{"id":620032,"date":"2025-12-03T09:26:46","date_gmt":"2025-12-03T09:26:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/620032\/"},"modified":"2025-12-03T09:26:46","modified_gmt":"2025-12-03T09:26:46","slug":"warum-mechthild-grossmann-den-muenster-tatort-verlaesst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/620032\/","title":{"rendered":"Warum Mechthild Gro\u00dfmann den M\u00fcnster-Tatort verl\u00e4sst"},"content":{"rendered":"<p class=\"expressive-copy-lg-body\">F\u00fcnf ausverkaufte Kinos\u00e4le, rund 1500 Zuschauer, Standing Ovations, Gespr\u00e4che, Gratulationen. \u201eElf Stunden am St\u00fcck ging das so\u201c, hat Mechthild Gro\u00dfmann zusammengerechnet. Anstrengend in ihrem Alter sei das gewesen. Wer will ihr da verdenken, dass sie zu Hause sofort aufs Sofa gefallen ist? Viel zu viel Aufhebens um ihre Person sei das gewesen, findet sie. Man feiere sie f\u00fcr die Ank\u00fcndigung, dass sie aufh\u00f6re, sagt sie in leicht ironischem Ton: \u201eDas finde ich irgendwie verd\u00e4chtig.\u201c <\/p>\n<p>Aus einer kleinen Rolle etwas Gro\u00dfes gemacht<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Am 7. Dezember verl\u00e4sst sie den M\u00fcnster-\u201eTatort\u201c: aber die Aufregung um ihren Ausstieg kann sie nicht nachvollziehen. Sie hat die Staatsanw\u00e4ltin \u201eimmer gerne gespielt\u201c. Und es sei auch ein wenig traurig, sich von den Kollegen verabschieden zu m\u00fcssen. \u201eSie habe ich alle liebgewonnen, nie mit einem Streit gehabt.\u201c Allerdings habe man sich manchmal kaum gesehen bei den Dreharbeiten. \u201eIch war immer nur ein paar Tage dabei. Es war ja eine kleine Rolle\u201c, sagt Gro\u00dfmann. Wobei sie das Wort \u201eNebenrolle\u201c nicht mag. \u201eSupporting Role\u201c, wie es auf Englisch hei\u00dft, gef\u00e4llt ihr besser. \u201eEine unterst\u00fctzende Rolle, das beschreibt es doch viel pr\u00e4ziser!\u201c<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/410604990_1764686649_v16_9_1200.jpeg\" class=\"block w-full object-cover relative z-10 aspect-[16\/9] md:aspect-[16\/9] lg:aspect-[16\/9] \" alt=\"Tatort M\u00fcnster\" title=\"Ein Foto aus alten Zeiten: Das Tatort-Team M\u00fcnster im Jahr 2011.  Claus D. Clausnitzer (Kommissar Thiels Vater Herbert), Mechthild Gro\u00dfmann (Staatsanw\u00e4ltin Klemm), Axel Prahl (Kommissar Frank Thiel), Friederike Kempter, (Assistentin Nadeshda Krusenstern) und Jan Josef Liefers, (Prof. Karl-Friedrich Boerne)\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      Ein Foto aus alten Zeiten: Das Tatort-Team M\u00fcnster im Jahr 2011.  Claus D. Clausnitzer (Kommissar Thiels Vater Herbert), Mechthild Gro\u00dfmann (Staatsanw\u00e4ltin Klemm), Axel Prahl (Kommissar Frank Thiel), Friederike Kempter, (Assistentin Nadeshda Krusenstern) und Jan Josef Liefers, (Prof. Karl-Friedrich Boerne)<br \/>\n      \u00a9 picture alliance \/ dpa | Bernd Thissen\n    <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Sie hat sich an die Vorgaben der Drehb\u00fccher gehalten und trotzdem aus dieser kleinen Rolle etwas Gro\u00dfes gemacht. Heimlich paffend hinter dem Schreibtisch, immer mit scharfer Zunge, ganz eigenem Humor und dieser unverkennbaren, rauchigen Stimme. Die sie \u00fcbrigens schon immer hatte. Ob sie privat auch raucht, ist eine Frage, die man ihr deshalb nicht mehr stellt. Weil man wei\u00df, dass sie sie nicht beantwortet. \u201eWenn ich eine M\u00f6rderin spiele, fragt mich ja auch keiner, ob ich privat auch gerne morde\u201c, sagt sie nur und stellt noch einmal freundlich klar: \u201eIch bin nicht Frau Klemm!\u201c <\/p>\n<p>  Mechthild Gro\u00dfmann: Nie gedacht, die Rolle so lange zu spielen<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Sie hat auch gar nicht damit gerechnet, diese Figur, die sie nun freiwillig aufgibt, so lange zu spielen. 