{"id":622364,"date":"2025-12-04T09:15:27","date_gmt":"2025-12-04T09:15:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/622364\/"},"modified":"2025-12-04T09:15:27","modified_gmt":"2025-12-04T09:15:27","slug":"die-europaeer-fuerchten-krieg-mit-russland-und-dass-sie-ihn-verlieren-wuerden-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/622364\/","title":{"rendered":"Die Europ\u00e4er f\u00fcrchten Krieg mit Russland \u2013 und dass sie ihn verlieren w\u00fcrden \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Die franz\u00f6sische Politikrevue \u201eLe Grand Continent\u201c ist eine der interessantesten medialen Neuerscheinungen der j\u00fcngeren Vergangenheit. Wo sonst liest man, um nur aktuelle Artikel zu erw\u00e4hnen, eine Untersuchung der Frage, ob die Volksrepublik China auch eine kulturelle Weltmacht werden kann, ebenso wie eine scharfsichtige Analyse der j\u00fcngsten Ausgabe des Magazins des russischen Au\u00dfenministeriums, das in einem Beitrag unter dem Titel \u201eBis zum \u00c4rmelkanal brennen?\u201c dieses bedrohliche Postulat formuliert: \u201eDie westlichen L\u00e4ndern sind stets mehr bereit, zuzuh\u00f6ren, wenn die russischen Truppen sich in Paris oder Berlin blicken lassen.\u201c<\/p>\n<p>Krieg mit Russland: das war vor Kurzem f\u00fcr die meisten Europ\u00e4er noch reine Fiktion. Nach bald vier Jahren Vernichtungskrieg gegen das ukrainische Volk und einer sich verst\u00e4rkenden Kampagne hybrider Kriegsf\u00fchrung gegen mehrere <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/eu\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" europ=\"\" f=\"\" krieg=\"\" mit=\"\" russland=\"\" und=\"\" dass=\"\" sie=\"\" ihn=\"\" verlieren=\"\" w=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU<\/a>-Mitgliedstaaten hat sich die Meinung ge\u00e4ndert. Laut einer heute, Donnerstag, ver\u00f6ffentlichten Umfrage im Auftrag von \u201eLe Grand Continent\u201c in neun EU-Staaten (Belgien, Deutschland, Frankreich, Niederlande, Italien, Polen, Portugal, Spanien und Kroatien) sehen 51 Prozent der Befragten ein hohes bis sehr hohes Risiko, dass Russland in den n\u00e4chsten Jahren ihrem Land Krieg erkl\u00e4ren wird.<\/p>\n<p>\u201eDieser Meinungsumschwung ist stark territorialisiert\u201c, h\u00e4lt der Umfragenleiter Jean-Yves Dormagen fest. 77 Prozent der Polen bewerten das Risiko eines neuen Krieges mit Russland mit hoch, fast die H\u00e4lfte davon mit sehr hoch. In den Niederlanden (59 Prozent), Belgien (58 Prozent), Frankreich (54 Prozent), Deutschland (51 Prozent) und sogar im fernen Spanien (49 Prozent) wird die Gefahr eines Kriegs gegen Russland ebenfalls von klaren absoluten oder relativen Mehrheiten als hoch bewertet.<\/p>\n<p>\u201eDas Barometer zeigt weitverbreitete Sorge, die hoch entwickelt, und politisch signifikant ist\u201c, schreibt Dormagen. \u201eDie russische Bedrohung ist hoch, aber die Europ\u00e4er f\u00fchlen sich schlecht ausgestattet, um alleine mit ihr zurande zu kommen.\u201c<\/p>\n<p>Denn das ist der zweite wesentliche Befund dieser Umfrage: das Vertrauen der Europ\u00e4er in ihre milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten ist \u00fcberall niedrig. 