{"id":620500,"date":"2025-12-03T14:18:14","date_gmt":"2025-12-03T14:18:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/620500\/"},"modified":"2025-12-03T14:18:14","modified_gmt":"2025-12-03T14:18:14","slug":"das-staatstheater-nuernberg-zeigt-druck-von-arad-dabiri-die-premierenkritik-bayern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/620500\/","title":{"rendered":"Das Staatstheater N\u00fcrnberg zeigt \u201eDruck\u201c von Arad Dabiri &#8211; die Premierenkritik &#8211; Bayern"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vw426e\">Schauspieldirektorin Lene Gr\u00f6sch und ihr Team haben es sich f\u00fcr ihre erste Spielzeit auf die Fahnen geschrieben, eine enge Verbindung zur Stadt aufzubauen. So wurden bereits die Tiefen und Untiefen des Themas Spielzeug verhandelt. Hier und da in den Inszenierungen auf N\u00fcrnbergs NS-Vergangenheit angespielt. Und jetzt mit \u201eDruck!\u201c von Arad Dabiri ein St\u00fcck auf die B\u00fchne geholt, das nicht besser zur multiethnischen Stadtgesellschaft passen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Das Werk, das im vergangenen Jahr den \u201eAutor:innenpreis\u201c des Heidelberger St\u00fcckemarkts gewann und Anfang 2025 in Mannheim uraufgef\u00fchrt wurde, spielt zwar in Wien, doch seine Themen Identit\u00e4t, Migration und Herkunft besitzen auch in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/N%C3%BCrnberg\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">N\u00fcrnberg<\/a> eine \u00e4hnliche Relevanz. Nach der \u00fcberfl\u00fcssigen Stadtbild-Debatte mehr denn je. Der geb\u00fcrtige Wiener Dabiri, Jahrgang 1997, erz\u00e4hlt darin die Geschichte der Geschwister Hassan und Shirin und ihrer Freunde Omar, Freddie und Murat. Die f\u00fcnf treffen aufeinander, als sie das Urteil gegen Hassans und Shirins Bruder wegen Drogenhandel erwarten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Dieser Bruder ist der Katalysator des gut gebauten St\u00fccks, das in den Kammerspielen, der kleinen Spielst\u00e4tte des Staatstheaters, bestens aufgehoben ist. Selbst nicht anwesend, bringt er die Freunde in wechselnden Konstellationen zum Sprechen \u00fcber ihr Leben und den Druck, dem sie ausgesetzt sind. F\u00fcr sie geh\u00f6rt Diskriminierung von klein auf zum Alltag, sei es ein Blick hier, eine Geste dort. Hassan und Shirin, iranische Eltern, sind in Wien geboren, doch was n\u00fctzt das? \u201eDa steht es, Schwarz auf Wei\u00df: Die Namen \u2013 fremd! Oh, schon wieder Kanaken?\u201c, herrscht der unter dem Broken-Heart-Syndrom leidende Hassan seine Schwester an und f\u00e4hrt, einmal in Rage, fort: \u201eEgal, was du machst. Egal, was ich mache. Wir bleiben immer anders, Schwester. Und bei Anderssein: geht der Alarm so richtig los und alle haben Angst.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ioachim-Wilhelm Zarculea und Valentina Sch\u00fcler sind Hassan und Shirin in der zwischen chorisch laut gesprochenen und intimen Momenten genau austarierten Inszenierung von Tu\u011fsal Mo\u011ful. Wie die drei anderen Darsteller, Dav\u00edd Felipe Gav\u00edria Malag\u00f3n als Omar, Leon Wieferich als Freddie und Kinan Hmeidan als Murat, bringen sie den Erwartungs- und Anpassungsdruck durch ihre K\u00f6rpersprache zum Ausdruck. Allein ihre Blicke erz\u00e4hlen von Angst und Wut, Entschlossenheit und Sehnsucht.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Oft stehen sie frontal zum Publikum, die K\u00f6rper angespannt. Gehen auch mal durch die Reihen. Doch meist sitzen beziehungsweise kauern sie in jener Schie\u00dfscharten \u00e4hnlichen \u00d6ffnung, die B\u00fchnenbildnerin Ariane Salzbrunn in die die ganze B\u00fchnenbreite einnehmende h\u00f6lzerne Mauer eingelassen hat.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/5995f32c-d4a3-4267-9977-996b4f9dfbce.jpg\"   alt=\"Der Spalt wird immer enger. Das Enseble ist verkabelt. Der Herzschlag steigt kontinuierlich. Hier zu sehen: Ioachim-Wilhelm Zarculea, Valentina Sch\u00fcler Ioachim-Wilhelm Zarculea und Valentina Sch\u00fcler.