicht nur mit leidenden Kindern und kulturellen Unterschieden konfrontiert \u2013 sondern bald auch mit einer komplizierten Beziehung.\"\/><\/p>\n<p>                                    Ad Vitam Distribution \/ Cin\u00e9france Studios<\/p>\n<p>                    Franz\u00f6sin Corry (Vicky Krieps) sieht sich in Japan nicht nur mit leidenden Kindern und kulturellen Unterschieden konfrontiert \u2013 sondern bald auch mit einer komplizierten Beziehung.<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Dort geht Corry \u2013 in einer der R\u00fcckblenden des in seiner achronologischen Erz\u00e4hlweise unn\u00f6tig verkomplizierten Films \u2013 wandern und trifft beim Flussbaden den mysteri\u00f6sen Japaner Jin (<a href=\"https:\/\/www.filmstarts.de\/personen\/925917.html\" class=\"bo-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kanichiro Sato<\/a>). Zur\u00fcck in Kobe, zieht Jin bei ihr ein und eine durchaus konfliktreiche Beziehung beginnt \u2013 bis Jin nach einem Streit spurlos und ohne Nachricht verschwindet. \u201eJ\u014dhatsu\u201c \u2013 Verdampfung \u2013 nennen die Japaner dieses Ph\u00e4nomen, das allj\u00e4hrlich zehntausendfach geschieht: Menschen lassen ihr altes Leben ohne ein Wort hinter sich, um irgendwo v\u00f6llig neu anzufangen. Die radikalste Form des Ghostings.<\/p>\n<p class=\"bo-p\">Zwischen den durchaus ber\u00fchrenden Szenen aus der Klinik \u2013 wer h\u00e4tte nicht die eine oder andere Kinotr\u00e4ne \u00fcbrig angesichts sterbender Kinder und trauernder Eltern? \u2013 erz\u00e4hlt Kawase immer wieder aus dieser von vornherein wenig glaubw\u00fcrdigen Beziehung. Irgendwann geht es dann auch um Corrys Suche nach dem verschwundenen Geliebten, aber ein Funke springt dabei nie \u00fcber. F\u00fcr diese Art von europ\u00e4ischen Gemeinschaftsproduktionen, in denen Protagonist*innen aus unterschiedlichen L\u00e4ndern in mehreren Sprachen Banalit\u00e4ten aussprechen und alles irgendwie transkulturell zugeht, gibt es den Begriff \u201eEuropudding\u201c \u2013 hier tritt nun zu den produzierenden L\u00e4ndern Frankreich, Belgien und Luxemburg noch Japan hinzu, und es w\u00e4re vielleicht an der Zeit, das Wort \u201eEurasienpudding\u201c zu etablieren.<\/p>\n<p>Pr\u00e4tenti\u00f6se Banalit\u00e4ten <\/p>\n<p class=\"bo-p\">Je l\u00e4nger \u201eYakushima\u2019s Illusion\u201c dauert, desto raumgreifender wird auch eine gewisse unfreiwillige Komik, die immer dann pr\u00e4sent wird, wenn die oft auch etwas zu einfachen Tr\u00e4nenzieher-Affekte rund um die kardiologische Kinderstation in den Hintergrund treten. Allzu pr\u00e4tenti\u00f6s und banal kommen die Dinge des Herzens daher, die Kawase hier mit den, nun ja, Dingen des Herzens (in anatomischer Hinsicht) zu verschlingen versucht. <\/p>\n<p class=\"bo-p\">Und wenn zum Ende hin dann noch eine Spannungsepisode um ein lang erwartetes Spenderherz hinzutritt, dessen rechtzeitige Anlieferung durch eine extreme Wetterlage in Gefahr ger\u00e4t, funktioniert die Countdown-Dramaturgie dieses Handlungsstrangs zwar f\u00fcr sich genommen relativ solide. Ein weiteres Versatzst\u00fcck in einem auseinanderfallenden Filmganzen, dessen einzelne Erz\u00e4hlf\u00e4den nie wirklich zusammenfinden, bleibt aber auch dieser Showdown.<\/p>\n<p class=\"bo-p\"><b>Fazit: Der in europ\u00e4ischer Koproduktion entstandene neue Film der japanischen Regisseurin Naomi Kawase schneidet ein interessantes Thema an, verw\u00e4ssert dieses aber durch so klischeehafte wie banale Nebenhandlungsstr\u00e4nge zu einem Film, der h\u00f6chstens momenthaft fesselt und nie wirklich zu einem \u00fcberzeugenden Ganzen findet. Ein geh\u00f6riges Ma\u00df an Pr\u00e4tention und unfreiwilliger Komik gibt \u201eYakushima\u2019s Illusion\u201c, f\u00fcr den man den Begriff \u201eEurasienpudding\u201c pr\u00e4gen sollte, dann endg\u00fcltig den Rest.<\/b><\/p>\n<p class=\"bo-p\">Wir haben \u201eYakushima\u2019s Illusion\u201c im Rahmen des Filmfestivals Around the World in 14 Films 2025 gesehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In den internationalen Statistiken zu den Themen Organspende und Organtransplantation liegt Japan auf den hintersten Pl\u00e4tzen. 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