{"id":619537,"date":"2025-12-03T04:20:17","date_gmt":"2025-12-03T04:20:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/619537\/"},"modified":"2025-12-03T04:20:17","modified_gmt":"2025-12-03T04:20:17","slug":"koeln-verlieren-unmoeglich-tiny-bookshop-raeumt-games-preise-ab-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/619537\/","title":{"rendered":"K\u00f6ln | Verlieren unm\u00f6glich: \u00abTiny Bookshop\u00bb r\u00e4umt Games-Preise ab"},"content":{"rendered":"<p>K\u00f6ln (dpa) &#8211; Fast w\u00e4re einer der besten deutschen Computerspiele-Entwickler in die alte analoge Welt abgebogen. Bei einer Neuseeland-Reise 2019 habe er einen alten Mann beobachtet, erinnert sich David Zapfe-Wildemann, Gr\u00fcnder des Gamingstudios Neoludic aus K\u00f6ln. Der habe vor einem Bauwagen gesessen, in dem eine kleine Second-Hand-Buchhandlung untergebracht war. \u00abEr sa\u00df davor, unter einem Sonnenschirm, hat selbst gelesen &#8211; Kunden kamen raus, gaben ihm Geld f\u00fcr ein Buch, er nahm das Geld und las weiter.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>Die Szene habe etwas beeindruckend Entspanntes gehabt. Er habe kurz \u00fcberlegt, umzusatteln und selbst eine Buchhandlung zu er\u00f6ffnen. \u00abEs war wie ein Tagtraum: Ich dachte mir, ich h\u00f6re jetzt auf und mache das jetzt hier &#8211; ich wollte kein Spieleentwickler mehr werden.\u00bb<\/p>\n<p>Der heute 27-J\u00e4hrige ist dann aber doch in der Spielewelt geblieben, er hat sein Games-Studium beendet und im Jahr 2021 mit seinem Studienkollegen Raven Rusch (29) das Independent-Studio Neoludic gegr\u00fcndet. Das Unternehmen hat inzwischen f\u00fcnf Mitarbeiter.\u00a0<\/p>\n<p>Seinen neuseel\u00e4ndischen Tagtraum hat Zapfe-Wildemann zumindest etwas wahr werden lassen und ihn zum Kern seiner Erfolgsgeschichte gemacht: Er nutzte die damalige Buchladen-Szene als Inspiration f\u00fcr ein Computerspiel namens \u00abTiny Bookshop\u00bb (Winziger Buchladen), das sich bei der Verleihung der Deutschen Entwicklerpreise am Dienstagabend in K\u00f6ln in drei Kategorien durchgesetzt hat, und zwar als \u00abBestes deutsches Spiel\u00bb, als \u00abBestes Indie Game\u00bb und f\u00fcr die \u00abBeste Grafik\u00bb. Neoludic war der gro\u00dfe Gewinner des Abends.<\/p>\n<p>Worum es in \u00abTiny Bookshop\u00bb geht<\/p>\n<p>In dem Game steuert der Spieler einen Buchh\u00e4ndler einer K\u00fcstenstadt, der seinen Kunden B\u00fccher empfiehlt und ihnen bei der Erf\u00fcllung ihrer Ziele hilft. Er interagiert mit Bewohnern der Stadt, etwa indem er in einen Yoga-Club eintritt. Einem Stammkunden &#8211; Klaus, dem Rocker &#8211; verhilft der Protagonist durch Werbung und warme Worte zu seinem ersten Heavy-Metal-Konzert.\u00a0<\/p>\n<p>Touristen, die von ihrem Kreuzfahrtschiff in Scharen an Land kommen, lassen zun\u00e4chst die Kasse des Buchladens klingeln, irgendwann gehen sie den Einheimischen aber auf den Wecker &#8211; und so kann der Protagonist zu einem Trick greifen, um sie zu vertreiben. Oder er \u00fcbt sich in Geduld und die Touristen gehen irgendwann von selbst weg.<\/p>\n<p>\u00abTiny Bookshop\u00bb ist ein \u00abCozy Game\u00bb (gem\u00fctliches Spiel), bei dem es nicht ums Gewinnen geht, der Protagonist kann nicht verlieren. Seine Entscheidungen ver\u00e4ndern die Handlung, ohne dass sie richtig oder falsch sind. Der Protagonist sammelt Briefmarken und Polaroid-Fotos, neben den titelgebenden B\u00fcchern sind dies weitere Bestandteile einer analogen Welt. \u00abDas Game ist eine Flucht in eine utopische Welt, ganz ohne soziale Medien\u00bb, sagt Rusch. Zapfe-Wildemann sieht das Game als Hymne auf einen entschleunigten, selbstbestimmten Lebensstil in einer post-kapitalistischen Welt.