{"id":621195,"date":"2025-12-03T21:04:13","date_gmt":"2025-12-03T21:04:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/621195\/"},"modified":"2025-12-03T21:04:13","modified_gmt":"2025-12-03T21:04:13","slug":"hier-wohnen-menschen-fuer-88-cent-miete-im-jahr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/621195\/","title":{"rendered":"Hier wohnen Menschen f\u00fcr 88 Cent Miete im Jahr"},"content":{"rendered":"<p>                                &#8211;                                Vor \u00fcber 500 Jahren gr\u00fcndete der damals wohl reichste Mann der Welt eine Wohnsiedlung f\u00fcr bed\u00fcrftige Menschen in Augsburg. Nach einem halben Jahrtausend zahlen die Bewohner dort weiterhin nur 88 Cent Miete \u2013 im Jahr.<\/p>\n<p>                Der Wohnungsmarkt in Deutschland sorgt regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr Gespr\u00e4che in der Politik, die Suche nach bezahlbarem Wohnraum gestaltet sich immer schwieriger.<\/p>\n<p>Auch die Zahl der Sozialwohnungen sinkt. Ende 2024 soll es bundesweit nur noch rund 1,05 Millionen \u00f6ffentlich gef\u00f6rderte Wohnungen gegeben haben, hei\u00dft es in einem Bericht der Zeit, im Vergleich zu 2023 bedeute das etwa 26.000 Wohnungen weniger.<\/p>\n<p>Umso erstaunlicher klingt die Tatsache, dass es mitten in Bayern noch einen Ort gibt, an dem Menschen dieselbe Miete bezahlen, wie vor 500 Jahren. In der sogenannten Fuggerei in Augsburg zahlen die etwa 150 Einwohner auch heute noch 88 Cent Kaltmiete im Jahr.<\/p>\n<p>Wie leben die Menschen in der Fuggerei? Wie wird die Siedlung finanziert, wenn die Mieten sich seit 500 Jahren nicht ver\u00e4ndert haben? Und k\u00f6nnte dieses Konzept auch au\u00dferhalb der Fuggerei funktionieren?<\/p>\n<p>                                                        Vor \u00fcber 500 Jahren gegr\u00fcndet &#8211; Das steckt hinter der Fuggerei in Augsburg<\/p>\n<p>Vor \u00fcber 500 Jahren, genauer genommen am 23. August 1521, unterschrieb der Kaufmann Jakob Fugger der Reiche die Gr\u00fcndungsurkunde f\u00fcr die Fuggerei.<\/p>\n<p>Er gr\u00fcndete die Reihenhaussiedlung auch im Namen seiner verstorbenen Br\u00fcder Georg und Urlich f\u00fcr bed\u00fcrftige Augsburger. Der j\u00e4hrliche Mietzins betrug damals einen rheinischen Gulden, hei\u00dft es auf der Seite der Stiftung Fugger. Umgerechnet sind das heute 88 Cent. Damit entstand in Augsburg die \u00e4lteste Sozialsiedlung der Welt.<\/p>\n<p>Wie die Stadt Augsburg auf ihrer Webseite schreibt, sei Jakob Fugger zwischen 1495 und 1525 der bedeutendste Kaufherr und Bankier Europas gewesen. Gestorben ist der Stifter der Fuggerei am 30. Dezember 1525, vor fast genau 500 Jahren.<\/p>\n<p>Vier Jahre vor seinem Tod verfasste er eine Erkl\u00e4rung, die bis heute gilt: \u201eIch, Jakob Fugger, B\u00fcrger zu Augsburg, bekenne mit diesem Brief, (\u2026) der armen Leute H\u00e4user am Kappenzipfel als Stiftung zu vollenden und die Nachfahren auf ewig mit der Vollstreckung zu verpflichten.\u201c<\/p>\n<p>Damit habe einen Generationenvertrag besiegelt, schreibt Deutschlandfunk. Bis heute liegt die Fuggerei-Stiftung in H\u00e4nden der Fugger-Familie.<\/p>\n<p>                                                        88 Cent f\u00fcr Miete &#8211; So funktionieren die g\u00fcnstigsten Wohnungen Deutschlands<\/p>\n<p>Die Fuggerei nimmt eine Fl\u00e4che von 15.000 Quadratmetern in der N\u00e4he der Augsburger Innenstadt ein. 67 Reihenh\u00e4user mit je zwei Stockwerken sind hier zu finden. Insgesamt verf\u00fcgen sie \u00fcber 140 Wohnungen, in denen etwa 150 Menschen leben. Dabei finden hier allein lebende Menschen, aber auch Familien einen Platz, hei\u00dft es in dem Lifestyle-Magazin Top Magazin Augsburg. Die Wohnungen seien demnach zwischen 35 und 120 Quadratmeter gro\u00df. Auch eine Kirche, Museen und ein Verwaltungsgeb\u00e4ude sind in dem Areal untergebracht. Umgeben wird es von einer Mauer, die die Einwohner von der naheliegenden Innenstadt trennt.<\/p>\n<p>Dr. Daniel Hobohm, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Fuggerei, erkl\u00e4rt gegen\u00fcber dem Magazin, die Wohnungen in der Siedlung seien begehrt.<\/p>\n<p>Wie auch vor 500 Jahren gibt es aber mehrere Bedingungen, die die potenziellen Bewohner erf\u00fcllen m\u00fcssen. So m\u00fcssten sie schon mehrere Jahre in Augsburg leben, bed\u00fcrftig sein und dem katholischen Glauben angeh\u00f6ren. Fugger wollte zudem, dass die Bewohner der Siedlung drei Gebete am Tag sprechen, das Vaterunser, ein Ave-Maria und ein Glaubensbekenntnis. Das sei auch bis heute so, pr\u00fcfen w\u00fcrde man diese Voraussetzung aber nicht.