{"id":619752,"date":"2025-12-03T06:28:12","date_gmt":"2025-12-03T06:28:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/619752\/"},"modified":"2025-12-03T06:28:12","modified_gmt":"2025-12-03T06:28:12","slug":"tarifrunde-der-laender-startet-drohen-jetzt-winterstreiks","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/619752\/","title":{"rendered":"Tarifrunde der L\u00e4nder startet: Drohen jetzt Winterstreiks?"},"content":{"rendered":"<p>Wer ist betroffen \u2013 um wie viele Besch\u00e4ftigte geht es?<\/p>\n<p>Verhandelt wird f\u00fcr insgesamt rund 2,2 Millionen Menschen. Direkt betroffen sind nach Angaben der Gewerkschaft Verdi mehr als 900.000 Tarifbesch\u00e4ftigte im \u00f6ffentlichen Dienst der L\u00e4nder \u2013 mit Ausnahme von Hessen, das separat verhandelt. Dazu kommen noch rund 1,3 Millionen Beamtinnen und Beamte, auf die das Tarifergebnis sp\u00e4ter \u00fcbertragen werden soll.<\/p>\n<p>Es geht also um einen gro\u00dfen Teil der sogenannten \u201estaatlichen Daseinsvorsorge\u201c: Lehrkr\u00e4fte an Schulen, Besch\u00e4ftigte an Hochschulen, \u00c4rztinnen, \u00c4rzte, Pflegekr\u00e4fte an Unikliniken, Justiz, Strafvollzug, Stra\u00dfenbauverwaltungen \u2013 und in Berlin auch die Kitas. Kurz gesagt: Viele Bereiche, die das t\u00e4gliche Leben direkt betreffen.<\/p>\n<p>Das fordern die Gewerkschaften<\/p>\n<p>Die Gewerkschaften gehen mit einer klaren und hohen Forderung in die Verhandlungen: Sieben Prozent mehr Geld, mindestens aber 300 Euro zus\u00e4tzlich im Monat. Damit sollen vor allem die unteren Lohngruppen sp\u00fcrbar entlastet werden. Nachwuchskr\u00e4fte sollen 200 Euro mehr pro Monat bekommen \u2013 zus\u00e4tzlich zur Aussicht auf eine unbefristete \u00dcbernahme.<\/p>\n<p>Auch bei den Zuschl\u00e4gen soll nachgebessert werden: Alle Zeitzuschl\u00e4ge sollen um 20 Prozentpunkte steigen. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll zw\u00f6lf Monate betragen. Verdi-Chef Frank Werneke begr\u00fcndet die Forderungen mit dem massiven Personalmangel im \u00f6ffentlichen Dienst: In Unikliniken, in der Justiz, im Stra\u00dfenbau und in vielen b\u00fcrgernahen Dienstleistungen fehlten schon jetzt Mitarbeitende. Ohne bessere Bezahlung werde es immer schwerer, neue Kr\u00e4fte zu gewinnen.<\/p>\n<p>Die Sicht der L\u00e4nder: \u201eDas ist nicht leistbar\u201c<\/p>\n<p>Die Arbeitgeberseite h\u00e4lt dagegen \u2013 und das sehr deutlich. Der Hamburger Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), Verhandlungsf\u00fchrer der Tarifgemeinschaft deutscher L\u00e4nder, erkl\u00e4rt: \u201eDas ist zu viel, das ist nicht leistbar.\u201c Seine Einsch\u00e4tzung, es handele sich um \u201eastronomische Forderungen\u201c, hat bereits vor Beginn der Gespr\u00e4che f\u00fcr scharfe Kritik der Gewerkschaften gesorgt.<\/p>\n<p>Dressel verweist darauf, dass die Geh\u00e4lter seit 2013 bereits deutlich gestiegen seien: Im Durchschnitt um rund 42 Prozent, in unteren Lohngruppen sogar um bis zu 59 Prozent. Die Verbraucherpreise seien im selben Zeitraum \u201enur\u201c um etwa 33,6 Prozent gestiegen. Zugleich warnt er vor der angespannten Finanzlage der L\u00e4nder. Vor allem die Sozialausgaben w\u00fcchsen dramatisch, w\u00e4hrend die Einnahmen nur langsam zulegten. Besonders kritisch sehen die L\u00e4nder auch die Forderung nach einem zus\u00e4tzlichen freien Tag nur f\u00fcr Gewerkschaftsmitglieder \u2013 das diene aus ihrer Sicht eher der Mitgliederwerbung als der Tarifstruktur.<\/p>\n<p>Was bedeutet das f\u00fcr B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger?<\/p>\n<p>F\u00fcr die Bev\u00f6lkerung k\u00f6nnten die Tarifverhandlungen sehr schnell sp\u00fcrbar werden. Die Zeichen stehen klar auf Warnstreiks und Protestaktionen. Verdi-Vizechefin Christine Behle sagt: \u201eDie Mobilisierungsf\u00e4higkeit ist gut.\u201c<\/p>\n<p>Zwar d\u00fcrften etwa 60 Prozent der Betroffenen \u2013 vor allem Beamtinnen und Beamte \u2013 nicht streiken, doch gerade in besonders sensiblen Bereichen sei die Streikbereitschaft hoch: Unikliniken, Universit\u00e4ten, Stra\u00dfenbauverwaltungen \u2013 und auch der Winterdienst. Verdi-Chef Werneke k\u00fcndigte bereits an, wo Warnstreiks notwendig seien, werde man zu breiter Beteiligung aufrufen. Betroffen sein k\u00f6nnten demnach unter anderem angestellte Lehrkr\u00e4fte, Polizeiangestellte, Klinikpersonal oder R\u00e4umdienste bei Schnee und Gl\u00e4tte.<\/p>\n<p>M\u00f6glicherweise steht ein harter Winter bevor<\/p>\n<p>Schon jetzt ist klar: Diese Tarifrunde wird konfliktreich. Die Forderungen der Gewerkschaften sind hoch, die Kassen der L\u00e4nder angespannt \u2013 und die Geduld vieler Besch\u00e4ftigter offenbar am Ende. Kommt es zu keiner schnellen Einigung, d\u00fcrfte der Winter auch tarifpolitisch frostig werden \u2013 mit sp\u00fcrbaren Einschr\u00e4nkungen f\u00fcr uns alle. Ob es am Ende einen Durchbruch gibt oder ein langer Tarifkonflikt droht, werden die kommenden Wochen zeigen.<\/p>\n<p>Autor: Jos\u00e9 Narciandi<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer ist betroffen \u2013 um wie viele Besch\u00e4ftigte geht es? Verhandelt wird f\u00fcr insgesamt rund 2,2 Millionen Menschen.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":619753,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1843],"tags":[3364,29,30,8970,1209,8],"class_list":{"0":"post-619752","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenster","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-muenster","12":"tag-nordrhein-westfalen","13":"tag-top-meldungen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115654223825624023","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/619752","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=619752"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/619752\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/619753"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=619752"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=619752"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=619752"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}