<\/p>\n<p>Bei der Verleihung der Deutschen Entwicklerpreise fand Felix Falk vom Branchenverband Game als Laudator lobende Worte: \u00abMit Herz, Handwerk und einem unverwechselbaren Stil l\u00e4sst das Gewinnerspiel Kreativit\u00e4t, W\u00e4rme und Gemeinschaft miteinander verschmelzen.\u00bb<\/p>\n<p>\u00abTiny Bookshop\u00bb kam im August auf den Markt, seither wurde es nach Angaben seiner Entwickler bereits mehr als 500.000 Mal verkauft &#8211; eine beachtlich hohe Zahl f\u00fcr ein Spiel eines Independent Studios. Ihre Erwartungen sehen die Gr\u00fcnder deutlich \u00fcbertroffen.<\/p>\n<p>Jagd auf Nazis bekommt zwei Auszeichnungen<\/p>\n<p>\u00abTiny Bookshop\u00bb setzte sich gleich mehrfach gegen das Spiel \u00abThe Darkest Files\u00bb von Paintbucket Games durch, die Berliner wurden daf\u00fcr aber in zwei anderen Kategorien ausgezeichnet (\u00abBestes Gamesdesign\u00bb und \u00abBestes Game Beyond Entertainment\u00bb). In diesem Spiel geht es um eine Staatsanw\u00e4ltin, die im Nachkriegsdeutschland Altnazis jagt und unges\u00fchnte Verbrechen ahnden will. Das Berliner Entwicklerstudio Toukana Interactive wurde zum \u00abStudio des Jahres\u00bb gek\u00fcrt &#8211; es hatte die Spieleszene vor einigen Jahren mit \u00abDorfromantik\u00bb aufgemischt, einem relaxten Aufbauspiel mit Nostalgie-Flair.<\/p>\n<p>Sorgenfalten in der Branche gl\u00e4tten sich<\/p>\n<p>Deutschlands Computerspiele-Branche hat turbulente Jahre hinter sich. In der Coronazeit ging die Nachfrage nach Games durch die Decke &#8211; die Menschen waren viel zu Hause und es wurde viel gezockt. Nach dieser Hochphase allerdings gab es eine Bauchlandung, was an einem Auf und Ab der F\u00f6rderpolitik des Bundes lag und an einer wachsenden Zur\u00fcckhaltung von Investoren. Eine Reihe von Studios gab auf und machte dicht.\u00a0<\/p>\n<p>Inzwischen hat sich die Lage verbessert, wie eine Branchenumfrage des Verbands Game ergab: 29 Prozent der befragten Firmen blicken sehr oder eher positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Branche, das sind mehr als doppelt so viele wie vor zwei Jahren (12 Prozent). Die Bundesregierung hat den F\u00f6rdertopf in Zeiten knapper Staatskassen erheblich vergr\u00f6\u00dfert, n\u00e4chstes Jahr sollen 125 Millionen Euro flie\u00dfen. Die passionierte Gamerin Dorothee B\u00e4r (CSU) hat die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr Games in ihr Bundesforschungsministerium geholt.<\/p>\n<p>Nachdem das Wehklagen der Branche \u00fcber zu wenig Bundesmittel jahrelang laut war, k\u00f6nnte es k\u00fcnftig zu der merkw\u00fcrdigen Situation kommen, dass im F\u00f6rdertopf mehr Geld ist als gebraucht wird. \u00abDie gr\u00f6\u00dfte Sorge ist, dass das Geld jetzt nicht abflie\u00dft\u00bb, sagte Computerspiele-Lobbyist Falk bei der Entwicklerpreis-Show und appellierte an die 500 G\u00e4ste: \u00abSchreibt flei\u00dfig Antr\u00e4ge und macht fantastische Spiele, damit wir gemeinsam vorankommen.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"K\u00f6ln (dpa) &#8211; Fast w\u00e4re einer der besten deutschen Computerspiele-Entwickler in die alte analoge Welt abgebogen. 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