{"id":617646,"date":"2025-12-02T09:38:17","date_gmt":"2025-12-02T09:38:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/617646\/"},"modified":"2025-12-02T09:38:17","modified_gmt":"2025-12-02T09:38:17","slug":"diskussion-ueber-pressfreiheit-mit-wolfgang-krach-in-muenchen-eine-gefahr-fuer-die-gesellschaft-insgesamt-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/617646\/","title":{"rendered":"Diskussion \u00fcber Pressfreiheit mit Wolfgang Krach in M\u00fcnchen: \u201eEine Gefahr f\u00fcr die Gesellschaft insgesamt\u201c &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vw426e\">Es steht nicht gut um die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Pressefreiheit\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pressefreiheit<\/a>. Mehr als die H\u00e4lfte der Weltbev\u00f6lkerung lebt in Staaten, in denen unabh\u00e4ngiger <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Journalismus\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Journalismus<\/a> kaum oder gar nicht m\u00f6glich ist. Die Gr\u00fcnde sind vielf\u00e4ltig und reichen von fehlender politischer Stabilit\u00e4t bis zu wachsendem Autoritarismus. Doch wer sich fragt, wie es um die Pressefreiheit in Deutschland bestellt ist, landet schnell bei einem anderen, weniger dramatisch klingenden, aber nicht minder wichtigen Thema: Wovon leben Medien \u2013 und was passiert, wenn alte Gesch\u00e4ftsmodelle br\u00f6ckeln, Aufmerksamkeit sich fragmentiert und Verlage unter zunehmendem \u00f6konomischem Druck \u00e4chzen?<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Vielleicht wirkt der Ort, an dem an diesem Abend in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a> diesen Fragen nachgegangen werden soll, deshalb etwas entr\u00fcckt: Unter der Glaskuppel des Salon Luitpold haben die Veranstalter in einem stillgelegten Mosaik-Brunnen eine samtrote B\u00fchne errichtet. Drei Palmen rahmen das Tableau, rundherum sitzen die G\u00e4ste, manche mit Drei-G\u00e4nge-Men\u00fc und Weinbegleitung.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Eingeladen hat die Hochschule f\u00fcr Philosophie M\u00fcnchen. Auf der B\u00fchne sitzen Martin Balle, Verleger der Mediengruppe Attenkofer, zu der unter anderem die Abendzeitung\u00a0und das Straubinger Tagblatt\u00a0geh\u00f6ren, und Wolfgang Krach, Chefredakteur der S\u00fcddeutschen Zeitung. Moderiert wird das Gespr\u00e4ch von der Ethik-Professorin Julia Inthorn.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Es soll um die Frage gehen, wie sehr die Pressefreiheit unter Druck steht. Krach beginnt mit einer Bestandsaufnahme: Deutschland habe trotz aller Probleme noch eine \u201evielf\u00e4ltige Tagespresse\u201c und einen funktionierenden \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dennoch sei die Lage \u201eso schwierig wie seit Langem nicht mehr\u201c. Schuld daran seien vor allem \u00f6konomische Zw\u00e4nge: Der Einbruch des Printgesch\u00e4fts vieler Publikationen und das ver\u00e4nderte Mediennutzungsverhalten junger Menschen erschwerten es <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Zeitungen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zeitungen<\/a>, finanziell \u00fcber die Runden zu kommen. Hinzu komme der Versuch der Einflussnahme \u2013 nicht nur politisch, in L\u00e4ndern wie Ungarn oder den USA, sondern auch durch gro\u00dfe Unternehmen in Deutschland, die Berichterstattung lenken oder steuern wollten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Auch Balle erkennt den \u00f6konomischen Druck und seine Auswirkungen. Vor 30 Jahren habe man prophezeit, dass es im Jahr 2000 keine einzige Zeitung mehr geben werde, sagt er. Heute existieren sie immer noch. Zwar h\u00e4tten sich die Rahmenbedingungen ge\u00e4ndert, doch ebenso h\u00e4tten sich auch die Verlage angepasst. Problematischer seien hingegen die gro\u00dfen Techkonzerne: Sie sammelten Texte f\u00fcr KI-Trainingszwecke, ohne dass die Politik die Verlage sch\u00fctze. Das habe auch sp\u00fcrbare Auswirkungen auf die Umsatzzahlen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Doch so sehr k\u00fcnstliche Intelligenz auch in aller Munde sei, sie k\u00f6nne nicht das leisten, was eine Lokalzeitung ausmache: die N\u00e4he zu den Menschen vor Ort. Und damit beginnt Balle, was an diesem Abend h\u00e4ufiger zu beobachten sein wird: Er erz\u00e4hlt Anekdoten, kleine Momentaufnahmen aus dem Alltag. Vom Straubinger Weihnachtsmarkt, von seiner Zeit als Co-Trainer einer F-Jugend, von Kindern, die nach dem Training sofort aufs Handy starren und kaum noch l\u00e4ngere