{"id":622372,"date":"2025-12-04T09:19:15","date_gmt":"2025-12-04T09:19:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/622372\/"},"modified":"2025-12-04T09:19:15","modified_gmt":"2025-12-04T09:19:15","slug":"rechte-in-frankreich-ist-die-brandmauer-laengst-gefallen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/622372\/","title":{"rendered":"Rechte: In Frankreich ist die \u201eBrandmauer\u201c l\u00e4ngst gefallen"},"content":{"rendered":"<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"0\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Der Applaus war h\u00f6flich, nicht \u00fcberw\u00e4ltigend. Als der Chef des rechtsextremen Rassemblement National (RN), Jordan Bardella, bei der Hauptveranstaltung des gr\u00f6\u00dften franz\u00f6sischen Arbeitgeberverbandes Medef sprach, gab er sich M\u00fche, als wirtschaftsfreundlicher Ansprechpartner aufzutreten. Er stehe f\u00fcr Ausgabenk\u00fcrzungen, die Senkung der Produktionskosten und der Unternehmensabgaben, versicherte der EU-Abgeordnete.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"1\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Trotzdem \u00fcberzeugte er nur m\u00e4\u00dfig. Diese Versprechen seien sch\u00f6n und gut, betonten sp\u00e4ter die Unternehmer im Publikum, aber Bardella blieb bei heiklen Themen \u2013 von der Rentenreform bis zur Besteuerung der Reichsten \u2013 schwammig. \u201eEs ist leicht zu sagen, die Betriebe m\u00fcssen laufen \u2013 das macht ihn noch nicht glaubw\u00fcrdig\u201c, sagte Sophie de Menthon, Chefin der Unternehmerlobby Ethic. Sie geh\u00f6rte im Januar 2022 zu den ersten Vertretern der Wirtschaftswelt, die direkt in den Dialog mit den franz\u00f6sischen Rechtsextremen traten.<\/p>\n<p>Rassemblement geht auf Distanz zur AfD<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"3\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Inzwischen folgten viele weitere. Bardellas Einladung zu den Wirtschaftstagen des Medef Ende August galt als selbstverst\u00e4ndlich. W\u00e4hrend in Deutschland der <a href=\"https:\/\/www.rundschau-online.de\/wirtschaft\/dpa-wirtschaft\/spd-und-cdu-begruessen-kursschwenk-der-familienunternehmer-1161010\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Verband \u201eDie Familienunternehmer\u201c<\/a> nach Protesten eine Kurskorrektur vornahm und von einer Ann\u00e4herung an die AfD Abstand nahm, ist die Brandmauer in Frankreich nicht nur am Br\u00f6ckeln, sondern l\u00e4ngst eingest\u00fcrzt. Umfragen zeigen, dass vor allem Kleinunternehmer dem RN mehr und mehr vertrauen.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"4\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Der Mitbegr\u00fcnder und langj\u00e4hrige Chef des damaligen Front National, Jean-Marie Le Pen, war noch ein Au\u00dfenseiter. Doch seine Tochter <a href=\"https:\/\/www.rundschau-online.de\/nach-verurteilung-in-frankreich-le-pen-vergleicht-sich-mit-martin-luther-king-1000051\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Marine Le Pen<\/a> leitete ab der \u00dcbernahme der Partei 2011 deren Normalisierung ein. Sie beschloss 2018 die Namens-\u00c4nderung, verbot Nazi-Symbole und offen rassistische oder antisemitische Aussagen und brach zeitweise mit ihrem Vater. Auch von der AfD distanzierte sich der RN im Europawahlkampf 2024.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"5\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Heute f\u00fchrt die Partei in Frankreich die Umfragen an. Bardella ist der beliebteste Politiker des Landes. Der 30-J\u00e4hrige hat gute Chancen bei der Pr\u00e4sidentschaftswahl 2027, falls Le Pen, aktuell RN-Fraktionschefin in der Nationalversammlung, aufgrund ihrer Verurteilung wegen der massiven Veruntreuung von EU-Geldern nicht kandidieren darf. Entschieden wird dies beim Berufungsprozess Anfang 2026.