{"id":618983,"date":"2025-12-02T22:33:25","date_gmt":"2025-12-02T22:33:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/618983\/"},"modified":"2025-12-02T22:33:25","modified_gmt":"2025-12-02T22:33:25","slug":"mietvertragskuendigung-theater-ost-in-berlin-adlershof-will-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/618983\/","title":{"rendered":"Mietvertragsk\u00fcndigung \u2013 Theater Ost in Berlin-Adlershof will bleiben"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img314971\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/314971.jpeg\" alt=\"1952 als Fernsehtheater erbaut, ist das einstige \u00bbStudio\u20055\u00ab inzwischen sehr marode.\"\/><\/p>\n<p>1952 als Fernsehtheater erbaut, ist das einstige \u00bbStudio\u20055\u00ab inzwischen sehr marode.<\/p>\n<p>Foto: imago\/Funke Foto Services<\/p>\n<p>In Adlershof spielt sich aktuell die deutsche Wiedervereinigung von Neuem ab. Zumindest, wenn man den Worten <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1152269.initiative-kultur-ins-grundgesetz-elementarer-als-arithmetik.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kathrin Sch\u00fcleins<\/a> folgt. Sch\u00fclein ist Leiterin des Theaters Ost, eines seit 2015 bestehenden Kulturortes in Treptow-K\u00f6penick. Das Besondere: Das Theater befindet sich in den historischen R\u00e4umlichkeiten eines ehemaligen Fernsehstudios der <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195317.geschichte-gespaltene-ddr-erinnerung.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">DDR<\/a>. Von hier wurde bis 1991 w\u00f6chentlich die \u00bbAktuelle Kamera\u00ab ausgestrahlt. Das Theater m\u00f6chte an diese Vergangenheit ankn\u00fcpfen, doch steht sein Verbleib aktuell auf der Kippe: Der Inhaber hat den Mietvertrag gek\u00fcndigt und droht nun mit der R\u00e4umung.<\/p>\n<p>F\u00fcr Sch\u00fclein ist klar: Hier geht es auch um Ost und West. \u00bbStefan Klinkenberg weist nur unternehmerische Absichten auf, und wir k\u00e4mpfen um ein St\u00fcck Geschichte\u00ab, sagt sie zu \u00bbnd\u00ab. Nicht nur waren manche der 36\u2005Ehrenamtlichen des Theaters Ost fr\u00fcher bereits im Fernsehstudio t\u00e4tig. Auch im <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1164141.anna-seghers-das-verlockende-an-der-sache-ist-nicht-adlershof.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Programm<\/a> spiegelt sich das DDR-Erbe wider: Darin finden sich Inszenierungen russischer Autor*innen oder Filmvorf\u00fchrungen wie \u00fcber den DDR-Profischwimmer Axel Mitbauer, der 1969 \u00fcber die Ostsee die Flucht antrat.<\/p>\n<p>2020 ging das Geb\u00e4ude an der Moritz-Seeler-Stra\u00dfe \u00fcber einen Erbbaupachtvertrag an Klinkenberg. Zwar stammt der Architekt und Projektentwickler geb\u00fcrtig aus K\u00f6ln und damit aus dem Westen, doch will das Stereotyp eines profitversessenen Wessis nicht so ganz zu ihm passen. Er sieht sich als \u00bbSozialunternehmer\u00ab, der unter Beteiligung von B\u00fcrger*innen Projekte umsetzt, etwa das <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1025940.umbauarbeiten-an-rathaus-friedrichshagen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rathaus Friedrichshagen<\/a> oder die <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/148058.der-krise-gemeinsam-trotzen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Brauerei K\u00f6nigstadt<\/a> in Prenzlauer Berg.