<\/p>\n<p>Jeder Bewohner bekomme zum Einzug zudem einen Abdruck des Portraits von Jakob Fugger. Das Original wurde einst von <a href=\"https:\/\/www.nordbayern.de\/nuernberg\/nurnbergs-grosster-promi-markus-soder-muss-sich-geschlagen-geben-jemand-anderes-ist-viel-beruhmter-rep-1-1.14528524\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">N\u00fcrnbergs gr\u00f6\u00dftem Promi<\/a>, Albrecht D\u00fcrer, angefertigt.<\/p>\n<p>Vor Ort w\u00fcrden sich Sozialarbeiter um neue Bewerbungen, Vermittlungen und die B\u00fcrokratie k\u00fcmmern, hei\u00dft es in einem Artikel der Deutschen Welle (dw).<\/p>\n<p>Aus den Erz\u00e4hlungen der Bewohner geht hervor, dass man sich in der Fuggerei gegenseitig helfe, so koche eine Bewohnerin ab und zu auch f\u00fcr die \u00e4lteren Menschen in der Siedlung mit, erz\u00e4hlt sie in einer Reportage des ZDFheute.<\/p>\n<p>Um 22 Uhr werden die Tore der Siedlung geschlossen. Wenn ein Bewohner dann noch in die Fuggerei zur\u00fcckkehren m\u00f6chte, muss er einem Nachtw\u00e4chter einen Betrag von 50 Cent bezahlen.<\/p>\n<p>                                                        \u00c4lteste Sozialsiedlung der Welt &#8211; So wird die Fuggerei in Bayern finanziert<\/p>\n<p>Anfangs wurde die Fuggerei aus den Zinsertr\u00e4gen des Stiftungskapitals finanziert, hei\u00dft es seitens der Stiftung. 1660 wurde das gesamte Kapital in die Grundherrschaft investiert, seitdem nutze man die daraus folgenden Ertr\u00e4ge.<\/p>\n<p>Seit Ende des 18. Jahrhunderts stammen die Ertr\u00e4ge \u00fcberwiegend aus Investitionen in die Forstwirtschaft. Zum heutigen Zeitpunkt sollen 70 Prozent der Einnahmen aus der Forstwirtschaft, 10 Prozent aus Immobilienbesitz au\u00dferhalb der Fuggerei und 20 Prozent aus Eintrittsgeldern in die Museen der Fuggerei stammen. Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) aus dem Jahr 2021 sei die Siedlung mit mehr als 200 000 Besuchern pro Jahr eine der gr\u00f6\u00dften Touristenattraktionen Augsburgs.<\/p>\n<p>Als die Fuggerei ihr Jubil\u00e4umsjahr vom August 2021 bis Juni 2022 feierte, stellten die Verantwortlichen zudem ihre Ideen f\u00fcr eine Fuggerei der Zukunft vor. Es bestehe der Wunsch nach Fuggereien \u00fcberall auf der Welt. Dabei sollten die lokalen Begebenheiten ber\u00fccksichtigt werden. Das Konzept \u201eFuggerei Next500\u201c solle den Auftrag der Fuggerei weiterentwickeln und \u201esie als Vorbild f\u00fcr soziale Innovation global zur Wirkung zu bringen\u201c, hei\u00dft es auf der Seite der Stiftung.<\/p>\n<p><strong>Immer topaktuell informiert bleiben \u00fcber die wichtigsten Themen aus der Region?<\/strong> \u00dcber unseren WhatsApp-Kanal erfahren Sie alle Neuigkeiten aus erster Hand.<\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/whatsapp.com\/channel\/0029VaEwabi7T8bcjUgA9L3C\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hier<\/a><\/strong> geht es direkt zum WhatsApp-Channel &#8211; eine \u201eSchritt f\u00fcr Schritt\u201c-Anleitung finden Sie <strong>hier<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8211; Vor \u00fcber 500 Jahren gr\u00fcndete der damals wohl reichste Mann der Welt eine Wohnsiedlung f\u00fcr bed\u00fcrftige Menschen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":621196,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1846],"tags":[680,772,3364,29,548,663,3934,30,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-621195","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-augsburg","8":"tag-augsburg","9":"tag-bayern","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europe","15":"tag-germany","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115657668354744767","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/621195","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=621195"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/621195\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/621196"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=621195"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=621195"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=621195"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}