Texte lesen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Medien m\u00fcssten Verantwortung f\u00fcr das Ver\u00f6ffentlichte \u00fcbernehmen, sagt SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die Moderatorin Inthorn versucht, das Gespr\u00e4ch auf die Ausgangsfrage zur\u00fcckzuf\u00fchren: Wenn sich Aufmerksamkeit und Lesegewohnheiten so stark verschieben, wie beeinflusst das die Pressearbeit? Man m\u00fcsse dorthin, wo die jungen Menschen seien, also auch in die sozialen Medien, aber \u201ejournalistisch sauber\u201c, sagt Krach. Denn es wachse eine Generation heran, \u201ef\u00fcr die gar nicht mehr klar ist, was wahr ist\u201c. Auf sozialen Plattformen zirkuliere l\u00e4ngst alles nebeneinander: Recherchiertes und Erfundenes. \u201eDas ist die Verwirrung des Begriffs Wahrheit\u201c, sagt Krach. Und diese Verwirrung sei nicht nur ein Problem der Branche, sondern \u201eeine Gefahr f\u00fcr die Gesellschaft insgesamt\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Journalismus k\u00f6nne nicht am Publikum vorbei produziert werden, sagt Krach. \u201eWir leben davon, dass die Leute uns bezahlen.\u201c Balle wiederum sucht auf seine Weise den direkten Draht zum Publikum, etwa mit zugespitzten politischen Seitenhieben oder Vergleichen aus dem Fu\u00dfball. Als Krach \u00fcber investigative Recherchen wie die \u201ePanama Papers\u201c spricht, entgegnet Balle: \u201eIch bin froh, dass wir nicht alles aufdecken, was wir wissen.\u201c In einer Stadt wie Straubing k\u00f6nne man sonst kaum noch leben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/lokaljournalismus-muenchen-bayern-li.3319856\" aria-label=\"Artikelverlinkung:\" data-track-szde=\"{&quot;event&quot;:&quot;teaser_clicked&quot;,&quot;teaser_clicked&quot;:{&quot;article_title&quot;:&quot;welt_und_stadt&quot;,&quot;doctype&quot;:&quot;&quot;,&quot;label&quot;:&quot;&quot;,&quot;main_topic&quot;:&quot;journalismus&quot;,&quot;object_id&quot;:&quot;li.3319856&quot;,&quot;pcat&quot;:&quot;metered&quot;,&quot;section&quot;:&quot;politik&quot;,&quot;teaser_type&quot;:&quot;article_teaser_top&quot;}}\" data-manual=\"teaser-url\" data-tb-link=\"\" aria-labelledby=\"teaser-httpswwwsueddeutschedepolitiklokaljournalismus-muenchen-bayern-li3319856\" class=\"css-14tg8sh\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/e19bdf77-066d-43e8-879e-fcd8772f0f68.jpg\"   alt=\"\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/><\/p>\n<p>80 Jahre Lokaljournalismus<\/p>\n<p>:Welt und Stadt<\/p>\n<p class=\"css-a6ecqs\" data-manual=\"teaser-text\" data-tb-description=\"\" data-schema-org-speakable=\"true\">Die SZ ist \u00fcberall zu Hause, aber je n\u00e4her man M\u00fcnchen kommt, umso gr\u00f6\u00dfer wurde schon immer ihre Anh\u00e4ngerschaft. Doch die Anforderungen an den Lokaljournalismus haben sich stark ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Doch zur\u00fcck zur Leitfrage des Abends: Ger\u00e4t die Pressefreiheit unter Druck? Sie funktioniere nur mit Presseverantwortung, sagt Krach. \u201eWir m\u00fcssen Verantwortung \u00fcbernehmen f\u00fcr das, was geschrieben wird, und es auch verteidigen k\u00f6nnen.\u201c Direkte Versuche der politischen Einflussnahme seien in Deutschland noch selten. Die eigentliche Bedrohung leite sich aus den \u00f6konomischen Rahmenbedingungen ab: Das Anzeigengesch\u00e4ft schrumpft seit Jahren, viele Medien k\u00e4mpfen ums \u00dcberleben. Nicht so bei der SZ: Die Zeitung finanziere sich inzwischen zu 80 Prozent aus Verk\u00e4ufen von Abos und Einzelausgaben.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Mit Blick auf die Lokalzeitungen steht f\u00fcr Balle hingegen fest, dass auch in schwierigen Zeiten Substanz bewahrt werden m\u00fcsse. Gesch\u00e4ftsstellen d\u00fcrfe man nicht schlie\u00dfen. Im Gegenteil: Sein Verlag besch\u00e4ftige so viele Mitarbeitende wie noch nie. Man m\u00fcsse akzeptieren, dass die Zeiten herausfordernd sind, doch gerade dann m\u00fcsse man besser werden. Denn das Beispiel der USA zeige: Wo Lokalzeitungen verschwinden, leide die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Demokratie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Demokratie<\/a>.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Gegen Ende meldet sich ein Mann aus dem Publikum. Er habe sich gef\u00fchlt \u201ewie im Feuilleton-Teil der SZ\u201c. Die Runde lacht. Vielleicht, weil es die Veranstaltung so passend beschreibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es steht nicht gut um die Pressefreiheit. 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