{"id":617334,"date":"2025-12-02T06:32:36","date_gmt":"2025-12-02T06:32:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/617334\/"},"modified":"2025-12-02T06:32:36","modified_gmt":"2025-12-02T06:32:36","slug":"eine-inspektionstour-auf-der-elbe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/617334\/","title":{"rendered":"Eine Inspektionstour auf der Elbe"},"content":{"rendered":"<p>Es ist nur ein Schlauchboot mit drei Personen an Bord, aber es ist eine wichtige Tour.\u00a0Als Kanalnetzmeister der Stadtentw\u00e4sserung ist Frank Lieber f\u00fcr den S\u00fcdosten Dresdens zwischen der Altstadt und der Stadtgrenze zust\u00e4ndig. Doch an diesem regnerischen und windigen Herbsttag geht es f\u00fcr den 66-J\u00e4hrigen nicht in den Kanal hinab, sondern auf die Elbe hinaus. Deshalb schwimmt das Schlauchboot bereits am Zschierener Schiffslandeplatz unweit des dortigen Gasthofs auf der Elbe. Auf dem H\u00e4nger eines Kleintransporters ist es an diesem Morgen vom Prohliser Kanalnetzst\u00fctzpunkt angerollt. Vom Boot aus will Lieber kontrollieren, ob die Regen\u00fcberl\u00e4ufe entlang des Flusses noch in Ordnung sind.\u00a0<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/5-kanalinspektion-auf-der-elbe-mit-rene-herold-08_3_TEXT.jpg\"\/><\/p>\n<p>\u00a0Das Inspektionstrio ist kurz vorm Blauen Wunder zwischen Loschwitz und Blasewitz.<\/p>\n<p>Mit dabei sind Umweltamtschef Ren\u00e9 Herold und der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Stadtentw\u00e4sserung, Ralf Strothteicher. Sie wollen sich bei der Kontrolltour ein Bild des Zustandes dieser wichtigen Auslassbauwerke an der Bundeswasserstra\u00dfe machen.  \u201eWir wollen heute dem Leiter des Umweltamtes Einblicke in den Betrieb unseres Kanalnetzes geben. Die Einleitungen aus den Regenausl\u00e4ssen stehen ja unter der Kontrolle und Genehmigung seiner Unteren Wasserbeh\u00f6rde\u201c, erkl\u00e4rt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Strothteicher. \u201eUnsere j\u00e4hrlichen Inspektionsfahrten sind dabei wichtig \u2013 insbesondere, um sicherzustellen, dass die Gitter frei von Unrat sind und der Abfluss st\u00f6rungsfrei funktioniert.\u201c<\/p>\n<p>Die Inspektionstour kann starten. Vom Boot aus werden die gro\u00dfen Bauwerke kontrolliert, deren R\u00f6hren zwischen einem halben und 2,5 Metern gro\u00df sind. Bei extremem Starkregen l\u00e4uft durch diese Ausl\u00e4sse stark verd\u00fcnntes Abwasser, das Lieber als Mischwasser bezeichnet, in die Elbe. So wird das Kanalsystem vor dem Kollaps gesch\u00fctzt. \u00cdmmerhin gibt es etwa 40-mal j\u00e4hrlich solche Starkregen. Schwillt der Fluss hingegen an, gehen an den Auslasskan\u00e4len die Schotten runter, damit die Kan\u00e4le nicht \u00fcberflutet werden.&#13;\n<\/p>\n<p>Vom Boot aus wird seit \u00fcber 20 Jahren kontrolliert. \u201eBei der Jahrhundertflut 2002 waren wir gezwungen, uns das Schlauchboot anzuschaffen\u201c, berichtet der Kanalnetzmeister. Denn damals war nicht nur das Kl\u00e4rwerk, sondern auch der Kanalnetzst\u00fctzpunkt neben der Yenidze eine Insel. Also wurde sp\u00e4ter aus der Not eine Tugend gemacht und das Boot f\u00fcr Inspektionsfahrten genutzt. &#13;\n<\/p>\n<p>Jetzt kommen Lieber und seine Leute damit noch schneller voran. Wurde es bisher von einem Vier-PS-Motor angetrieben, so sind es beim jetzigen neuen Motor stattliche 15 PS. Mit dem Auto w\u00e4re diese Kontrolltour zu Lande viel komplizierter. \u201eDa k\u00e4men wir nicht so gut an den Auslass ran\u201c, sagt Lieber. An Land m\u00fcssten sich die Kontrolleure nicht selten durch Gestr\u00fcpp und dornige B\u00fcsche k\u00e4mpfen. W\u00e4hrend so eine Tour vom Boot aus einen Vormittag dauert, w\u00e4re daf\u00fcr mit dem Einsatzfahrzeug eine Woche n\u00f6tig.