{"id":617154,"date":"2025-12-02T04:43:15","date_gmt":"2025-12-02T04:43:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/617154\/"},"modified":"2025-12-02T04:43:15","modified_gmt":"2025-12-02T04:43:15","slug":"berlin-festlich-nervig-bedrohlich-die-grosse-boeller-kontroverse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/617154\/","title":{"rendered":"Berlin | Festlich, nervig, bedrohlich? Die gro\u00dfe B\u00f6ller-Kontroverse"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (dpa) &#8211; Immer erbitterter diskutieren Initiativen, Verb\u00e4nde, die Politik und nicht zuletzt Privatleute \u00fcber ein m\u00f6gliches Verbot von privatem Feuerwerk. Es geht um liebgewordene Traditionen auf der einen Seite, aber auch um den Missbrauch von B\u00f6llern und Raketen in den Innenst\u00e4dten, um illegale Pyrotechnik, verschreckte Tiere und Verschmutzung.\u00a0<\/p>\n<p>Geregelt ist der Verkauf und das Abbrennen des Feuerwerks an Silvester in einem Bundesgesetz. Nun versuchen einige Bundesl\u00e4nder, dies zu \u00e4ndern, um selbst entscheiden zu k\u00f6nnen, ob sie Verbote erlassen.\u00a0<\/p>\n<p>Ein B\u00fcndnis #b\u00f6llerciao, zu dem unter anderem die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die Gewerkschaft der Polizei (GdP), das Deutsche Kinderhilfswerks und ein Tierschutzverein geh\u00f6ren, wollen Druck auf die Innenminister machen. Heute stellen sie in Berlin Forderungen vor. Diese Argumente werden von Gegnern und Bef\u00fcrwortern vorgebracht:<\/p>\n<p>Pro Verbot\u00a0Privates Feuerwerk ist gef\u00e4hrlich und verletzt viele Menschen<\/p>\n<p>B\u00f6ller und Raketen f\u00fchren jedes Jahr zu zahlreichen Verletzungen. Sie reichen von leichten Verbrennungen bis hin zu schweren Augen- und Handverletzungen. Viele dieser Unf\u00e4lle passieren durch unvorsichtiges Z\u00fcnden von B\u00f6llern. Auch unbeteiligte Menschen sind unter den Opfern. Manchmal werden Kracher auch gezielt auf andere geworfen.\u00a0<\/p>\n<p>Krankenh\u00e4user sind Silvester \u00fcberlastet<\/p>\n<p>Manche Notaufnahmen von Krankenh\u00e4usern sind rund um den Jahreswechsel besonders mit Verletzten von Knallk\u00f6rpern ausgelastet. Vor allem Hand- und Augenverletzungen sind h\u00e4ufig. Die Versorgung anderer Notf\u00e4lle verz\u00f6gert sich. Ohne privates B\u00f6llern w\u00e4re das Risiko solcher Verletzungen deutlich geringer.\u00a0<\/p>\n<p>Zahlreiche Angriffe mit B\u00f6llern auf Polizei\u00a0<\/p>\n<p>In problematischen Vierteln von Gro\u00dfst\u00e4dten wie Berlin werden in der Silvesternacht immer wieder auch Polizisten, Feuerwehrleute und Sanit\u00e4ter von aggressiven Gruppen vor allem junger M\u00e4nner mit B\u00f6llern beworfen. Die T\u00e4ter sind in der Dunkelheit schwer zu fassen. Ein generelles Verbot w\u00fcrde die Arbeit der Polizei erleichtern. Ein Verbot sei n\u00f6tig, \u00abdamit die Kollegen von Polizei und Feuerwehr gesund aus der Nacht kommen\u00bb, betont die Berliner Gewerkschaft der Polizei: \u00abWir k\u00f6nnen nicht warten, bis eine Polizistin oder ein Feuerwehrmann in der Nacht sein Leben l\u00e4sst.\u00bb<\/p>\n<p>Zu hohe Feinstaubbelastung\u00a0<\/p>\n<p>In der Silvesternacht steigt die Feinstaubkonzentration in vielen St\u00e4dten durch Zehntausende Raketen und B\u00f6ller auf das Vielfache des Normalwertes. Diese Belastung kann insbesondere f\u00fcr Menschen mit Atemwegs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen problematisch sein. \u00abDas Abbrennen von Feuerwerksk\u00f6rpern f\u00fchrt dazu, dass wir immer wieder\u00a0mit schlechter Luft ins neue Jahr\u00a0starten\u00bb, kritisiert die Deutsche Umwelthilfe. Zus\u00e4tzlich bleiben M\u00fcll auf den Stra\u00dfen und in Parks zur\u00fcck.\u00a0<\/p>\n<p>Weniger Br\u00e4nde und Sachsch\u00e4den<\/p>\n<p>Gerade in dicht bebauten Stadtgebieten l\u00f6sen glimmende Raketen oder Funkenflug leicht Br\u00e4nde aus. Jedes Jahr entstehen Sch\u00e4den an Fassaden, Balkonen, Autos oder Gr\u00fcnanlagen, die hohe Kosten verursachen. Oftmals sind es Unachtsamkeit oder Alkohol, die zu gef\u00e4hrlichen Situationen beitragen. \u00abJeder einzelne dieser Eins\u00e4tze war vermeidbar und jeder einzelne war ein Einsatz zu viel\u00bb, sagt Karsten Homrighausen, Chef der Berliner Feuerwehr.\u00a0<\/p>\n<p>Schutz von Haus- und Wildtieren vor Stress<\/p>\n<p>Der extreme L\u00e4rm von Feuerwerken f\u00fchrt bei vielen Tieren zu Angst- und Panikreaktionen. Haustiere verkriechen sich, verweigern Nahrung oder geraten in Stress. Wildtiere sind oft noch st\u00e4rker betroffen, da sie instinktiv fliehen und dabei Unf\u00e4lle oder Verletzungen erleiden k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<p>Mehrheit der Bev\u00f6lkerung gegen private B\u00f6llerei<\/p>\n<p>Die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung ist laut einer Umfrage von YouGov von Ende Oktober gegen private B\u00f6ller und Raketen. 