{"id":616892,"date":"2025-12-02T01:56:31","date_gmt":"2025-12-02T01:56:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/616892\/"},"modified":"2025-12-02T01:56:31","modified_gmt":"2025-12-02T01:56:31","slug":"studierendenprojekt-tschechoslowaken-und-deutsche-in-norwegen-waehrend-des-zweiten-weltkriegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/616892\/","title":{"rendered":"Studierendenprojekt: Tschechoslowaken und Deutsche in Norwegen w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs"},"content":{"rendered":"<p>Die Ausstellung steht unter dem Titel \u201e<a href=\"https:\/\/odveleninasever.cz\/de\/ausstellung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Tschechoslowaken und Deutsche im besetzten Norwegen<\/a>\u201c (\u201e\u010cechoslov\u00e1ci a N\u011bmci v okupovan\u00e9m Norsku\u201c) und hat den Untertitel \u201eBegegnungen mit den Norwegern w\u00e4hrend des Kriegs \u2013 Geschichten von Liebe, Freundschaft und Schuld\u201c. Vendula Vlkov\u00e1 Hingarov\u00e1 von der Karlsuniversit\u00e4t ist Initiatorin des Projekts. Sie erkl\u00e4rte gegen\u00fcber Radio Prag International:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/deutsch.radio.cz\/sites\/default\/files\/styles\/rcz_lightbox_v2\/public\/images\/0d287d7821c9069c696f663c619d917e.jpg?itok=3j83erT0&amp;timestamp=1764586871\" class=\"photoswipe\" data-size=\"1280x1810\" data-overlay-title=\"Foto: FF UK\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p><img  alt=\"Foto: FF UK\" title=\"Foto: FF UK\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Foto: FF UK<\/p>\n<p>\u201eDie Studierenden der Skandinavistik befassen sich mit dem Thema des Zweiten Weltkriegs in Skandinavien. Zur Zusammenarbeit luden wir au\u00dferdem die Skandinavisten von der Christian-Albrechts-Universit\u00e4t in Kiel ein. Als wir uns mit dem Zweiten Weltkrieg in Norwegen besch\u00e4ftigten, zeigte sich, dass es da Ber\u00fchrungspunkte gibt. Dabei handelt es sich um Norwegen aus der Sicht der Besatzer. In Norwegen befand sich w\u00e4hrend des Kriegs zudem eine gro\u00dfe Gruppe von B\u00fcrgern, die aus der Tschechoslowakei stammten. Sie waren einerseits Zwangsarbeiter und andererseits Wehrmachtsoldaten, die aus den Gebieten stammten, die die Tschechoslowakei nach dem M\u00fcnchner Abkommen an Deutschland abtreten musste. Das war das Thema des gemeinsamen Projektes.\u201c<\/p>\n<p>Das Schicksal der aus der ehemaligen Tschechoslowakei stammenden Zwangsarbeiter hat Vendula Vlkov\u00e1 Hingarov\u00e1 bereits vor vier Jahren mit ihren Studierenden erforscht und in einer Ausstellung dokumentiert. Die Zwangsarbeiter seien ihren ehemaligen Mitb\u00fcrgern, die als Wehrmachtsoldaten dienten, in Norwegen begegnet, erz\u00e4hlte die Skandinavistin.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/deutsch.radio.cz\/sites\/default\/files\/styles\/rcz_lightbox_v2\/public\/images\/3176a0d0672204aeeb200dd3607f8cb6.jpg?itok=MrKKP0fA&amp;timestamp=1764587271\" class=\"photoswipe\" data-size=\"1920x1280\" data-overlay-title=\"Vendula Vlkov\u00e1 Hingarov\u00e1 | Foto: Ji\u0159\u00ed Stibor,  FF UK\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p><img  alt=\"Vendula Vlkov\u00e1 Hingarov\u00e1 | Foto: Ji\u0159\u00ed Stibor,  FF UK\" title=\"Vendula Vlkov\u00e1 Hingarov\u00e1 | Foto: Ji\u0159\u00ed Stibor,  FF UK\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Vendula Vlkov\u00e1 Hingarov\u00e1|Foto: Ji\u0159\u00ed Stibor, FF UK<\/p>\n<p>\u201eDort, wo die Zwangsarbeiter eingesetzt waren, waren manchmal die ehemaligen Tschechoslowaken als Wehrmachtsoldaten in leitenden Posten. Wir haben viele Belege f\u00fcr Kontakte zwischen den Zwangsarbeitern und den Wehrmachtsoldaten, die aus der Tschechoslowakei stammten.\u201c<\/p>\n<p>Nach dem Kriegsende sind laut der Expertin Offiziere aus Gro\u00dfbritannien und der Tschechoslowakei nach Norwegen gekommen, die in den Internierungslagern die Wehrmachtsoldaten, die aus Deutschland stammten, von denen trennen sollten, die aus den besetzten Gebieten kamen.<\/p>\n<p>\u201eAus den Archivdokumenten geht hervor, dass sich in den Internierungslagern in Norwegen rund 14.000 Wehrmachtsoldaten befanden, die aus der ehemaligen Tschechoslowakei stammten. Die nach dem Kriegsende angereisten tschechoslowakischen Offiziere sollten \u00fcber das weitere Schicksal dieser Soldaten entscheiden. 3500 davon durften in ihre Heimat zur\u00fcckkehren, die anderen wurden nach Deutschland gebracht. \u00dcber ihr weiteres Schicksal wissen wir nichts mehr.