{"id":622284,"date":"2025-12-04T08:28:12","date_gmt":"2025-12-04T08:28:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/622284\/"},"modified":"2025-12-04T08:28:12","modified_gmt":"2025-12-04T08:28:12","slug":"nach-rekordpreisen-wie-steht-es-um-den-kunstmarkt-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/622284\/","title":{"rendered":"Nach Rekordpreisen: Wie steht es um den Kunstmarkt 2025?"},"content":{"rendered":"<p>Seit 2022 hatte die scheinbar stetige Erfolgskurve der Kunstmarktpreise eine deutliche Delle: In der Folge von Corona, aber auch unter dem Eindruck weltweiter Kriege und Krisen, sanken die Ums\u00e4tze der internationalen Kunstauktionen bis zum vergangenen Fr\u00fchjahr um ein Viertel. Von Rekorden keine Spur! Doch in diesem Herbst \u00e4nderte sich das pl\u00f6tzlich: Gustav Klimts &#8222;Bildnis der Elisabeth Lederer&#8220; wurde in New York mit 236 Millionen Dollar zum zweitteuersten Gem\u00e4lde aller Zeiten. Frida Kahlo ist jetzt die &#8222;teuerste&#8220; K\u00fcnstlerin mit 55 Millionen. Und heute Abend stehen bei Karl und Faber und morgen bei Ketterer in M\u00fcnchen Auktionen an, bei denen auch hohe Preise erzielt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Ein doppelseitig bemalter Max Pechstein<\/p>\n<p>Angeboten wird etwa ein doppelseitig bemalter Max Pechstein &#8211; f\u00fcr den zwei bis drei Millionen Euro geboten werden k\u00f6nnten. Auf der einen Seite ein h\u00fcbsches Stillleben mit Fr\u00fcchten, auf der anderen aber ein erotisch aufgeladenes Hauptwerk des K\u00fcnstlers aus dem gleichen Jahr 1910: Inder mit Frauenakt. <\/p>\n<p>Das Gem\u00e4lde stamme aus einer Privatsammlung, sagt Agnes Thum, die Provenienzforscherin des Auktionshauses Ketterer. Als es 1986 aus dem Nachlass von Alfred Eisenlohr angekauft wurde, habe man entdeckt, dass es eigentlich zwei Gem\u00e4lde sind. Eisenlohr war einer der Teilhaber des Piper-Verlags in M\u00fcnchen. &#8222;Und er hatte dieses Werk schon sehr fr\u00fch, wahrscheinlich bald nach der Entstehung und direkt vom K\u00fcnstler gekauft. Wir haben, um herauszufinden, wann genau er das gekauft hat und wie die Umst\u00e4nde waren, im Nachlass des Piper-Verlags recherchiert, im Literaturarchiv in Marbach und haben einen sehr interessanten Schriftwechsel gefunden.&#8220;<\/p>\n<p>K\u00fcnstler wollten Material sparen<\/p>\n<p>K\u00fcnstler wie Max Pechstein mussten 1910 Material sparen. Er hatte deshalb den nackten Inder wei\u00df \u00fcberstrichen und auf die andere Seite das besser verk\u00e4ufliche Fr\u00fcchtestilleben aufgebracht, das Eisenlohr dann gekauft hatte. Indes: F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter wurde es ihm wohl unheimlich. Denn es habe den Verdacht gegeben, dass es 1915 in der Wohnung von Eisenlohr gespukt habe, erz\u00e4hlt Thum. Die Haush\u00e4lterin habe Schritte geh\u00f6rt. Eine Badewanne sei eingelassen gewesen. &#8222;Und Alfred Eisenlohr hat Angst um sein wertvolles Pechstein-Gem\u00e4lde bekommen. Und wir haben dann intern in der Provenienzabteilung schon immer den Witz gemacht, dass sich wahrscheinlich der \u00fcbermalte Inder auf diesem Gem\u00e4lde eine Badewanne eingelassen hatte, um sich von seiner Bemalung zu befreien.&#8220;<\/p>\n<p>Wer also morgen im Auktionshaus Ketterer in M\u00fcnchen den doppelseitigen Pechstein erwirbt, der bekommt gleich noch ein wenig Geisterwelt dazu. Heute Abend versteigert Rupert Keim bei Karl &amp; Faber ein weiteres Doppelbild aus der K\u00fcnstlergruppe &#8222;Die Br\u00fccke&#8220;. Hier wollte Ernst Ludwig Kirchner Leinwand sparen und malte auf die eine Seite bereits 1909 eine Landschaft sowie auf der anderen Seite 1931 in der Schweiz eine akrobatische T\u00e4nzerin. &#8222;Das hing jetzt 60 Jahre in Oberbayern in einem Haus. Und keiner hat das wirklich wahrgenommen \u00fcber die Jahrzehnte&#8220;, sagt der Auktionator Rupert Keim.<\/p>\n<p>2024 war verhalten, seit Sommer 2025 geht es aufw\u00e4rts<\/p>\n<p>Der Sch\u00e4tzpreis liegt hier \u00fcbrigens zwischen 800.000 und einer Million Euro. Wenn man beide Seiten gleichzeitig sehen will, m\u00fcsste man sie allerdings in eine Art Scharnier h\u00e4ngen. Oder man wechselt je nach Tageslaune und Jahreszeit die Seiten. Rupert Keim ist auch Pr\u00e4sident des Bundesverbandes Deutscher Kunstversteigerer. Seine abschlie\u00dfende Beurteilung f\u00fcr das Jahr 2024 f\u00e4llt eher zur\u00fcckhaltend aus. <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/kultur\/wie-der-kunstmarkt-auf-die-weltweiten-krisen-reagiert,Un8bdDI\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Der Auktionsmarkt<\/a> sei um 25 Prozent runtergegangen. &#8222;Aber in erster Linie wurden die sehr teuren Bilder \u2013 zehn Millionen Dollar aufw\u00e4rts \u2013 weniger verkauft. Was sich ganz gut gehalten hat, war der sogenannte Mittelmarkt, wie immer man ihn auch definiert, wir sagen Werke zwischen 10.000 und 50.000 Euro. Der hat sich solide gehalten.&#8220; <\/p>\n<p>Seit dem Sommer 2025 sp\u00fcre Keim aber generell &#8222;bei den Auktionen eine absolute Trendwende, die sich auch noch mal manifestiert hat in diesem Herbst. Die Auktionen gehen besser wieder.&#8220; Es werde mehr nachgefragt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit 2022 hatte die scheinbar stetige Erfolgskurve der Kunstmarktpreise eine deutliche Delle: In der Folge von Corona, aber&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":622285,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[2977,147383,57466,772,29,30,43144,1268],"class_list":{"0":"post-622284","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-auktion","9":"tag-auktionshaus-karl-und-faber","10":"tag-auktionshaus-ketterer","11":"tag-bayern","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-kunstmarkt","15":"tag-muenchen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115660357937773345","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/622284","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=622284"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/622284\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/622285"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=622284"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=622284"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=622284"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}