69 Prozent der Befragten gaben an, nicht zu glauben, dass ihr Land sich im Fall eines russischen Angriffes allein verteidigen k\u00f6nnte. Dabei tritt eine \u201eGeografie der wahrgenommenen Macht\u201c zutage, schreibt Dormagen. \u201eJene L\u00e4nder, die sich am wenigsten f\u00e4hig f\u00fchlen, sind dieselben, die mit geringster Wahrscheinlichkeit in eine direkte milit\u00e4rische Konfrontation mit Russland k\u00e4men. Geografische Entfernung setzt sich folglich in einen schwachen Glauben an die nationale Bereitschaft um.\u201c In Portugal (60 Prozent), Belgien (59 Prozent) und Italien (52 Prozent) gibt es starke Mehrheiten, die der Ansicht sind, ihre nationalen Armeen k\u00f6nnten sich \u201e\u00fcberhaupt nicht\u201c gegen einen russischen \u00dcberfall zur Wehr setzen.<\/p>\n<p>\u201eDieser Punkt legt eine zentrale strategische Schwachstelle offen\u201c, warnt Dormagen. \u201eDie Europ\u00e4er m\u00fcssen nun die M\u00f6glichkeit eines offenen Krieges mit Russland in Erw\u00e4gung ziehen, aber sie f\u00fchlen sich ungen\u00fcgend ger\u00fcstet, um auf ihrer nationalen Ebene zu antworten. Wir treten in ein Zeitalter der Gefahr, w\u00e4hrend wir das hartn\u00e4ckige Gef\u00fchl nationaler Schw\u00e4che versp\u00fcren.\u201c<\/p>\n<p>Eine Diagnose, die vermutlich auch der deutsche Bundeskanzler, <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/friedrich-merz\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" europ=\"\" f=\"\" krieg=\"\" mit=\"\" russland=\"\" und=\"\" dass=\"\" sie=\"\" ihn=\"\" verlieren=\"\" w=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Friedrich Merz<\/a>, teilt. \u201eDas imperialistische Russland strebt danach, seine Einflusszone weit \u00fcber das eigene Staatsgebiet hinaus in die Staaten Europas auszuweiten\u201c, warnt er in einem neuen Gastbeitrag in der \u201e<a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/faz\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" europ=\"\" f=\"\" krieg=\"\" mit=\"\" russland=\"\" und=\"\" dass=\"\" sie=\"\" ihn=\"\" verlieren=\"\" w=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Frankfurter Allgemeinen Zeitung<\/a>\u201c. \u201eMoskau bereitet sich milit\u00e4risch und die eigene Gesellschaft militaristisch auf einen Konflikt mit dem Westen vor. Ein solches Russland bedroht die europ\u00e4ische Freiheit und Sicherheit.\u201c <\/p>\n<p>Merz\u2018 Schlussfolgerung aus diesem Lagebild ist deutlich: beim Europ\u00e4ischen Rat \u00fcbern\u00e4chste Woche in Br\u00fcssel m\u00fcsse es gr\u00fcnes Licht f\u00fcr das EU-Hilfsdarlehen an die Ukraine geben, welches auf den eingefrorenen Verm\u00f6gen der russischen Zentralbank fu\u00dft. \u201eEs liegt damit in unserer Hand, nicht nur die Ukraine zu st\u00e4rken, sondern auch ein unmissverst\u00e4ndliches Signal an Moskau zu senden, dass eine Fortsetzung dieses Angriffskrieges sinnlos ist\u201c, mahnt er. \u201eDies ist ein Si\u00adgnal nicht zur Verl\u00e4ngerung dieses Kriegs, sondern zu seiner Beendigung. Wir senden ein Signal der Eigenst\u00e4ndigkeit Europas, ein Signal, dass wir Europ\u00e4er entscheiden und gestalten, was auf unserem Kontinent geschieht.\u201c <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die franz\u00f6sische Politikrevue \u201eLe Grand Continent\u201c ist eine der interessantesten medialen Neuerscheinungen der j\u00fcngeren Vergangenheit. 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