{"id":621998,"date":"2025-12-04T05:28:14","date_gmt":"2025-12-04T05:28:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/621998\/"},"modified":"2025-12-04T05:28:14","modified_gmt":"2025-12-04T05:28:14","slug":"am-herd-in-der-john-cranko-schule-was-junge-taenzer-essen-sollten-und-was-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/621998\/","title":{"rendered":"Am Herd in der John-Cranko-Schule: Was junge T\u00e4nzer essen sollten (und was nicht)"},"content":{"rendered":"<p>Ihr Motor ist die Leidenschaft, doch gerade dieser Antrieb braucht besten Kraftstoff. Ballettt\u00e4nzer und vor allem -t\u00e4nzerinnen sollen auf der B\u00fchne schwerelos aussehen, als w\u00fcrde keine Anstrengung hinter ihrer Kunst stecken. Dabei ist der klassische B\u00fchnentanz Hochleistungssport und will einen K\u00f6rper, der optimal versorgt ist. <\/p>\n<p>Gute Ern\u00e4hrung spielt da eine zentrale Rolle, ganz besonders, wenn man f\u00fcr den Ballettnachwuchs kocht, wie es Frank Bellmann seit f\u00fcnf Jahren in der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/John-Cranko-Schule\" title=\"John-Cranko-Schule\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">John-Cranko-Schule<\/a> (JCS) tut. Weil sich viele der jungen Talente noch im Wachstum befinden, sind gesunde Mahlzeiten besonders wichtig. Doch wer selbst zu Hause Kinder zu Tisch bittet, wei\u00df, dass es gar nicht so leicht ist, mit einem gesunden Essen f\u00fcr strahlende Gesichter zu sorgen.<\/p>\n<p>Gekocht wird an sieben Tagen in der Woche <\/p>\n<p>Frank Bellmann, der mit einem insgesamt achtk\u00f6pfigen Team an sieben Tagen die Woche jeweils drei Mahlzeiten auftischt, wagt dennoch auch mal Neues. \u201eHeute gibt es gebratene Nudeln und zum ersten Mal Ente\u201c, verr\u00e4t der Koch, als ihm Reporterin und Fotograf in die T\u00f6pfe schauen d\u00fcrfen. Es ist ein Donnerstag. \u201eDas ist unser Asia-Tag\u201c, sagt der K\u00fcchenchef, der mit solchen Angeboten darauf reagiert, dass in der weltweit renommierten Ballettschule aktuell 31 Nationalit\u00e4ten unterrichtet werden, ein Viertel davon kommt aus dem asiatischen Raum.<\/p>\n<p>Seit 6 Uhr steht Frank Bellmann in der schicken <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/K%C3%BCche\" title=\"K\u00fcche\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">K\u00fcche<\/a> des JCS-Neubaus an der Stuttgarter Werastra\u00dfe. Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck f\u00fcr die 80 Internatssch\u00fclerinnen und -sch\u00fcler gilt es, rund hundert Mittagessen auf den Tisch zu zaubern. Auch die externen Ballettkinder holen sich in der schlicht, aber schick m\u00f6blierten Mensa Energie f\u00fcr den bevorstehenden Unterricht am Nachmittag.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/media.media.2a5a510b-c2a1-44b6-9eb2-7ed9ce171c91.original1024.media.jpeg\"\/>     Frank Bellmann setzt auf frische Zutaten.    Foto: Lichtgut\/Julian Rettig    <\/p>\n<p>\u201eWir kochen wie f\u00fcr Sportler, alles muss besonders frisch und abwechslungsreich sein\u201c, bringt der K\u00fcchenchef seine Aufgabe auf einen Nenner. Kommt einer der Lieferanten mit Gem\u00fcse oder Obst an, das nicht den Qualit\u00e4tsanspr\u00fcchen Frank Bellmanns gen\u00fcgt, l\u00e4sst er die Ware zur\u00fcckgehen. M\u00f6glichst regional und saisonal sollte alles sein. Schlie\u00dflich schaden lange Wege und Lagerung dem Vitamingehalt. Doch heute hat der Koch eine Kiste mit Paprika vor sich stehen, die alle aussehen, als seien sie gerade eben geerntet worden.<\/p>\n<p>Alles mit H\u00e4hnchen kommt gut an <\/p>\n<p>Auf die Frage nach den Tricks der Speiseplan-Gestaltung antwortet Frank Bellmann: \u201eWir sehen an den Resten, was gut ankommt und was nicht so gut geht.