{"id":617383,"date":"2025-12-02T06:59:20","date_gmt":"2025-12-02T06:59:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/617383\/"},"modified":"2025-12-02T06:59:20","modified_gmt":"2025-12-02T06:59:20","slug":"wie-berlin-vor-200-jahren-feierte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/617383\/","title":{"rendered":"Wie Berlin vor 200 Jahren feierte"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspANhu tspANhv\">Dunkel, sehr dunkel waren die Berliner Dezemberabende vor 200 Jahren. Keine Scheinwerfer, keine blinkenden Reklametafeln, kaum Gaslaternen in den Stra\u00dfen, keine elektrischen Lampen in den H\u00e4usern. Stattdessen flackerte Kerzenlicht hinter den Fenstern, sparsam dosiert, Energieverbrauch niedrig. Mit welcher Sehnsucht wurde Weihnachten da erwartet: das Fest des Lichts!<\/p>\n<p class=\"tspANhu\">Einen Eindruck, wie die Weihnachtszeit in der Biedermeierzeit erlebt wurde, vermittelt jedes Jahr das <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/biedermeier-schau-im-berliner-knoblauchhaus-offnet-wieder-4335106.html?icid=in-text-link_14827688\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Knoblauchhaus im Nikolaiviertel<\/a>: Das um 1760 erbaute und original erhaltene B\u00fcrgerhaus, ein Standort des Stadtmuseums, wird festlich geschm\u00fcckt und zeigt auf drei Etagen biedermeierzeitliches Adventsdekor, ganz so, wie es ausgesehen haben k\u00f6nnte, als die Erbauerfamilie Knoblauch dort noch wohnte. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/pyramide-fotooliverziebe.jpeg\" alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14829425\" width=\"620\" height=\"727\" loading=\"lazy\" class=\"tspA7jr\"\/> Wiederverwendbar: die Weihnachtspyramide. Der Weihnachtsmann wurde in Berlin erst ab 1850 modern. <\/p>\n<p class=\"tspAOhz\"> \u00a9 Oliver Ziebe <\/p>\n<p class=\"tspANhu\">In diesem Jahr gibt es einen besonderen Schwerpunkt: Nachhaltigkeit. Denn die war, obwohl als Begriff nicht gel\u00e4ufig, im B\u00fcrgertum ein stetes Thema. \u201eDas ganze Jahr \u00fcber galt Einfachheit und Ma\u00dfhalten als oberste Priorit\u00e4t des b\u00fcrgerlichen Alltags\u201c, sagt Kurator Jan Mende. Was heute in die Formel mit drei R gekleidet wird \u2013 reduce, reuse, recycle\u00a0\u2013, wurde damals im Alltag ganz selbstverst\u00e4ndlich praktiziert.<\/p>\n<p class=\"tspANhu\">Nicht so jedoch, wenn Weihnachten nahte: \u201eAn den Festtagen wurde an nichts gespart, weder beim exklusiven Festmahl noch bei der weihnachtlichen Ausgestaltung und Beleuchtung der Wohnr\u00e4ume.\u201c &#13;<\/p>\n<p> Das Weihnachtshaus <\/p>\n<p class=\"tspANhu\">Das <strong>Knoblauchhaus <\/strong>in der Poststra\u00dfe 23 (10178 Berlin-Mitte) ist regul\u00e4r dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr ge\u00f6ffnet (<a href=\"https:\/\/www.stadtmuseum.de\/veranstaltungen\/weihnachtshaus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">abweichende \u00d6ffnungszeiten<\/a> an den Feiertagen). Der Eintritt kostet 5 Euro, unter 18-J\u00e4hrige frei.<\/p>\n<p class=\"tspANhu\">Rund um die Ausstellung werden Veranstaltungen angeboten, zum Beispiel am 7. Dezember beim Aktionstag <strong>\u201eTreffpunkt Biedermeier\u201c<\/strong>, weitere Informationen unter <a href=\"https:\/\/www.stadtmuseum.de\/veranstaltung\/weihnachten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" class=\"link link--external\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"external\" aria-describedby=\"message-target-blank\">stadtmuseum.de<\/a>.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/241207-weihnachtshaus-6298.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14829416\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspA7jr\"\/> Das Knoblauchhaus verwandelt sich ab Ende November in ein Weihnachtshaus. <\/p>\n<p class=\"tspAOhz\"> \u00a9 Stadtmuseum Berlin <\/p>\n<p class=\"tspANhu\">Die Zimmer, aber auch die Haus- und Wohnungseing\u00e4nge und die Treppenh\u00e4user, mitunter sogar die Fassaden auf der H\u00f6he der \u201ebel etage\u201c, wurden mit Tannenzweigen, Papiergirlanden und bunten B\u00e4ndern dekoriert. Und das Essen an den Feiertagen sollte exquisit sein: Es gab G\u00e4nsebraten, Wild oder Fisch, vor allem Karpfen, aber auch Kaviar und Austern, nachmittags gefolgt von Stollen, Pfefferkuchen, K\u00f6nigsberger Marzipan, Berliner Mohnpielen \u2013 s\u00fc\u00dfe Mohnkl\u00f6\u00dfe \u2013 und Baumkuchen. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/themenspeziale\/unterwegsundfreizeit\/?icid=single-topic_14827688___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspBRlx\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Noch mehr Unterwegs &amp; Freizeit Weitere Themenspeziale zu Kultur, Reise und Genie\u00dfen lesen Sie hier <\/a><\/p>\n<p class=\"tspANhu\">\u201eAber auch in diesem \u00dcberfluss versuchten die Menschen, nichts unn\u00fctz zu verschwenden\u201c, erz\u00e4hlt Jan Mende. \u201eGeschenkpapier wurde wiederverwendet, altes Spielzeug repariert und wieder verschenkt.