60 Prozent sagten, die w\u00fcrden das Feuerwerk \u00fcberhaupt nicht oder eher nicht bef\u00fcrworten. 26 Prozent sehen es ganz oder eher positiv. Zudem sagten 63 Prozent der Befragten, sie w\u00fcrden pers\u00f6nlich bestimmt kein Feuerwerk z\u00fcnden. 58 Prozent meinten, es sollte ein generelles B\u00f6llerverbot oder zumindest ein Verbot privater B\u00f6llerei geben.<\/p>\n<p>Contra Verbot\u00a0Einschr\u00e4nkung pers\u00f6nlicher Freiheitsrechte<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Menschen geh\u00f6rt das Z\u00fcnden von Feuerwerk zum pers\u00f6nlichen Ausleben &#8211; ein Verbot wird von Manchen als \u00fcberm\u00e4\u00dfiger staatlicher Eingriff wahrgenommen, der die individuelle Freiheit beschneidet. Gerade beim Feiern wollen viele lieber selbstbestimmt sein.\u00a0<\/p>\n<p>Verlust kultureller Tradition und emotionaler Bedeutung<\/p>\n<p>Feuerwerk hat Tradition und ist im kollektiven Bewusstsein verankert. F\u00fcr viele Menschen symbolisiert das Knallen den \u00dcbergang in ein neues Jahr und ist mit positiven Kindheitserinnerungen verkn\u00fcpft, die gerne weitergeben werden. Traditionen sind ein Teil sozialer Identit\u00e4t.\u00a0<\/p>\n<p>Der Bundesverband f\u00fcr Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk e.V. erkl\u00e4rt: \u00abMenschen wollen zum Jahreswechsel sichtbar und gemeinsam feiern \u2013 sicher, legal und r\u00fccksichtsvoll.\u00bb Es gebe dabei einen Trend zu Qualit\u00e4tsbewusstsein und auch leiseren Produkten. \u00abFeuerwerk markiert das Besondere und stiftet Gemeinschaft.\u00bb Erst so werde Silvester \u00abzu mehr als einem blo\u00dfen Datum\u00bb.<\/p>\n<p>Ein Verbot trifft auch die Falschen\u00a0<\/p>\n<p>Die Probleme mit privatem Feuerwerk treten meist in den Innenst\u00e4dten auf. Am Stadtrand, in Kleinst\u00e4dten und auf dem Land gibt es kaum Angriffe auf Polizei und Feuerwehr, weniger Br\u00e4nde und weniger Verletzte. Viele Familien z\u00fcnden friedlich am Abend auf der Stra\u00dfe oder im Garten ein paar Raketen f\u00fcr die Kinder. Sie alle m\u00fcssten verzichten, weil in Gro\u00dfst\u00e4dten randaliert wird.<\/p>\n<p>Wirtschaftliche Belastung\u00a0<\/p>\n<p>Die Feuerwerksbranche generiert j\u00e4hrlich hohe Ums\u00e4tze, insbesondere in der kurzen Zeit vor Silvester. Ein Verbot w\u00fcrde Hersteller, H\u00e4ndler und Zulieferer treffen.<\/p>\n<p>Schwierige Durchsetzung durch Beh\u00f6rden<\/p>\n<p>Ein vollst\u00e4ndiges Verbot privater Feuerwerke ist kaum fl\u00e4chendeckend zu kontrollieren. In vielen St\u00e4dten fehlt es an Personal, um Regeln konsequent durchzusetzen. Verbote, die nicht umgesetzt werden, k\u00f6nnen das Vertrauen in staatliche Institutionen schw\u00e4chen. Herbert Reul (CDU), Innenminister in Nordrhein-Westfalen, sagte dem Sender WDR: \u00abDann m\u00fcssen sie an jeder Ecke einen Polizisten stehen haben, der daf\u00fcr sorgt, dass keiner einen B\u00f6ller wirft. Das schaffen wir ja nicht mal im Fu\u00dfballstadion.\u00bb<\/p>\n<p>Risiko der Verlagerung zu illegalem oder selbstgebautem Feuerwerk<\/p>\n<p>Ein striktes Verbot k\u00f6nnte dazu f\u00fchren, dass Menschen verst\u00e4rkt auf illegale Produkte aus dem Internet zur\u00fcckgreifen, die oft wesentlich gef\u00e4hrlicher sind. Zudem k\u00f6nnte es zu einem Anstieg selbstgebauter B\u00f6ller kommen, deren Risiken kaum kontrollierbar sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; Immer erbitterter diskutieren Initiativen, Verb\u00e4nde, die Politik und nicht zuletzt Privatleute \u00fcber ein m\u00f6gliches Verbot&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":617155,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1841],"tags":[17274,1605,3364,29,4851,30,1724,2280,1209],"class_list":{"0":"post-617154","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bielefeld","8":"tag-brauchtum","9":"tag-bielefeld","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-feuerwerk","13":"tag-germany","14":"tag-gesellschaft","15":"tag-jahreswechsel","16":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115648148537463484","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/617154","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=617154"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/617154\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/617155"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=617154"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=617154"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=617154"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}