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"6\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Zwischen beiden Politikern herrscht eine Art Aufteilung. Le Pen bewirbt inzwischen zwar nicht mehr den Austritt Frankreichs aus der <a href=\"https:\/\/www.rundschau-online.de\/themen\/europaeische-union\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU<\/a> und der Euro-Zone. Doch ihr haftet der Ruf an, \u201esozialistisch\u201c zu sein, da sie als selbst ernannte Verteidigerin der \u201ekleinen Leute\u201c oft gegen \u201edie Finanz-Oligarchie\u201c wettert. Bardella hingegen, der durch seine Auftritte auf Tiktok viele j\u00fcngere Leute anzieht, soll neue W\u00e4hlerschichten erschlie\u00dfen, die bislang schwer erreichbar f\u00fcr die Rechtsextremen waren. Neben den Rentnern und der gut gebildeten Oberschicht geh\u00f6rt dazu auch das Wirtschaftsmilieu.<\/p>\n<p>\u201eBrief an die Unternehmer\u201c verspricht\u00a0Energie-Paradies<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"8\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">In einem \u201eBrief an die Unternehmer\u201c versprach er unter anderem, aus Frankreich dank des Baus neuer Atomreaktoren ein \u201eEnergie-Paradies\u201c zu machen und einen \u201epositiven Steuer-Schock\u201c mit deutlichen Senkungen auszul\u00f6sen. Hatte die Partei stets EU-Regeln bek\u00e4mpft, so plant sie erstmals, das Defizit Frankreichs unter das Maastricht-Kriterium von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu dr\u00fccken. Die RN-Fraktion stimmte zuletzt gegen eine Aussetzung der Rentenreform und eine Sondersteuer f\u00fcr Superreiche, die sie vor Monaten noch bewarb. So wagt die Partei einen weiten Spagat zwischen einer Politik f\u00fcr die Arbeiterklasse, ihrer Kernw\u00e4hlerschaft, und den Versprechen an die Wirtschaftselite. Das Programm sei nicht klar, sondern fluktuiere zwischen zwei Linien, kritisierte der Politologe und \u00d6konom Nicolas Bouzou. \u201eDer RN versucht, wie eine verantwortungsbewusste Partei aufzutreten, aber die Vorschl\u00e4ge bleiben widerspr\u00fcchlich zwischen liberalen Reden und sozialen oder identit\u00e4ren Ma\u00dfnahmen.\u201c<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"9\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Auch das Wirtschaftsprogramm \u00fcberzeuge bislang nicht: Es basiere, so kritisierten \u00d6konomen, auf einem fiktiven \u201espektakul\u00e4ren Wachstum\u201c sowie auf rechtlich fragw\u00fcrdigen Ma\u00dfnahmen wie der einseitigen K\u00fcrzung der franz\u00f6sischen Beitr\u00e4ge zum EU-Budget.<\/p>\n<p class=\"dm-paragraph my-8 dm-article-content-width\" index=\"10\" should-collapse-on-mobile=\"true\" has-padding=\"\" data-v-586984a4=\"\">Beim RN seien \u201egro\u00dfe Amateure\u201c am Werk, kritisierte der diesj\u00e4hrige Wirtschaftsnobelpreistr\u00e4ger Philippe Aghion. \u201eDas sind keine seri\u00f6sen Leute, sie sind unf\u00e4hig, Frankreich zu verwalten.\u201c Warum sie dennoch zunehmend Anklang finden, verriet ein Unternehmer anonym bei der Medef-Veranstaltung: Die anderen Parteien seien kaum glaubw\u00fcrdiger. Nicht der RN sei es, der die schwierige Finanzlage des Landes zu verantworten habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Applaus war h\u00f6flich, nicht \u00fcberw\u00e4ltigend. 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