\u201c Sp\u00e4testens nach dem Mittagessen, das \u00fcber einen Zeitraum von zweieinhalb Stunden angeboten wird, wei\u00df er dann auch, ob die Ente eine prima Wahl war. Die Chancen stehen gut. \u201eAlles mit H\u00e4hnchen kommt an\u201c, sagt der K\u00fcchenchef zu den Vorlieben seiner G\u00e4ste. \u201eDas ist praktisch, denn Gefl\u00fcgel enth\u00e4lt viel Eiwei\u00df, und die Eiwei\u00dfdeckung ist wichtig f\u00fcr den Muskelaufbau\u201c, erkl\u00e4rt Frank Bellmann. Neben hellem Fleisch setzt er auf Kichererbsen, Frischk\u00e4se oder Feta als Quelle f\u00fcr den erh\u00f6hten Proteinbedarf von T\u00e4nzern.<\/p>\n<p>Der 37-j\u00e4hrige Koch, der aus der Gastronomie kommt, hat sich sein Wissen \u00fcber die beste Ern\u00e4hrung f\u00fcr Ballettsch\u00fcler selbst erarbeitet. In seine T\u00e4tigkeit flie\u00dfen auch die Erfahrungen ein, die an der JCS \u00fcber Jahre hinweg in Gespr\u00e4chen mit Ern\u00e4hrungsberatern gesammelt wurden, wie Direktor Tadeusz Matacz unterstreicht. \u201eWir haben zwar kein eigenes Fach daf\u00fcr, aber Ern\u00e4hrungsfragen sind auch im Unterricht ein wichtiges Thema\u201c, sagt Matacz und erl\u00e4utert, warum er Aufkl\u00e4rung f\u00fcr so wichtig h\u00e4lt: \u201eKinder werden heute durch die Werbung bombardiert mit Zucker, Farbstoffen, Geschmacksverst\u00e4rkern. Sie m\u00fcssen wissen, was ihnen guttut.\u201c<\/p>\n<p> Fertiggerichte sind tabu <\/p>\n<p>Fertiggerichte geh\u00f6ren eher nicht dazu, deshalb sind sie in der K\u00fcche von Frank Bellmann tabu. \u201eEs w\u00fcrde viel zu lange dauern, st\u00e4ndig die Zutatenlisten zu studieren. Au\u00dferdem sind wir zwei K\u00f6che, die gern selbst Hand anlegen\u201c, sagt er. So hat er zudem den besten \u00dcberblick \u00fcber die Zutaten, \u00fcber Fette zum Beispiel. \u201eJeder Mensch braucht sie, aber es sollten unges\u00e4ttigte Fetts\u00e4uren sein, wie sie zum Beispiel Lachs hat\u201c, sagt der Koch und erg\u00e4nzt: \u201eFrittiertes enth\u00e4lt dagegen eher ungesundes Fett, deshalb frittieren wir gar nicht.\u201c<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/media.media.108375d8-e9c9-4960-80a5-c62ed18221a6.original1024.media.jpeg\"\/>     Schuldirektor Tadeusz Matacz    Foto: Lichtgut\/Julian Rettig    <\/p>\n<p>Auf Pommes will Frank Bellmann dennoch nicht komplett verzichten; schlie\u00dflich kocht er f\u00fcr junge Menschen. Sein Kompromiss: \u201eWenn, dann gibt es Ofenpommes oder noch besser im Ofen gebackene Kartoffeln, bei denen wir besser steuern k\u00f6nnen, wie viel Fett wir nehmen.\u201c Aus demselben Grund ersetzt er Mayonnaise in Wraps durch k\u00f6rnigen H\u00fcttenk\u00e4se, der sehr viel Protein enth\u00e4lt. \u201eDas ist ges\u00fcnder, ohne dass es \u00fcberhaupt jemand bemerkt\u201c, lautet der Tipp des K\u00fcchenchefs.<\/p>\n<p> Gro\u00dfe Auswahl am Morgen <\/p>\n<p>Beim Fr\u00fchst\u00fccksb\u00fcffet muss Frank Bellmann R\u00fccksicht auf unterschiedlichste Energiebedarfe nehmen. Die J\u00fcngeren werden am Vormittag die Schulbank dr\u00fccken, die Akademie-Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sind vielleicht auch k\u00f6rperlich gefordert. \u201eUm 6 Uhr geht\u2019s los. Wir setzen auf eine gro\u00dfe Auswahl an M\u00fcsli, Br\u00f6tchen und viel frisches Obst\u201c, sagt der K\u00fcchenchef. Bis 20.30 Uhr, wenn das Abendessen beendet ist, wird in seiner K\u00fcche Betrieb sein.<\/p>\n<p>Eine gute Balance zu finden zwischen dem, was dem Ballettnachwuchs schmeckt, und dem, was ihm auch guttut, ist der Spagat, den Frank Bellmanns Team beherrschen muss. Der Pasta-Tag am Beginn der Woche ist ein gutes Beispiel; er ist beliebt und liefert schnelle Kohlenhydrate. \u201eKartoffeln sind da zwar besser, weil sie \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum Energie geben\u201c, sagt der K\u00fcchenchef, aber Vielfalt ist ebenfalls wichtig.