{"id":618442,"date":"2025-12-02T17:24:15","date_gmt":"2025-12-02T17:24:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/618442\/"},"modified":"2025-12-02T17:24:15","modified_gmt":"2025-12-02T17:24:15","slug":"georgien-ist-kein-sicherer-herkunftsstaat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/618442\/","title":{"rendered":"Georgien ist kein sicherer Herkunftsstaat"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t\t\t<strong><\/p>\n<p>Wie zuvor das VG Berlin h\u00e4lt auch das VG Karlsruhe die Einstufung Georgiens als sicheren Herkunftsstaat f\u00fcr nicht mit EU-Recht vereinbar. Das Gericht wendete die Regelung daher nicht an. Ab Sommer 2026 gilt eine andere Rechtslage.<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Georgien ist kein sicheres Herkunftsland. Das hat das <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/gerichte\/aktuelle-urteile-und-adresse\/verwaltungsgericht-karlsruhe\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verwaltungsgericht (VG) Karlsruhe<\/a> entscheiden (Urt. v. 14.11.2025, Az. 18 K 4125\/25 u. 18 K 4074\/25). Die zugrundeliegenden Klagen blieben zwar ohne Erfolg, doch die Regelung im Asylgesetz wollte das Gericht nicht anwenden, die Einstufung als sicher sei europarechtswidrig.<\/p>\n<p>Die beiden georgischen Staatsangeh\u00f6rigen waren im Jahr 2022 nach Deutschland eingereist. Ende 2023 stufte Deutschland die ehemalige Sowjetrepublik Georgien als sicheren Herkunftsstaat ein. Mit so einer Einstufung kann das Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge (BAMF) davon ausgehen, dass in Georgien keine systematische Verfolgung oder unmenschliche Behandlung stattfindet. Asylantr\u00e4ge von Menschen aus Georgien k\u00f6nnen dann bereits als &#8222;offensichtlich unbegr\u00fcndet&#8220; abgelehnt werden.<\/p>\n<p>So geschah es auch bei diesen Beiden. Zudem stellte das BAMF \u2013 wie es in diesen F\u00e4llen dann Standard ist \u2013 fest, dass keine nationalen Abschiebungsverbote vorliegen, drohte mit einer Ausreisefrist von einer Woche die Abschiebung nach Georgien an und verf\u00fcgte je ein Einreise- und Aufenthaltsverbot.<\/p>\n<p>Auf die Eilantr\u00e4ge verl\u00e4ngerte das VG Karlsruhe in einem der F\u00e4lle die Ausreisefrist auf 30 Tage nach unanfechtbarem Abschluss des Asylverfahrens, im anderen blieb es jedoch bei der einen Woche. Im Hauptsacheverfahren blieben beide Personen nun erfolglos, sie bekommen keinen Schutzstatus.<\/p>\n<p>Land muss f\u00fcr alle und \u00fcberall sicher sein<\/p>\n<p>Allerdings betonte das VG, dass Georgien nach der geltenden Rechtslage und der entsprechenden Rechtsprechung des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs (EuGH) nicht als sicherer Herkunftsstaat gelten d\u00fcrfe. Die entsprechende Einordnung im deutschen Asylgesetz h\u00e4lt die Kammer f\u00fcr unvereinbar mit EU-Recht und hat sie daher nicht angewandt.<\/p>\n<p>Das Gericht verwies auf Urteile des EuGH (v. 04.10.2024, Az. C-406\/22 u. <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/nachrichten\/n\/eugh-c75824-anforderungen-an-sichere-herkunftslaender\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">v. 01.08.2025, Az. C-758\/24 u. C-759\/24<\/a>). Danach kann ein Land nur dann als sicher eingestuft werden, wenn der gesamte Staat f\u00fcr alle Personen sicher ist. Dies ist zumindest bis zum 12. Juni 2026 noch geltendes Recht nach der Asylverfahrensrichtlinie.<\/p>\n<p>Im Juni 2026 wird sich das \u00e4ndern. Dann tritt die Reform des Gemeinsamen Europ\u00e4ischen Asylsystems (GEAS) in Kraft, die aus elf Rechtsakten besteht. Damit werden u.a. die <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/hintergruende\/h\/eugh-urteil-herkunftslaender-c758-24-kritik-urteile-gerichte-politik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU-Mitgliedstaaten territoriale oder pers\u00f6nliche Ausnahmen<\/a> f\u00fcr bestimmte Personengruppen vorsehen k\u00f6nnen \u2013 und damit mehr L\u00e4nder als sicher einstufen, auch wenn sie das f\u00fcr bestimmte Personen oder in bestimmten Regionen faktisch nicht sind.<\/p>\n<p>Aber noch ist es nicht so weit. In Georgien seien die abtr\u00fcnnigen Gebiete Abchasien und S\u00fcdossetien, die v\u00f6lkerrechtlich zu Georgien geh\u00f6ren, keine sicheren Regionen. Damit kann das Land nicht als sicherer Herkunftsstaat eingestuft werden. So hatte es vor dem VG Karlsruhe bereits das VG Berlin entschieden (<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/nachrichten\/n\/vg-berlin-31l47324a-georgien-sicherer-herkunftsstaat-abschiebung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Beschl. v. 11.03.2025, Az. VG 31 L 473\/24 A u. VG 31 L 475\/24 A<\/a>).<\/p>\n<p>Die Urteile sind nicht rechtskr\u00e4ftig. Die Beteiligten k\u00f6nnen innerhalb eines Monats nach Zustellung des vollst\u00e4ndigen Urteils die Zulassung der Berufung durch den Verwaltungsgerichtshof Baden-W\u00fcrttemberg beantragen.<\/p>\n<p>tap\/LTO-Redaktion<\/p>\n<p>Zitiervorschlag<\/p>\n<p id=\"citeArticleContent\">\n<p>\t\t\t\t\tVG Karlsruhe zu sicherem Herkunftsstaat:<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t. In: Legal Tribune Online,<br \/>\n\t\t\t\t\t02.12.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t, https:\/\/www.lto.de\/persistent\/a_id\/58766 (abgerufen am:<br \/>\n\t\t\t\t\t02.12.2025<br \/>\n\t\t\t\t\t)\n\t\t\t\t<\/p>\n<p>\t\t\t\tKopieren<br \/>\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/rechtliches\/zitierhinweise\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Infos zum Zitiervorschlag<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wie zuvor das VG Berlin h\u00e4lt auch das VG Karlsruhe die Einstufung Georgiens als sicheren Herkunftsstaat f\u00fcr nicht&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":618443,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1844],"tags":[590,1634,1011,3364,29,30,1014,1015,8903,14,15,1009,1012,1010,1013],"class_list":{"0":"post-618442","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-karlsruhe","8":"tag-aktuell","9":"tag-baden-wuerttemberg","10":"tag-branchennews","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-gesetzgebung","15":"tag-justiz","16":"tag-karlsruhe","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-recht","20":"tag-rechtsinformationen","21":"tag-rechtsnews","22":"tag-rechtsprechung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115651141118242390","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/618442","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=618442"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/618442\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/618443"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=618442"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=618442"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=618442"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}