\u201c<\/p>\n<p>Wie Vendula Vlkov\u00e1 Hingarov\u00e1 sagt, w\u00fcrde sie mit den Studierenden gern \u00fcber das weitere Leben der nach Deutschland abgeschobenen Soldaten forschen. Einige Familienangeh\u00f6rige habe sie bereits kontaktiert, sagte sie.<\/p>\n<p>\u201eBisher haben wir Einzelpersonen gefunden. Es ist nat\u00fcrlich ein empfindliches Thema. In vielen Familien wollte man dar\u00fcber nicht sprechen. Es gelang jedoch, Dokumente in Norwegen zu finden, wie beispielsweise Verh\u00f6rprotokolle aller Wehrmachtsoldaten, die aus der Tschechoslowakei stammten. Wir verf\u00fcgen also \u00fcber ihre Namen und wissen, woher sie genau stammten. Dies wird uns bei weiteren Forschungen helfen. Erst jetzt \u2013 80 Jahre nach dem Kriegsende \u2013werden die Archive ge\u00f6ffnet. Unser Projekt entstand als eine bilaterale Zusammenarbeit mit der Skandinavistik an der Universit\u00e4t in Kiel. Es wurde vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds unterst\u00fctzt. Dank dessen konnten die Studierenden die Ausstellung zusammenstellen. Sie beteiligten sich zudem an der \u00dcbersetzung der Texte f\u00fcr die Ausstellung. Denn sie wurden ins Deutsche und auch ins Norwegische \u00fcbersetzt. Zuvor war die Ausstellung in Kiel zu sehen.\u201c<\/p>\n<\/p>\n<p>Turid Frydenlund ist Norwegisch-Lektorin an der Christian-Albrechts-Universit\u00e4t zu Kiel. Ihre Studenten arbeiten mit den Skandinavisten aus Prag zusammen. Im Folgenden ein Gespr\u00e4ch mit Turid Frydenlund:<\/p>\n<p><strong>Wie beteiligen Sie sich an diesem gemeinsamen Projekt \u00fcber die Deutschen im besetzten Norwegen?<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/deutsch.radio.cz\/sites\/default\/files\/styles\/rcz_lightbox_v2\/public\/images\/819d3c0ef5320121ec58a8744224ed0d.jpg?itok=1JY5jmww&amp;timestamp=1764591386\" class=\"photoswipe\" data-size=\"1706x1280\" data-overlay-title=\"Vendula Vlkova Hingarova und Turid Frydenlund  (rechts) | Foto: Martina Schneibergov\u00e1,  Radio Prague International\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p><img  alt=\"Vendula Vlkova Hingarova und Turid Frydenlund  (rechts) | Foto: Martina Schneibergov\u00e1,  Radio Prague International\" title=\"Vendula Vlkova Hingarova und Turid Frydenlund  (rechts) | Foto: Martina Schneibergov\u00e1,  Radio Prague International\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Vendula Vlkova Hingarova und Turid Frydenlund (rechts)|Foto: Martina Schneibergov\u00e1, Radio Prague International<\/p>\n<p>\u201eIch habe Vendula Vlkov\u00e1 Hingarov\u00e1 kennengelernt und von ihrem Projekt geh\u00f6rt. Und dann habe ich Vendula vorgeschlagen, dass wir gemeinsam arbeiten k\u00f6nnten. Wir haben uns auf eine Studentenausstellung geeinigt, die sie mit ihren Studenten in Tschechien zur tschechischen Geschichte macht. Und ich arbeite nur mit den Zivilgeschichten deutscher Soldaten in Norwegen, nicht unbedingt mit dem Kriegsgeschehen. Es sollte ja kein reiner Geschichtsunterricht sein, im Fokus sollten eher die menschlichen Alltagsgeschichten stehen. Und dann kommt man ganz schnell zu Themen wie die Norwegerinnen, die deutsche Soldaten kennenlernten. Und vielleicht gab es da auch Kinder oder einfach nur Freundschaften zwischen der norwegischen Bev\u00f6lkerung mit dem \u2013 sozusagen \u2013 Feind. Die Geschichten haben wir dann herausgearbeitet und gemeinsam in einer Poster-Ausstellung mit den Studenten entwickelt. Die Ausstellung haben wir gemeinsam in der Universit\u00e4tsbibliothek in Kiel gezeigt und jetzt ist sie in Prag zu sehen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Gab es viele F\u00e4lle, in denen die Wehrmachtsoldaten eine Norwegerin kennengelernt und geheiratet haben und die Frauen dann Probleme in ihrer Heimat bekamen?