<\/p>\n<p> Die Verlockungen der Stuttgarter City  <\/p>\n<p> Sollte jemand mal nicht nach seinem Gusto satt werden, gibt es im Internatsbereich zwei K\u00fcchen, in denen sich Sch\u00fcler \u00fcber das Angebot der Kantine hinaus selbst versorgen k\u00f6nnen. \u201eIch sehe da viel Nudel-Pakete und die bei Asiaten beliebten Reiskocher\u201c, sagt Tadeusz Matacz.<\/p>\n<p>Und dann gibt es noch die Verlockungen drau\u00dfen in der City f\u00fcr die Neuank\u00f6mmlinge aus anderen Kulturen. Wer zum Beispiel Mehl, Milch und viel Zucker nicht gewohnt ist, der wird Geb\u00e4ck und Kuchen sehr lecker finden. Doch die negativen Gewichtseffekte seien nach wenigen Wochen zu sehen, sagt Direktor Tadeusz Matacz \u2013 und dann sei der Moment f\u00fcr ein Gespr\u00e4ch gekommen. Pr\u00e4ventive Warnungen h\u00e4lt er f\u00fcr nicht angemessen: \u201eJede und jeder muss seine eigenen Fehler machen d\u00fcrfen.\u201c Die Schule hat aber auch eine F\u00fcrsorgepflicht, muss also ihre Sch\u00fctzlinge vor Schaden bewahren. <\/p>\n<p> Im Speisesaal f\u00fchren Erzieherinnen und Erzieher Aufsicht, und haben einen Blick darauf, ob sich alle gesund ern\u00e4hren. Auch die Ballettp\u00e4dagogen erkennen im t\u00e4glichen Umgang mit ihren Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern rechtzeitig die Warnzeichen von Essst\u00f6rungen wie der Magersucht. Neben den psychischen Folgen kann eine verminderte Nahrungsaufnahme Mangelerscheinungen bewirken, die Verletzungen zur Folge haben. <\/p>\n<p>Tadeusz Matacz ist froh \u00fcber die geringe Zahl an Anorexie-F\u00e4llen in der JCS, w\u00e4hrend andere Ballettschulen f\u00fcr Schlagzeilen sorgten. \u201eAber leider kommen Essst\u00f6rungen auch bei uns vor\u201c, sagt der Direktor, betont jedoch: \u201eDer K\u00f6rper ist das Instrument der T\u00e4nzer, unser einziges. Das m\u00fcssen wir entsprechend gut pflegen. Herr Bellmann hilft mit der richtigen Ern\u00e4hrung dabei, das ist sehr wichtig. Denn T\u00e4nzer k\u00f6nnen nicht wie ein Pianist einfach das Instrument wechseln.\u201c<\/p>\n<p> Wo Kalorien zu Spitzenkunst werden <\/p>\n<p>Die Ente kam \u00fcbrigens sehr gut an. \u201eDie wird es sicher mal wieder geben\u201c, sagt Frank Bellmann. Wie gut sein Team kocht, l\u00e4sst sich auch bei den Auftritten der JCS im Opernhaus bestaunen. Dann verwandelt der Ballettnachwuchs Kalorien in Spitzenkunst. \u201eVor allem die Matinee der Schule vor den Sommerferien ist f\u00fcr mich das Highlight des Jahres\u201c, sagt der K\u00fcchenchef.<\/p>\n<p> John-Cranko-Schule: Mit Mensa zu Weltruhm  <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Alles veggie?<\/strong><br \/>F\u00fcnf der 80 Cranko-Internatssch\u00fcler sind Vegetarier. \u201eF\u00fcr sie machen wir aus dem Fleischgericht, das wir t\u00e4glich anbieten, eine vegetarische Variante. Neben der klassischen Lasagne gibt es dann zum Beispiel eine vegetarische mit Linsen oder Tofu\u201c, sagt Frank Bellmann.<\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Schule<\/strong><br \/>1971 gr\u00fcndete der Stuttgarter Ballettdirektor John Cranko eine Schule, um den eigenen Nachwuchs auszubilden. Die 1974 nach ihm benannte Einrichtung war die erste in Westdeutschland, die einen Berufsabschluss f\u00fcr B\u00fchnent\u00e4nzer erm\u00f6glichte. Heute geh\u00f6rt sie zu den weltweit renommiertesten Ausbildungszentren ihrer Art. Seit 1999 ist Tadeusz Matacz Direktor der Schule, die seit 2020 im Neubau zwischen Wera- und Urbanstra\u00dfe untergebracht ist. 2026 wird Elisa Carillo Cabrera seine Nachfolgerin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ihr Motor ist die Leidenschaft, doch gerade dieser Antrieb braucht besten Kraftstoff. 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