&#13;\n<\/p>\n<p>Regenr\u00fcckhaltebecken l\u00e4uft jetzt viel schneller \u00fcber&#13;<\/p>\n<p>Insgesamt 78 solcher \u00dcberl\u00e4ufe gibt es in Dresden an der Elbe, weitere an der Wei\u00dferitz, der Prie\u00dfnitz oder dem Keppbach. Aber nicht nur mit diesen Abfl\u00fcssen wird das Abwassersystem gesch\u00fctzt, sondern auch mit Stauraum-Kan\u00e4len, die wie kleine unterirdische Staud\u00e4mme funktionieren, und mit Regenr\u00fcckhaltebecken. Das tief unter der Elbwiese liegende Becken am Johannst\u00e4dter K\u00e4the-Kollwitz-Ufer fasst 12.000 Kubikmeter. \u201eDaf\u00fcr hatte die Stadtentw\u00e4sserung rund 16 Millionen Euro investiert\u201c, erl\u00e4utert Lieber. Das Geld ist gut angelegt. Schlie\u00dflich wird das Mischwasser so zur\u00fcckgehalten und verschmutzt nicht die Elbe. Denn f\u00fcr Verunreinigungen zahlt die Stadtentw\u00e4sserungen.&#13;\n<\/p>\n<p>Allerdings sind die Auswirkungen des Klimawandels besonders in den vergangenen drei Jahren zu sp\u00fcren. \u201eFielen bei fr\u00fcheren Starkregen meistens st\u00fcndlich etwa 20 Liter pro Quadratmeter, so sind es jetzt oft mehr als 30 Liter\u201c, erz\u00e4hlt Lieber.  Das hat beispielsweise f\u00fcr das Johannst\u00e4dter Regenr\u00fcckhaltebecken ganz praktische Konsequenzen. Direkt daneben verl\u00e4uft der Altst\u00e4dter Abfangkanal, in dem das Abwasser aus dem linkselbischen Stadtgebiet in Richtung Kl\u00e4rwerk flie\u00dft. Ist die Zwei-Meter-R\u00f6hre mit 1,36 Metern weit \u00fcber die H\u00e4lfte gef\u00fcllt, l\u00e4uft das Mischwasser \u00fcber ein \u00dcberlaufbauwerk in das Regenr\u00fcckhaltebecken. \u201eWar es fr\u00fcher bei Starkregen meistens nach drei Stunden voll, bis es in die Elbe \u00fcberlief, so ist es heute oft bereits nach einer Stunde ausgelastet\u201c, berichtet der Meister.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/9-kanalinspektion-auf-der-elbe-mit-rene-herold-14_1_TEXT.jpg\"\/><\/p>\n<p>Durch die Innenstadt geht die Inspektionsfahrt weiter stromabw\u00e4rts nach Pieschen.<\/p>\n<p>Das Schlauchboot passiert die gro\u00dfen \u00dcberl\u00e4ufen unterhalb der Tolkewitzer, der Schaufu\u00df- und der Oehmestra\u00dfe. Die Gitter stehen, gemauerte Sohlen und Betonw\u00e4nde sind in Ordnung. Gleich danach geht\u2019s unter dem Blauen Wunder hindurch. Es folgt die Waldschl\u00f6\u00dfchenbr\u00fccke.<\/p>\n<p>Etwa zwei Kilometer elbabw\u00e4rts kommt dann das Auslassbauwerk am Johannst\u00e4dter Regenr\u00fcckhaltebecken und dem Hochwasserpumpwerk kurz vor der Waldschl\u00f6\u00dfchenbr\u00fccke in Sicht, an dem die R\u00f6hre und das Gitter in Ordnung sind. \u201eDie Gitter, die den Unrat zur\u00fcckhalten, werden aber oft von Leuten rausgerissen, die in die R\u00f6hre wollen\u201c, verweist Lieber auf ein gro\u00dfes \u00c4rgernis. Das geschieht oft bei niedrigem Elbpegel. Dann werden in den Auslassr\u00f6hren Lagerfeuer gemacht oder diese sogar als zeitweiliges Domizil genutzt. \u201eVor einigen Jahren hatten wir etwa 80 Meter hinter dem Auslassbauwerk einen Tisch mit St\u00fchlen und sogar einen Aschenbecher gefunden\u201c, erz\u00e4hlt Lieber. Dabei sei Rauchen dort \u00e4u\u00dferst gef\u00e4hrlich. \u201eDenn die Auslasskan\u00e4le gelten durch die im Abwasser entstehenden Faulgase oder eingedrungene Kraftstoffe als hochexplosiv.