<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/deutsch.radio.cz\/sites\/default\/files\/styles\/rcz_lightbox_v2\/public\/images\/a6aa6adb0075c295400371eeb4f0afae.jpg?itok=eS2nJ3Sq&amp;timestamp=1764590523\" class=\"photoswipe\" data-size=\"1706x1280\" data-overlay-title=\"Foto: Martina Schneibergov\u00e1,  Radio Prague International\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p><img  alt=\"Foto: Martina Schneibergov\u00e1,  Radio Prague International\" title=\"Foto: Martina Schneibergov\u00e1,  Radio Prague International\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Foto: Martina Schneibergov\u00e1, Radio Prague International<\/p>\n<p>\u201eMan wei\u00df die genaue Zahl nicht, aber man sch\u00e4tzt, dass ungef\u00e4hr 12.000 Norwegerinnen solche Beziehungen hatten. Und das ist unglaublich viel. Viele waren sp\u00e4ter gezwungen, Norwegen zu verlassen, weil sie von ihrer Familie und von der Gesellschaft ausgesto\u00dfen wurden. Eine gro\u00dfe Zahl ist nicht zur\u00fcckgekommen und hat ihre Staatsb\u00fcrgerschaft verloren. Das war eigentlich nicht erlaubt und wurde r\u00fcckwirkend gemacht. Die Frauen haben erst 2016 eine Entschuldigung vom norwegischen Staat bekommen und dann ihre norwegische Staatsb\u00fcrgerschaft zur\u00fcckerhalten. Da waren die meisten aber schon tot. Nur wenige konnten die R\u00fcckgabe ihrer Staatsb\u00fcrgerschaft noch erleben.\u201c<\/p>\n<p><strong>Hatten Sie die M\u00f6glichkeit, mit den Nachkommen zu sprechen?<\/strong><\/p>\n<p>\u201eNein, wir haben keine M\u00f6glichkeiten gehabt, geschichtlich mit diesen Themen zu arbeiten. Wir haben eigentlich nur mit den Quellen gearbeitet. Es gibt ganz viel Forschungsliteratur. Was ich besonders finde bei dieser Geschichte, ist, mit deutschen Studierenden daran zu arbeiten. Weil das ist schon ein heikles Thema. Das anzubieten, als Norwegerin, da war ich ein bisschen gespannt, wie die Studenten darauf reagieren. Aber das ist ja jetzt die vierte Generation. Die Studenten haben eine gewisse Distanz und Neugierde, sie gehen viel mehr auf die Geschichten ein als es vielleicht vor zwei Generationen der Fall gewesen w\u00e4re.\u201c<\/p>\n<\/p>\n<p><strong>Wurden diese Geschichten auch literarisch bearbeitet?<\/strong><\/p>\n<p>\u201eJa, wir haben das erste Semester mit den Studenten zur Geschichte gearbeitet, zu den Fakten und Geschichtsb\u00fcchern und so weiter. Und im zweiten Semester arbeite ich mit der Darstellung \u2013 mit der Zivilgeschichte im Zweiten Weltkrieg in der Fiktion. Wir analysieren dies durch Gedichte, Romane, Film und Theater.\u201c<\/p>\n<p><strong>Sind diese Geschichten in der \u00d6ffentlichkeit bekannt?<\/strong><\/p>\n<p>\u201eJa, schon. Mittlerweile gibt es wirklich viel Literatur dar\u00fcber, auch fiktionale. Was jetzt eher neu ist, ist die Geschichte der norwegischen Nazis, die in Norwegen aufgearbeitet wird. Jetzt kommen Nachkommen, die sagen, ihr Opa sei in einem norwegischen Naziverein gewesen. Die Geschichte der Opfer war leichter. Aber die T\u00e4terrolle ist lange vergraben worden.\u201c<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie sich eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit mit den Skandinavisten aus Prag vorstellen?<\/strong><\/p>\n<p>\u201eAbsolut. Wir haben sehr gute Erfahrungen mit der Zusammenarbeit. Ich finde spannend, dass wir gemeinsame Nenner mit der norwegischen Kultur und Sprache haben und dass wir in Europa auch ganz viel norwegische Kultur und Geschichte bearbeiten k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Ausstellung steht unter dem Titel \u201eTschechoslowaken und Deutsche im besetzten Norwegen\u201c (\u201e\u010cechoslov\u00e1ci a N\u011bmci v okupovan\u00e9m Norsku\u201c)&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":616893,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3976],"tags":[24212,331,332,2989,13,14,15,13301,12,13300,3992,3993,3994,3995,3996,3997],"class_list":{"0":"post-616892","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vereinigtes-koenigreich","8":"tag-2-weltkrieg","9":"tag-aktuelle-nachrichten","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-geschichte","12":"tag-headlines","13":"tag-nachrichten","14":"tag-news","15":"tag-radio-prague-international","16":"tag-schlagzeilen","17":"tag-tschechische-republik","18":"tag-uk","19":"tag-united-kingdom","20":"tag-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland","21":"tag-vereinigtes-koenigreich","22":"tag-vereinigtes-koenigreich-grossbritannien-und-nordirland","23":"tag-vereinigtes-koenigreich-von-grossbritannien-und-nordirland"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115647491903174287","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/616892","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=616892"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/616892\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/616893"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=616892"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=616892"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=616892"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}