2002 flattert ihr das Angebot zur ersten Folge \u201eDer dunkle Fleck\u201c ins Haus. \u201eF\u00fcr einen ,Tatort\u2018 sehr witzig\u201c, hat sie gedacht und ist davon ausgegangen, dass sie eine \u201eVier-Tages-Rolle beim WDR\u201c angenommen hat. Am Ende ist es ein 23-Jahres-Engagement geworden. <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Denn der \u201eTatort\u201c aus ihrer Heimatstadt M\u00fcnster wird zum beliebtesten zwischen Alpen und Nordsee. Bis zu 15 Millionen Zuschauer sind dabei, wenn sie am Ende einer Episode sagt: \u201eGute Arbeit, Thiel.\u201c Das bleibt nicht ohne Folgen. Sp\u00e4testens seit jedes Handy eine brauchbare Kamera hat, kann Gro\u00dfmann nach einer Sendung nicht in die \u00d6ffentlichkeit gehen, ohne dass jemand fragt: \u201eK\u00f6nnen wir mal ein Selfie zusammen machen?\u201c<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Das k\u00f6nnen die meisten, die fragen. Selbst wenn sie Gro\u00dfmann mit Frau Klemm anreden. \u201eDas st\u00f6rt mich nicht.\u201c Bei Ber\u00fchrungen aber h\u00f6rt das Verst\u00e4ndnis auf. Wenn wildfremde Leute ihr die Wange t\u00e4tscheln und sagen \u201eNa, Frau Staatsanw\u00e4ltin&#8230;\u201c,\u00a0dann hat Gro\u00dfmann daf\u00fcr nur ein Wort: \u201e\u00dcbergriffig!\u201c \u201eHabe ich alles erlebt\u201c, erz\u00e4hlt sie. \u201eMehrfach.\u201c<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/410603888_1764684985_v16_9_1200.jpeg\" class=\"block w-full object-cover relative z-10 aspect-[16\/9] md:aspect-[16\/9] lg:aspect-[16\/9] \" alt=\"Vor \u201eechten Menschen\u201c tritt Mechthild Gro\u00dfmann am liebsten auf\" title=\"Vor \u201eechten Menschen\u201c tritt Mechthild Gro\u00dfmann am liebsten auf\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      Vor \u201eechten Menschen\u201c tritt Mechthild Gro\u00dfmann am liebsten auf<br \/>\n      \u00a9 FUNKE Foto Services | J\u00f6rg Schimmel\n    <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Ganz verstanden hat sie die durch den \u201eTatort\u201c erworbene Popularit\u00e4t ohnehin nie. Weil sie ihrer Meinung nach gar nicht im Verh\u00e4ltnis steht zum Rest ihrer \u00fcber 56-j\u00e4hrigen Karriere. Vielleicht\u00a00,5 Prozent davon sei sie in der Rolle der Staatsanw\u00e4ltin zu sehen gewesen, habe \u00fcberhaupt vielleicht f\u00fcnf Prozent der Zeit vor einer Kamera gestanden \u2013 Fassbinders \u201eBerlin Alexanderplatz\u201c\u00a0inklusive. \u201eIch habe \u00fcberwiegend vor lebendigen Menschen gespielt. Oder gelesen. Das ist mir viel st\u00e4rker in Erinnerung geblieben.\u201c<\/p>\n<p>  Engagements an vielen gro\u00dfen B\u00fchnen des Landes<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Bremen, Stuttgart, Bochum, Kassel, Frankfurt\u00a0\u2013 in vielen gro\u00dfen deutschen Schauspielh\u00e4usern und Theatern hat sie gearbeitet. Im Schauspiel Frankfurt gibt sie den \u201eGerichtsdiener Frosch\u201c in Johann Strauss\u2018 Operette \u201eDie Fledermaus\u201c. In Jan Bosses Inszenierung von \u201eRichard III.\u201c am Schauspiel Frankfurt spielt sie die Doppelrolle der K\u00f6nigin Margaret und der Herzogin von York. Und f\u00fcr ihre Martha in Edward Albees Klassiker\u00a0\u201eWer hat Angst vor Virginia Woolf?