\u201c Aber nicht nur das. Solche vermeintliche Mutproben bescheren den Kanalarbeitern viel Arbeit. Rausgerissene Gitter m\u00fcssen wieder eingesetzt, besch\u00e4digte Stellen repariert werden.&#13;\n<\/p>\n<p>Ausl\u00e4sse blieben beim Br\u00fcckeneinsturz unbesch\u00e4digt&#13;<\/p>\n<p>Die Fahrt wird fortgesetzt. Das Schlauchboot kann jetzt gl\u00fccklicherweise an der abgerissenen Carolabr\u00fccke weiterfahren, wo trotz des Einsturzes die Ausl\u00e4sse neben dem Parkplatz am Terrassenufer unbesch\u00e4digt geblieben sind. Nach anderthalb Stunden ist das Ziel an der Moritzburger Stra\u00dfe in Pieschen erreicht, wo Liebers Leute das Boot wieder an Land holen k\u00f6nnen. 35 Auslassbauwerke sind kontrolliert, nur an wenigen von ihnen m\u00fcssen Sch\u00e4den beseitigt werden. &#13;\n<\/p>\n<p>\u201eDie sanierten Ausl\u00e4sse machen einen sehr guten Eindruck \u2013 fachlich einwandfrei\u201c, res\u00fcmiert Umweltamtschef Herold.  \u201eBesonders beeindruckt hat mich die enorme Pumpleistung am Hochwasserpumpwerk Johannstadt: 18.000 Liter pro Sekunde sind ein wichtiger Beitrag zum Hochwasserschutz der Stadt.\u201c Denn diese Menge kann das 2010 \u00fcbergebene Pumpwerk bei Hochwasser und extremem Starkregen aus dem am K\u00e4the-Kollwitz-Ufer verlaufenden Altst\u00e4dter Abfangkanal in die Elbe pumpen. So wird das Kanalsystem zwischen der Altstadt und dem Dresdner Osten vor dem Kollaps gesch\u00fctzt. Beim Hochwasser im Juni 2013 hatte es erfolgreich seinen ersten H\u00e4rtetest bestanden. &#13;\n<\/p>\n<p>F\u00fcr den Umweltamtschef war es ein spannender Vormittag. Bei dem haben ihm Meister Lieber und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Strothteicher gezeigt, welch gro\u00dfer Aufwand n\u00f6tig ist, um die Ausl\u00e4sse an der Elbe zu inspizieren. Das ist aber nur ein Bruchteil des \u00fcber 1.800 Kilometer langen Dresdner Kanalsystems mit seinen zahlreichen Bauwerken.   &#13;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist nur ein Schlauchboot mit drei Personen an Bord, aber es ist eine wichtige Tour.\u00a0Als Kanalnetzmeister der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":617335,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1835],"tags":[133946,3364,29,2386,146531,30,146529,952,146530,859],"class_list":{"0":"post-617334","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-dresden","8":"tag-stadtentwsserung","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-dresden","12":"tag-flusschutz","13":"tag-germany","14":"tag-inspektion-elbe","15":"tag-klimawandel","16":"tag-regenberlufe","17":"tag-sachsen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115648578467669574","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/617334","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=617334"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/617334\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/617335"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=617334"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=617334"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=617334"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}