<\/p>\n<p>Grundst\u00fcckseigent\u00fcmer des ehemaligen \u00bbStudios\u20055\u00ab, in dem das Theater Ost seinen Sitz hat, ist seit der Wende das Land Berlin. In dem Erbpachtvertrag verpflichtet sich Klinkenberg zu einer Sanierung der bauf\u00e4lligen Immobilie. Zudem soll das Theater Ost nach der Instandsetzung ein Vorrecht auf die Weiternutzung bekommen. Sch\u00fclein war zun\u00e4chst begeistert: \u00bbWir dachten, wir seien gerettet. Ein kulturaffiner Investor, der sogar Architekt ist!\u00ab<\/p>\n<p>Von der urspr\u00fcnglichen Begeisterung ist inzwischen nichts mehr geblieben \u2013 die Fronten sind verh\u00e4rtet. W\u00e4hrend Sch\u00fclein Klinkenberg nicht mehr als Vermieter haben m\u00f6chte, w\u00e4re er sie und ihr Theater inzwischen auch gerne los. Streitpunkt sind vor allem die hohen Betriebskosten, die anstehende Sanierung sowie ein von Klinkenberg geplanter Neubau hinter dem Geb\u00e4ude.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>&#13;<\/p>\n<p>\u00bbWir w\u00fcnschen uns vom Land, dass es das Haus in unsere H\u00e4nde gibt.\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nKathrin Sch\u00fclein\u2003Leiterin Theater Ost<\/p><\/blockquote>\n<p>Als Klinkenberg das \u00bbStudio\u20055\u00ab \u00fcbernahm, nutzte das Theater Ost lediglich den vorderen Teil des Geb\u00e4udes. Im Zuge der Corona-Pandemie erlaubte das Land dem Theater, zus\u00e4tzlich den gro\u00dfen Saal zu nutzen. Als 2022 die Energiekosten in die H\u00f6he schossen, waren pl\u00f6tzlich Zehntausende Euro an Heizkosten offen. Sch\u00fclein sammelte Spenden, um den Betrag zu decken.<\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch mit \u00bbnd\u00ab sagt Klinkenberg, dass die Rechnung f\u00fcr ihn trotzdem nicht aufgehe. Er will, dass sich Sch\u00fclein st\u00e4rker finanziell beteiligt. Sie wiederum sieht ihn als mitverantwortlich f\u00fcr die hohen Kosten, da er sich kostensenkenden Bauma\u00dfnahmen verweigere. Ohnehin k\u00fcmmere er sich nicht um das Objekt: \u00bbDas Haus ist sehr marode. Es m\u00fcssen st\u00e4ndig Reparaturen am Dach, an der Heizung und so weiter vorgenommen werden\u00ab, beschwert sich Sch\u00fclein.<\/p>\n<p>Klinkenberg gibt derweil an, das Geb\u00e4ude vollst\u00e4ndig sanieren zu wollen. Tats\u00e4chlich l\u00e4uft ihm langsam die Zeit davon. Laut Erbpachtvertrag m\u00fcssen die Bauarbeiten bis Februar 2028 abgeschlossen sein \u2013 ein ehrgeiziger Plan. \u00bbEigentlich m\u00fcsste ich \u00fcbermorgen mit der Sanierung beginnen\u00ab, sagt Klinkenberg. Einen laufenden Theaterbetrieb h\u00e4lt er aufgrund von Auflagen und des Umfangs der Ma\u00dfnahmen f\u00fcr nicht mit der Sanierung vereinbar. Sch\u00fclein ist anderer Meinung.<\/p>\n<p>Um eine Finanzierung f\u00fcr die Sanierung aufzutreiben, ist nach Aussage von Klinkenberg zudem ein Neubau hinter dem Theater notwendig. Nur dieser k\u00f6nne langfristig die Wirtschaftlichkeit des Komplexes garantieren. Klinkenberg w\u00fcrde gerne eine Obdachlosenunterkunft errichten, womit er bereits Erfahrung gesammelt hat. F\u00fcr Sch\u00fclein ist dies keine geeignete Perspektive.