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Der Spalt wird immer enger. Das Enseble ist verkabelt. Der Herzschlag steigt kontinuierlich. Hier zu sehen: Ioachim-Wilhelm Zarculea, Valentina Sch\u00fcler Ioachim-Wilhelm Zarculea und Valentina Sch\u00fcler. (Foto: Ludwig Olah)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Ist der hell erleuchtete Spalt anfangs noch gro\u00df, wird er im Verlauf des Abends immer kleiner. Die Holzquader links und rechts davon bewegen sich zum harten Beat des Songs \u201eDepressionen im Ghetto\u201c von Haftbefehl auf die Mitte zu und nehmen so den Darstellern den Raum zum Agieren, die Luft zum Atmen. Da hilft es auch wenig, dass sie sich mit aller Kraft dagegen stemmen. Der zum eindr\u00fccklichen Sinnbild geronnene Druck ist st\u00e4rker.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Bis er sich in einer Demonstration f\u00fcr den angeklagten Freund entl\u00e4dt, die zerrieben wird zwischen Antifa auf der einen und rechten Gegendemonstranten auf der anderen Seite und Hassan endg\u00fcltig ausrasten l\u00e4sst. Regisseur Tu\u011fsal Mo\u011ful nutzt die Darstellung der Demo, um auf Schildern an die drei einst vom NSU in N\u00fcrnberg ermordeten Opfer Enver \u015eim\u015fek, Abdurrahim \u00d6z\u00fcdo\u011fro und Ismail Ya\u015far zu erinnern.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Arad Dabiris St\u00fcck ist vielschichtig, seine S\u00e4tze sind allerdings direkt und schn\u00f6rkellos. In den streitlustigen Dialogen zwischen Shirin und Hassan kommen diametral entgegengesetzte Ansichten zur Sprache. F\u00fcr die toughe, von Valentina Sch\u00fcler mit gro\u00dfer Entschlossenheit gespielte Shirin, machen die Jungs schlicht zu wenig aus ihrem Leben, \u201eheulen\u201c nur rum. Sie hat ihr BWL-Studium mit Bravour abgeschlossen und verweigert jeden Opferdiskurs: \u201eIch wehr mich gegen Klischees, nichts und niemand definiert mich: Nur ich definier mich!\u201c Dass ihr Bruder nun als Drogendealer auf der Anklagebank sitzt, sei daher f\u00fcr sie keine wie auch immer geartete Systemfrage, sondern schlicht auf dessen Unwillen zur\u00fcckzuf\u00fchren, sich zu integrieren.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Mit \u201eDruck!\u201c ist das Staatstheater am Puls der Zeit. Das ist hier auch w\u00f6rtlich zu nehmen. Denn Tu\u011fsal Mo\u011ful verkabelte das Ensemble mit Ger\u00e4ten zur Messung des Herzschlags. Die Ergebnisse werden konstant eingeblendet: 86, 102, 147. Der Druck auf den Kessel steigt konstant.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Schauspieldirektorin Lene Gr\u00f6sch und ihr Team haben es sich f\u00fcr ihre erste Spielzeit auf die Fahnen geschrieben, eine&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":620501,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1837],"tags":[772,3364,29,8058,30,20530,8059,4156,3783,149,94],"class_list":{"0":"post-620500","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nuernberg","8":"tag-bayern","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-flucht-und-migration","12":"tag-germany","13":"tag-kultur-in-bayern","14":"tag-migrations-und-asylpolitik","15":"tag-mittelfranken","16":"tag-nuernberg","17":"tag-sueddeutsche-zeitung","18":"tag-theater"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115656072806804488","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/620500","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=620500"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/620500\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/620501"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=620500"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=620500"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=620500"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}