\u201c Man schenkte auch gerne Selbstgebasteltes, -gemaltes und Handarbeiten: M\u00fctzen oder Bucheinb\u00e4nde f\u00fcr die Erwachsenen, selbst gemachte oder neu eingekleidete Puppen und Hampelm\u00e4nner f\u00fcr die Kinder, neben Obst, N\u00fcssen, Naschwerk.<\/p>\n<p class=\"tspANhu\">Vor allem aber wurde die traditionelle Berliner Weihnachtspyramide aus dem Lager geholt: ein Lattenger\u00fcst, etwa einen Meter hoch, ummantelt mit k\u00fcnstlichen Tannenzweigen aus gef\u00e4rbtem Papier, geschm\u00fcckt mit selbst gebasteltem Dekor aus Stroh, Papier und Draht. Eine solche Pyramide ist auch im Knoblauchhaus zu sehen: Sie war deutlich billiger \u2013 und nachhaltiger! \u2013 als ein eigener Tannenbaum: wiederverwendbar eben.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/ghz-75-str-13-3-4.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14829446\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspA7jr\"\/> Bescherung in Biedermeierzeiten. <\/p>\n<p class=\"tspAOhz\"> \u00a9 Stadtmuseum Berlin <\/p>\n<p class=\"tspANhu\">Tannenb\u00e4ume wurden, so Mende, erst um 1850 zum Massenph\u00e4nomen in Berliner Haushalten. Die Eisenbahn machte es m\u00f6glich: Sie brachte die B\u00e4umchen aus der Lausitz und dem Harz in die preu\u00dfische Hauptstadt. Von da an konnten sich auch \u00e4rmere Familien einen Baum leisten, den sie mit vergoldeten N\u00fcssen und \u00c4pfeln, Lebkuchen und Papierbasteleien schm\u00fcckten. <\/p>\n<p class=\"tspANhu\">Die meisten Weihnachtsbr\u00e4uche, die heute noch praktiziert werden, haben sich vor 200 Jahren herausgebildet, sagt Mende. Denn urspr\u00fcnglich war Weihnachten ein religi\u00f6ses Fest, an dem man vor allem den Gottesdienst besuchte. Erst ab 1790 begannen die Menschen \u2013 das B\u00fcrgertum war hier Vorreiter \u2013 an den Festtagen mit der Familie und Freunden zusammenzukommen und einander zu beschenken, mit den Kindern im Mittelpunkt. \u201eR\u00fcckblickend verdanken wir dem Biedermeier das besinnliche <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/themenspeziale\/unterwegsundfreizeit\/thementage-familie-care-oder-chaos-im-humboldt-forum-14368919.html?icid=in-text-link_14827688\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fest als Familienfeier.<\/a>\u201c <\/p>\n<p class=\"tspANhu\">Am ersten und zweiten Weihnachtstag kamen oft Freunde und Nachbarn, um die Geschenke zu bewundern, die an Heiligabend im festlich geschm\u00fcckten Weihnachtszimmer verteilt worden waren. Der Weihnachtsmann kam in Berlin erst gegen 1850 in Mode. Bis dahin hatten Eltern ihren Kindern gesagt, das Christkind bringe die Geschenke.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/mis-7240-2.jpeg\" alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-14829431\" width=\"620\" height=\"930\" loading=\"lazy\" class=\"tspA7jr\"\/> Auch dieser junge Mann geh\u00f6rt zum Fest. <\/p>\n<p class=\"tspAOhz\"> \u00a9 Stadtmuseum Berlin <\/p>\n<p class=\"tspANhu\">Ganz in der N\u00e4he des Knoblauchhauses, in der Breiten Stra\u00dfe, gab es einen Christmarkt mit \u00fcber hundert Verkaufsbuden: Hier flanierten die Berliner, hier wurde Zucker- und Marzipangeb\u00e4ck verkauft, Kupferstiche, Winterschuhe, K\u00f6rbe, Pantoffeln, K\u00fcchenger\u00e4te, Pelzwaren und, wie der Schriftsteller Ludwig Tieck schw\u00e4rmte, \u201etausendfaches Spielzeug aus Holz in allen Gr\u00f6\u00dfen gebildet\u201c. Holz, wohlgemerkt, kein Plastik. <\/p>\n<p> Mehr Texte zu Weihnachten und zum Nikolaiviertel lesen Sie hier: <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/biedermeier-schau-im-berliner-knoblauchhaus-offnet-wieder-4335106.html?icid=topic-list_14827688___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspBRlx\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Willkommen in der Zeitmaschine Biedermeier-Schau im Berliner Knoblauchhaus \u00f6ffnet wieder <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/bezirke\/kneipentour-im-berliner-nikolaiviertel-wo-heinrich-zille-sein-milljoh-studierte-9505163.html?icid=topic-list_14827688___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspBRlx\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kneipentour im Berliner Nikolaiviertel Wo Heinrich Zille \u201esein Millj\u00f6h\u201c studierte <\/a><\/p>\n<p class=\"tspANhu\">Erleuchtet wurde der Markt mit unz\u00e4hligen \u00d6llampen und Kerzen: \u201eSo wandeln denn Tausende, scherzend, erz\u00e4hlend, lachend, schreiend, an den s\u00fc\u00dfduftenden mannigfaltigen Zucker- und Marzipan-Geb\u00e4cken vor\u00fcber, wo Figuren aller Art, Thiere und Menschen, alles in hellen Farben strahlend, die L\u00fcsternen anlacht\u201c, schrieb Tieck: An diesem fr\u00f6hlichen Ort waren die Berliner Dezemberabende vor 200 Jahren gar nicht dunkel. &#13;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dunkel, sehr dunkel waren die Berliner Dezemberabende vor 200 Jahren. 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