{"id":622228,"date":"2025-12-04T07:53:12","date_gmt":"2025-12-04T07:53:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/622228\/"},"modified":"2025-12-04T07:53:12","modified_gmt":"2025-12-04T07:53:12","slug":"wahrheitsministerium-in-frankreich-macron-weist-vorwuerfe-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/622228\/","title":{"rendered":"Wahrheitsministerium in Frankreich? Macron weist Vorw\u00fcrfe zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Koks im Nachtzug, der Kauf eines James-Bond-Autos und Zweifel am Geschlecht seiner Ehefrau: Frankreichs Pr\u00e4sident <strong>Emmanuel Macron<\/strong> hat mit vielfach verbreiteten Falschnachrichten \u00fcber sich und seine Familie Erfahrung. Seinen Kampf dagegen hat er schon vor Jahren begonnen, doch in der vergangenen Woche hat sich das Thema zugespitzt. Derzeit kursiert eine Petition der konservativen Republikaner, die Macron vorwirft, sich als &#8222;Oberzensor&#8220; aufzuspielen.<\/p>\n<p>Demnach soll er auch Medien in gute und schlechte Publikationen einzustufen. &#8222;Das ist ein Skandal, weil der Pr\u00e4sident dazu kein Mandat hat&#8220;, hei\u00dft es in dem Aufruf, den innerhalb von zwei Tagen 40.000 Menschen unterzeichnet haben. Tats\u00e4chlich hatte Macron gar nicht davon gesprochen, staatliche Glaubw\u00fcrdigkeitsbescheinigungen an Medien verteilen zu wollen. Er hatte vielmehr in mehreren Gespr\u00e4chsrunden mit Leserinnen und Lesern von Regionalzeitungen eine Idee aufgegriffen, die er seit 2018 verfolgt, n\u00e4mlich eine Art Selbstkontrolle der Medien, um Fake News einzud\u00e4mmen.<\/p>\n<p>&#8222;Wir bem\u00fchen uns, ein Label auf den Weg zu bringen&#8220;, hatte Macron gesagt. Dabei sei es wichtig, &#8222;dass dies Experten \u00fcbernehmen&#8220;, f\u00fcgte er hinzu. Ziel sei es, Websites zu unterscheiden, die mit personalisierter Werbung Geld machen und solche, die Informationen verbreiten. Dabei k\u00f6nne es nicht die Regierung sein, die dies \u00fcberpr\u00fcfe. &#8222;Sonst w\u00e4re es eine Diktatur&#8220;, betonte Macron im Gespr\u00e4ch mit den Zeitungsleserinnen und -lesern.<\/p>\n<p>    Desinformation gegen Kampf gegen Desinformation eingesetzt<\/p>\n<p>Diese Einschr\u00e4nkung fiel in den Medien, die zur Gruppe des Rechtsau\u00dfen-Milliard\u00e4rs <strong>Vincent Bollor\u00e9<\/strong> geh\u00f6ren, schnell unter den Tisch. Genau das, was Macron ausschlie\u00dfen wollte, wurde ihm nun zum Vorwurf gemacht. &#8222;Auf dem Weg zur Informationskontrolle&#8220; titelte die Zeitung Le Journal du Dimanche am vergangenen Sonntag. &#8222;Wie der Pr\u00e4sident die Medien auf Linie bringen will&#8220;, so der Untertitel.<\/p>\n<p>Macron tr\u00e4ume von einer franz\u00f6sischen &#8222;Prawda&#8220; oder auch von einem &#8222;Ministerium der Wahrheit&#8220;, war in dem Blatt zu lesen &#8211; und seitdem aus dem Mund zahlreicher rechtspopulistischer Politiker zu h\u00f6ren. In dem zukunftspessimistischen Roman &#8222;1984&#8220; von <strong>George Orwell <\/strong>ist das &#8222;Ministerium der Wahrheit&#8220; daf\u00fcr zust\u00e4ndig, alle Texte immer so umzuschreiben, dass sie zur Parteilinie passen. Die urspr\u00fcnglichen Versionen werden vernichtet.<\/p>\n<p>Der Elys\u00e9e sah sich zu einem Dementi gen\u00f6tigt und ver\u00f6ffentlichte einen Zusammenschnitt der gr\u00f6bsten Vorw\u00fcrfe &#8211; gefolgt von Ausz\u00fcgen aus Macrons Debatte, die den Anlass dazu geliefert hatte. &#8222;Wenn ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Desinformation zu Desinformationen f\u00fchrt&#8220;, lautete die \u00dcberschrift. Die Regierung plane &#8222;kein Label f\u00fcr die Medien&#8220; und &#8222;erst recht kein Wahrheitsministerium&#8220;, bekr\u00e4ftigte Regierungssprecherin Maud Bregeon am Dienstag.<\/p>\n<p>Umstrittene Zertifikate<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich existiert eine Art Label f\u00fcr vertrauensw\u00fcrdige Medien bereits seit 2021. Die &#8222;Journalism Trust Initiative&#8220;, an der die Organisation Reporter ohne Grenzen, die Nachrichtenagentur AFP, der britische Sender BBC und zahlreiche weitere Medien beteiligt sind, hat sich zum Ziel gesetzt, die Arbeitsweise von Medien zu beurteilen. Dabei geht es nicht um Inhalte, sondern um Transparenz und ethisch vertretbare Methoden.<\/p>\n<p>Aber auch unter Medienschaffenden sind solche Regulierungsversuche umstritten. Eine &#8222;nur scheinbar gute Idee&#8220;, meint etwa die franz\u00f6sische Journalistengewerkschaft SNJ. Der Philosoph Pierre-Henri Tavoillot \u00e4u\u00dfert sich ebenfalls skeptisch: &#8222;Am Ende bleibt die Frage: Wer beaufsichtigt die Aufseher?&#8220;, schrieb er in der Zeitung Le Figaro.<\/p>\n<p>Macron treibt die Frage nach einem Umgang mit Falschinformationen schon lange um &#8211; und die Idee einer Selbstregulierung der Medien ist nur eine von vielen. Demn\u00e4chst will er ein neues juristisches Eilverfahren auf den Weg bringen, um Fake News im Internet schneller bek\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und auch die Jugend hat er im Blick: Frankreich will sich im kommenden Jahr an einem europ\u00e4ischen Pilotvorhaben beteiligen, um die Altersgrenze f\u00fcr die Nutzung sozialer Medien besser zu kontrollieren. Und das Mobiltelefonverbot an Schulen &#8211; auch au\u00dferhalb des Unterrichts &#8211; soll bis zur Oberstufe ausgeweitet werden. Das Thema wird in Frankreich voraussichtlich noch h\u00e4ufig f\u00fcr heftige Debatten sorgen.<\/p>\n<p>Von Francesco Fontemaggio und Ulrike Koltermann\/AFP<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Koks im Nachtzug, der Kauf eines James-Bond-Autos und Zweifel am Geschlecht seiner Ehefrau: Frankreichs Pr\u00e4sident Emmanuel Macron hat&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":622229,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,548,663,3934,3980,156,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-622228","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-france","14":"tag-frankreich","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115660220219792091","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/622228","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=622228"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/622228\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/622229"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=622228"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=622228"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=622228"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}