\u201c\u00a0bekommt sie den Darstellerpreis der Hessischen Theatertage. \u00dcber allem aber steht ein Name: Pina Bausch. <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Mitte der 1970er lernen die beiden Frauen sich in Wuppertal kennen. Es ist der Beginn einer k\u00fcnstlerischen Partnerschaft und Freundschaft, die vier Jahrzehnte bis zum Tod der legend\u00e4ren\u00a0T\u00e4nzerin und Choreografin 2009 andauern wird. Gro\u00dfmann wird die Stimme in einer Welt der Bewegung, wird die einzige fest engagierte Schauspielerin in der Company von Bausch, in der ansonsten nur T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzer aus aller Welt sind. Rund um den Globus ist sie mit ihnen unterwegs. \u201eNew York, Moskau, Paris, Rom, Madrid, Tokio\u201c sind die St\u00e4dte, die Gro\u00dfmann sofort einfallen.<\/p>\n<p>  Zeit mit Pina Bausch war pr\u00e4gend f\u00fcr das Leben<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">\u201eAber das waren keine Vergn\u00fcgungsreisen.\u201c Im Gegenteil:\u00a0\u201eDas war das H\u00e4rteste, was es gab. Wenn ich an Pina Bausch denke, denke ich immer an Arbeit. Und wenn manchmal eine Musik kommt, die in irgendeinem St\u00fcck vorkam, bekomme ich sofort R\u00fcckenschmerzen, weil wir wirklich Tag und Nacht gearbeitet haben.\u201c Missen m\u00f6chte sie dennoch keinen Tag: \u201eDie Zeit mit ihr war sicher die pr\u00e4gendste und f\u00fcr mich auch wichtigste im Leben.\u201c Aber auch sonst zieht sie eine positive Bilanz ihres bisherigen Berufslebens. \u201eIm R\u00fcckblick habe ich gemerkt, wie viel Gl\u00fcck ich gehabt habe, so lange diese Arbeit machen zu d\u00fcrfen.\u201c<\/p>\n<blockquote class=\"not-prose mx-auto my-10 flex flex-col items-center gap-y-4 text-center md:w-[80%]\">\n<p class=\"expressive-copy-xl text-copy-primary\">\u201eIst mir zu nah dran.\u201c  <\/p>\n<p>       Mechthild Gro\u00dfmann,, die einen Tag vor Heiligabend 77 wird, \u00fcber den Vorschlag, aus dem \u201eTatort\u201c abzutreten, indem ihre Staatsanw\u00e4ltin Klemm stirbt\n    <\/p><\/blockquote>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Sie wird ja auch nicht aufh\u00f6ren zu arbeiten, nur weil sie den \u201eTatort\u201c verl\u00e4sst. K\u00fcrzer treten will sie. \u201eIch tue das, was ich immer tue, nur nicht mehr so viel.\u201c Theater in M\u00fcnster (\u201eDas Verm\u00e4chtnis\u201c), H\u00f6rspiele, Lesungen mit Puschkin-Texten sind bereits geplant. Mit l\u00e4ngeren Pausen zwischendurch. Kurz vor Weihnachten wird sie 77 Jahre alt. \u201eMan muss mit seinem Alter gut umgehen.\u201c <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Theoretisch k\u00f6nnte sie sogar gelegentlich mal bei den M\u00fcnsterschen \u201eTatort\u201c-Ermittlern vorbeischauen. Etwas \u00fcberraschend habe man sie vor dem Dreh gefragt, ob ihre Figur im Film sterben soll. \u201eDa habe ich gesagt, k\u00f6nnen wir machen, aber offen gesagt: nicht so gerne\u201c, erz\u00e4hlt Gro\u00dfmann. \u201eIst mir zu nah dran.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"F\u00fcnf ausverkaufte Kinos\u00e4le, rund 1500 Zuschauer, Standing Ovations, Gespr\u00e4che, Gratulationen. \u201eElf Stunden am St\u00fcck ging das so\u201c, hat&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":620033,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1843],"tags":[3364,29,30,8970,1209],"class_list":{"0":"post-620032","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenster","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-muenster","12":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115654924586206207","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/620032","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=620032"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/620032\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/620033"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=620032"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=620032"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=620032"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}