<\/p>\n<p>Als zuletzt die Nutzungsgenehmigung der Bauaufsicht f\u00fcr das Geb\u00e4ude auslief, kam es zum Bruch zwischen den Parteien. Beide schieben sich gegenseitig die Schuld daf\u00fcr zu. Klinkenberg k\u00fcndigte zum Januar 2025 fristlos das Mietverh\u00e4ltnis und leitete eine R\u00e4umungsklage ein. Sch\u00fcleins Anwalt erhob Widerspruch, das Urteil steht noch aus. Derweil l\u00e4uft der Theaterbetrieb weiter \u2013 laut Klinkenberg keine tragbare Situation: \u00bbIch halte das f\u00fcr einen Hochrisikofall\u00ab, auch aufgrund ungen\u00fcgender Umsetzung des Brandschutzes.<\/p>\n<p>nd.DieWoche \u2013 unser w\u00f6chentlicher Newsletter<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/314972.jpeg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"170\"\/><\/p>\n<p>Mit unserem w\u00f6chentlichen Newsletter <strong>nd.DieWoche<\/strong> schauen Sie auf die wichtigsten Themen der Woche und lesen die <strong>Highlights<\/strong> unserer Samstagsausgabe bereits am Freitag. <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/newsletter\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hier das kostenlose Abo holen<\/a>.<\/p>\n<p>Sch\u00fclein fordert vom Land Berlin, dass es den Erbpachtvertrag mit Klinkenberg r\u00fcckabwickelt. \u00bbWir w\u00fcnschen uns vom Land, dass es das Haus in unsere H\u00e4nde gibt und uns finanziell bei der Sanierung begleitet.\u00ab Neue Hoffnung sch\u00f6pft sie aus einer Kooperation mit der \u00bbBerliner Zeitung\u00ab. Anfang November hatte deren Verleger Holger Friedrich auf einer Konferenz zur Rettung des Theaters Ost seine Unterst\u00fctzung zugesagt. Sch\u00fclein sieht das Theater Ost als zuk\u00fcnftiges Medienzentrum der Zeitung und tr\u00e4umt davon, die Fernsehtradition des Geb\u00e4udes wieder aufleben zu lassen.<\/p>\n<p>Geht es nach ihr, sollte der historische Ort daf\u00fcr genutzt werden, von der DDR und Ostdeutschland nach der Wende zu erz\u00e4hlen. \u00bbDie Geschichte verschwindet, es bleibt nur noch der Mauerfall\u00ab, sagt sie. Ihr zufolge setzt der aktuelle Konflikt das Unrecht der <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195304.einheitsgedenken-jahre-mauerfall-ein-denknach-in-berlin-pankow.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wiedervereinigung<\/a> fort: \u00bbDas ist ein Geb\u00e4ude, das die DDR-B\u00fcrger gebaut haben, es war <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1195882.ostmoderne-sez-abriss-in-berlin-das-ringen-geht-weiter.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Volkseigentum<\/a>. Nach der Wende ist es an das Land Berlin gegangen. Jetzt m\u00fcssen wir uns als geborene DDR-B\u00fcrger daf\u00fcr rechtfertigen, darin unser Kulturerbe sch\u00fctzen zu wollen.\u00ab<\/p>\n<p>Klinkenberg wiederum sieht das Problem bei Sch\u00fclein: Ihr fehle es an einem tragf\u00e4higen Konzept f\u00fcr den nachhaltigen wirtschaftlichen Betrieb des Theaters. Er w\u00fcnscht sich eine R\u00fcckkehr an den Verhandlungstisch. Solange Sch\u00fclein ihn quasi als als Wiederg\u00e4nger der Treuhand betrachte, seien Gespr\u00e4che allerdings schwierig. Am 13.\u2005Dezember ist die R\u00e4umungsklage Thema vor Gericht. Das Schicksal der DDR-Fernsehst\u00e4tte bleibt weiterhin offen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"1952 als Fernsehtheater erbaut, ist das einstige \u00bbStudio\u20055\u00ab inzwischen sehr marode. 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