{"id":617129,"date":"2025-12-02T04:27:13","date_gmt":"2025-12-02T04:27:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/617129\/"},"modified":"2025-12-02T04:27:13","modified_gmt":"2025-12-02T04:27:13","slug":"malzfabrik-niemberg-studenten-erforschen-lost-place","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/617129\/","title":{"rendered":"Malzfabrik Niemberg \u2013 Studenten erforschen Lost Place"},"content":{"rendered":"<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Die alte Malzfabrik ragt wie ein mahnender Ziegelkoloss direkt am Bahnhof von Niemberg (Saalekreis) in den Himmel. Das Bauwerk zwischen Halle und Leipzig steht seit Jahrzehnten leer. Benedikt Kupski, einer der Initiatoren des Projekts \u00abLost Places in Sachsen-Anhalt gemeinsam sichtbar machen\u00bb, hat die alte Fabrik jetzt filmisch dokumentiert, zusammen mit seinen Kommilitonen Nico Hoppensack und Justin Dawid. Ihr Videobeitrag ist einem der vielen Orte auf der neuen digitalen Landkarte der Historischen Kommission gewidmet.<\/p>\n<p>Wie das Projekt \u00fcber den Lost Place entstand<\/p>\n<p>Unter dem Arbeitstitel \u00abVom Prestigeprojekt zum blinden Fleck: Die Transformation der Malzfabrik in Niemberg\u00bb stellen die drei die Vergangenheit und die Gegenwart des Ortes filmisch gegen\u00fcber. \u00abIch bin fast 24 Jahre Niemberger. Seitdem kenne ich dieses Geb\u00e4ude\u00bb, sagt Kupski. \u00abMan f\u00e4hrt jeden Tag daran vorbei und sieht, wie es weiter zerf\u00e4llt.\u00bb Um die Geschichte des Ortes zu bewahren, wollten sie den \u00abblinden Fleck\u00bb wieder sichtbar machen.<\/p>\n<p>Die drei Lehramtsstudenten besuchten an der Martin-Luther-Universit\u00e4t ein Seminar zu Regionalgeschichte. Dort entstand die Idee, selbst einen Erinnerungsort zu untersuchen und herauszufinden, welche Geschichte hinter dem Bau steckt.<\/p>\n<p>Wie man etwas \u00fcber einen verlassenen Ort herausfindet<\/p>\n<p>Um die Geschichte der Malzfabrik zu erz\u00e4hlen, holten sich die drei Hilfe von Herbert Kleinau, dem Ortschronisten von Niemberg. \u00abEr wusste, woher seine Informationen stammen, und wir konnten anhand seiner Quellennachweise weiter recherchieren\u00bb, erz\u00e4hlt Kupski. In den umfangreichen Chroniken waren auch historische Fotos und alte Postkarten zu finden.<\/p>\n<p>Bei der Recherche kam \u00dcberraschendes zutage: So war die Fabrik nicht nur Produktionsst\u00e4tte, sondern diente zeitweise als Waffenlagerort f\u00fcr die Marine. Sp\u00e4ter verlor der Standort an Bedeutung, verfiel nach der Wende. \u00abUns war vorher nicht klar, wie viele verschiedene Kapitel dieser Ort erlebt hat\u00bb, sagt Hoppensack. Die Gruppe w\u00fchlte sich auch durch alte Zeitungsartikel der Saale-Zeitung, um mehr herauszufinden. \u00abIch glaube, die L\u00f6sung ist: Einfach machen\u00bb, sagt Hoppensack. \u00abGenau daraus ergeben sich neue Wege und Erkenntnisse.\u00bb<\/p>\n<p>Im landesweiten Lost-Place-Projekt ist die Dokumentation aus Niemberg einer von mittlerweile mehr als 70 Beitr\u00e4gen. Ziel ist es nach Angaben der Historischen Kommission, vergessene Erinnerungsorte aus der Perspektive von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern sichtbar zu machen. \u00abGeschichte findet direkt vor der Haust\u00fcr statt\u00bb, sagt Projektleiterin Jeannette van Laak. Die Historische Kommission lade jeden dazu ein, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen, betont Vorstandsvorsitzender Christoph Volkmar.<\/p>\n<p>Die Historische Kommission e.V. ist eigenen Angaben zufolge eine Vereinigung von Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen. Sie verfolgt unter anderem das Ziel, die Geschichte des Landes Sachsen-Anhalt zu vermitteln.<\/p>\n<p>Lost Places als geheimnisvolle Orte<\/p>\n<p>Die digitale Landkarte soll den Weg weisen, um die Orte zur eigenen Geschichte zu machen, so Volkmar. \u00abEs soll kein zweites Wikipedia werden, sondern ein bunter Mix aus Formaten\u00bb, erkl\u00e4rt der Vorstandsvorsitzende. Zu den Lost Places im Land z\u00e4hlen unter anderem auch die Molybd\u00e4n-Werke in Teutschenthal, die Ziegelei Alte F\u00e4hre Pl\u00f6tzky, die Germania-Brauerei Oschersleben und die Aluminium-Werke von Grabau in Trotha.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Menschen sind Lost Places geheimnisvolle Orte, die man gern auch von innen sehen m\u00f6chte. Die drei Studenten wagten sich f\u00fcr die Recherche jedoch nicht ins Innere der alten Malzfabrik. \u00abDas Geb\u00e4ude ist extrem bauf\u00e4llig\u00bb, berichtet Kupski.<\/p>\n<p>Einen Lost Place zu dokumentieren, ist nicht immer leicht. Oft ist unklar, wem das Gel\u00e4nde geh\u00f6rt und ob das Betreten erlaubt oder untersagt ist. Die Besitzverh\u00e4ltnisse der alten Fabrik in Niemberg etwa konnten die Studenten nicht zweifelsfrei herausfinden. Und zum Betreten des Geb\u00e4udes sagt Nico Hoppensack: \u00abIch w\u00fcrde mich das nicht trauen. Das ist schon gef\u00e4hrlich.\u00bb Im Inneren bef\u00e4nden sich l\u00f6chrige B\u00f6den und br\u00fcchige Decken. \u00abDa kann jederzeit etwas einst\u00fcrzen.\u00bb<\/p>\n<p>Entscheidend sei, so die Studenten, die Recherchearbeit. F\u00fcr ihren Film nutzte ihr dritter Teamkollege Justin Dawid deshalb nur Au\u00dfenaufnahmen und vorsichtige Blicke ins Innere, gefilmt mit dem Smartphone.<\/p>\n<p>Warum sich die Erkundung trotzdem lohnt<\/p>\n<p>Der Filmbeitrag, den sie f\u00fcr das Landesprojekt erstellt haben, erz\u00e4hlt vom Wandel: Vom imposanten Bau der fr\u00fchen Industriezeit \u00fcber Phasen milit\u00e4rischer Nutzung bis zum heutigen Leerstand.<\/p>\n<p>\u00abSolche Orte verschwinden schnell aus dem Ged\u00e4chtnis\u00bb, sagt Kupski. \u00abDabei erz\u00e4hlen sie viel \u00fcber die Region und dar\u00fcber, wie Menschen hier fr\u00fcher gelebt und gearbeitet haben.\u00bb Die drei hoffen, dass ihre Dokumentation andere dazu inspiriert, selbst historische Spuren zu suchen. Man m\u00fcsse nicht weit reisen, sagen sie. Meist beginne Geschichte genau dort, wo man t\u00e4glich vorbeifahre.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die alte Malzfabrik ragt wie ein mahnender Ziegelkoloss direkt am Bahnhof von Niemberg (Saalekreis) in den Himmel. 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